Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 54
Würzburg (Unterfranken)

Die Festung Marienberg in Würzburg, Teil (2): Marienkirche außen und innen, Brunnentempel


Marienkirche, Äußeres
Ein weiterer wichtiger Bau im Schloßhof ist die Marienkirche, eine bemerkenswerte Rundkirche, deren Anlage um das Jahr 1000 oder im frühen 11. Jh. unter Bischof Heinrich I. (reg. 995/996-1018) anzusetzen ist, damals entstanden der Rundbau mit dem ersten Chor und einer Krypta darunter mit drei Schiffen und sechs Stützen. Sie ist auf jeden Fall  ein vorromanischer Kirchenbau ersten Ranges, die älteste Kirche Würzburgs und das älteste erhaltene Gebäude auf dem Marienberg, auch wenn die Anfänge und Vorgängerbauten in Form eines während der Missionierungswellen entstandenen Marienheiligtums kontrovers diskutiert werden. Mit der angegebenen Entstehungszeit des heutigen Baus - ungeachtet späterer Veränderungen - fügt sich das architektonische Konzept ein in eine Serie ähnlicher Zentralbauten wie die Klosterkirche der Abtei Deutz und die Mauritiusrotunde in Konstanz. Die Wurzeln des architektonisches Typus sind aber weniger in der Grabeskirche Jerusalem als vielmehr im Pantheon in Rom (Kirche S. Maria ad Martyros) zu finden, was insbesondere zur Rundform, zum Märtyrerkult, zur Nutzung als Mausoleum und zur Rundform mit in einen Mauermantel eingeschnitten Konchen paßt. Typisch in die angegebene Zeit paßt die Krypta als dreischiffige Halle mit Rechteckpfeilern und Durchdringungsgewölbe. Zur Zeit ihrer Erbauung sah die Marienkirche noch etwas anders aus als heute. Sie stand frei im Burghof. Der Rundbau ist zweistufig aufgebaut und besitzt einen Durchmesser von 19,85 m außen. Das Untergeschoß besaß damals ein Pultdach, das sich an die Rotunde anlehnte, und die Rotunde besaß vermutlich direkt über dem Rundbogenfries ein einfaches Kegeldach. Die Wölbung der Rotunde war eine stützenlose Kuppelwölbung ohne Grate und Trompen. Der Chor war rechteckig und kleiner als die heutige Form. Die Apsis war stark eingezogen. Zwischen der Marienbergkirche und dem am Bergfuß gelegenen Burkarduskloster gab es im ganzen späteren Mittelalter nachweisbar engen Beziehungen. Zeitweise hatte das Kloster St. Burkard die Propstei auf dem Marienberginne.

 

Die Rotunde wurde später höher gemauert, so daß über dem Rundbogenfries noch ein ganzes Stück Mauer kommt. Dort oben ist ein Wappenstein des Fürstbischofs Konrad von Thüngen (reg. 1519-1540) zu finden (Wappenfundstelle Nr. 8), der das Obergeschoß vermutlich 1536 erhöhen ließ. Der Schild, eine symmetrische Tartsche, wird von zwei geflügelten Engeln gehalten. Im oberen Teil ist der Sandstein stark verwittert, ebenso wie der darüber befindliche Stein, der vielleicht früher eine Inschrift trug. Das Wappen ist geviert, Feld 1: "Fränkischer Rechen" = von Rot und Silber mit drei aufsteigenden Spitzen geteilt, Herzogtum zu Franken, Feld 2 und 3: in Silber ein 5x im Wellenschnitt golden-rot gespaltener Balken, von Thüngen, Feld 4: "Rennfähnlein" = in Blau eine rot-silbern gevierte schräggestellte Standarte mit goldenem Schaft, Hochstift Würzburg.

Abb.: Wappenfundstelle Nr. 8: Marienkirche, oben am Rundbogenfries

Die Regierungszeit des Bischofs Konrad II. von Thüngen (1519- 1540) brachte eine Bewährungsprobe für die Bischofsburg auf dem Marienberg im Bauernkrieg. Am 6./7.5. 1525 vereinigten sich der Taubertaler, der Odenwälder und der Bildhäuser Bauernhaufen, insgesamt mindestens 15000 Mann stark, vor Würzburg. Unter dem Anführer Florian Geyer zogen sie in die Stadt Würzburg ein. Die Bürger solidarisierten sich mit einigen Forderungen der Bauern, besonders mit der nach Aufhebung oder Umwidmung der Klöster. Von der Stadt und den Bürgern konnte der Bischof keine Hilfe erwarten. Sebastian von Rotenhan, fürstbischöflicher Hofmeister, leitete die Verteidigung des Marienberges, und Konrad II. von Thüngen entzog sich der Gefahr durch rechtzeitige Reise nach Heidelberg, um dort mit anderen Fürsten und mit dem Schwäbischen Bund über den Entsatz des Marienbergs zu verhandeln. Als das nichts fruchtete, verhandelte er mit Michael Graf von Wertheim, damit dessen Sohn Georg mit den Bauernhaufen verhandelt und einen Waffenstillstand erwirkt, ebenfalls ohne Erreichen des Ziels. Die Würzburger Bürger verhandelten mit dem Rat der Stadt Nürnberg, ob Waffenhilfe möglich sei, und die Bauern verhandelten mit dem Domkapitel, alles ergebnislos. Dann begann am 13.5.1525 die Belagerung des Marienberges, eine zwei Tage später versuchte Erstürmung scheiterte. Die beiden späteren Fürstbischöfe Konrad III. von Bibra (reg. 1540-1544) und Melchior Zobel von Giebelstadt (reg. 1544- 1558) gehörten beide damals zu den Verteidigern der Festung Marienberg. Letzterer war gerade erst 1522 Domherr geworden. Ersterer gehörte nach dem Bauernkrieg zu den Unterhändlern über den Entschädigungsvertrag.

