Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 2944
Arnstein (Landkreis Main-Spessart, Unterfranken)

Pfarr- und Wallfahrtskirche Maria Sondheim, Epitaph für Bartholomäus
von Hutten d. Ä. (-1452) und Elisabeth (Else) von Thüngen (-1458)

Dieses Grabdenkmal erinnert an den Junker Bartholomäus von Hutten d. Ä. (-21.12.1452), den Gründer des Stammes Unterhutten und Amtmann zu Arnstein. Sein Bruder Konrad gründete den Stamm Oberhutten. Beide Stämme bewohnten in Arnstein unterschiedliche Höfe, derjenige des ersten Stammes stand an der Stelle des späteren Finanzamts, derjenige des zweiten Stammes an der Stelle des späteren Pfarrhofes. Für zwei der Söhne von Bartholomäus d. Ä. gibt es in der Kirche Maria Sondheim ebenfalls ein Grabdenkmal, sowohl für Bartholomäus d. J. (-5.5.1495) und für Jobst/Jost (-1483). Die umlaufende Inschrift lautet: "Nach c(h)ris(t)i gebu(r)t / m cccc und im zwey und l ia(h)r starb d(er) / edel u(nd) feste Bart(h)oolome/us vom hutten dem got(t) gen(a)edig sey".

 

Im Zentralfeld ist ein großes Vollwappen der Herren von Hutten dargestellt, in Rot zwei goldene Schrägbalken, auf dem ungekrönten Helm mit rot-goldenen Decken ein wachsender, rot gekleideter und bärtiger Männerkopf, auf dem Kopf eine rote, golden gestulpte Mütze mit drei schwarzen Hahnenfederbüscheln. Im Gegensatz zu anderen, insbesondere späteren Wappendarstellungen ist hier der Mannesrumpf stark verkürzt, so daß nur Kopf und Hals zu sehen sind. Ebenfalls ist die sonst lang und hoch ausgezogene Mütze hier flach und endet in Höhe des Stulps. Zwei Federbüschel stecken im Stulp, einer scheint mittig auf dem Mützendach befestigt zu sein. Es gibt keine weiteren Wappen und keine Ahnenprobe auf dieser einfachen Platte. Die Eltern waren Ritter Friedrich von Hutten, Burggraf zu Starkenburg, und dessen zweite Frau, Anna von Wenkheim.

Auch für seine Frau gibt es ein Grabdenkmal, das war Elisabeth (Else) von Thüngen (1430-19.11.1458). Im Zentralfeld wird die Verstorbene mit einer sehr großen Haube auf dem Kopf dargestellt, die Hände nebeneinander vor der Brust, daraus ein langer Rosenkranz herabfallend. Das Relief wurde bei der Restaurierung Ende des 19. Jh. stark überarbeitet; dabei wurde das alte Gesicht herausgemeißelt und ein neues Gesicht eingesetzt; deswegen wirkt es auch viel plastischer modelliert, aber eben auch stereotyp, wie bei den anderen Platten in dieser Kirche auch, die man dieser Prozedur unterzog. Die auf dem Rand umlaufende und durch vier Wappenschilde unterbrochene Inschrift lautet: "Anno dom(ini) / mo cccco lviiio uff San(k)t Elizabeth / tag starb els(e) von / hutten gebor(e)n(e) von t(h)u(e)ngen der" (unpräzise Lesung bei Hanna). Für den Rest "en Seele Gott gnade Amen" war kein Platz mehr. Der Tag der hl. Elisabeth von Thüringen ist der 19. November.

An den vier Ecken sind insgesamt vier Wappenschilde angebracht. Derjenige heraldisch oben rechts kann dem Ehemann aus der Familie der von Hutten zugeordnet werden, in Rot zwei goldene Schrägbalken; gegenüber ist der Schild der von Thüngen zu sehen, in Silber ein goldener, mit drei roten wellenpfählen belegter Balken, unten rechts ist der Schild entweder der von Grumbach oder der von Wolfskeel, in Gold ein schreitender schwarzer Mohr mit einem Strauß roter, grün beblätterter Blumen in der Rechten, die Linke eingestemmt, hier gewendet, und unten links befindet sich derjenige der von Buchenau, in Gold ein golden gekrönter grüner Sittich mit rotem Halsband.

