Bernhard Peter
Historische heraldische Exlibris (69)

Exlibris von Otto Hupp:
Dieses Blatt (124 x 98 mm) ist ein heraldisches Exlibris für Wolfgang Pagenstecher (16.3.1880-26.12.1953) "von Warendorff", gezeichnet und gestochen von Otto Hupp (21.5.1859-31.1.1949). Das Blatt (Radierung, aus der Mappe "Zehn Exlibris") ist undatiert, aber mit den Initialen O und H unterhalb des kreisförmig umlaufenden Schriftbandes im Druck monogrammiert (Witte, Bibliographie 2, 60; Thieme-Becker 17; Vollmer 2; Gutenberg 4858 bzw. 4822). Es handelt sich um einen Nachdruck von 1948. Das Pagenstecher-Wappen ist geteilt, oben in Blau ein goldengeflügelter wachsender silberner Pegasus, unten in Silber ein balkenweise gelegter grüner Ast mit drei Stechpalmenblättern (Ilexblättern). Auf dem blau-silbern bewulsteten Helm mit blau-silbernen Decken wird ein wachsender, goldengeflügelter, silberner Pegasusrumpf geführt.

Wolfgang Pagenstecher wurde in Elberfeld geboren und starb in Düsseldorf, wo er gelebt hatte. Daß auf dem Exlibris "von Warendorff" steht, bezieht sich darauf, daß die Juristen- und Gelehrtenfamilie aus Warendorf/Westfalen stammt. Die Stammreihe beginnt nach älteren Überlieferungen mit Joachim Pagenstecher, 1360 Kaufherr und Bürgermeister in Warendorf. So steht es noch bei Pies, doch davon ist man nach neuerer Quellenlage abgerückt; die gesicherte Stammreihe beginnt 1457 mit Cort Pagensteker, einem Tuchschneider in Warendorf und Gildemeister. Durch Tuchhandel und Schneidern wurde die Familie wohlhabend und stieg in das Patriziat der Stadt auf, und im 15. Jh. finden wir Familienmitglieder unter den Ratsherren. Der erste der Familie im Bergischen war Arnold Gisbert Pagenstecher (-1688), kurbrandenburgischer Resident am pfalzneuburgischen Hof in Düsseldorf und Kurator der Universität Duisburg. Nach der Familientradition soll das Wappen dem Professor Ernst Alexander Pagenstecher zu Herborn (-1753) von seinem Landesherrn verliehen worden sein. Daß diese Angaben bei Pies nicht stimmen, sieht man an einem Siegel auf einer Urkunde vom 25.6.1631, in dem Dr. jur. Johann Pagenstecher (1575-1650), gräflich bentheimischer Kanzler, das Wappen bereits verwendet. Das Wappen ist redend, denn "Page" bedeutet im Mittelniederdeutschen "Pferd", und die Ilexblätter versinnbildlichen den Begriff „stechen" oder "stecken", so daß der Familienname entweder "Pferdestecher" bedeutet oder aber ein Herkunftsname ist für jemanden, der bei etwas wohnt, das für "Pferde abgesteckt" ist, also eine Weide oder Koppel. Die Familie teilte sich in eine ältere und eine jüngere Linie. Wolfgang Pagenstecher entstammt der älteren Linie. Er war Künstler (Maler von Landschaften, Tieren und Portraits) und Heraldiker und war vor allem im Bereich der rheinischen Kommunalheraldik tätig. Er plante ein umfassendes rheinisches Wappenbuch im Auftrag der Provinzialverwaltung, das jedoch wegen des Ausbruchs des Zweiten Weltkrieges unvollendet blieb. Er selbst besaß eine umfangreiche Sammlung von Wappenzeichnungen und Siegeln.

 

Exlibris von Otto Hupp:
Otto Hupp (21.5.1859-31.1.1949) zeichnete dieses herrlich detailreiche Bücherzeichen (ohne Jahr) für Dr. Wolfgang Wacker. Das Blatt ist im Druck rechts untern mit "OH" monogrammiert. Das Wappen ist geviert, Feld 1: in Schwarz ein silberner, golden bewehrter und rotgezungter Greif, der in seiner rechten Vorderkraue ein soldenes Zepter hält, Feld 2: in Gold ein wachsender, rot gekleideter und bärtiger Mann mit Hermelin-Aufschlägen an Ärmeln und Kragen, auf dem Kopf eine rote, mit Hermelinaufgeschlagene Spitzmütze tragend, den rechten Zeigefinger mahnend erhoben, die Linke am Gürtel, Feld 3: in Gold aus silbernen Wolken im linken Obereck hervorkommender, roter, gerüsteter Arm, der einen silbernen Krummsäbel mit goldenem Griff hält, Feld 4: in Schwarz auf silbernem Dreiberg ein goldner, rotgezungter Löwe, der in der rechten Vorderpranke einen silbernen Streikolben hält. Auf dem gekrönten Helm mit rot-goldenen Decken wird ein wachsender Mann wie in Feld 2 geführt, jedoch als Rumpf. Die Devise ist hinter dem Kopf des Kleinods auf einem Band zu lesen: "Wacker allzeit!"

 

Das in dieser Form nicht in den Standardsammlungen (Siebmacher, Rietstap, DWR) enthaltene Wappen erinnert stark an das Wappen der Familie Wacker von Wackenfels (Siebmacher III. 136 Oberpfälzische, Siebmacher Band: ÖSchl Seite: 142 Tafel: 76, Band: BayA3 Seite: 125 Tafel: 84, Band: Bg3 Seite: 55 Tafel: 59, Rietstap), zu dem es allerdings auch Unterschiede gibt, insbesondere die Schrägbalken in Feld 3, die Farben und Objekte im Detail, so hält der einwärtsgekehrte Greif einen Pusikan, der Löwe aber nichts, Feld 2 und 3 haben einen silbernen Hintergrund, und die Helmzier ist der silberne Greif wachsend. Das heißt, dieser bürgerliche Herr Wacker kannte eindeutig das Wappen der Familie Wacker von Wackenfels, die im 16./17. Jh. einige bedeutende Persönlichkeiten hervorgebracht hatte, und positionierte sich in haarscharfer gestalterischer Nähe, baute aber hinreichend Unterschiede ein, um nicht gleich zu sein. Dennoch hat diese Methode einen sehr strengen Geruch nach Quasi-Usurpation.