Eine weitere militärische Bedrohung des Marienbergs gab es unter Bischof Konrad II. von Thüngen im Jahre 1528, aber es kam zum Glück nicht zum Ernstfall. Der Hintergrund waren die Packschen Händel, in deren Verlauf aufgrund einer Falschinformation sich am 9.3.1528 Landgraf Philipp I. von Hessen und Kurfürst Johann von Sachsen als wichtigste Protagonisten der evangelischen Seite zusammentaten, um die Hochstifte Würzburg und Bamberg zu besetzen, um einem angeblichen Offensivbündnis derselben, das gar nicht existierte, zuvorzukommen. Konrad II. von Thüngen, selber von der Situation überrumpelt, ließ die Stadt und die Burg verteidigungsbereit machen. Das Falsifikat wurde als solches schließlich auch von der Gegenseite erkannt, doch der hessische Landgraf ließ sich von den beiden Hochstiften seine Rüstungskosten ersetzen, von Würzburg 40000 fl. und von Bamberg 20000 fI. (Schmalkaldener Vertrag vom 5.6.1528), was nicht anderes als eine Erpressung des an der Lage wirklich unschuldigen Bischofs und ein Freikaufen Würzburgs und Bambergs von der militärischen Bedrohung war. Der Marienberg mußte sich diesmal nicht militärisch bewähren.

Das heutige Aussehen der Marienkirche entspricht dem Ergebnis der Veränderungen um 1600-1604, als unter Fürstbischof Julius Echter von Mespelbrunn die Kirche nach einem Brand des Nordflügels des Schlosses im Jahre 1600, der auch auf die Kirche übergegriffen hatte, wiederhergestellt und erweitert wurde. Die Hofkirche wurde am 26.9.1604 nach dem Umbau geweiht. Die Marienkirche war bischöfliche Hauskapelle, und sie sollte in einen Zustand versetzt werden, der es möglich machte, sie im Falle einer Belagerung und schlimmstenfalls des Verlustes der rechtsmainischen Stadt wenigstens kurzfristig ersatzweise als Kathedralkirche zu nutzen. Deshalb bekam sie auch einen Kapitelsaal für das Domkapitel. Das untere Geschoß der Rotunde ist etwas höher gemauert worden und schließt mit einem flachen Umgang mit sandsteinerner Balustrade ab, die 1938 wiederhergestellt wurde, nachdem zwischenzeitlich wieder ein Pultdach das untere Geschoß abgedeckt hatte. In der Zeit 1936- 1938 restaurierte die bayerische Schlösserverwaltung die Marienkirche im Rahmen der Sanierung der Feste Marienberg mit dem Ziel, den Zustand der Echter-Zeit möglichst authentisch wiederherzustellen. In das untere Gesims integrierte groteske Wasserspeier leiteten das Wasser vom Umgang nach außen.

 
     
 
     
 
     
 

Der bauzeitliche Rundbogenfries ruht seit dem Umbau scheinbar auf phantasievoll gestalteten Konsolen mit unterschiedlichen, antikisierenden Menschenbüsten aus gebranntem Ton. Die Rotunde besitzt ein kuppelförmiges Dach mit Laterne. Dieses Dach hatte viele Formen, am Anfang des 20. Jh. war es ein Kegeldach mit Laterne, dann 1939 eine stark geschweifte Haube mit Laterne, dann 1945 ein Notdach nach den Kriegszerstörungen, und seit dem Wiederaufbau die heutige Haube mit geringer Kehlung am unteren Ende und mit Laterne. Auch der Chor wurde unter Julius Echter von Mespelbrunn ganz anders gestaltet: Es entstand ein großer rechteckiger Anbau mit drei Stockwerken, wobei im zweiten Stockwerk der Kapitelsaal lag. Der Bau erhielt Maßwerkfenster in typischer Echtergotik, zeitlich in der Renaissance, formal aber der gotischen Formensprache zuzurechnen, also eine gotische Architektur außerhalb ihrer Zeit, gemischt mit Elementen der Renaissance. Zwei türmchenartige Runderker faßten die Fassade ein. Davon ist nur noch das untere Geschoß mit dem Kirchenchor erhalten, außerdem der Unterbau des östlichen Ziererkers. Im Jahre 1813 hatte man beide Obergeschosse und den anderen Erker abgerissen. Nur fünf Fragmente mit Caesarenhäuptern von einst zwölf haben sich im Fürstenbau-Museum als einzige Überbleibsel der oberen Etage erhalten. Eine Fehlstelle in der Rotundenmauer zeigt an, wo sich der zweite Erker einst befunden hatte (beide waren auf der Südseite). Der Kirchenchor bekam unter Julius Echter 1600-1604 ein Netzgewölbe, und dieses wurde nach zahlreichen Veränderungen, Beseitigung 1800, Wiederherstellung 1936-1938 und Zerstörungen durch Kriegseinwirkung 1945 erst im Jahre 1952 zum zweiten Mal rekonstruiert, als Flachtonne mit aufstuckierten Rippen. Es dürfte ein technisch vereinfachte Version des ursprünglichen Gewölbes sein, technisch eine Mogelpackung sein und dem echterzeitlichen Gewölbe nur ungefähr entsprechen.

