Bernhard Peter
Historische heraldische Exlibris (67)

Exlibris von Otto Hupp:
Dieses links unten im Druck monogrammierte Exlibris von Otto Hupp (21.5.1859-31.1.1949) zeigt das Wappen der Grafen von Coudenhove-Kalergi, eines böhmischen Adelsgeschlechtes. Der goldene Schild ist mit einem roten Wellenschrägbalken belegt. Hier wird das Wappen mit einem hermelingefütterten Wappenmantel geführt, der aus einer Laubkrone herabfällt. Nach dem Aschaffenburger Wappenbuch wäre das zum Schild passende Kleinod zu rot-goldenen Decken ein schwarzer, silbern bewehrter Eberkopf. Weiterer Nachweis: Siebmacher Band: OÖ Seite: 716 Tafel: 142. Hier verbanden sich zwei Familien aus ganz unterschiedlichen Regionen Europas: Die uradeligen Coudenhove stammen aus Nord-Brabant und sind seit 1790 reichsgräflich. Sie erwarben 1842 das böhmische Inkolat. Die Kalergi sind hingegen ein byzantinisch-kretisches Adelsgeschlecht, von dem ein Zweig unter dem Namen Callergi in Venedig zu finden ist. Durch die Ehe von Franz Coudenhove (1825-1893) mit Maria Kalergi (1840-1877) kam es zu dem Doppelnamen, den als erster ihr Sohn Heinrich Graf von Coudenhove-Kalergi (-14.5.1906), k. u. k. Legationssekretär bei der Botschaft in Tokyo, ab 1903 führte. Und als ob die Verbindung zwischen einer nordbrabantinischen und einer byzantinisch-kretischen Familie nicht schon ungewöhnlich genug wäre, heiratete Heinrich mit Mitsu Aoyama (1874-1941) eine Angehörige einer altjapanischen Familie. Das in der Inschrift genannte "Ronspergheim" bezieht sich auf Ronsperg, ein Städtchen in Böhmen unweit der bayerischen Grenze, über dem sich das gräfliche Schloß erhebt. Reichsgraf Franz Coudenhove hatte im Jahre 1864 den Besitz Ronsperg zusammen mit Wasserau und Bernstein und dem Gut Stockau für eine Million Gulden von dem Vorbesitzer Graf Thun gekauft. 5 Jahre später kaufte er noch die Herrschaft Muttersdorf mit Schwanenbrückl in Böhmen, Schloß Ottenheim in Oberösterreich und Ländereien in Ungarn hinzu. Heinrichs ältester Sohn Johannes Graf von Coudenhove-Kalergi, in Japan geboren, übernahm nach dem Tod seines Vaters die Verwaltung der ererbten Besitzungen Ronsperg und Muttersdorf, weil der Besitz testamentarisch an seinen noch minderjährigen Sohn Johann (1893-1965) gefallen war. Johann Graf von Coudenhove-Kalergi wurde wenige Jahre vor Ende der Monarchie der Namenszusatz "von Ronspergheim" verliehen, und das Blatt wurde vermutlich für ihn angefertigt. Die Familie wurde in den 1920er Jahren im Zuge der 1. tschechoslowakischen Bodenreform (Gut Muttersdorf = Mutenín) und noch einmal 1945 (Ronsperg = Pobežovice und Stockau = Pivon) enteignet. Die Familie zog nach Wien und Mödling. Johann heiratete übrigens die ungarische Zirkus- und Dressurreiterin Lilly Steinschneider (1891-1975). Die Inschrift "EX LIBRIS S(ACRI) R(OMANI) I(MPERII) C(OMI)TIS COVDENHOVE CALERGI AB RONSPERGHEIM" birgt zugleich ein Chronogramm: X + L + I + I + I + C + I + C + V + D + V + C + L + I + I + M = 10 + 50 + 1 + 1 + 1 + 100 + 1 + 100 + 5 + 500 + 5 + 100 + 50 + 1 + 1 + 1000 ergibt 1926 als Entstehungsjahr. Ein ungewöhnliches und niedliches Detail sind die beiden Igel, welche die Zwickel zwischen Wappen und Inschriftenkartusche ausfüllen. Es gibt von Otto Hupp noch ein zweites Exlibris (ohne Abb.), ohne Wappenmantel, dafür mit vollständigem Oberwappen und der rechteckig umlaufenden Inschrift "EX LIBRIS S R I  / COMITIS COUDENHO / VE-KALERGI / A RONSPERGHEIM".

 

Exlibris von Otto Hupp:
Dieses Blatt ist ein undatiertes heraldisches Exlibris, entworfen von Otto Hupp (1859-1949) für Heinrich von Mauntz, ein farbiger Buchdruck (Referenzen: Witte, Bibliographie 2, 60; Thieme-Becker 17; Vollmer 2; Gutenberg 4849, GK 04.849), unten rechts im Druck "OH" monogrammiert. Ein schlichter ornamentaler Rahmen umgibt das Blatt. Das Wappen der von Mauntz ist von Rot und Gold gespalten mit 2 Sparren übereinander, deren Schenkel im vorderen Feld silbern, im hinteren schwarz sind. Auf dem gekrönten Helm mit rechts rot-silbernen und links schwarz-goldenen Decken ein Flug, rechts silbern über rot, links schwarz über golden geteilt. Das Wappen wird beschrieben im Siebmacher, ganz falsch in Band Pr, Seite: 256, Tafel: 307, und richtig in Band PrE, Seite: 133, Tafel: 113, ferner im Handbuch des Preußischen Adels I, S. 384.

Der Name war früher größeren Variationen unterworfen, von Mauntzer über Mauz, Maunz bis zu Mauntz, wobei letztere Schreibweise vorherrschend war und irgendwann als alleinige und verbindliche genommen wurde. Der Name leitet sich vermutzlich von "Mutz" ab, einer Art Schrotleiter. Die Familie erscheint Ende des 16. Jh. in der Oberpfalz, vor allem in den Kirchenbüchern von Auerbach und Oedenburg. Der älteste nachweisbare Vorfahr ist Nicolaus Mauntz, geb. ca. 1592, gestorben zwischen 1622 und 1648.