In der Zeit, als dieses Bücherzeichen entstand, gab es einen recht bekannten Dr. Wolfgang Wacker (1891-1982), den Geschäftsführer der Dr. Alexander Wacker Familiengesellschaft mbH in München (Wacker-Chemie GmbH), den jüngsten Sohn des Industrie- und Chemie-Pioniers und Gründers. Vielleicht gehörte ihm das Bücherzeichen (Hinweise willkommen), eine diesbezügliche Anfrage beim Unternehmen wurde nicht beantwortet.

Exlibris von Otto Hupp:
Das rechteckige, monochrome Exlibris für das Kloster Schäftlarn "Monast(erium): Schaeftlariense" ist eine Arbeit von Otto Hupp (1859-1949); das Blatt ist im Druck unter dem optisch linken Ruder mit "OH" monogrammiert (109 x 92 mm, Buchdruck, Witte, Bibliographie 2, 60; Thieme-Becker 17; Vollmer 2; nicht bei Gutenberg). Das undatierte Blatt ist 1924 entstanden. Es ist allgemein für das Kloster gestaltet ohne Bezugnahme auf einen bestimmten Abt. Der zentrale Wappenschild des Klosters Schäftlarn zeigt in Blau ein goldenes Ruderboot mit zwei ebensolchen Rudern, das vordere schrägrechts, das hintere schräglinks gestellt. Auf dem oberen Schildrand ruht eine Inful, geschmückt mit einer Stickerei der auf einer liegenden Mondsichel stehenden Himmelskönigin Maria mit Kind, eine Mondsichelmadonna oder Strahlenkranzmadonna. Hinter der Inful ragt senkrecht ein Krummstab mit abflatterndem Sudarium hervor. Dieses zentrale heraldische Element wird von den beiden Klosterheiligen flankiert, denn Kloster Schäftlarn wird auch Abtei zu den Heiligen Dionysius und Juliana genannt. Beide Heilige sind mit einer kleinen Inschrift namentlich bezeichnet. Der heilige Dionysius wird im Bischofsornat dargestellt, denn er war der erste Bischof von Paris, um ca. 250 n. Chr. Er war zudem ein Märtyrer, denn ihm wurde auf dem Richtplatz am Montmartre der Kopf abgeschlagen. Die Darstellung ist die eines  Cephalophoren (Kopfträgers), denn der Legende nach soll er seinen abgeschlagenen Kopf in die Hände genommen haben und so sechs Kilometer nach Norden gegangen sein zu der Stelle, wo er begraben werden wollte und wo später die Basilika Saint-Denis gebaut wurde, Grablege der französischen Könige. Üblich ist die Darstellung dieses Heiligen mit dem Kopf in den Händen. Hier entschied sich Otto Hupp für zwei Köpfe, einen im Zustand vor und einen im Zustand nach der Exekution, wobei der abgeschlagene Kopf auf einem horizontal gehaltenen Buch getragen wird. Auf der anderen Seite sehen wir die heilige Juliana von Nikomedia, die während der Christenverfolgungen unter den römischen Kaisern Diokletian und Maximian im Jahre 304 der unbelegten Überlieferung nach den Märtyrertod durch Folterung und Enthauptung erlitt. Hier wurde eine Darstellung mit Palmzweig in der Rechten gewählt, und mit der Linken hält sie ein an eine Kette gefesseltes, geflügeltes und gehörntes Teufelchen von reichlich betröppeltem Gesichtsausdruck fest. Alternative ikonographische Möglichkeiten für diese Heilige wären unter der Folter (nicht ganz so hübsch für ein Exlibris), oder mit Buch und Märtyrerkrone.

Kloster Schäftlarn, im Jahre 762 von einem Priester namens Waltrich als Benediktinerabtei gegründet und damit zu den bayerischen Urklöstern gehörend, erlosch während der Ungarnwirren, wurde 1140 als Prämonstratenser-Kloster (Augustinusregel) wiedergegründet, im frühen 19. Jh. säkularisiert, jedoch 1866 von König Ludwig I. von Bayern wieder als Benediktinerkloster mit Schulauftrag neugegründet. Einst gehörten der Abtei wichtige Güter im Isartal, auf denen heute die Stadt München erbaut ist. Am 17.4.1910 wurde Schäftlarn durch Prinzregent Luitpold wieder zur Abtei erhoben. Zum Zeitpunkt der Entstehung dieses Exlibris war der Augsburger Benediktiner Sigisbert I. Liebert (25.1.1851-26.3.1929) Abt. Er trat am 28.1.1872 in den Orden ein, war 1904-1910 Prior und wurde 1910 erster Abt der neugegründeten Abtei. Er setzte sich als Bibliophiler sehr für die Klosterbibliothek ein und erweiterte sie beträchtlich. MehrereBücherzeichen verschiedener Künstler wurden in seiner Amtszeit für die Abtei gestaltet.

   

Exlibris von Otto Hupp:
Dieses Blatt (127 x 99 mm) ist ein heraldisches Exlibris für Albert Freiherr von Botzheim (30.10.1868-5.8.1955), gezeichnet und gestochen von Otto Hupp (21.5.1859-31.1.1949). Das Blatt (Radierung, aus der Mappe "Zehn Exlibris") ist undatiert, aber mit den Initialen "OH" rechts unter dem letzten Schwung der Helmdecke im Druck monogrammiert (Witte, Bibliographie 2, 60; Thieme-Becker 17; Vollmer 2; Gutenberg 4823 bzw. 4822). Es handelt sich um einen Nachdruck von 1948. Ein zarter Rahmen aus Ästen und bogenförmigen Zweigen umgibt das zentrale Vollwappen.