Der Innenraum ist zylindrisch und trägt ein halbkugelförmiges Gewölbe. Der Gewölbescheitel liegt in 17,36 m Höhe. Die tragenden Mauern sind bis zu 3,50 m dick, Im Westen liegt der Zugang, und dahinter liegt eine rechteckige, tonnengewölbte Eingangsnische mit Zwischenempore, ehe ein Rundbogen ins Innere der Rotunde führt. Im Osten führt eine zweite Bogenöffnung in den Chor. Die Rotunde besitzt zu diesen beiden Öffnungen noch sechs Halbkreiskonchen mit Gewölbe, drei auf jeder Seite, so daß sich insgesamt eine Symmetrie aus 8 Richtungen ergibt. Das heißt, auch wenn es von außen so erscheinen mag, daß das breitere Untergeschoß keinen Umgang hat, sondern daß die gesamte Stärke der Mauer massiv ist bis auf die ausgehöhlten Konchen. Früher kam Licht nur durch acht Rundbogenfenster im oberen Geschoß. Je eines dieser Fenster wird von zwei Lisenen und dem jeweiligen Abschnitt des Rundbogenfrieses gerahmt. Im Spätmittelalter wurden die gotischen Spitzbogenfenster ins untere Geschoß gesetzt und ältere kleine Rundbogenfenster vermauert, und bei besagtem Umbau um 1600 wurden auch die oberen Fenster spitzbogig umgestaltet. Die Rundkirche wurde in einen Zentralbau im Geiste der Renaissance umgewandelt.

 

Die großartigste Zutat unter Fürstbischof Julius Echter von Mespelbrunn (reg. 1573-1617) ist jedoch das Eingangsportal, das er an der Westseite des unteren Geschosses der Kirche vorblenden ließ. Es wird in der Literatur als eine Arbeit des Bildhauers Michael Kern bezeichnet. Die Zuschreibung ist nicht gesichert, wird aber traditionell diesem zugeschrieben aufgrund des Vergleichs des Figurenprogramms mit dem Dettelbacher Portal, das identisch ist. Barbara Schock-Werner weist aber darauf hin, daß die Portale außer dem Figurenprogramm keine Ähnlichkeit haben und daß die Fertigstellung vor dem ersten Aufenthalt Kerns in Würzburg liegt, so daß die Urheberschaft in Frage gestellt werden muß. Die Architektur des Portals kombiniert wirkungsvoll roten und honiggelben Sandstein. Das heute zu sehende Portal ist aber nicht mehr original, sondern wurde wegen fortgeschrittener Verwitterung 1893 komplett durch eine Kopie ersetzt. Auch alle Skulpturen wurden damals ausgetauscht. Das Westportal wurde 2004 restauriert. Direkt über dem Eingang befindet sich eine riesige Rollwerkkartusche mit dem Wappen des Bauherrn zwischen den beiden Rundbögen (Wappenfundstelle 9).

Abb.: Wappenfundstelle 9, über dem Portal der Marienkirche auf der Festung

Das Wappen ist geviert, Feld 1: "Fränkischer Rechen" = von Rot und Silber mit drei aufsteigenden Spitzen geteilt, Herzogtum zu Franken, Feld 2 und 3: in Blau ein silberner Schrägbalken, belegt mit drei blauen Ringen, Stammwappen der Echter von Mespelbrunn, Feld 4: "Rennfähnlein" = in Blau eine rot-silbern gevierte, an den beiden senkrechten Seiten je zweimal eingekerbte, schräggestellte Standarte mit goldenem Schaft, Hochstift Würzburg.

Zum Wappen gehören drei Helme: Helm 1 (Mitte): zu blau-silbernen Decken ein Paar blauer Büffelhörner, jeweils belegt mit einem silbernen Schrägbalken, der wiederum mit drei blauen Ringen belegt ist, Stammkleinod der Echter von Mespelbrunn, Helm 2 (rechts): zu rot-silbernen Decken ein Paar Büffelhörner, jeweils im Spitzenschnitt rot-silbern geteilt, Herzogtum zu Franken, Helm 3 (links): zu rot-silbernen Decken drei Straußenfedern in den Farben Silber, Rot und Blau zwischen zwei rot-silbern gevierten Standarten mit goldenem Schaft, Hochstift Würzburg.

Der Fränkische Rechen (von Rot und Silber mit drei aufsteigenden Spitzen geteilt) steht bei allen Fürstbischöfen Würzburgs für das Herzogtum zu Franken. Wann taucht das Symbol "fränkische Rechen" auf? Der erste Fürstbischof, in dessen Zusammenhang uns der "fränkische Rechen" begegnet, ist Wolfram von Grumbach (gest. 1333) mit seinem Grabmal im Würzburger Dom. Dort ist der "fränkische Rechen" erstmals zu sehen. Doch ab wann wurde er im täglichen Gebrauch, im Siegel- und Münzwesen erstmals verwendet? Das ist etwas später anzusetzen, zu Ende des 14. Jh. bzw. zu Anfang des 15. Jh. So findet er sich z. B. auf den Denaren des Gerhard von Schwarzburg (1372-1400), sowohl isoliert als auch als Belegung seines Familienwappens. Ebenso findet sich der "fränkische Rechen" bei seinem Nachfolger in Gebrauch, Johann I. von Egloffstein (1400-1410) zeigt ihn auf seinen Hellern und Pfennigen, entweder in Form zweier separater Schilde, Rechen neben Familienwappen, oder als Kombination, Rechen als Herzschild dem Familienwappen aufgelegt. Und Johann I. von Egloffstein (1400-1410) war es auch, der erstmals den "fränkischen Rechen" in seinen Bischofs- und Vikariatssiegeln zeigt. Ab da wurde das Symbol unverzichtbar für die Würzburger Fürstbischöfe. Von 1168 bis 1802 trugen die Fürstbischöfe von Würzburg zugleich den Titel des Herzogs zu Franken. Seit Einführung des bayerischen Staatswappens unter König Ludwig I. im Jahre 1835 dient der fränkische Rechen als Gemeinschaftssymbol und Identität Frankens auch in der kommunalen Heraldik.