Stadtgerichtsassessor Andreas Johann Mauntz erhielt den Reichsadelsstand in Regensburg am 20.2.1766, und Maximilian Karl August Hermann Johann v. Mauntz den preußischen Adelsstand am 11.4.1836. Zeitgemäß enthält dieser Adelsbrief hinsichtlich des bereits vermutlich schon vorher existierenden, aus diesem Anlaß bestätigten Wappens unsinnige Vorgaben, wie solche, daß das Wappen aufrechtstehend und der Helm rechtsgekehrt zu sein habe und blau angelassen sein soll - Dinge, welche die künstlerische Freiheit in bester heraldischer Tradition ignorieren kann, darf und auch soll. Dafür hat die erste Darstellung des Mauntz-Wappens in den - leider verloren gegangene - Originalunterlagen einen zwar rechtsgekehrten Helm, aber mit einem offenen Flug darauf, darstellerisch ebenso unharmonisch wie inakzeptabel. Da ist Hupps Aufriß doch um Klassen besser und harmonischer.

Wer ist der Exlibriseigner? Ein erster Heinrich von Mauntz (3.1.1864-) wurde in Jülich geboren. Er machte eine militärische Karriere, trat in die Kadettencorps Bensberg und Lichterfelde ein, wurde am 14.4.1883 Fähnrich, am 12.2.1884 Secondelieutenant im Niederrheinischen Füsilier-Regiment Nr. 39 und daselbst 1886-1890 Bataillons-Adjutant, stationiert in Düsseldorf. Er heiratete Melinka Elvire Amalie Tapken-Fremerey. Ein anderer Heinrich von Mauntz wurde am 11.12.1898 geboren. Ein Heinrich von Mauntz hatte die Berliner Krankenschwester und Hebamme Peta von Mauntz (7.3.1896-29.10.2006) geheiratet. Er wohnte im "Fischerschlößl" in Schäftlarn (Jagdschloß Ebenhausen). Seine Witwe war mit 110 Jahren die älteste Bürgerin Bayerns und die zweitälteste in Deutschland und wohnte zuletzt in Hohenschäftlarn. Welcher der Exlibriseigner ist, ist offen.

 

Exlibris von Otto Hupp:
Ein undatiertes heraldisches Exlibris von Otto Hupp (1859-1949) für die Königlich-Württembergische Hofbibliothek (Klischeetechnik). Zentrales Element ist das Stammwappen der Württemberger, in Gold drei schwarze Hirschstangen übereinander, Helmzier auf gekröntem Helm mit rot-silbernen Decken ein rotes Jagdhorn (Hifthorn) mit goldenem Band und goldenen Beschlägen, mit drei Straußenfedern (rot-silbern-blau) im Mundloch. Dieses Vollwappen wird begleitet von drei Wappenschilden, Schwaben (in Gold 3 schwarze, schreitende Leoparden übereinander), Teck (schwarz-golden schräg gerautet) und Mömpelgard (in Rot zwei aufrechte, abgekehrte goldene Barben). Die optisch linke Begrenzung bildet eine Fahnenstange mit lanzenförmiger Spitze, an der der schwarze Reichsadler auf goldenem Fahnentuch mit langem, verschlungenem Schwenkel abgebildet ist, wobei letzterer die ganze obere rechte Ecke des Blattes ausfüllt. Diese ist die Reichssturmfahne, normalerweise in blauem Feld fester Bestandteil württembergischer Wappen. 1806 wurde aus dem Kurfürstentum Württemberg das Königreich Württemberg, welches bis 1918 (Abdankung von König Wilhelm II. von Württemberg) bestand. Damit kann das Exlibris in den zeitlichen Rahmen bis maximal 1918 eingeordnet werden. Die Kombination dieser fünf Elemente ist eine reduzierte Version des Wappens von 1806, das für den Staat 1817 durch ein noch einfacheres Wappen ersetzt wurde, aber für die Familienmitglieder beibehalten wurde. Ein Wappen mit genau diesen fünf Komponenten, aber in einem gevierten Schild mit Herzschild kohärent vereinigt, ist beispielsweise am Torgebäude von Schloß Altshausen angebracht.

 

Exlibris von Otto Hupp:
Hier folgt ein undatiertes heraldisches Exlibris, entworfen von Otto Hupp (1859-1949) für Dr. Cornelius von Heyl aus Worms ("EX LIBRIS DR / CORN V HEYL / WORMATIAE"). Hier ist nur ein Teil des Wappens dargestellt, nämlich nur das Oberwappen mit Helm, Helmdecken und Helmzier unter Verzicht auf das Schildbild. Das 
Wappen der von Heyl zu Herrnsheim ist: In Blau ein schräggelegter goldener Schlüssel, mit dem Bart nach oben und außen, oben links und unten rechts begleitet von zwei silbernen Lilien. Auf dem gekrönten Helm mit blau-goldenen Helmdecken ein wachsender, hier grüner, rotgezungter Drache, der in seinen Vorderpranken einen goldenen Schlüssel mit dem Bart nach oben hält. Diese Helmzier wird hier allein verwendet, und zwar nach heraldisch links gewendet. Der Helm ist auf dem Sockel mit Inschrift positioniert, wodurch der Schlüssel eine Größe gewinnen kann, die er in einer Vollwappen-Darstellung aufgrund einzuhaltender Proportionen nie haben könnte. Insofern steht der Schlüssel, der ja auch bestimmendes Element des Schildbildes ist, als pars pro toto für dieses mit, vor allem, wenn man ganz genau hinschaut und im Schlüsselgriff die eingearbeitete kleine heraldische Lilie entdeckt.