Das Wappen der von Botzheim zeigt in Schwarz ein durchgehendes goldenes Kreuz, auf dem Helm mit schwarz-silbernen Decken eine wachsende, rotgezungte, silberne Bracke zwischen zwei goldenen Büffelhörnern. Das Wappen wird beschrieben im Siebmacher Band: Els Seite: 5 Tafel: 6, OstN Seite: 12 Tafel: 11, PoAE Seite: 4 Tafel: 1, Pr Seite: 96 Tafel: 124, außerdem im Münchener Kalender 1920 des gleichen Künstlers. Dieses Wappen kam erst in Gebrauch, als die Familie das Reichsschultheißenamt in Schlettstadt innehatte; vorher führte sie ein anderes Wappen. Anfangs waren verschiedene Kleinode in Gebrauch, erst Mitte des 15. Jh. setzte sich die Helmzier wie angegeben durch. Die Bracke war zuerst sitzend, später wachsend.

Die Familie ist in Baden, im Elsaß, am Oberrhein und in der Pfalz beheimatet. Ihre Mitglieder gehörten zur Reichsritterschaft an Mittel- und Oberrhein. Namengebender Sitz war Boozheim bei Schlettstatt. Im 14. Jh. traten die von Botzheim im Stadtregiment von Schlettstadt auf, wo sie namentlich das Reichsschultheißenamt lange bekleidet haben. im 15. Jh. breiteten sie sich in die Ortenau aus, kamen später in das Stadtregiment von Straßburg, Hagenau und sogar Frankfurt a. M. Anfang des 18. Jh. war die Familie in Westpreußen und in Kurland begütert. Die letzte Linie war die pfalzbayerische Linie, die über 200 Jahre lang in kurpfälzischen Hof- u. Verwaltungsdiensten gestanden hat, dort hatte sie auch im 18. Jh. das Majorat Wachenheim bei Worms. 

Albert Freiherr von Botzheim war Hofbeamter, Hofsekretär und Heraldiker. Er war der Sohn von Ferdinand von Botzheim (1837-1892) und Sophie Henriette Agathe de Rougemont (1845-1915). Alberts Vater war großherzoglich hessischer Oberleutnants und Herr auf Schloß und Gut Mattsies. Alberts Bruder war der Chef des Heereswaffenamtes Erich von Botzheim (1871-1958). Der Exlibriseigner, der in München erst in der Werthstraße, dann am Prannertor und schließlich in der Dallarmistraße wohnhaft war, heiratete am 16.10.1916 in München Hedwig Wilhelmina Gräfin Finck von Finckenstein (23.8.1867-19.9.1941), die Tochter von Georg Wilhelm Ernst Graf Finck von Finckenstein und Sophia Caroline Maria Emilie Hilarie Gräfin von Brühl. Albert Freiherr von Botzheim war eng mit Otto Hupp befreundet.

 

Exlibris von Otto Hupp:
Aus der Feder von Otto Hupp (21.5.1859-31.1.1949) stammt dieses reine Wappenexlibris für die Familie Rothenfelder ohne jeden anderen Schmuck, im Druck monogrammiert, aber undatiert. Eine Personalisierung durch einen Vornamen findet nicht statt; es ist ein minimalistisches Bucheignerzeichen, das den schwungvollen Wappenaufriß ganz für sich wirken läßt. Das Wappen zeigt in Rot ein auf eine Ecke schräggestelltes silbernes Mühlespielbrett, mit schwarzen Linien des Mühlespielfeldes. Damit ist es ein redendes Wappen, das den Namen in seine Einzelbestandteile "Rothen" = rote Farbe und "Felder" = (Spiel-)Feld zerlegt und neu kombiniert. Auf dem schwarz-silbern bewulsteten Helm wird zu rot-silbernen Decken ein wachsender, roter, silbern bewehrter und gekrönter Löwe zwischen einem silbernen Flug geführt. Das 1941 neu angenommene Wappen wird im Siebmacher Band: Bg14 Seite: 53 Tafel: 22 beschrieben.

Aus dieser Familie war Dr. Ludwig Rothenfelder (17.7.1884-13.7.1967) Hauptkonservator und Abteilungsdirektor am Germanischen Nationalmuseum Nürnberg. Nach dem Studium der Geschichte, Kunstgeschichte und Historischen Grundwissenschaften in München arbeitete er zunächst an der Bayerischen Staatsbibliothek und an der Universitätsbibliothek München und wechselte 1913 ans GNM. Er veröffentliche Schriften zu Geschichte und Heraldik, und er war Mitherausgeber von Siebmachers Wappenbüchern. Ludwigs Bruder war Otto Rothenfelder, Reichsbahninspektor in Landshut, mit den Söhnen Otto, Rudolf und Fritz. Die Führungsberechtigung erstreckte sich auch auf die Vettern 2. und 3. Grades, Dr. med. Eduard Rothenfelder, praktischer Arzt in Annweiler/Trifels und dessen Sohn Edi Rothenfelder.

Die Wurzel der Motivwahl für das 1941 angenommene Wappen liegt im 15. Jh. Kaiser Friedrich III. verlieh am 12.12.1442 dem Hans Ratfelder, Bürger von Innsbruck, ein Wappen mit einem "Newner". Die Farben waren freilich andere ("... einen Newner oben swarz vnd gelb steend in einem schilde oben geel vnd vnden swarz..."), aber unter einem "Newner" versteht man ein Mühlespiel, das mit neun Steinen gespielt wird. Hier scheint die Assoziation aber nicht von "-felder" -> Feld -> Spielfeld auszugehen, sondern von "Rat-" -> Rad -> Mühlrad -> Mühle -> Mühlespiel. Jederfalls wird das auf eine Ecke gestellte Mühlespielbrett von Hans Ratfelder, der mehrfach Bürgermeister von Innsbruck war, als Motiv im Siegel geführt. Von Hans Ratfelder (Ratvelder) sind Nachkommen über mehrere Generationen bekannt. Die Familie Rothenfelder, die das hier wiedergegebene Wappen angenommen führt, besitzt keine genealogische Anbindung an die Innsbrucker Familie, sondern stammt von Johann Konrad Rothenfelder ab, der in der Gegend von Oettingen in Schwaben lebte, griff aber die Idee auf. Die Helmzier ist dem Wappen der Ritter von Rothenfelder entlehnt, einem anderen Zweig, zu dem der kgl.-bayerische Geheimrat und Oberstaatsanwalt Otto Ritter von Rothenfelder und dessen Sohn Rudolf, Bankoberbeamter in München, gehören. So gesehen ist das neu angenommene Wappen ein Verschnitt aus Ideen aus bestehenden Rothenfelder-Wappen. Von Dr. Ludwig Rothenfelder stammt die Zusammenstellung aller Rothenfelder-Wappen im Siebmacher.