Die rot-silbern gevierte, schräggestellte Standarte mit goldenem Schaft in Blau ist das alte Banner des Hochstifts Würzburg. Auch dieses Symbol ist in allen Wappen der Fürstbischöfe zu finden. Viele verschiedene Bezeichnungen hat das Rennfähnlein: Sturmfahne, Rennfahne, Rennfähnlein, Standarte, Banner. Davon sind Rennfahne oder Rennfähnlein die besten Begriffe, weil sie an das Zeremoniell einer Belehnung der Bischöfe erinnert, bei dem eine "Berennung" stattfand. Andererseits wurde die Fahne auch im Feld dem Bischof als Landesherrn vorangetragen, so daß die anderen Ausdrücke nicht ganz von der Hand zu weisen sind. Diese Standarte darf nicht verwechselt werden mit dem heutigen Stadtwappen der Stadt Würzburg: Es ist zwar das selbe Motiv, besitzt aber andere Farben: Das Stadtwappen von Würzburg zeigt in Schwarz eine schrägrechts gestellte Standarte mit rot-golden geviertem Tuch und silberner Stange.

Julius Echter von Mespelbrunn war ein überzeugter Anhänger der Gegenreformation. Das Problem war, daß die Ritterschaft im Hochstift größtenteils evangelisch geworden war. Der Fürstbischof versuchte, sie durch lehensrechtliche und wirtschaftliche Mittel landsässig zu machen. Julius Echter scherte sich wenig um die Regelungen des Passauer Vertrages von 1552. Die von einer Abordnung des Kitzinger Rittertages am 23.2.1581 auf dem Marienberg vorgebrachten Vorwürfe an den Bischof waren: Schwierigkeiten bei Belehnungen, Behinderungen der protestantischen Ritterschaft, Absetzung der lutherischen Hofbediensteten, Etablierung der Jesuiten und Bau jesuitisch geprägter Bildungsstätten, Schaffung eines Geistlichen Rates etc. Doch bei Julius Echter bissen die Ritter auf Granit, er wies alle Vorwürfe und Forderungen wie Ehe für den Landklerus und Einstellung des Universitätsbaus schroff zurück.

Dank der regen Bautätigkeit und der langen Regierungszeit (44 Jahre) gehört das Echter-Wappen zu den häufigsten in Mainfranken. In der Tat verdankt das Hochstift Würzburg ihm und seiner Regierung sehr viel (Bauwerke, Universität zu Würzburg, Spitäler etc.). Die Familie stammt ursprünglich aus dem Odenwald, wo sie in Diensten der Schenken von Erbach stand. Der Zweig im Spessart ist seit 1334 urkundlich erwähnt. Die dortigen Echter standen als "Wald- und Bachförster" im Dienste von Mainz. Sie hatten im Spessart Besitz an umfangreichen Waldgebieten. Mit dem Fürstbischof Julius Echter von Mespelbrunn schaffte die Familie den Sprung nach Würzburg, und in der Folgezeit erwarb die Familie Besitzungen im Steigerwald (Gaibach, Oettershausen, Gochsheim, Schallfeld, Traustadt, Weisbrunn). Weiterhin hatte die Familie Besitzungen im Württembergischen: Neckarsulm, Crailsheim, Künzelsau. Beide Linien starben aber schon bald aus. Der letzte Echter war Johann Philipp Freiherr Echter von Mespelbrunn, der 1665 mit 18 Jahren verstarb. Das Erbe ging über Ottilia Echter von Mespelbrunn, die 1648 Philipp Ludwig von Ingelheim geheiratet hatte, Oberstleutnant und Amtmann zu Miltenberg im Dienste von Mainz, an die von Ingelheim. 1698 vereinigte die Familie mit Genehmigung des Kaisers beide Wappen zu "von Ingelheim genannt Echter von Mespelbrunn" und vierte ihr Wappen aus Ingelheim und Echter von Mespelbrunn. Die Familie lebt heute auf Schloß Mespelbrunn.

 

Das Rundbogenportal wird flankiert von zwei Säulenpaaren auf jeweils einem hohen Postament. In den Nischen zwischen den Säulen stehen links der Apostel Petrus mit Schlüssel und Buch und rechts der Apostel Paulus mit abgebrochenem rechtem Unterarm (beide Abb. oben). Die beiden Architrave der Säulenpaare tragen eine Verkündigungsgruppe, links der Verkündigungsengel Gabriel und rechts Maria. Beide strecken die Hände aufeinander zu und überbrücken durch diese Gesten den Zwischenraum. In der Mitte über dem Wappen gibt ein Rundbogenfenster Licht ins Innere; dieses wird flankiert von zwei Doppelpilastern. Deren Architrave tragen jeweils einen Sockel mit einer Bischofsfigur, Kilian als Frankenapostel und Burkard als erster Würzburger Bischof. Über dem Rundbogenfenster trägt ein gesprengter Rundbogengiebel auf einem Sockel eine gekrönte Marienfigur mit Jesuskind auf dem Arm. Diese wird von dem rundbogenförmig nach oben gezogenen Eierstabgesims der Balustrade umrahmt, und darüber erhebt sich als Abschluß ein Sockel mit Kreuz.