Dr. h. c. Cornelius Wilhelm Heyl wurde am 10.2.1843 geboren. Er entstammt einer Familie von Lederindustriellen und übernahm im Alter von nur 19 Jahren die väterliche Fabrik der Wormser Lederwerke. Eigentlich gehörten ihm sogar zwei Fabriken, die Cornelius Heyl AG und die Heyl&rsquoschen Lederwerke Liebenau im Stadtteil Neuhausen. Er war 1874-1912 Reichstagsabgeordneter, Mitglied und Präsident der hessischen Abgeordneten-Kammer, großherzoglich hessischer Geheimer Kommerzienrat und Fideikommissar. Am 31.3.1886 wurde er als Freiherr von Heyl zu Herrnsheim in den hessischen Freiherrenstand erhoben. Cornelius Wilhelm Heyl hatte 1883 Schloß Herrnsheim in Herrnsheim bei Worms aus von Dalbergschem Besitz gekauft. Außerdem war er Kunstsammler und Mäzen. Am 22.12.1899 wurde er Ehrenbürger von Worms. Er starb am 25.9.1923 auf Schloß Pfauenmoos am Schweizer Bodensee. Er war verheiratet mit Sophie geb. von Stein (1847-1915), der Tochter eines Kölner Bankiers und Kunstsammlers. Der Name Cornelius hat Tradition in der Familie. Der Begründer der Wormser Lederwerke war Cornelius Heyl (1792 - 1858), sein Sohn war Daniel Cornelius Heyl (5.1.1818-5.10.1844), dessen Sohn wiederum war Dr. h. c. Cornelius Wilhelm Heyl (1843-1923), der wiederum einen ältesten Sohn namens Cornelius hatte (1842-1861), und nach dessen frühem Tode bekam der Zweitälteste, Hermann Wilhelm Heyl, den Namen Cornelius übertragen. Auch sein Ältester bekam den Namen Cornelius Wilhelm Karl von Heyl zu Herrnsheim (27.7.1874-18.2.1954), gefolgt von dessen Sohn, Freiherr Cornelius Wilhelm Bruno von Heyl zu Herrnsheim (13.1.1908-5.5.1983).

Der Exlibrisbesitzer wohnte zunächst im "Schlößchen" am Schloßplatz nördlich des Domes, das 1805 erworben, zwischenverkauft und 1851 erneut erworben worden war. Wegen zunehmender Sammlertätigkeit und entsprechender Raumnot, auch aufgrund des Wunsches nach einem Statussymbol, wurde der Heylshof in Worms als neues Domizil erbaut. Diese Villa, fast schon ein palastartiges Anwesen, damals Ausstellungsraum für die Sammlung, Gästehaus und Ort festlicher gesellschaftlicher Anlässe, heute Museum und Kunsthaus, wurde 1881-1884 von Architekt  Alfred Friedrich Bluntschli (1842-1930) im Stil des Neobarocks errichtet. Der Bau befindet sich an der Stelle, wo sich im Mittelalter der Bischofshof und im Barock die 1719-1725 unter Beteiligung Balthasar Neumanns errichtete fürstbischöfliche Residenz befand, die aber im Zuge der in das Rheinland ausufernden französischen Revolution 1794 zerstört wurde. Das Gelände gehörte der Familie seit 1805. Als Vermächtnis des Erbauers wurde diese Villa der Stadt Worms gestiftet. Nach Kriegszerstörungen wurde das Palais, das früher zweigeschossig mit Mansarddach war und einen noch höheren Mittelrisalit hatte, aber nur eingeschossig und mit vereinfachtem Dach wiederhergestellt. Was wir heute sehen, ist also nur der mit Fugenrustika versehene Sockel mit dem unteren Stockwerk. Im Innern wird eine der bedeutendsten privaten Kunstsammlungen des 19. Jh. gezeigt. Wappen des Eigners lassen sich am immer noch in Familienbesitz befindlichen "Schlößchen", am Heylshof, an Schloß Herrnsheim und außerdem in Glasfenstern der Katharinenkirche Oppenheim finden.

 

Exlibris von Otto Hupp:
Dieses Blatt ist ein undatiertes, monochromes heraldisches Exlibris, als Radierung angefertigt von Otto Hupp (1859-1949) für Heinrich Graf (1898-1982, Kupferdrucker) aus München. Nach seiner Ausbildung in einem graphischen Betrieb machte der Eigner sich 1919 selbständig und war in Schwabing in der Kaiserstraße 54 tätig. Für den Eigner gibt es noch mehrere Bücherzeichen anderer Künstler.

Im Gegensatz zu sonstigen Arbeiten von Hupp ist es ein schlichter Aufriß, der seine Spannung und Dynamik allein aus dem umgekehrt S-förmig gebogenen Rumpf der Helmzier bezieht, denn der Schild ist von hoher Symmetrie, und die Helmdecke ist, obwohl im Detail unterschiedlich ausgeführt, doch von den prinzipiellen Richtungen her auch symmetrisch ausgeglichen. Doch der seitlich gedrehte Helm und die in sich gespannte Rumpfform geben dem Aufriß Dynamik. Das Wappen der Familie Graf zeigt einen geteilten Schild, oben drei gestürzte Spitzen, unten drei aufsteigende Spitzen. Auf dem Helm ein wachsender Mohrenrumpf mit Kopfbinde. Ohne Literaturbeleg, Hinweise willkommen.

   

Exlibris von Otto Hupp:
Dieses Werk ist ein heraldisches Exlibris aus dem Jahr 1902, gezeichnet von Otto Hupp (1859-1949) für Lothar Buderus von Carlshausen. Die Künstlersignatur befindet sich rechts unten, die Datierung links oben. Der farbige Buchdruck zeigt ungewöhnliche Proportionen. Nimmt man eigentlich als Zielkorridor heutigen Geschmacks das bekannte 3:2:3 an, so haben wir hier Proportionen von 5.5:2:6.2. Die reduzierte Helmdecke ohne Breitenwirkung, der recht kleine Helm und die groß dimensionierte Helmzier mit den Pfeilen sorgen für eine starke vertikale Streckung des heraldischen Werks, was noch unterstrichen wird durch die Durchbrechung der oberen Rahmenlinie durch das Pfeilbündel. Das Wappen zeigt einen von Gold und Blau gespaltenen Schild, vorn ein Bündel natürlicher Pfeile mit braunen Schäften, silbernen Spitzen und Federn, mit einem silbernen Band schragenförmig umwunden und senkrecht zentral durchstoßen von einem ebensolchen Speer, hinten der golden gekleidete Rumpf eines Mannes mit goldenem Haar, auf dem Kopf eine goldene Mütze mit Stulp. Auf dem gekrönten Helm mit blau-goldenen Decken zwei angewinkelte geharnischte Arme, die ein Pfeilbündel mit zentralem Speer wie im Schild emporhalten. Das Wappen ist beschrieben im Siebmacher, Band Bad, Seite: 93, Tafel: 55, Erg, Seite: 41, Tafel: 20, He, Seite: 6, Tafel: 5, PrE, Seite: 195, Tafel: 169, PrE, Seite: 208, Tafel: 181, unter dem Namen "Carlshausen", wobei die Blasonierung in kleinen Details abweicht, z. B. nach den Angaben im Band Baden: "Von G. und B. gespalten, vorn ein Bündel s. Pfeile, mit r. Band umwunden und senkrecht durchstochen von einem s. Speer; hinten der g. gekleidete Rumpf eines Mannes mit s. Haar und Barte, auf dem Kopf eine g. Mütze mit r. Stulp." Im vorliegenden Beispiel ist das Band silbern, die Pfeile sind nicht gänzlich silbern, der Mann ist bartlos, der Stulp der Mütze ist golden.

