Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 2940
Arnstein (Landkreis Main-Spessart, Unterfranken)

Pfarr- und Wallfahrtskirche Maria Sondheim, Epitaph für Johann Julius Zobel von Giebelstadt (-1585)

Gleich rechts neben dem Grabstein für seine Mutter ist das Kinder-Epitaph für Johann Julius Zobel von Giebelstadt (-25.4.1585) aufgestellt. Es ist dreizonig aufgebaut, die unterste Zone besteht aus einer nach außen geneigten Inschriftentafel, die den Unterbau der Relieffigur darüber bildet. Der Wortlaut ist folgender: "AN(N)O D(OMI)NI 1585 Auff Donnerstags denn 25. / APRILIS zwische(n) 1 und 2 uhr vor mittag vor/schiedt in Gott des Edlen und E(h)r(e)nvehsten / Steffan Zobels von Giebelstadt Amptman(n) / alhie zu Arnstein u(nd) der auch Edlen und / Thugenthaffte(n) frawen Cordula Zoblin / gebor(e)ne Echterin v(on) mess(p)elbron(n) I(h)rer bei/der Edler Sohn Johann Julius seines Al/ters 2 Jahr(e) 9 monat(e) 13 tage D(em) G(ott) G(nade)". Dieses Kind, das nur zwei Jahre und neun Monate alt geworden ist, war der Sohn von Stephan Zobel von Giebelstadt und Cordula Echter von Mespelbrunn, für die das große und detailreiche Renaissance-Epitaph gestaltet wurde.

 

Die Hauptzone des Epitaphs stellt das Kind auf einem kleinen natürlichen Untergrund stehend dar mit bis zum Knie reichender Pluderhose, kurzem Mantel mit steil abstehendem Kragen und gefältelter Halskrause dar, die Hände vor der Brust gefaltet. Er kommt fast wie ein kecker, modebewußter Jugendlicher rüber, was eine ziemliche Idealisierung für einen Dreikäsehoch ist, der noch nicht einmal drei Jahre alt wurde. Die seitlichen Pilaster tragen insgesamt acht Wappenschilde der Ahnenprobe, vier auf jeder Seite. Die seitlich angrenzenden Außenflächen sind als figürliche Pilaster gestaltet, optisch links als Hermenpilaster, rechts das weibliche Gegenstück. Der wuchtige Architrav ist bis auf zwei ornamentale rechteckige florale Reliefs leer, in der Mitte war vermutlich früher ein Vollwappen angebracht; das Loch im Stein, der Schatten auf der Oberfläche und die Aussparung im Gesims darunter sprechen dafür. Der Aufsatz ist mit Voluten verziert und trägt ein rechteckiges Relief mit einer Auferstehungsszene, gleiches Thema wie bei den Eltern, nur schlichter.

Johann Julius hatte noch acht Geschwister, darunter Conrad Ludwig Zobel von Giebelstadt (-3.5.1619), der Domkapitular in Würzburg und Mainz und Dekan am Ritterstift Comburg wurde und Maria Christine Zobel von Giebelstadt (1591-1659), vermählt mit Georg von und zu Neuhausen, sowie Hans (Johann) Friedrich Zobel von Giebelstadt (1583-1654), Herr zu Messelhausen, würzburgischer Amtmann zu Lauda, der zweimal heiratete und den Familienzweig zu Darstadt fortsetzte. Die Brüder Stephan, Julius Rudolph und Philipp Joachim und weitere Schwestern starben ebenfalls jung. Die acht Wappenschilde stehen zeilenweise von oben nach unten für folgende Familien:

 

1. Reihe, heraldisch rechts: Zobel von Giebelstadt, in Silber ein schwarz gezäumter roter Pferdekopf, aus Courtoisie einwärts gewendet, 1. Reihe, heraldisch links: Echter von Mespelbrunn, in Blau ein silberner Schrägbalken, belegt mit drei blauen Ringen.