Fürstbischof Konrad von Thüngen, Wappenfundstellen auf der Festung Marienberg
Folgende zwei Wappenfundstellen dieses Fürstbischofs sind im Festungsgrundriß markiert:


Marienkirche, Inneres
Von heraldischem Interesse sind die im Boden der Marienkirche verlegten Grabplatten der Würzburger Fürstbischöfe. Das überrascht, weil sich doch im Würzburger Dom grandiose Epitaphien für die gleichen Fürstbischöfe befinden. Doch traditionell wurden diese an drei Orten bestattet: Die Körper bekamen im Kiliansdom ihre letzte Ruhestätte, die Herzen wurden bis 1573 in der Klosterkirche Ebrach bestattet, und die Eingeweide wurden separat entnommen und seit dem späten 14. Jh. in der Marienkirche auf der Festung bestattet. Denn die Marienkirche diente bis zur Säkularisation als Hauskapelle der Fürstbischöfe, und auch als Grabkapelle. Es sei angemerkt, daß der Rundbau seit römischer Zeit eng mit der Bauaufgabe des Grabmonumentes verknüpft ist, und dazu paßt die Rolle als adjuvante Grablege. So kommt es, daß sich hier zu Recht die Grabsteine von 20 Würzburger Fürstbischöfen befinden, angeordnet als großes Rechteck mit vier Reihen zu je fünf Platten. Die heutige Anordnung ist das Ergebnis einer Renovierung in der Zeit 1865/1866. Dabei wurden die Platten nicht nur neu verlegt, sondern auch überarbeitet und teilweise, wenn sie zu abgetreten waren, erneuert. Nur wenige Platten wirken authentisch und alt. Diese Sammlung von Grabplatten ist auf der Festung Marienberg die größte zusammenhängende Wappensammlung. Nicht alle tragen ein fürstbischöfliches Wappen (nur die mit eigenem Amtswappen sind fett formatiert), dafür bringen die Ahnenproben eine große Bandbreite in das heraldische Programm. Im einzelnen:

1. Reihe, unten, von links nach rechts:
a) Wappenfundstelle Nr. 10, Rudolf von Scherenberg (1466-1495), unten in der Mitte ein geviertes Wappen als Fürstbischof, in den vier Ecken die in Metall aufgelegten Ahnenwappen für die vier Großeltern: rechts oben Konrad von Scherenberg, rechts unten (verloren gegangen, nur noch die Befestigungslöcher zu sehen) Petronella von Egloffstein, links oben Richard von Maßbach, links unten (verloren gegangen, nur noch die Befestigungslöcher zu sehen) Anna von Schaumberg.
b) Wappenfundstelle Nr. 11, Johann Philipp von Schönborn (1642-1673), unten in der Mitte ein Amtswappen, in den vier Ecken die Ahnenwappen für die vier Großeltern: rechts oben Philipp von Schönborn (-1589, Amtmann in Beilstein und Runkel), rechts unten Agatha Donner von Lohrheim (-12.9.1599), links oben Philipp Erwein von der Leyen (-1593), links unten Anna von Heppenheim gen. von Saal.
c) Wappenfundstelle Nr. 12, Julius Echter von Mespelbrunn (1573-1617), unten in der Mitte ein geviertes Wappen als Fürstbischof, in den vier Ecken die Ahnenwappen für die vier Großeltern: rechts oben Philipp Echter von Mespelbrunn (-28.8.1535), rechts unten Cordula von Habern (1487-23.2.1523), links oben Johann (Hans) von Adelsheim (1487-1551), links unten Margarethe (Margaretha) Rüdt von Collenberg (-1560).
d) Wappenfundstelle Nr. 13, Adam Friedrich von Seinsheim (1755-1779), unten in der Mitte ein geviertes Wappen mit Herzschild als Fürstbischof, in den vier Ecken die Ahnenwappen für die vier Großeltern: rechts oben Ferdinand Maria Franz Freiherr von Seinsheim (1651-28.5.1684), rechts unten Catharina Margaretha Schenk Gräfin von Stauffenberg (1651-5.2.1701), links oben Melchior Friedrich Graf von Schönborn (16.3.1644-19.5.1717), links unten, zerstört, Maria Anna Sophia Johanna Freiin von Boineburg und Lengsfeld (16.10.1652-11.4.1726).
e) Wappenfundstelle Nr. 14, Melchior Zobel von Giebelstadt (1544-1558), unten in der Mitte ein geviertes Wappen als Fürstbischof, in den vier Ecken die Ahnenwappen für die vier Großeltern: rechts oben Hans Zobel von Giebelstadt, rechts unten Elisabeth von Crailsheim, links oben Heinz (Heinrich) Rüdt von Collenberg auf Wildenburg, links unten Margarethe von Zwingenberg.

2. Reihe, von links nach rechts:
a) Wappenfundstelle Nr. 15, Lorenz von Bibra (1495-1519), unten in der Mitte ein geviertes Wappen als Fürstbischof, in den vier Ecken die Ahnenwappen für die vier Großeltern: rechts oben Georg von Bibra, rechts unten Sophia Voit von Salzburg, links oben Peter Schenk von Schenkenwald, links unten Agatha Schenk von Schweinsberg.
b) Wappenfundstelle Nr. 16, Anselm Franz von Ingelheim (1746-1749), unten in der Mitte ein geviertes Wappen mit Herzschild als Fürstbischof, in den vier Ecken die Ahnenwappen für die vier Großeltern: rechts oben Philipp Ludwig Freiherr von Ingelheim (19.2.1627-), rechts unten Maria Ottilia Freiin Echter von und zu Mespelbrunn, links oben Friedrich Dietrich Kämmerer von Worms genannt von Dalberg (-7.7.1712), links unten Maria Klara von Schönborn (26.9.1647-1716).
c) Wappenfundstelle Nr. 17, Johann Hartmann von Rosenbach (1673-1675), unten in der Mitte ein geviertes Wappen als Fürstbischof, in den vier Ecken die Ahnenwappen für die vier Großeltern: rechts oben Dietz (Dietrich) von Rosenbach (1528-), rechts unten Walburga von Karsbach, links oben Christian Ulrich von Knöringen (1566-), links unten Agnes von der Tann.
d) Wappenfundstelle Nr. 18, Peter Philipp von Dernbach (1675-1683), unten in der Mitte ein geviertes Wappen mit Herzschild als Fürstbischof, in den vier Ecken die Ahnenwappen für die vier Großeltern: rechts oben Peter von Dernbach, fuldaischer Amtmann zu Rockenstuhl, rechts unten Clara Clauer zu Wohra, links oben Philipp Schutzbar gen. Milchling, links unten Catharina von Harstall.
e) Wappenfundstelle Nr. 19, Friedrich von Wirsberg (1558-1573), unten in der Mitte ein geviertes Wappen als Fürstbischof, in den vier Ecken die Ahnenwappen für die vier Großeltern: rechts oben Hans Adam von Wirsberg, rechts unten Dorothea von Redwitz, links oben Fritz von Bieberehren, links unten Anna von Ehenheim (Enheim).