Ein verläßlicher genealogischer Anschluß der Else von Thüngen nach oben ist nicht in den verfügbaren Quellen zu finden. Bei Salver und Hattstein finden wir in der Ahnenprobe für den Würzburger Domherren Hippolyt von Hutten als Vorfahren Hans von Thüngen und Maria von Buchenau angegeben, allerdings bei falschem Vornamen des Bindegliedes: Statt Else von Thüngen ist dort eine Anna von Thüngen gelistet, die vermutlich mit der Else identisch ist, weil für beide das gleiche Todesdatum angegeben wird. Vielleicht trug sie auch beide Vornamen. Folgt man dieser Prämisse, dann wären ihr wirklicher (anders als Salver und Hattstein!) Vater Carl von Thüngen (-1453), der in zweiter Ehe mit Anna von Buchenau verheiratet war. Der Vater dieses Carl war Dietz V. von Thüngen, der Else von Wolfskeel geheiratet hatte. Damit wären diese vier Schilde eine Mischung aus Ehe und Vorfahren, rechts oben Ehemann, links oben Vater und Großvater väterlicherseits, rechts unten Großmutter väterlicherseits, links unten Mutter und Großvater mütterlicherseits. Eine ungewöhnliche, aber insgesamt interpretierbare Auswahl unter Vernachlässigung der Großmutter mütterlicherseits.

Literatur, Links und Quellen:
Lokalisierung auf Google Maps: https://www.google.de/maps/@49.9733188,9.9627368,19z - https://www.google.de/maps/@49.9733188,9.9627368,162m/data=!3m1!1e3
Pfarreien-Gemeinschaft "Um Maria Sondheim":
https://www.pg-um-maria-sondheim.de/ - https://www.pg-um-maria-sondheim.de/gemeinden/arnstein
Wallfahrtskirche Maria Sondheim:
https://wallfahrt.bistum-wuerzburg.de/wallfahrtsorte/region-main-spessart/maria-sondheim/
Verwendung der Innenaufnahmen mit freundlicher Erlaubnis von Herrn Pfarrer Christian Ammersbach vom 23.5.2022, wofür ihm an dieser Stelle herzlich gedankt sei.
Genealogie von Hutten: Johann Gottfried Biedermann, Geschlechtsregister Der Reichsfrey unmittelbaren Ritterschaft Landes zu Franken Löblichen Orts Baunach
http://books.google.de/books?id=ayZRAAAAcAAJ ab Tafel 72 ff.
von Hutten:
https://de.wikipedia.org/wiki/Hutten_(Adelsgeschlecht)
Georg-Wilhelm Hanna: Die Ritteradeligen von Hutten, ihre soziale Stellung in Kirche und Staat bis zum Ende des Alten Reiches, Dissertation, Fakultät für Geschichts- und Geowissenschaften, Otto-Friedrich-Universität Bamberg, 2006,
https://fis.uni-bamberg.de/handle/uniba/105 - Download: https://fis.uni-bamberg.de/bitstream/uniba/105/1/Dokument_1.pdf - S. 396-401
von Thüngen:
https://de.wikipedia.org/wiki/Thüngen_(Adelsgeschlecht)
von Buchenau:
https://de.wikipedia.org/wiki/Buchenau_(Adelsgeschlecht,_Eiterfeld)
ein herzliches Dankeschön an Herrn Peter Kolb für wertvolle Hinweise zur Thüngen-Genealogie

Pfarrkirche Maria Sondheim: Grabdenkmäler außen - Pfarr- und Wallfahrtskirche Maria Sondheim, Hans von Hutten (-1515) - Catharina Zobel von Giebelstadt (-1533) - Wolff von Hutten (-1517) - Anna von Rosenberg (-1528) - Agapitus von Hutten (-1520) - Ludwig von Hutten d. Ä. (-1517) - Ludwig von Hutten d. J. (-1548) und Agatha von Liebenstein (-1547) - Bernhard von Hutten (-1539) und Gertraud von Ebersberg gen. Weyhers (-1544) - Philipp von Hutten (-1546) - Wilhelm von Hutten (-1546), Eva von Heßberg (-1541) und Anna von Selbitz (-1599) - Konrad von Hutten (-1502), Anna von Rechberg (-1471) und Elisabeth von Sickingen (-1479) - Bartholomäus von Hutten d. J. (-1495) - Stephan Zobel von Giebelstadt (-1597) und Cordula Echter von Mespelbrunn (-1599) - Johann Julius Zobel von Giebelstadt (-1585) - Konrad von Hutten (-1556) - Jobst von Hutten (-1483) - Amalia von Berlichingen (-1570) - Konrad von Hutten (-1447) - weitere Wappendarstellungen

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