Ein Exkurs zum Aufstieg der Familie: Carl Friedrich Buderus (22.2.1759-5.8.1819) zu Hanau, Sohn des Lehrers und ev.-luth. Präzeptors in der Hanauer Neustadt Friedrich Ludwig Buderus, wurde 1776 Schreib- und Musiklehrer und betreute die unehelichen Kinder des damaligen Erbprinzen Wilhelm von Hessen-Kassel in Hanau, die er mit Rosa Dorothea Ritter gezeugt hatte, der späteren Freifrau von Lindenthal. Diese Kinder wurden später übrigens zu Freiherren von Haynau gemacht. Der Vater sah schnell, daß man die mathematischen Fähigkeiten noch besser einsetzen konnte: Carl Friedrich Buderus wurde von Wilhelm, seit 1785 regierender Landgraf von Hessen-Kassel, zum Obereinnehmer bei der Landkasse in Hanau, danach 1790 zum Oberkriegskommissarius und 1792 zum Rechnungsführer an der Oberrentkammerkasse in Kassel gemacht. Und weil die größten Ausgaben im Budget eines Landesherrn Kriege und Verteidigung sind, ernannte Wilhelm ihn 1795 zum Kriegsrat, 1802 zum Kriegszahlamts- und Kabinettskassendirektor und 1806 zum Geheimen Kriegsrat. 1814 endete die französische Besetzung des Kurfürstentums Hessen, und Carl Friedrich Buderus wurde Präsident der Rentkammer in Hanau. Kurzum, er war mittlerweile der wichtigste und unentbehrlichste Finanzmanager des hessischen Kurfürsten geworden. Vor allem fädelte er die Geschäftsbeziehungen mit dem Bankhaus Rothschild in Frankfurt ein, das zukünftig fast alle Transaktionen für den Landesherrn abwickelte. Der Kurfürst ernannte ihn 1816 außerdem zum außerordentlichen Gesandten und bevollmächtigten Minister am Deutschen Bundestag in Frankfurt und 1819 zum Gesandten am großherzoglich hessischen Hof in Darmstadt. Der Aufsteiger wurde kurhessischer Geheimrat, Kammerpräsident und Bundestagsgesandter zu Frankfurt am Main.

Dem Finanzberater wurde das Großkreuz des kurhessischen Löwenordens und das Großkreuz des Großherzoglich Hessischen Verdienstordens verliehen. 1806 reichte Carl Friedrich Buderus ein Gesuch an Kaiser Franz II. ein, um in den Adelsstand erhoben zu werden. Das wanderte in Wien auf den großen Stapel anderer unerledigter Kleinigkeiten, denn der Kaiser und seine Verwaltung hatten mit dem Ende des Heiligen Römischen Reiches in eben diesem Jahr Wichtigeres zu tun, als den Provinzemporkömmlingen Adelstitel zu gewähren. Hier ging es um echte weltpolitisch relevante Entscheidungen, da müssen nervende Beamte warten. Folglich blieb das Gesuch liegen, lange, sehr lange. Doch jemand anderes hatte ein Einsehen: Er bekam am 1.1.1814 vom Kurfürsten Wilhelm I. von Hessen den erblichen Adelsstand und die Erlaubnis, seinem Namen "von Carlshausen" anzufügen. Der Zuname bezieht sich auf das Rittergut Carlshausen in der Gemeinde Altenhaßlau (heute zu Linsengericht), welches von dem Geehrten 1803/1804 erworben worden war. Übrigens heiratete eine Tochter des Carl Friedrich Buderus, Luise Sophie Frederike Marie Buderus von Carlshausen, eines der oben erwähnten unehelichen, dann als Freiherren von Haynau legitimierten Kinder des Kurfürsten, nämlich den General Wilhelm Carl von Haynau.

Soweit zu dem Aufstieg der Familie. Das vorliegende Exlibris kennzeichnet jedoch das Eigentum des Familienmitgliedes Lothar Buderus von Carlshausen (1860-1942), für den noch weitere Bucheignerzeichen anderer Künstler existieren. Auch von Georg Barlösius existiert ein Blatt mit Wappen, allerdings eher in adjuvanter gestalterischer Funktion unter dem Hauptbild. Lothar bzw. Lothar Franz Wilhelm Buderus selbst interessierte sich für die Familiengeschichte und verfaßte eine Abhandlung über seinen berühmten Verwandten. Dieser Exlibriseigner war württembergischer Oberstleutnant. Er ist ein Enkel des Forstmeisters Friedrich Carl Buderus von Carlshausen (1792-1885), welcher der älteste Sohn des Finanzgenies aus dessen erster Ehe mit Maria Dorothea Gullmann (1767-1813) war und nach dem Tod des Vaters das Gut in Altenhaßlau übernahm. Die Familie ist heute in Deutschland erloschen. Das Vermögen des Carl Friedrich Buderus verlor sich bereits in endlosen Erbschaftsprozessen zwischen seinen neun Kindern aus zwei Ehen. Die Güter wurden verkauft. Allein das Herrenhaus in Altenhaßlau wird noch von Erben der Familie besessen. Nachfahren der Familie leben in Australien.