3. Reihe, von links nach rechts:
a) Wappenfundstelle Nr. 20, Konrad II. von Thüngen (1519-1540), unten in der Mitte in Metall aufgelegt ein geviertes Wappen als Fürstbischof, in den vier Ecken die Ahnenwappen für die vier Großeltern: rechts oben Cunz von Thüngen, rechts unten Gutta von Karben, links oben Hans Truchseß von Wetzhausen, Amtmann zu Haßfurt, links unten Barbara von Bibra.
b) Wappenfundstelle Nr. 21, Christoph Franz von Hutten (1724-1729), unten in der Mitte ein geviertes Wappen als Fürstbischof, in den vier Ecken die Ahnenwappen für die vier Großeltern: rechts oben Friedrich von Hutten, rechts unten Anna Maria Amalia von Diemantstein, links oben Johann Adam von Hagen zur Motten, links unten Anna Catharina Ursula Ulner von Dieburg.
c) Wappenfundstelle Nr. 22, Konrad Wilhelm von Wernau (1683-1684), in den vier Ecken die Ahnenwappen für die vier Großeltern: rechts oben Konrad von Wernau, rechts unten Margarete von Aschhausen, links oben Wilhelm Schenk von Stauffenberg, links unten Margarete von Stadion.
d) Wappenfundstelle Nr. 23, Johann Gottfried von Guttenberg (1684-1698), unten in der Mitte ein geviertes Wappen als Fürstbischof, in den vier Ecken die Ahnenwappen für die vier Großeltern: rechts oben Wolf Achaz von Guttenberg (1591-1644), bambergischer Rat, Amtmann und Pfleger, rechts unten Anna Maria von Wernau, links oben Johann Gottfried von Guttenberg (-1669), zu Kirchlauter, links unten Anna Elisabeth von Eltz.
e) Wappenfundstelle Nr. 24, Gerhard von Schwarzburg (-1400), in den vier Ecken die Ahnenwappen für die vier Großeltern in umgekehrter Anordnung: rechts unten  Günther XII. Graf von Schwarzburg, links oben Mechtild von Käfernburg, links unten Adolf VI. Graf von Schauenburg und von Holstein-Pinneberg, rechts oben Helene von Sachsen-Lauenburg.

4. Reihe, oben, von links nach rechts:
a) Wappenfundstelle Nr. 25, Konrad III. von Bibra (1540-1544), in den vier Ecken die Ahnenwappen für die vier Großeltern: rechts oben Lampert von und zu Bibra, rechts unten Catharina Stiebar von Buttenheim, links oben Conrad von Seckendorff-Aberdar, links unten Margaretha von Vestenberg.
b) Wappenfundstelle Nr. 26, Carl Philipp von Greiffenclau (1749-1754), unten in der Mitte ein geviertes Wappen als Fürstbischof, in den vier Ecken die Ahnenwappen für die vier Großeltern: rechts oben Georg Philipp Freiherr von Greiffenclau-Volraths (20.8.1620-6.7.1689), rechts unten Anna Margaretha von Buseck (-8.12.1696), links oben Franz Freiherr von Sickingen (8.2.1629-1715), links unten Anna Margarethe Gräfin von Metternich-Winneburg und Beilstein (-1700), letzteres Wappen fehlinterpretiert, das sollen Muscheln sein.
c) Wappenfundstelle Nr. 27, Johann Philipp von Greiffenclau (1699-1719), unten in der Mitte ein geviertes Wappen als Fürstbischof, in den vier Ecken die Ahnenwappen für die vier Großeltern: rechts oben Heinrich Freiherr von Greiffenclau zu Vollraths (30.10.1577-29.5.1638), kurmainzischer Geheimrat, Oberamtmann zu Bischofsheim an der Tauber, Orb, Hausen und Altzenau, später zu Steinheim, Vicedom im Rheingau, rechts unten Anna Maria Gräfin zu Eltz (1575-27.1.1640), links oben Jörg (Georg) Rudolf von Oberstein, links unten Maria Barbara Vogt von Hunolstein.
d) Wappenfundstelle Nr. 28, Johann Philipp Franz von Schönborn (1719-1724), unten in der Mitte ein aus dem Fränkischen Rechen und dem Rennfähnlein gespaltener Schild, in den vier Ecken die Ahnenwappen für die vier Großeltern: rechts oben Philipp Erwein Freiherr von Schönborn (1607-4.11.1668), Reichshofrat, kurmainzischer Geheimer Rat, rechts unten Maria Ursula Freiin von Greiffenclau-Vollraths (15.7.1612-28.8.1682), aber mit geteiltem, nicht gevierten Schild, links oben Johann Christian Freiherr von Boineburg (1622-1672), links unten Anna Christina Schütz von Holzhausen.
e) Wappenfundstelle Nr. 29, Albrecht von Hohenlohe (-1372), vier Wappenschilde in den vier Ecken, rechts oben fränkischer Rechen, rechts unten Hohenlohe, links oben Rennfähnlein, links unten Oettingen, denn der Fürstbischof war der Sohn von Albrecht II. von Hohenlohe-Uffenheim-Entsee und Adelheid von Oettingen.