 

Exlibris von Otto Hupp:
Dieses Exlibris aus der Feder von Otto Hupp (21.5.1859-31.1.1949) ist im Druck monogrammiert, aber undatiert. Das Wappen für die Familie Bauer ist geteilt, oben ein wachsender, geflügelter Engel mit erhobenen Händen und mit über der Brust schräggekreuzten Bändern, im Haar ein kreuzbesetzter Reif, unten zwei Balken. Auf dem Helm wird ein stehender Bauer in kurzem Kittel und mit einer federbesteckten Kappe geführt, mit der Rechten einen Knotenstock aufstützend, mit der Linken eine Axt (Rodehaue) schulternd. Ohne Literaturbeleg, Tinkturen unbekannt, Hinweise willkommen.

 

Exlibris von Otto Hupp:
Otto Hupp (21.5.1859-31.1.1949) ist der Urheber dieses Exlibris für Hermann Struckmann; das undatierte Blatt ist im Druck links unten mit "OH" monogrammiert. Das Wappen zeigt in Silber auf einem grünen Dreiberg stehend einen um die Hüfte laubbekränzen, natürlichen, wilden Mann, in der ausgestreckten Rechten einen ausgerissenen Lindenbaum mit grünen Laub haltend, die Linke eingestemmt. Auf dem Helm mit silbern-roten Decken aus einem grünen Laubkranz zwischen zwei silbernen Büffelhörnern wachsend ein natürlicher, wilder Mann, in der ausgestreckten Rechten einen ausgerissenen Lindenbaum mit grünen Laub haltend, die Linke an der Hüfte. Das Wappen dieser evangelischen Osnabrücker Kaufmanns-Familie wird beschrieben im Siebmacher Band: Bg10 Seite: 85 Tafel: 95, dort wird auch noch ein Laubkranz im Haar angegeben, ferner ein rot-silberner Wulst unter Bezugnahme auf einen Roick-Aufriß. Hier hat der wilde Mann jedoch im Schild und in der Helmzier ein schmales, rotes Band im Haar, und der Hüftkranz wird anstelle des Wulstes benutzt. Als Stammvater gilt der 1577 lebende Hemme Struickmann. Bis ins 19. Jh. lebte die Familie fast ausschließlich in Osnabrück. Die Familie teilte sich in zwei Stämme, wovon der eine zu Anfang des 19. Jh. nach Bremen übersiedelte, aber 1904 im Mannesstamm erlosch. Der andere Zweig blieb in Osnabrück. Zunächst führte die Familie eine Hausmarke, nahm aber Anfang des 18. Jh. dieses Wappen an. In Osnabrück, wo die Familie einige Ratsmitglieder stellte, ist eine entsprechende Wappenschnitzerei am Kirchenstuhl der Familie zu sehen, die Roick zu besagtem Aufriß als Vorlage diente. Traditionell ergriffen die Familienmitglieder kaufmännische Berufe, später solche in Wissenschaft und Verwaltung, auch im Richteramt sehen wir Familienmitglieder.

Beginnen wir mit dem Osnabrücker Kaufmann Johann David Struckmann (1721-1784). Dessen Sohn war Johann Gerdt Struckmann (-15.3.1831), Sekretär des Magistrats Osnabrück. Dieser hatte vier Söhne und zwei Töchter. Einer dieser Söhne war Gustav Wilhelm Struckmann (31.10.1796-12.3.1840). Dieser heiratete am 3.6.1828 Sophie Johanna Charlotte Weber (19.5.1806-27.6.1866). Gustav Wilhelm Struckmann wurde Jurist und 1822 wirklicher Justizrat am Osnabrücker Gericht. Das Paar hatte vier Kinder: 1.) Gustav Struckmann (21.1.1837-28.10.1919), Politiker und 1875 Bürgermeister und 1885 Oberbürgermeister von Hildesheim, Ehrenbürger der Stadt Hildesheim, 2.) Johannes Struckmann (23.3.1829-12.5.1899), Jurist, Obergerichtsrat, Obertribunalrat, Oberverwaltungsgerichtsrat,  Präsident des Landgerichts Hildesheim, Präsident des Oberlandesgerichts kiel und danach Köln, außerdem Reichstagsabgeordneter für die Nationalliberale Partei, 3.) Hermann Struckmann, dazu unten mehr, und 4.) Dorothea Elisabeth Struckmann (19.4.1835-19.4.1870).

Hermann Carl Sigismund Struckmann (27.7.1839-20.12.1922) studierte Jura in Heidelberg, Berlin und Göttingen. Seine beruflichen Stationen waren 1866 Hilfsrichter am Obergericht Hannover, danach Amtsgericht Osnabrück, 1868 Amtsgerichtsassessor am Amtsgericht Emden, 1872 Obergerichtsassessor in Göttingen und Mitglied des Göttinger Obergerichts, 1877 Obergerichtsrat in Göttingen, 1879 Landgerichtsrat in Göttingen, 1884 Oberlandesgerichtsrat in Kiel und 1890-1907 Geheimer Regierungsrat sowie Vortragender Rat beim Reichsjustizamt. Er war an den Ausarbeitungen zum Bürgerlichen Gesetzbuch beteiligt. 1896 erhielt er die Ehrendoktorwürde der Universität Göttingen. Hermann Struckmann heiratete am 24.5.1870 Marie Babette Bertha von Gülich. Das Paar hatte fünf Kinder. Besagter Hermann Struckmann publizierte 1909 die Familiengeschichte.