 

Exlibris von Otto Hupp:
Das hier abgebildete heraldische Exlibris ist von Otto Hupp (1859-1949), auf 1932 datiert und unten mit "OH" signiert. Es ist ein Druck für Martin Stolle. Der Schild ist geteilt, oben ein vorne spitz zulaufender Schuh mit einem Riemen und einem hohen Absatz, unten ein Handbeil mit Dorn. Auf dem bewulsteten Helm wird ein fünfspeichiges Zahnrad geführt, das mit drei Hahnenfederbüschen besteckt ist. Das Wappen ist ohne Literaturnachweis; Hinweise zum Eigner und insbesondere zu den Tinkturen willkommen.

 

Exlibris von Otto Hupp:
Das hier abgebildete heraldische Exlibris ist von dem Meistergraphiker Otto Hupp (1859-1949), aber undatiert. Es ist für Prof. Dr. Ludwig Freiherr Wedekind zur Horst. Ludwig Wedekind (1843-1908) war Dr. phil. und seit 1880 außerordentlicher und seit 1883 ordentlicher Mathematik-Professor in Karlsruhe und hatte dort 1880-1907 den Lehrstuhl für Mathematik inne. Das engt den zeitlichen Rahmen für die Datierung auf 1880-1908 ein. Er entstammt dem Hauptast Neustadt der eigentlich niedersächsischen Familie Wedekind zur Horst, und darin dem Zweig Melle. Der Sohn von Friedrich Wedekind (1801-1878) und Elisabeth Sievers (1808-1889) war ledig und hatte keine Nachkommen. Der Zweig wurde fortgesetzt von seinem Bruder Georg, der eine Wollhandelsfirma hatte und das Haus London begründete, dessen Mitglieder Wollhändler und Kaufleute waren. Das Wappen der Freiherren von Wedekind zur Horst zeigt in Blau eine gesichtete silberne Mondsichel, rechts einen silbernen, sechszackigen Stern einschließend. Auf dem gekrönten Helm mit blau-silbernen Decken ein silberner, sechszackiger Stern zwischen einem rechts silbernen, links blauen Paar Büffelhörner.

Die Familie mit Stanmmsitz in Horst, Kreis Neustadt am Rübenberge, ließ ihr angestammtes Familienwappen 1965 in die Deutsche Wappenrolle eintragen, veröffentlicht in DWR Band XVII, S. 29, Nr. 6045/65. Zur Eintragung wurde exakt der vorliegende Aufriß von Otto Hupp verwendet. Der gleiche Aufriß findet sich auch im 1906 erschienenen Siebmacher Band Bg7, S. 59, T. 59. Eine einfachere Zeichnung findet sich im Siebmacher Band Bg3, S. 17, T. 19. Der Wappenspruch lautet: "Nil differe" - nichts aufschieben. Der älteste bekannte Vorfahr im Mannesstamm ist der herzoglich-braunschweigische Kämmerer und Domänenrat Johann Wedekind, geb. 30.5.1278, gest. 19.8.1360, Schenknehmer des Stammhofes in Horst. Das Wappen ist mindestens 400 Jahre alt, denn der erste Nachweis desselben findet sich am Renaissance-Taufstein in der Kirche von Horst, datiert auf 1606. Dieser Taufstein ist eine Stiftung von Johann Wedekind (2.5.1531-5.4.1614), und die Führungsberechtigigung laut DWR bezieht sich auf genau diesen Wappenstifter und seine Nachkommen im Mannesstamm. Der vorliegende Aufriß ist von großer Eleganz, man beachte die hauchdünne Mondsichel mit dem fein gezeichneten Gesicht und die fädig zersplissenen Helmdecken, in denen immer wieder die halbkreisförmigen Rundungen mit der Mondsichel korrespondieren. Andere Familienzweige führten übrigens andere Helmkleinode, einen Pelikan bzw. eine Jungfrau mit Kranz.

 

Exlibris von Otto Hupp:
Dieses heraldische Exlibris mit Allianzwappen für die Familie Doetsch-Benziger ist eine Arbeit von den in Schleißheim ansässigen Otto Hupp (1859-1949) aus dem Jahre 1905, auf dem Schildchen zwischen den beiden Wappenschilden datiert, links unten im Druck monogrammiert mit "O" und rechts unten mit "H" (Witte, Bibliographie 2, 60; Thieme-Becker 17; Vollmer 2; Gutenberg 4828). Die Vollwappen beider Ehepartner sind als Allianzwappen zusammengestellt, dasjenige des Ehemannes gewendet, so daß sich Schildinhalte und Kleinode ansehen. Die Helmdecken sind in der Mitte zwischen beiden Einzelwappen miteinander verschlungen. Beide Wappenaufrisse verwenden einen Bügelhelm. Das Wappen Doetsch ist in Rot ein oberhalber silberner Mann mit goldenem Kragen und ebensolchen Aufschlägen und silberner Mütze mit goldenem Aufschlag, in jeder Hand eine goldene Blume (Kaiserkrone, Fritillaria imperialis) an langem Stengel haltend, auf dem Helm mit hier silbern-roten Decken wachsend die Schildfigur. Es handelt sich um eine Familie aus dem Rheinland, verzeichnet im Siebmacher, Band: Bg8, S. 2, T. 2, als Allianzwappen Bg9, S. 37, T. 44 und Bg8, S. 58, T. 62. Danach wurde das Wappen bereits 1379 verliehen, und die Figur soll einen Richter darstellen. Von diesem Blatt gibt es sowohl eine schwarz-weiße als auch eine farbige Version. Im Siebmacher ist genau diese Graphik verzeichnet.