Abb.: Blick durch die Glastür in das Innere der Marienkirche mit den Grabplatten

Ein weiteres Wappen von Fürstbischof Julius Echter von Mespelbrunn ist im Inneren der Kirche am Oratorium an der linken Wand des Chores zu finden, ein schlichter ovaler gevierter Schild in dem Beschlagwerk des 1952 erneuerten Aufsatzes integriert (Wappenfundstelle Nr. 30). In vier der sechs Konchen der Rotunde sind Seitenaltäre von Kilian Stauffer eingestellt. Alle wurden 1702 geweiht sind sehr ähnlich gestaltet. Links des Chorbogens befindet sich der Heiligkreuz-Altar, rechts des Chorbogens der den Märtyrern Paulin und Aquilin geweihte Altar. An beiden Altären sieht man hinter Glas zahlreiche Reliquien in geschmacklich fragwürdiger Inszenierung. Der Altar in der mittleren Konche linkerhand ist den Frankenaposteln Kilian, Kolonat und Totnan geweiht, der Alter in der mittleren Nische rechterhand Bonifatius als Gründer des Bistums Würzburg, Burkard als erstem Würzburger Bischof und Bruno, ein weiterer Würzburger Bischof. Diese vier Altäre (Wappenfundstelle 31) tragen allesamt ein kleines Wappen des Fürstbischofs Johann Philipp von Greiffenclau-Vollraths (reg. 1699-1719). Der gleiche Fürstbischof hatte auch den Hauptaltar zu Ehren der Muttergottes Maria im Chor gestiftet, doch der verbrannte 1945 zusammen mit der Kanzel und dem Chorgestühl. Auch dieser Hauptaltar war eine Arbeit von Kilian Stauffer gewesen, und ihn zierte ein Altarblatt von Oswald Onghers mit der Darstellung der Himmelfahrt Mariens.


Brunnentempel
Der dritte Bau im Schloßhof ist das achteckige Brunnenhaus (Brunnentempel) mit dem tiefen Brunnen, wenige Meter südlich der Kirche stehend. Der in den anstehenden Kalkstein gehauene und vollständig bis zur Wassersohle intakte Brunnen, der noch von der mittelalterlichen Burganlage stammt, besitzt eine Tiefe von 105 m und zählt damit zu den sehr tiefen Burgbrunnen. Von den Anführern der Liste ist dieser beeindruckende Brunnen dennoch weit entfernt: Der mit 176 m tiefste freie Burgbrunnen befindet sich auf de Reichsburg Kyffhausen (Oberburg), 1934-1936 freigelegt. Noch tiefer soll der vollständig verschüttete Brunnen der Burg Regenstein im Harz gewesen sein. Auf 152 m Tiefe bringt es der Brunnen der Festung Königstein in der Sächsischen Schweiz. Und auf 150 m bringt es der 1997-2001 freigelegte Brunnen der Hohenburg in hessischen Homberg (Efze). Und auch die Wülzburg liegt mit einer Tiefe von 143 m weit vorne. Auch in Tschechien gibt es Burgbrunnen von beeindruckender Tiefe, derjenige in Schloß Zbiroh erreicht 163 m, der in Burg Hukvaldy 150 m Tiefe.

Der Brunnen der Festung Marienberg reicht jedenfalls bis zur Mainsohle hinab und wird vom Grundwasser gespeist. Eigentlich hat die Burg eine von Höchberg her führende Wasserleitung, die das Wasser deutlich bequemer in die Burg leitete. Wenn man den täglichen Bedarf hochrechnet, wäre es äußerst mühsam, alles per Eimer über 100 m hochzuziehen. Besagte Höchberger Wasserleitung wurde unter Fürstbischof Gottfried von Hohenlohe Anfang des 14. Jh. angelegt. Dennoch garantierte der immer Wasser führende tiefe Brunnen die Wasserversorgung im Belagerungsfall.

Der achteckigen Überbau ist ein reiner Schmuckbau zum Schutz des Brunnens und zur Verschönerung des Schloßhofs und wurde unter Fürstbischof Julius Echter von Mespelbrunn errichtet. Der Zentralbau besitzt oben eine durchbrochene Balustrade aus rotem Sandstein mit Rankenfüllung und an den Ecken auf breiten Rundsockeln stehende, kannelierte Säulen. Als Wasserspeier am Fuß der Balustrade dienen Köpfe von Fabelwesen, je zwei pro Achteckkante. An der Ostseite angefügt ist ein Brunnenbecken von unregelmäßig fünfeckigem Grundriß mit Ausbuchtung am stumpfen Winkel im Osten. Barbusige Melusinen mit Ranken verzieren als Reliefs die Schauseiten des Brunnentroges nach Nordosten und Südosten. In einer rechteckigen Nische steht an der Rückseite des Brunnenhauses über dem Becken eine Figur des Samson, der einem Löwen das Maul aufreißt, welches zugleich als Wasserspeier dient. In Bogennischen auf den angrenzenden Wandflächen sind zwei weitere Reliefs zu sehen, links der Kirchenvater Hieronymus mit einem Löwen, rechts der Prophet Daniel, ebenfalls mit dem Löwenmotiv. So bilden alle drei Darstellungen eine Einheit durch ihren Löwenbezug.