 

Exlibris von Otto Hupp:
Dieses Blatt von Otto Hupp ist für die Bibliothek zu Priemern für Hans Georg Oeder. Als Jahreszahl wird auf einem unten an den Schild gehängten Schildchen 1539 angegeben. Das Wappen zeigt in Rot einen schwarzen Ochsenkopf mit ausgeschlagener, roter Zunge zwischen zwei voneinander abgekehrten, silbernen Beilen mit goldenen Stielen, auf dem Helm mit schwarz-silbernen Decken ein schwarzer Ochsenkopf zwischen zwei voneinander abgekehrten, auswärts gestellten, silbernen Beilen mit goldenen Stielen. Das gleiche Exlibris gibt es auch als farbigen Druck (ohne Abb.). Das Wappen wird beschrieben im Siebmacher Band: Bg10 Seite: 47 Tafel: 53, dort wird es ohne Kleinod abgebildet. Es wird einem Daniel Oeder, Genannter zu Nürnberg unter Bezugnahme auf das Wappenbuch der Genannten zugeordnet. Eine abweichende Version wird im Siebmacher Band: Bg1 Seite: 28 Tafel: 34 wiedergegeben für Martin Öder, Bürger in Nürnberg 1695, die Ohrringe des dort silbern angegebenen Büffelkopfes werden seitlich separat gesetzt, und in der Helmzier fehlen die Beile. Eine weitere Spur dieses Wappens ist im Siebmacher Band: BayA2 Seite: 165 Tafel: 102 zu finden. Dieser Eintrag bestätigt das Wappen wie zuerst beschrieben und beschreibt die Wappenverbesserung und -Vermehrung für den aus der Nürnberger Familie stammenden Georg Christian Oeder (1728-28.1.1791), kgl. dänischer Stiftsamtmann und herzoglich-Holstein-Oldenburgischer Landvogt, am 2.11.1784, als jener von Kaiser Joseph II. zu Wien mit dem Prädikat "Edler von" in den Reichsritterstand erhoben wurde. Das vermehrte Wappen sieht nun wie folgt aus: Blau-golden geviert mit silbernem Herzschild, darin ein hersehender, schwarzer Ochsenkopf zwischen zwei abgekehrten Beilen mit roten Heften, Feld 1 und 4: ein silberner Pflug, auf dessen Stiel ein runder grauer Hut hängt, Feld 2 und 3: eine fünfblättrige blaue Blume mit einem belaubten Stengel. Ein weiterer Vergleichsbeleg ist das Wappen "Eder" im Siebmacher V, Tafel 284, dort den ehrbaren Geschlechtern der Stadt Weißenburg in Franken zugerechnet. Das im Exlibris genannte Rittergut Priemern gehörte Mitte des 18. Jh. den von der Schulenberg, die das Herrenhaus errichteten, und die Parkanlage im englischen Stil gestalteten. Von 1913 bis 1945 war das Gut im Oeder’schen Besitz. Hans Georg Oeder erwarb circa 600 ha von der Familie von der Schulenberg. Unter ihm wurde das Gut neugestaltet, erweitert und modernisiert. Der Oeder’sche Besitz wurde nach dem Zweiten Weltkrieg verstaatlicht. Am 14.4.1997 wurde das Gut Priemern vom Landkreis Stendal an den Deutschen Paritätischen Wohlfahrtsverband übergeben.

 

Exlibris von Otto Hupp:
Dieses Blatt von Otto Hupp (21.5.1859-31.1.1949) entstand für die Kreller zu Khraeling; das Blatt ist im Druck mit "OH" monogrammiert, aber nicht datiert. Es ist bis auf das Vollwappen und die Eignernennung schmucklos. Das Wappen zeigt in Rot einen silbernen Fuchsrumpf mit zwei silbernen Gänseflügeln im Maul. Auf dem Helm mit rot-silbernen Decken wachsend ein silberner Fuchsrumpf mit zwei silbernen Gänseflügeln im Maul. Das Wappen der in Weischlitz, Krs. Plauen, ansässigen Familie wurde in die Deutsche Wappenrolle DWR unter der Nummer: 1009/20 aufgenommen, blieb aber dort unveröffentlicht. Im Archiv des Vereins Herold in Berlin gibt es eine Zeichnung, die auf einer Neubecker-Schablone basiert.

Johann August Kreller, Erb-, Lehn- und Gerichtsherr zu Kleincarsdorf bei Dresden hatte am 15.4.1842 den unteren Teil des Rittergutes Weischlitz von den Seckendorffschen Erben für 34305 Taler erworben. Er wurde am 10.10.1842 mit dem Gut belehnt. Ihm folgte auf dem Besitz sein ältester Sohn, Franz Gustav Emil Kreller (30.9.1811-3.3.1882). Dieser übernahm am 15.1.1844 Weischlitz und wurde am 15.4.1844 belehnt. Er heiratete am 2.7.1842 in Klingenthal Laura Amalie Glier (6.2.1821-5.2.1891), die Tochter von Carl Friedrich Glier (1786-1858) und Christiane Louise Herold (1800-1862). Er wurde Bonitierungskommissar, Ritter des kgl.-sächsischen Verdienstordens und war ab 1854 Abgeordneter der Ritterschaft des vogtländischen Kreises und 1868-1882 Landtagsabgeordneter. Er wohnte auf Oberweischlitz. Der älteste Sohn aus dieser Ehee war Christoph August Moritz Kreller (27.4.1843-30.3.1904). Er war Rittergutsbesitzer, Ritter des Kgl. Albrechtordens I. Klasse, Inhaber der silbernen Medaille für Verdienste um die Landwirtschaft und stellvertretender Kreisvereinsvorsitzender. Er heiratete am 8.10.1867 in Dresden Anna Auguste Schmalz (23.2.1848-16.4.1917), die älteste Tochter von Karl Franz Schmalz auf Gosswitz und Schöps zu Naußlitz bei Dresden. Einziger Sohn aus dieser Ehe war Franz Moritz Emil Kreller (8.1.1875-). Er war Oberleutnant in Leipzig und übernahm mit Auflassung vom 21.9.1904 das Rittergut Weischlitz.