   

Richard Doetsch-Benziger (25.7.1877-24.11.1958), Sohn von Richard Doetsch, wurde in St. Tönis (heute Tönisvorst, Niederrhein, 1970 mit Vorst sowie Teilen der Gemeinden Anrath, Neersen und Oedt zur neuen Gemeinde Tönisvorst zusammengeschlossen) geboren, studierte in Freiburg im Breisgau Pharmazie und lebte ab 1903 in Basel. Er hatte 1905 Josephine Benziger aus Einsiedeln geheiratet, die Tochter von Martin Benziger, Mitinhaber der Verlagsanstalt Benziger, später Benziger & Co AG, ein Verlag mit religiöser, theologischer und literarischer Positionierung. Richard Doetsch-Benziger arbeitete seit 1904 als Apotheker bei der Firma Nadolny. Zusammen mit Oskar Grether übernahm er später diese Firma und benannte sie in Doetsch Grether & Cie.um. Es handelte sich um einen pharmazeutischen Großhandel. Richard Doetsch-Benziger war Mitglied des Herolds und des Exlibris-Vereines.1953 bekam er die Ehrendoktorwürde der Universität Basel verliehen. Er war ein bedeutender Sammler von Büchern, Graphik, Plastik und Kunst. Schwerpunkt seines Interesses waren die deutschen Bauhaus-Maler und ihre französischen Generationsgenossen. Und er unterstützte als Mäzen junge Künstler wie Paul Klee, der 1933 von Düsseldorf nach Bern zog. Privat legte er fortan eine größe Sammlung von Werken des gleichaltrigen Künstlers an. Doetsch-Benziger gründete die erste Paul-Klee-Gesellschaft. Richard Doetsch-Benziger war einer der Hauptdonatoren des Kunstmuseums Basel. Z. B. konnte 1948 mit einer Zuwendung von Doetsch-Benziger das 1912 entstandene Bild "Der Viehhändler" von Marc Chagall erworben werden. Den Erwerb des Werkes "Le Poète et sa Muse" von Rousseau verdankt das Museum ebenso seiner finanziellen "Initialzündung", genau wie Chagalls "Braut mit den schwarzen Handschuhen", Picassos Stilleben von 1908, die "Composition 1925" von Miró, die Collage 1947 von Matisse und die Bronzefigur "Automne" von Henri Laurens. Auch das Bild "Siebzehn irr" von Paul Klee aus dem Jahr 1923 ist ein Legat des Exlibriseigners. Ebenso leistete er einen Beitrag zum Erwerb der Komposition "Der Samt" von Henri Matisse aus dem Jahr 1947. Er schenkte dem Museum auch eine um 1932 entstandene Komposition von Otto Freundlich. Er schenkte dem Museum auch Werke von Kandisnky, Marino Marini, Renée Sintenis. So verdankt das Kunstmuseum Basel ihm einige seiner größten Höhepunkte. Seine gesamte Büchersammlung mit wertvollen Erstausgaben und bibliophilen Bänden schenkte er 1957 dem Gewerbemuseum Basel, wo die Sammlung den Grundstock des Buchmuseums bildete. Dort wurde auch kurz vor dem Tod seine Sammlung ostasiatischer Kleinkunst vom 26.1.-3.3.1957 ausgestellt. Richard Doetsch-Benziger starb an den Folgen eines Schlaganfalles drei Tage nach dem Ereignis.

Das Wappen Benziger ist gespalten von Blau und Rot, rechts eine rechtsabwehende silberne Fahne mit Schwenkel, links ein aufgerichtetes silbernes Schwert mit goldenem Griff; über beide Felder ein silberner Balken gelegt, darin ein schreitender schwarzer Löwe mit roter Zunge und ebensolcher Bewehrung, auf dem schwarz-silbern bewulsteten Helm mit rechts blau-goldenen, links rot-silbernen Decken ein wachsender, goldener, rotgezungter und -bewehrter Löwe. Das Wappen wird beschrieben im Siebmacher Band Bg8, S. 1, T. 1. In den vorgenannten Siebmacher-Quellen mit dem Allianzwappen sind einige Farben abweichend dargestellt, es darf davon ausgegangen sein, daß das vorliegende Exlibris korrekt ist.

Die Benziger sind eine alte Schweizer Familie, die ursprünglich aus Appenzell stammte und von da in der ersten Hälfte des 16. Jh. nach Einsiedeln (Schweiz, Kanton Schwyz) kam. Dort bildete die Familie mehrere Linien mit hübschen Bezeichnungen: Die ältere Linie (Benziger vom Schwert) geht auf Hieronimus Benziger (1689-1765) zurück. Die jüngere Linie geht auf Justus Benziger (1691-1769) zurück und spaltete sich in drei Zweige, von denen sich einer Benzinger vom Schlüssel nannte. Ein anderer Zweig, und das ist der hier relevante, geht auf Johann Baptist Carl Benziger (1719-1802) zurück. Das Stift Einsiedeln gab ihm 1792 das Recht zum Handel mit Devotionalien und Büchern, und das war die Keimzelle der Verlagsanstalt Benziger. Auf ihn folgte sein Sohn Franz Sales Benziger (1758-1827), der sich 1798 mit einer Druckerei selbständig machte und mit seinem Bruder Josef Karl Benziger (1762-1841) ein Konsortium bildete. Die Söhne des Josef Karl Benziger bildeten die Linien Benziger vom Hirschen und Benziger vom Adler. Zeitweise war die Firma richtig bedeutend mit Filialen in Zürich, im Deutschen Reich (1884 Köln, 1912 Straßburg) und in den USA (1837 Ohio und 1853 New York). Nach dem 1. Weltkrieg ging es bergab, bis die Verlagsanstalt 1984 an die deutsche Medien Union verkauft und 1992-1995 auf eine reine Buchbinderei reduziert wurde. Seit 2003 gibt es keine Bücher mehr unter dem Label; es wurde alles in den ähnlich ausgerichteten Patmos Verlag integriert. Eine Buchhandlung dieses Namens existiert noch in der Hauptstrasse 85 in Einsiedeln, die seit 1987 im Besitz von Joe Fuchs ist.

Exlibris von Otto Hupp:
Otto Hupp (1859-1949) fertigte dieses undatierte, rechts unten im Druck monogrammierte Bücherzeichen für die Familie Gonnermann an, mit einem schlichten ornamentalen Rechteckrahmen und einem klassischen Aufriß mit elaborierter Helmdecke. Das Wappen Gonnermann zeigt in Blau einen silbern mit roten Aufschlägen gekleideten Jüngling mit goldenem Haar und mit einem goldenen, zweischenkligen Mühleisen in der Rechten, die Linke eingestemmt, auf dem blau-golden bewulsteten Helm mit blau-silbernen Decken ein wachsender, blau mit goldenen Aufschlägen gekleideter Jüngling mit goldenem Haar und mit einem goldenen, zweischenkligen Mühleisen in der Rechten, die Linke eingestemmt. Das Wappen ist nicht in den Standardsammlungen (Siebmacher, Rietstap, DWR) verzeichnet.