Späteren Burgherren erschien der filigrane Bau zu gefährlich, denn wenn er bei Artilleriebeschuß in sich zusammenfallen sollte, verschüttete er den Brunnenschacht. Deshalb wurde das Brunnenhaus mit einem häßlichen, funktionalen Steinmantel massiv ummauert. Das fand vielleicht schon zur Barockzeit, spätestens aber im 19. Jh. statt. Als die gesamte Marienburg restauriert wurde, entdeckte man 1937 den gut erhaltenen Brunnentempel unter der Mantelschicht und legte ihn wieder frei. Teile des Figurenschmucks waren erhalten, andere wurden ergänzt. So war z. B. Daniel noch erhalten, Samson konnte stilgerecht ergänzt werden, und Hieronymus wurde anhand der gefundenen Bruchstücke neu geschaffen. Auf dem Stich von Johannes Leypolt aus dem Jahre 1603 wird das kleine Bauwerk angeschnitten dargestellt, gut zu erkennen sind die Balustrade und die zentrale Figur auf dem Dach. Die war 1937 nicht mehr aufzufinden, statt ihrer gestaltete Fried Heuler im Jahre 1938 eine ganz ähnliche Figur, eine bronzene Fortuna auf der sich drehenden Kugel. Ursprünglich war die überlebensgroße Figur vergoldet. Nach 1945 wurde der Brunnentempel noch einmal wiederhergestellt. Am Brunnentempel sind keine Wappen zu finden.


Zur Übersicht ein Ausschnitt aus der Liste der Würzburger Fürstbischöfe:
(markiert sind die, deren Wappen in diesem Kapitel beschrieben werden)

Gerhard von Schwarzburg 1372-1400
Johann I. von Egloffstein 1400-1411
Johann II. von Brunn 1411-1440
Sigismund von Sachsen 1440-1443
Gottfried IV. Schenk von Limpurg 1443-1455
Johann III. von Grumbach 1455-1466
Rudolf II. von Scherenberg 1466-1495
Lorenz von Bibra 1495-1519
Konrad II. von Thüngen 1519-1540
Konrad III. von Bibra 1540-1544
Melchior Zobel von Giebelstadt 1544-1558
Friedrich von Wirsberg 1558-1573
Julius Echter von Mespelbrunn 1573-1617
Johann Gottfried von Aschhausen 1617-1622
Philipp Adolf von Ehrenberg 1623-1631
Franz von Hatzfeld 1631-1642
Johann Philipp von Schönborn (desgl. Erzbischof von Mainz) 1642-1673
Johann Hartmann von Rosenbach 1673-1675
Peter Philipp von Dernbach (desgl. Bischof von Bamberg) 1675-1683
Konrad Wilhelm von Wernau 1683-1684
Johann Gottfried von Guttenberg 1684-1698
Johann Philipp von Greiffenclau-Vollraths 1699-1719
Johann Philipp Franz von Schönborn 1719-1724
Christoph Franz von Hutten 1724-1729
Friedrich Carl von Schönborn (desgl. Bischof von Bamberg) 1729-1746
Anselm Franz von Ingelheim 1746-1749
Karl Philipp von Greiffenclau-Vollraths 1749-1754
Adam Friedrich von Seinsheim (desgl. Bischof von Bamberg) 1755-1779


Literatur, Links und Quellen:
Siebmachers Wappenbücher, Band Bistümer
Peter Kolb: Die Wappen der Würzburger Fürstbischöfe. Herausgegeben vom Bezirk Unterfranken, Freunde Mainfränkischer Kunst und Geschichte e.V. und Würzburger Diözesangeschichtsverein. Würzburg, 1974. 192 Seiten.
Festung Marienberg auf Wikipedia:
https://de.wikipedia.org/wiki/Festung_Marienberg
Festung Marienberg im Würzburg-Wiki:
https://wuerzburgwiki.de/wiki/Festung_Marienberg
Festung Marienberg im Historischen Lexikon Bayerns:
https://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Würzburg,_Festung_Marienberg
Festung Marienberg Würzburg, mit Fürstenbaumuseum, amtlicher Führer, bearbeitet von Werner Helmberger, hrsg. von der Bayerischen Schlösserverwaltung, 1. Auflage der Neufassung, München 2013, ISBN: 978-3-941637-20-7
Festung Marienberg Würzburg, Kurzführer mit Plan, hrsg. von der Bayerischen Verwaltung der staatlichen Schlösser, Gärten und Seen, Text: Werner Helmberger, Übersichtsplan nach einer Vorlage von Norbert Nordmann, München 2009
Helmut Flachenecker, Dirk Götschmann, Stefan Kummer (Hrsg.): Burg, Schloß, Festung: Der Marienberg im Wandel, Mainfränkische Studien 78, Echter Verlag, Würzburg 2009, ISBN: 978-3-429-03178-7
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Grabplatten in der Marienkirche:
https://commons.wikimedia.org/wiki/Category:Grave_plates_in_the_Marienkirche?uselang=de
Marienkirche im Würzburg-Wiki:
https://wuerzburgwiki.de/wiki/Marienkirche
Marienkirche auf Wikipedia:
https://de.wikipedia.org/wiki/Marienkirche_(Würzburg)
Bernhard Rösch: Marienkirche, Würzburg, publiziert am 10.09.2012; in: Historisches Lexikon Bayerns
https://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Marienkirche,_Würzburg
Kurt Gerstenberg: Die Kirche auf dem Marienberg zu Würzburg, in: Würzburger Diözesan-Geschichtsblätter 14 (1952), S. 91-95
Rudolf Edwin Kuhn: Die Rundkirche St. Maria auf der Festung Marienberg in Würzburg, eine Studie zu ihrer Form und Herkunft, in: Würzburger Diözesan-Geschichtsblätter 47 (1985), S. 5-30
Barbara Schock-Werner: Die Bauten im Fürstbistum Würzburg unter Julius Echter von Mespelbrunn 1573-1617, Struktur, Organisation, Finanzierung und künstlerische Bewertung, Regensburg u. a. 2005, S. 318-326
Burgbrunnenvergleich auf Wikipedia:
https://de.wikipedia.org/wiki/Burgbrunnen

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