Es gibt einen kgl.-sächsischen Wappenbrief für Franz Moritz Emil Kreller (später Kreller zu Khraeling/Kraehling), Hauptmann und Bezirksoffizier in Oelsnitz im Vogtland, Rittergutsbesitzer auf Weischlitz im Vogtland, in Anbetracht des fast 100jährigen Besitzes dieses Rittergutes und auf Grund seiner Abstammung von dem im 14. Jh. in Bayern nachweisbaren Patriziergeschlecht, unter Bestätigung des von diesen geführten Wappens, datiert vom 7.12.1912. Mit Verordnung des kgl. Sächsischen Ministerium des Innern vom 30.10.1916 erfolgte die "Wiederaufnahme" des Namens "Kreller zu Kraehling". Das Wappen besagten bayerischen Patriziergeschlechtes, auf das Bezug genommen wird, wird beschrieben Siebmacher Band: BayA1 Seite: 155 Tafel: 160. Hans Krällar war 1471 Landrichter zu Landau, Marx Kreller war 1565 Bürgermeister zu München. Interessant wäre der Beleg des genealogischen Zusammenhangs, den die Quellen schuldig bleiben. Solange dieser Beweis nicht erbracht wird, kann von einer "Wiederaufnahme" keine Rede sein, sondern es handelt sich um eine obrigkeitlich befürwortete und abgesegnete Usurpation.

Franz Moritz Emil Kreller zu Khraeling war jedenfalls Inhaber der silbernen Medaille für Verdienste um die Landwirtschaft und erhielt später das goldene Ehrenkreuz der NSDAP. 1937 ist er Mitglied der Deutschen Adelsgenossenschaft. Er heiratete in erster Ehe Frida Elisabeth Merbitz (5.9.1881-8.10.1916), die Tochter des Gutsbesitzer Merbitz zu Naußlitz. Aus dieser Ehe gab es einen einzigen Sohn, Hans Christoph Erhardt Kreller zu Khraeling (7.6.1908-), Diplomlandwirt und 1937 Mitglied der Deutschen Adelsgenossenschaft. Er heiratete eine Frau namens Charlotte; der Verbleib beider ist unbekannt. Danach verlieren sich die Spuren; kurz nach 1945 wurde vom Deutschen Adelsarchiv in seiner Zeitschrift in der Rubrik "Suchdienst" nach einem Familienangehörigen des Adelsgeschlechts Kreller zu Kraehling gesucht.

 

Exlibris von Otto Hupp:
Dieses undatierte, monochrome Exlibris von Otto Hupp (21.5.1859-31.1.1949) wurde für Fritz Joachim Freiherr von Rotsmann (27.7.1900-27.3.1943) gestaltet. Das Blatt ist in der rechten unteren Ecke im Druck mit "OH" monogrammiert. Das redende Wappen zeigt in Silber einen aus dem unteren Schildrand hervorkommenden, rotgekleideten und bärtigen Mannesrumpf mit Pelzkragen. Auf dem gekrönten Helm wird zu rot-silbernen Decken ein wachsender, rotgekleideter Mannesrumpf wie im Schild zwischen einem silbern-rot übereck geteilten Flug geführt. Damit handelt es sich um ein redendes Wappen, das den Namen Rotsmann wörtlich als roten Mann umsetzt. Im Siebmacher finden sich Vergleichsbelege im Band: He Seite: 23 Tafel: 26, ein weiterer Hinweis im Band: PrGfN Seite: 19 Tafel: 15. Die zum hessischen Uradel gehörende Familie saß zu Dotzelrod und Hellhof. Sie waren einst auch Ganerben der Burg Friedberg und im Großherzogtum Hessen bedienstet. Dieses Wappen wird oft fehlerhaft überliefert, nämlich alle silbernen Elemente in Blau verkehrt, eine typische Fehlinterpretation angelaufenen Silbers. Der Exlibriseigner (1900-1943) war der Sohn von Fritz von Rotsmann (1862-1917) und Lotte Kuchler (1876-). Der Vater hatte schon eine Militärkarriere gemacht (Oberst und Flügeladjutant Kaisers); der Sohn war Diplom-Ingenieur und im Zweiten Weltkrieg Major d. R. und Abteilungskommandeur bei der 1. Abteilung des Artillerie-Regiments 176, nahm am Stalingrad-Feldzug teil, bekam am 31.1./10.2.1943 das Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes verliehen und starb noch im selben Jahr im Kriegsgefangenen-Lazarett Arsk (Rußland), wo er auch begraben liegt.

 

Exlibris von Otto Hupp:
Dieses Exlibris für die "LANDGRÄFLICH HESSISCHE BIBLIOTHEK" ist ein Werk von Otto Hupp (21.5.1859-31.1.1949); das Blatt ist in der rechten unteren Ecke im Druck monogrammiert, aber nicht datiert. Die Grundform ist ein Quadrat mit abgescrägten Ecken, unten abgesetzt die schwarzgrundige Devise "VIRTUTE ET FIDETITATE" in goldenen Lettern und darunter die Bibliotheksbezeichnung schwarz auf weiß. Die Devise bedeutet "Für Tapferkeit und Treue" und ist die Ordensdevise des am 20.8.1851 durch Kurfürst Friedrich Wilhelm I. von Hessen-Kassel gestifteten Wilhelmsordens. Ein gleich aufgebautes Wappen ziert übrigens die erste Doppelseite des Münchener Kalenders 1922 vom gleichen Urheber. Das Wappen verweist in seiner Zusammensetzung auf Hessen-Kassel. Die landgräfliche Bibliothek in Kassel befand sich früher im Renthof. Der Bücherbesitz wurde unter Wilhelm IV. erstmals 1580 zusammenhängend aufgestellt. Er selbst sammelte theologische, astronomische und mathematische Inkunabeln und Druckwerke. Sein Sohn Moritz der Gelehrte sammelte Bücher zur Alchimie, diese Werke kamen 1675 zum Bibliotheksbestand hinzu. Unter Wilhelm V. kamen durch den 30jährigen Krieg Bestände aus Fuldaer Kirchengut hinzu. Bedeutenden Zuwachs bekam die Hofbibliothek 1686 auf dem Erbwege, nämlich die Heidelberger Bibliothek der Pfalzgrafen. Weitere Kriege und politische Veränderungen ließen die aus Kirchengut (Hersfeld, Fritzlar) stammenden Bestände anwachsen. Nach dem 2. Weltkrieg gingen signifikante Teile der Bestände verloren. Was blieb, befindet sich heute in der Universitätsbibliothek Kassel und Landesbibliothek am Brüder-Grimm-Platz 4a in Kassel.