 

Exlibris von Otto Hupp:
Das nachfolgende Blatt Otto Hupp (1859-1949) ist für Ernst Jungkenn. Diese Familie führt in Gold einen schwarzen Sparren, begleitet von drei natürlichen Mohrenköpfen mit silberner Kopfbinde, auf dem schwarz-golden bewulsteten Helm mit schwarz-goldenen Decken ein goldener Flug, beiderseits mit einem schwarzen Sparren, begleitet von drei natürlichen, einwärts gerichteten Mohrenköpfen mit silberner Kopfbinde. Das Wappen dieser kurpfälzischen Familie wird beschrieben im Siebmacher Band: Bg12 Seite: 47 Tafel: 66. Die Familie taucht zuerst in Speyer auf, wo sie als Mitglieder der Münzer-Hausgenossenschaft eine führende Rolle spielten. Lorenz Jungkenn gen. Münzer bekam am 16.8.1555 von Kaiser Karl V. das Wappen verliehen. Die Familie gehörte zum Patriziat von Speyer, erst mit dem 30jährigen Krieg bildeten sich Zweige in Freinsheim, Colgenstein, Frankenthal, Oppenheim und Alsheim. Ein weiterer Wappenbrief wurde am 16.12.1696 von Kaiser Leopold für Johann Jonas Jungkenn, Enkel des Weinhändlers Johann Georg Jungkenn und Stammvater des Oppenheimer Zweiges, und für seine Brüder, die in der kurpfälzischen Armee als Offiziere dienten, ausgestellt, mit der Erhebung in den Adelsstand als Jungkenn gen. Münzer vom Mohrenstamm. Der Besitzer des Blattes, Ernst Jungkenn, geb. 12.1.1888, war ein Oppenheimer Weingutsbesitzer, der zugleich engagierter Denkmalpfleger und Beigeordneter in seiner Heimatstadt war. Sein einziger Sohn war Helmut Ernst Jungkenn. Nach dem Exlibris-Besitzer ist in Oppenheim eine Straße benannt.

 

Max v. Spießen bildet im Westfälischen Wappenbuch übrigens das Wappen der Freiherren von Vely-Jungkenn ab: Geviert, Feld 1 und 4: in von Schwarz und Grün gespaltenem Feld ein goldener Schrägbalken, dieser belegt mit zwei schwarzen, sich anschauenden goldengekrönten Salamanderköpfen, Feld 2 und 3: in Gold ein schwarzer Sparren, begleitet von drei (2:1) schwarzen Mohrenköpfen. Zwei Helme: Helm 1 (rechts): auf dem gekrönten Helm mit schwarz-goldenen Decken ein silberner Brackenkopf, Helm 2 (links): auf dem gekrönten Helm mit grün-goldenen Decken ein goldener Flug, beiderseits belegt mit einem schwarzen Sparren, begleitet von drei (2:1) schwarzen Mohrenköpfen.

Friedrich Christian Arnold von Jungkenn  genannt Müntzer von Mohrenstamm (1.5.1732-11.11.1806), Hessen-Kasselischer Oberkämmerer und Kriegsminister, war unvermählt und ohne Nachkommen. Seinen Besitz erbte seine Nichte Freiin Frederike von Romberg, Enkelin des Generalleutnants Martin Eberhard von Jungkenn. Sie heiratete den Baron von Vely. Eine der Bestimmungen des Testaments war aber der Erhalt des Namens. So nahm das Paar den Namen von Vely-Jungkenn an.

Exlibris von Otto Hupp:
Otto Hupp (21.5.1859-31.1.1949) hat dieses undatierte Exlibris für die Familie Bergman gezeichnet (farbiger Klischeedruck, im Druck links neben dem geneigten Schild monogrammiert). Es ist eine reine Wappendarstellung ohne jedes schmückende Beiwerk. Die Familie führt unter einem silbernen, im Breitzinnenschnitt abgeteilten Schildhaupt in Rot einen silbernen Ring mit eingestemmtem ebensolchen Speichenkreuz, auf dem silbern-golden bewulsteten Helm mit rot-silbernen Decken der Ring mit Speichenkreuz zwischen einem roten Paar Büffelhörner. Das Wappen ist nicht in den Standardsammlungen (Siebmacher, Rietstap, DWR) enthalten. Eine kleine Spielerei im Rahmen der künstlerischen Freiheit ist die Form der Helmdecke auf dem Helmdach, hier wird der Breitzinnenschnitt zitiert. Unbegründet erscheint die neu auftretende Farbe Gold für den Helmwulst, zumal es keine im Schild oder im Kleinod vorkommende Tinktur ist. Von diesem Blatt gibt es auch eine schwarz-weiße Variante.

 

Exlibris von Otto Hupp:
Ein schmaler ornamentaler Rahmen aus einem sich wiederholenden blattartigen Motiv umgibt als Rechteck mit leicht abgerundeten Ecken das undatierte, aber rechts unten im Druck monogrammierte Exlibris von Otto Hupp (21.5.1859-31.1.1949) für Hermann Sturhahn. Das Wappen Sturhahn zeigt in Gold auf einem grünen Dreiberg einen schwarzen, golden bewehrten Hahn mit rotem Kamm und ebensolchem Kehllappen, auf dem gekrönten Helm mit schwarz-goldenen Decken der Hahn auf dem Dreiberg wie im Schild. Das Wappen ist nicht in den Standardsammlungen (Siebmacher, Rietstap, DWR) enthalten. Die Familie stammt aus dem Lippischen. Vielleicht handelt es sich bei dem Exlibrisbesitzer um den aus Heiden (gehört zu Lage, NRW) stammenden Bau-Ingenieur (TH München), der eigentlich Carl August Berthold Hermann Sturhahn (1.1.1885-) hieß und u. a. 1912/13 für das Deutsche Rote Kreuz als freiwilliger Pfleger nach Konstantinopel ging und 1913 die Geschichte der Familie Lütgen publizierte.

