Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 2941
Arnstein (Landkreis Main-Spessart, Unterfranken)

Pfarr- und Wallfahrtskirche Maria Sondheim, Epitaph für Konrad von Hutten (-1556)

Dieses Epitaph ist für Konrad von Hutten (-29.12.1556) zu Frankenberg. Es besteht aus drei Zonen, zuunterst eine niedrige Sockelzone mit der Inschrift: "An(n)o 1556 de(n) 29. December Verschi(e)d der / Edel und E(h)renvest Conrad von Hutten / zum Forderen Franckenberck dem Got(t) / gn(a)edig und Barmherczig sein wolle a(men)" (bei Hanna unpräzise wiedergegeben).

Sein Geburtsdatum ist nicht bekannt, muß aber zwischen 1522 und 1528 liegen; das Todesdatum wird inschriftlich genannt. Konrad entstammte der Linie zu Frankenberg, erbte 1531 von seinem Vater Ulrich Lorenz die Arnsteiner Güter sowie den Besitz in Schernau, beerbte 1541 die bis dahin in männlicher Folge bestehende Linie Unterhutten, was ihm das Rittergut Michelfeld bei Kitzingen einbrachte, und er trat 1548 die Herrschaft in Frankenberg an als Erbes seines Onkels Ludwig. Konrad war seit 1552 vermählt mit Barbara von Heßberg (-10.9.1601), der Tochter von Wolfgang von Heßberg zu Haundorf und Ampferbach und dessen Frau Kunigunde von Crailsheim, aber er hatte keine überlebenden Nachkommen. Er war von labiler Gesundheit und starb relativ jung an Jahren, ca. 28-34. Der Lehensbesitz ging an die Linie Birkenfeld, wobei es etwas Mühe kostete, weil der Markgraf sie als erledigte Lehen betrachten wollte. Schließlich bekam Georg Ludwig von Hutten sie doch noch. Der Allodialbesitz der Linie ging an Konrads Schwester und an seine Cousinen. Seine Witwe, die ihren ersten Mann fast 45 Jahre überlebte, heiratete in zweiter Ehe am 27.11.1558 Georg Ludwig von Seinsheim (-1591).

 

Konrad von Hutten kniet auf der optisch linken Seite, hat den Oberkörper zurückgelehnt und schaut mit zum Gebet gefalteten Händen auf die im optisch rechten Obereck dargestellte Auferstehungsszene, in der sich Christus aus dem Grab erhebt, mit der dreilätzigen Osterfahne in der Linken und von einem Wolkenkranz umgeben. Die Rechte, zum Segnen erhoben, ist leider am Unterarm abgebrochen. Zwei schlafende römische Soldaten kauern beiderseits des perspektivisch unbeholfen dargestellten Sarges. Konrad ist in eine reichverzierte Rüstung mit drei Ketten auf der Brust gekleidet, nur den Helm hat er vor dem rechten Pilaster abgelegt, bewacht von dem nach rechts gerichteten, nach hinten über die Schulter zum Ritter aufschauenden Löwen, der eine Pranke auf das Helmdach legt, was den Straußenfedern bestimmt nicht gut bekommt.

Oben wird das Epitaph durch einen halbrunden Aufsatz abgeschlossen, gefüllt mit einer konkaven Muschelrosette, in die ein Medaillon mit dem Vollwappen der Herren von Hutten eingepaßt ist (Abb. oben), in Rot zwei goldene Schrägbalken, auf dem ungekrönten Helm mit rot-goldenen Decken ein wachsender, rot gekleideter und bärtiger Mannesrumpf, auf dem Kopf eine rote, golden gestulpte Mütze mit drei schwarzen Hahnenfederbüscheln im Stulp und einem weiteren auf der Hutspitze.

Konrad von Hutten war der Sohn von Ulrich Lorenz von Hutten (6.2.1493-7.12.1531), Amtmann zu Uffenheim, und dessen Frau, Anna von Rosenberg (-1.2.1528). Seine Großeltern waren väterlicherseits Ludwig von Hutten (-1517), kaiserlicher Hauptmann, würzburgischer Rat und Amtmann zu Trimberg und Stammvater der Linie Frankenberg, und dessen Frau, Margarethe Speth von Hohenegk und Steingebronn (-1505). Mütterlicherseits waren die Großeltern Leonhard von Rosenberg, Herr zu Uttenhofen, und Afra von Thüngen.

 

Entsprechend ist die aus acht Schilden bestehende Ahnenprobe auf den seitlichen Pilastern angeordnet, wobei vier Schilde im oberen Bereich angebracht sind, zwei in Höhe der Oberschenkel und zwei beiderseits der Inschrift im Sockelbereich. Die vier oberen Schilde entsprechen der Ahnenprobe auf Großelternebene, die unteren vier Schilde stehen für die auf Urgroßelternebene neu hinzukommenden Familien: Heraldisch rechts oben sehen wir eine Wiederholung des Schildes der von Hutten mit den beiden goldenen Schrägbalken auf rotem Feld (Abb. oben links), darunter folgt auf der Schwertseite der Schild der Speth von Hohenegk (in Rot drei übereinander liegende silberne Schlüssel mit gezähntem Bart, Abb. oben rechts), gefolgt vom Schild der von Rechberg (in Gold zwei aufspringende Löwen Rücken an Rücken, Linie Hohenrechberg, Abb. unten links), und zuletzt kommt noch einmal der Schild der Speth von Neidlingen (wie oben, Abb. unten rechts).