Es gab zudem mehrere private Schloßbibliotheken der Landgrafen in den Schlössern Philippsruhe, Rumpenheim, Panker und Wolfsgarten. All diese Bibliotheken wurden in den 1950er Jahren im Südflügel von Schloß Fasanerie in Eichenzell systematisch zusammengeführt, das im Zuge seiner Instandsetzung zum zentralen Sammlungsort für das Archiv, die Akten und schriftlichen Nachlässe, die Bibliotheken und allgemein für das kulturelle Erbe des hessischen Fürstenhauses ausgebaut wurde. 

 

Der Schild der Landgrafen von Hessen-Kassel ist zweimal gespalten und zweimal geteilt mit Herzschild, Feld 1: Grafschaft Katzenelnbogen, in Gold ein hersehender roter Löwe, blau bewehrt und blau gekrönt, Feld 2: Großherzogtum Fulda, in Silber ein schwarzes durchgehendes Kreuz, Feld 3: Grafschaft Diez, in Rot zwei hersehende, goldene, blau bewehrte schreitende Löwen übereinander, Feld 4: Grafschaft Ziegenhain, schwarz-golden geteilt, oben ein silberner sechsstrahliger Stern, Feld 6: Grafschaft Nidda, schwarz-golden geteilt, oben zwei achtstrahlige silberne Sterne nebeneinander, Feld 7: geteilt, oben Grafschaft Schaumburg, in Rot ein silbernes Nesselblatt, unten Grafschaft bzw. Fürstentum Isenburg, in Silber zwei schwarze Balken, Feld 8: gespalten, rechts Fürstentum Hersfeld (ehem. Abtei Hersfeld), in Silber ein rotes Patriarchenkreuz, links Fürstentum Fritzlar, in Blau ein schwebendes goldenes lateinisches Kreuz (Hochkreuz), Feld 9: gespalten und halbgeteilt, rechts Grafschaft Hanau, in Gold drei rote Sparren, links oben Herrschaft Münzenberg, geteilt von Rot und Gold, links unten Grafschaft Rieneck, hier 7x rot-golden geteilt, Herzschild: Landgrafschaft Hessen, in Blau ein silbern-rot neunmal geteilter aufrechter Löwe, golden gekrönt und golden bewehrt. Den oberen Schildrand bedeckt eine Krone mit perlenbesetzten Bügeln; zwei goldene, rotgezungte und ebenso bewehrte Löwen mit Bügelkrone auf dem Kopf dienen als Schildhalter.

Das ist das Wappen der ehemaligen Kurlinie zu Kassel, wie es ab 1917 geführt wurde. Nachdem 1902 das großherzoglich hessische Staatswappen abgeändert wurde, wurde auch 1917 das Wappen der älteren, ehemals kurfürstlichen Linie in der Fassung von 1815 einer Revision unterzogen. Es wurde eine Neugruppierung der Inhalte des letzten Kurfürsten. Lediglich das rot-silbern geteilte Schildchen im Feld Schaumburg wurde weggelassen. Das Feld Rieneck-Hanau-Münzenberg wurde vereinfacht. Der Hauptschild wird von einer Königskrone bedeckt. Die Schildhalter wurden hinzugenommen.

Exlibris von Otto Hupp:
Von Otto Hupp (21.5.1859-31.1.1949) stammt dieses Bücherzeichen für Theo Insam. Das Blatt ist undatiert, aber rechts unten im Druck mit "OH" monogrammiert. Die Familie Insam ist ursprünglich ein ladinisches Bauerngeschlecht und stammt aus Insóm bei St. Christina, im Grödener Tal in Südtirol. Die Grundlage für das Wappen läßt sich in den Urkunden des 18. Jh. finden, in denen um das Jahr 1775 Peter Insam (1710-1779), Gerichtsschreiber zu Gufidaun (Gudon), später Richter und Pfleger zu Wolkenstein, und dessen Sohn Josef Insam (1744-1826), Landrichter zu Gufidaun (Gudon) und Wolkenstein, beide aus der Seitenlinie zu Planvédum-Tschautschéa, dieses Wappen in ihren Dienstsiegeln führen. In Mühlbach (Rio di Pusteria) gibt es an der Pfarrkirche einen wappengeschmückten Grabstein für Balthasar Insom aus Gröden, datiert auf 1683. Dieser gehörte zur Hauptlinie, für die damit das Wappen ebenfalls belegt ist. Es wurde entschieden, die Führungsberechtigung auf alle zu erstrecken, die von Thomas d'Insom  abstammen, dem gemeinsamen Ahnherrn aller Linien. Der Exlibriseigner ist Theo Insam, Maxfeldstraße 23, Nürnberg. Er tritt als Autor genealogischer Arbeiten in Erscheinung (1932 "Die Freiherren Katzbeck von Katzenstein, Thurnstein auf Oberhausen", 1933 "Fränkische Familien in der Ahnentafel der Elisabeth Insam, geb. Winkler", 1935 "Ahnentafel des Franz Christian Klaus Theodor Insam, mit einem Anhange: die Nachfahren seiner acht Ururgroßeltern-Paare", 1938 "Die Nachkommen des Anton Gall (1715-1791) Bürgermeister von Weilderstadt (Württ.) und der Catharina Beyerle", 1940 "Die Schlaher von der Nimkau").