 

2. Reihe, heraldisch rechts: von Bibra, in Gold ein aufspringender schwarzer Biber mit geschupptem Schwanz, aus Courtoisie einwärts gewendet, 2. Reihe, heraldisch links: von Adelsheim, in Silber ein silbern-schwarz geteiltes, gewundenes Widderhorn (Steinbockshorn).

 

3. Reihe, heraldisch rechts: von Vinsterlohe (Finsterlohe), von Rot und Silber mit einer rechten Stufe geteilt, 3. Reihe, heraldisch links: von Habern, in Blau zwei aufrechte, voneinander abgekehrte, silberne, golden gestielte Äxte.

 

4. Reihe, heraldisch rechts: von Schwaigern (Schweigern), in Blau ein silberner Schwanenhals mit kugelbesetztem Rückenkamm, aus Courtoisie einwärts gewendet, 4. Reihe, heraldisch links: Rüdt von Collenberg, in Rot Kopf und Hals eines silbernen Rüden mit Ketten-Halsband.

Zur Übersicht: Eltern von Johann Julius Zobel von Giebelstadt:

Seine Großeltern:

Seine Urgroßeltern:

Literatur, Links und Quellen:
Lokalisierung auf Google Maps: https://www.google.de/maps/@49.9733188,9.9627368,19z - https://www.google.de/maps/@49.9733188,9.9627368,162m/data=!3m1!1e3
Pfarreien-Gemeinschaft "Um Maria Sondheim":
https://www.pg-um-maria-sondheim.de/ - https://www.pg-um-maria-sondheim.de/gemeinden/arnstein
Wallfahrtskirche Maria Sondheim:
https://wallfahrt.bistum-wuerzburg.de/wallfahrtsorte/region-main-spessart/maria-sondheim/
Verwendung der Innenaufnahmen mit freundlicher Erlaubnis von Herrn Pfarrer Christian Ammersbach vom 23.5.2022, wofür ihm an dieser Stelle herzlich gedankt sei.
Zobel von Giebelstadt: https://de.wikipedia.org/wiki/Zobel_(Adelsgeschlecht)
Echter von Mespelbrunn:
https://de.wikipedia.org/wiki/Echter_(Adelsgeschlecht)
von Bibra:
https://de.wikipedia.org/wiki/Bibra_(Adelsgeschlecht)
von Adelsheim:
https://de.wikipedia.org/wiki/Adelsheim_(Adelsgeschlecht)
von Vinsterlohe (Finsterlohe):
https://de.wikipedia.org/wiki/Finsterlohe_(Adelsgeschlecht)
Rüdt von Collenberg:
https://de.wikipedia.org/wiki/Rüdt_von_Collenberg

Pfarrkirche Maria Sondheim: Grabdenkmäler außen - Pfarr- und Wallfahrtskirche Maria Sondheim, Hans von Hutten (-1515) - Catharina Zobel von Giebelstadt (-1533) - Wolff von Hutten (-1517) - Anna von Rosenberg (-1528) - Agapitus von Hutten (-1520) - Ludwig von Hutten d. Ä. (-1517) - Ludwig von Hutten d. J. (-1548) und Agatha von Liebenstein (-1547) - Bernhard von Hutten (-1539) und Gertraud von Ebersberg gen. Weyhers (-1544) - Philipp von Hutten (-1546) - Wilhelm von Hutten (-1546), Eva von Heßberg (-1541) und Anna von Selbitz (-1599) - Konrad von Hutten (-1502), Anna von Rechberg (-1471) und Elisabeth von Sickingen (-1479) - Bartholomäus von Hutten d. J. (-1495) - Stephan Zobel von Giebelstadt (-1597) und Cordula Echter von Mespelbrunn (-1599) - Konrad von Hutten (-1556) - Jobst von Hutten (-1483) - Amalia von Berlichingen (-1570) - Bartholomäus von Hutten d. Ä. (-1452) und Elisabeth (Else) von Thüngen (-1458) - Konrad von Hutten (-1447) - weitere Wappendarstellungen

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