 

Auf der Spindelseite beginnt die Wappenreihe mit dem Schild der Herren von Rosenberg (rot-silbern geteilt und fünfmal gespalten, Abb. unten links)), dann kommt der Schild der von Thüngen (in Silber ein fünfmal rot-golden im Wellenschnitt gespaltener Balken, Abb. unten rechts). Als drittes kommt der Schild der von Helmstatt (in Silber ein flugbereiter schwarzer Rabe, Abb. ganz unten links), und abgeschlossen wird die Reihe mit dem Schild der Truchseß von Wetzhausen (in Gold zwei rot-silbern in zwei Reihen geschachte Balken, Abb. ganz unten rechts). Das paßt zur Genealogie, denn die Urgroßeltern mütterlicherseits waren Erasmus von Rosenberg, Herr auf Gnötzheim, und seine Frau Margaretha von Helmstatt, sowie ein nicht näher bekannter Herr von Thüngen und eine nicht näher bekannte Frau Truchseß von Wetzhausen.

 

Die Urgroßeltern mütterlicherseits waren nach Biedermann Wilhelm von Thüngen (-1492) zu Buchold und Mittelsinn und seine erste Frau, Afra Voit von Rieneck. Das kann nicht zutreffen, weil hier am Epitaph das Wappen der Truchseß von Wetzhausen mit den beiden geschachten Balken angebracht ist, nicht das der Voit von Rieneck mit dem Widder. Als zweite Frau gibt Biedermann Margaretha von Dottenheim an, ebenso unpassend. Wie immer gilt auch hier, daß Biedermann nur so lange eine Option ist, wie man keinen Zweit-, Bestätigungs- oder Gegenbeleg hat. Deshalb zählen seine genealogischen Bücher, insgesamt ohne Zweifel eines der bewundernswertesten und verdienstvollsten Werke auf diesem Gebiet, zwar zu den meist herangezogenen, aber zugleich wird ihm am wenigsten vertraut, weil sich die Angaben so oft insbesondere bei den frühen Generationen als falsch herausstellen: Niemand kann besser sein als seine Quellen, bei allem höchst anzuerkennenden Bemühen.

 

Zur Übersicht: Eltern des Konrad von Hutten:

Großeltern:

Urgroßeltern:

Literatur, Links und Quellen:
Lokalisierung auf Google Maps: https://www.google.de/maps/@49.9733188,9.9627368,19z - https://www.google.de/maps/@49.9733188,9.9627368,162m/data=!3m1!1e3
Pfarreien-Gemeinschaft "Um Maria Sondheim":
https://www.pg-um-maria-sondheim.de/ - https://www.pg-um-maria-sondheim.de/gemeinden/arnstein
Wallfahrtskirche Maria Sondheim:
https://wallfahrt.bistum-wuerzburg.de/wallfahrtsorte/region-main-spessart/maria-sondheim/
Verwendung der Innenaufnahmen mit freundlicher Erlaubnis von Herrn Pfarrer Christian Ammersbach vom 23.5.2022, wofür ihm an dieser Stelle herzlich gedankt sei.
Genealogie von Hutten: Johann Gottfried Biedermann, Geschlechtsregister Der Reichsfrey unmittelbaren Ritterschaft Landes zu Franken Löblichen Orts Baunach
http://books.google.de/books?id=ayZRAAAAcAAJ ab Tafel 72 ff.
von Hutten:
https://de.wikipedia.org/wiki/Hutten_(Adelsgeschlecht)
Georg-Wilhelm Hanna: Die Ritteradeligen von Hutten, ihre soziale Stellung in Kirche und Staat bis zum Ende des Alten Reiches, Dissertation, Fakultät für Geschichts- und Geowissenschaften, Otto-Friedrich-Universität Bamberg, 2006,
https://fis.uni-bamberg.de/handle/uniba/105 - Download: https://fis.uni-bamberg.de/bitstream/uniba/105/1/Dokument_1.pdf - S. 458-460
von Rosenberg:
https://de.wikipedia.org/wiki/Rosenberg_(fränkisches_Adelsgeschlecht)
von Thüngen:
https://de.wikipedia.org/wiki/Thüngen_(Adelsgeschlecht)
von Helmstatt:
https://de.wikipedia.org/wiki/Helmstatt
Truchseß von Wetzhausen:
https://de.wikipedia.org/wiki/Truchseß_von_Wetzhausen

Pfarrkirche Maria Sondheim: Grabdenkmäler außen - Pfarr- und Wallfahrtskirche Maria Sondheim, Hans von Hutten (-1515) - Catharina Zobel von Giebelstadt (-1533) - Wolff von Hutten (-1517) - Anna von Rosenberg (-1528) - Agapitus von Hutten (-1520) - Ludwig von Hutten d. Ä. (-1517) - Ludwig von Hutten d. J. (-1548) und Agatha von Liebenstein (-1547) - Bernhard von Hutten (-1539) und Gertraud von Ebersberg gen. Weyhers (-1544) - Philipp von Hutten (-1546) - Wilhelm von Hutten (-1546), Eva von Heßberg (-1541) und Anna von Selbitz (-1599) - Konrad von Hutten (-1502), Anna von Rechberg (-1471) und Elisabeth von Sickingen (-1479) - Bartholomäus von Hutten d. J. (-1495) - Stephan Zobel von Giebelstadt (-1597) und Cordula Echter von Mespelbrunn (-1599) - Johann Julius Zobel von Giebelstadt (-1585) - Jobst von Hutten (-1483) - Amalia von Berlichingen (-1570) - Bartholomäus von Hutten d. Ä. (-1452) und Elisabeth (Else) von Thüngen (-1458) - Konrad von Hutten (-1447) - weitere Wappendarstellungen

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