Das Wappen wurde am 15.10.1929 auf Antrag von Franz Insam aus Nürnberg unter Nummer 9 (1524) in die Deutsche Wappenrolle eingetragen, publiziert in der DWR Band: I Seite: 11. Der Schild ist geviert, Feld 1 und 4: in Gold ein schwarzes Einhorn, Feld 2 und 3: in Rot ein silbern gesäumter, blauer Schräglinksbalken, belegt mit drei silbernen, sechszackigen Sternen. Auf dem rot-golden bewulsteten Helm mit rot-goldenen Decken wird ein wachsendes schwarzes Einhorn zwischen zwei rot-golden übereck geteilten Büffelhörnern geführt. Einen weiteren Literaturnachweis für dieses Wappen finden wir im Siebmacher Band: Bg14 Seite: 67 Tafel: 28. In den beiden oberen Zwickeln zwischen Blattrand und angedeuteter Bogenarchitekzur befinden sich noch zwei weitere Wappenschilde, heraldisch oben rechts derjenige Bayerns mit den silbern-blauen Schrägrauten für den gegenwärtigen Lebensmittelpunkt der Familie, heraldisch oben links der rote Adler in silbernem Feld für die Herkunft aus Tirol.

 

Literatur, Quellen und Links:
Pagenstecher: Eike Pies, Neues Bergisches Wappenbuch bürgerlicher Familien, Bauer & Raspe Verlag, 1998, S. 230, T. 88
Muthmann, redende Wappen, in: Deutscher Herold, 1919, S. 66-67.
Pagenstecher auf Wikipedia:
https://de.wikipedia.org/wiki/Pagenstecher_(Familie)
Wolfgang Pagenstecher:
https://de.wikipedia.org/wiki/Wolfgang_Pagenstecher
Wolfgang Pagenstecher:
https://www.stadt-ratingen.de/buergerservice/stadtrat/stadtwappen/stadtwappen/broschuere_wolfgang_pagenstecher.php
Geschichte der Wacker Chemie:
https://www.wacker.com/cms/media/campaigns_4/100years/chronic/chronik_de.pdf
Schäftlarn:
http://www.hdbg.de/kloester/kloester_detailansicht_basisdaten.php?id=KS0361&templ=relaunch_vorlage_detail_geschichte
Abtei Schäftlarn:
http://www.abtei-schaeftlarn.de/ - Geschichte: http://www.abtei-schaeftlarn.de/kloster-orden/benediktinerabtei/geschichte/ - Bibliothek: http://www.abtei-schaeftlarn.de/kloster-orden/bibliothek/
Kloster Schäftlarn auf Wikipedia:
https://de.wikipedia.org/wiki/Kloster_Schäftlarn
Kloster Schäftlarn auf Orden online:
http://www.orden-online.de/wissen/s/schaeftlarn/
von Botzheim auf Wikipedia: https://de.wikipedia.org/wiki/Botzheim_(Adelsgeschlecht)
Botzheim: Otto Hupp: Münchener Kalender 1920
Botzheim: Siebmachers großes Wappenbuch, Sonderband H: Jürgen Arndt: Biographisches Lexikon der Heraldiker; 1992. XXIV und 664 S. mit zahlr. Wappenabb., Festeinband, Degener Verlag, ISBN 3-87947-109-6, S. 62
Ludwig Rothenfelder:
http://www.hdbg.eu/biografien/detail/dr-ludwig-rothenfelder/3453
Hermann Struckmann: Geschichte der Familie Struckmann aus Osnabrück, Norddeutsche Buchdruckerei und Verlagsanstalt, 1909 -
https://books.google.de/books?id=qJN18attB8IC
Hermann Struckmann in Wikipedia:
https://de.wikipedia.org/wiki/Hermann_Struckmann, sein Vater: https://de.wikipedia.org/wiki/Gustav_Wilhelm_Struckmann, ebenso seine Brüder https://de.wikipedia.org/wiki/Gustav_Struckmann und https://de.wikipedia.org/wiki/Johannes_Struckmann
Vergessene Adelsgeschlechter:
http://home.foni.net/~adelsforschung1/vergess.htm
Daten der Familienmitglieder im Kapitel zum Erbbegräbnis Rittergut Unterweischlitz, zusammengetragen von Werner Roth:
http://www.erbbegraebnis.de/unterweischlitz.htm
Tim S. Müller: Der Rittergutsbesitz im sächsischen Vogtland (1763-1945), Magisterarbeit an der TU Dresden, Institut für Geschichte, Dresden 2005
Fritz von Rotsmann (Vater):
http://www.digada.de/wk1/kap1
Fritz Joachim von Rotsmann:
http://www.denkmalprojekt.org/2018/gross-glienicke_stadt-potsdam_brb.html/fritzfreiherrvonrotsmann.htm
Hugo Gerard Ströhl, Deutsche Wappenrolle, Reprint von 1897, Komet Verlag Köln, ISBN 3-89836-545-X
Olaf Vieweg, Die Entwicklung des hessischen Wappens bis zur französischen Revolution, Karfunkel 40, ISSN 0944-2677, Juni/Juli 2002, S. 61-62
Siebmacher's Wappenbücher, Souveräne 1.1.1. Hessen
Otto Hupp, Münchener Kalender 1922, Verlagsanstalt München/Regensburg
Wilhelmsorden:
https://de.wikipedia.org/wiki/Wilhelmsorden
Archiv Schloß Fasanerie:
http://www.schloss-fasanerie.de/schloss-fasanerie/archiv-des-hauses-hessen.html
Universitätsbibliothek Kassel, Geschichte der Bestände:
https://www.uni-kassel.de/ub/historisches-erbe/sondersammlungen/handschriften.html
Deutsche Wappenrolle Band 1
Siebmachers Wappenbücher wie angegeben

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