 

Für die Familie wurde noch ein anderes Wappenexlibris (farbiger Holzschnitt) gezeichnet, von Jakob Carl Buser-Kobler (1884-1945) für Carl Luitpold Sturhahn, das noch ein kreisförmiges Band mit der Devise "WACHET AVF RVFT VNS DIE STIMME" um das Oberwappen legt. Diese Devise paßt zu einem Theologen, der 1952 in Göttingen über "Die Christologie der ältesten apokryphen Apostelakten" promovierte.

Literatur, Quellen und Links:
Familie Coudenhove auf Wikipedia: https://de.wikipedia.org/wiki/Coudenhove-Kalergi_%28Adelsgeschlecht%29
Heimatkreis Bischofteinitz:
https://bischofteinitz.de/ronsperg
Heinrich Graf von Coudenhove-Kalergi:
https://de.wikipedia.org/wiki/Heinrich_von_Coudenhove-Kalergi
Schloßbibliothek Ronsperg:
http://fabian.sub.uni-goettingen.de/fabian?Pobezovice
Alfred von Mauntz: Nachrichten über die Familie von Mauntz, Starke Verlag, Görlitz 1891
http://digital.ub.uni-duesseldorf.de/urn/urn:nbn:de:hbz:061:1-464214 - Download: http://digital.ub.uni-duesseldorf.de/download/pdf/8022391?name=Nachrichten%20%C3%BCber%20die%20Familie%20von%20Mauntz
Peta von Mauntz:
https://www.merkur.de/lokales/regionen/jahren-bayerns-aelteste-buergerin-stirbt-403975.html - https://www.merkur.de/lokales/muenchen-lk/aelteste-bayerin-jahren-gestorben-332965.html
Cornelius Wilhlem Freiherr Heyl zu Herrnsheim auf Wikipedia:
https://de.wikipedia.org/wiki/Cornelius_Wilhelm_von_Heyl_zu_Herrnsheim
Heylshof in Worms:
https://de.wikipedia.org/wiki/Heylshof
Museum Heylshof:
https://www.heylshof.de/ - Baugeschichte: https://www.heylshof.de/baugeschichte/ - https://www.heylshof.de/baugeschichte/2/ etc.
Heyls-Schlößchen:
https://de.wikipedia.org/wiki/Heyls-Schlößchen
politische Tätigkeit von Cornelius Wilhlem Freiherr Heyl zu Herrnsheim: http://zhsf.gesis.org/biorabkr_db/biorabkr_db.php?id=1026
Cornelius Heyl AG:
https://www.wirtschaftsgeschichte-rlp.de/a-z/c/cornelius-heyl-ag.html
Cornelius Wilhelm Freiherr von Heyl zu Herrnsheim, in: Hessische Biographie https://www.lagis-hessen.de/pnd/118704516
Günther Kriegbaum: Wilhelm Freiherr Heyl zu Herrnsheim, in: Neue Deutsche Biographie, Bd. 9, 1972, S. 82-83 https://www.deutsche-biographie.de/pnd118704516.html#ndbcontent
Cornelius Wilhlem Freiherr Heyl zu Herrnsheim auf den Seiten der Stadt Worms: https://www.worms.de/de/kultur/stadtgeschichte/persoenlichkeiten/von-Heyl/Cornelius-Wilhelm.php - Familie Heyl: https://www.worms.de/de/kultur/stadtgeschichte/persoenlichkeiten/listen/von-Heyl.php
Ines Heisig: Die Unternehmerfamilie von Heyl in Worms, Aspekte privater Kulturförderung im Kaiserreich, in: Gabriele B. Clemens, Malte König, Marco Meriggi (Hrsg.): Hochkultur als Herrschaftselement: Italienischer und deutscher Adel im langen 19. Jh., de Gruyter, 2011, S. 233-262,
https://books.google.de/books?id=9wV6RnzITIwC
Hessisches Staatsarchiv Marburg über die Familie Buderus von Carlshausen: https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/detailAction.action?detailid=b808
Carl Friedrich Buderus von Carlshausen:
https://de.wikipedia.org/wiki/Carl_Friedrich_Buderus_von_Carlshausen
Lothar Buderus von Carlshausen: Carl Friedrich Buderus - das Leben eines kurhessischen Beamten in schwerer Zeit, in: Hessenland, Monatsschrift für Landes- und Volkskunde, Kunst Literatus Hessens, 42. Jg. 1931, Heft 2-4.
Lupold von Lehsten: Carl Friedrich Buderus von Carlshausen, in: Hessische Biographie
https://www.lagis-hessen.de/pnd/139295828
Photo des Exlibriseigners Lothar Buderus von Carlshausen:
https://www.leo-bw.de/de_DE/web/guest/detail/-/Detail/details/DOKUMENT/labw_findmittel_06/labw-1-325983/Buderus+von+Carlshausen+Lothar+Franz+Wilhelm
Genealogie Wedekind zur Horst: Übersicht:
https://www.stroux.org/Si_f/stWe_f/gWe_r.pdf - entscheidendes Blatt: http://www.stroux.org/Si_f/stWe_f/WeM_r.pdf
Familie Wedekind bei Wikipedia: https://de.wikipedia.org/wiki/Wedekind_(Familie)
Zita Caviezel-Rüegg: Richard Doetsch, in: Historisches Lexikon der Schweiz
https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/043668/2004-04-26/
Franz Auf der Maur: Benziger, in: Historisches Lexikon der Schweiz
https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/025035/2011-07-07/
Benziger bei Wikipedia:
https://de.wikipedia.org/wiki/Benziger
Karl Josef Benziger: Geschichte der Familie Benziger von Einsiedeln. Benziger, Einsiedeln 1923.
Johann Paul Zwicky von Gauen: Ahnen und Nachkommen von Dr. Ralph Benziger und seiner Gemahlin Maria Donata Benziger, geb. Müller. Genealogisches Institut Zwicky, Zürich 1975.
Buchhandlung Benziger:
https://www.benziger.ch/homepage.php
Kunstmuseum Basel:
https://kunstmuseumbasel.ch/de/sammlung/highlights
Maria Netter: Dr. h. c. Richard Doetsch-Benziger (1877-1958), in: Werk-Chronik (Das Werk : Architektur und Kunst = L'oeuvre: architecture et art), Band 46, Nr. 1, 1959, S. 13

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