Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 2984
Würzburg (Unterfranken)

Marienkapelle am Markt: Konrad von Schaumberg

Dieses Grabdenkmal für Konrad von Schaumberg (-30.11.1499) ist im Langhaus der Marienkapelle unmittelbar nördlich des Westportals an der Westwand zu finden; es ist eine Arbeit von Tilmann Riemenschneider und ist ca. 1502-1504 entstanden. In seiner heutigen Form ist die Plastik leider nicht mehr vollständig original, denn sie wurde nach schwerster Beschädigung durch Kriegseinwirkung am 16.3.1945 im Jahre 1946 durch den Bildhauer Georg Schneider wiederhergestellt. An diesem Epitaph beeindrucken die große Detailgenauigkeit der Wiedergabe und die individuellen Gesichtszüge. Das Material ist graugelber Sandstein. Die Plastik ist 1,01 m breit und insgesamt 2,56 m hoch, wobei das Grabdenkmal gestalterisch klar in einen Figurenteil und einen Inschriftenaufsatz oben differenziert ist.

 

Die fünfzeilige Inschrift in vertieften gotischen Minuskeln lautet: "Anno d(omi)ni Mo cccco lxxxxo ixo am sa(m)ps/tag noch katherine Starb d(er) gestre(n)g(e) un(d) / E(h)r(e)nvest(e) her(r) Conrad vo(n) Schawmberg / knoch Ritt(er) Ma(r)schalk an d(er) wid(er)fa(h)rt von / d(em) heil(i)ge(n) grab uff de(m) Me(e)re de(m) got(t) gnad(e) a(men)". St. Katharinentag ist der 25. November, und im Jahre 1499 fiel der auf einen Montag. Der Samstag nach dem Katharinentag ist also der 30. November. In der Inschrift tauscht der Name "knoch" auf; Knoch war ein von den Herren von Schaumberg in der Hauptlinie geführter Beiname. Interessant sind die Todesumstände: Er machte eine Pilgerfahrt ins Heilige Land und starb auf der Rückfahrt während der Überfahrt über das Meer. Einen Hinweis auf den Erwerb irgendwelcher Pilgerorden sehen wir jedoch nicht.

Seine Wertsachen und sein Testament hatte er vorher dem Rat von Würzburg zur Aufbewahrung gegeben. Am 27.1.1500 bestätigten Dompropst Georg von Giech und die beiden Domherren Georg Fuchs und Bernhard von Guttenberg, daß ihnen der Bürgermeister Hans Truchseß zu Wetzhausen und der Würzburger Rat das hinterlegte Testament nebst 200 fl. bar und einer goldenen Karte ausgehändigt haben und quittieren hierüber. Am 3.2.1500 quittierten Hans von Schaumberg, Amtmann zu Burgebrach, und Christian von Schaumberg den Empfang der ihnen übergebenen deponierte Briefschaften, Verschreibungen, Register, Zettel und 200 fl. in bar.

Konrad von Schaumberg ist hier als Ganzkörperfigur zu sehen, in leicht S-förmiger Biegung dem Betrachter frontal zugewandt. Er trägt eine schlanke, körperbetonte Rüstung im spätgotischen Stil, mit spitzen Ellenbogenkacheln und kinnhohem Halsschutz. Er trägt keinen Helm, das lange, lockige Haar fällt bis auf die Schultern herab. Von vorne ist es kaum zu erkennen, sondern nur von der Seite, daß er im Haar einen gewundenen Tuchstreifen (Chapelle) trägt, um es zusammenzuhalten. Vom einst an der linken Seite hängenden Schwert ist nur noch der Griff erhalten, die freitragenden Abschnitte sind verschwunden, ebenso beim Dolch. Die rechte Hand hält einen kurzen Rosenkranz. Zu seinen Füßen kauert ein Löwe, der mit seinen Vorderpranken Schild Nr. 3 der Ahnenprobe hält. Früher war das Epitaph einmal farbig gefaßt; Spuren davon sind nachweisbar. Die Urheberschaft Riemenschneiders ist gesichert, weil Konrads Testamentsvollstrecker ihm den Auftrag am 2.2.1500 erteilten.

Der Ritter Konrad von Schaumberg war seit 1470 würzburgischer Marschall. Er war der Sohn von Heinrich von Schaumberg zu Lisberg und Barbara Truchseß von Wetzhausen. Seine Großeltern waren Michael von Schaumberg zu Strössendorf und Margarethe von Künsberg sowie ein nicht näher bekannter Truchseß von Wetzhausen und Anna von Laufenholz. Entsprechend besteht die Ahnenprobe aus den vier Wappen von Schaumberg (heraldisch rechts oben), von Silber, Rot und Blau halbgespalten und geteilt (oder eine andere Reihenfolge, viele Varianten; das Relief führt etwas irre, denn die vertikale Linie scheint durchzugehen, tatsächlich liegt nur oben eine Schildteilung vor, unten handelt es sich um einen Grat der Schildform), Truchseß von Wetzhausen (oben links), in Gold zwei rot-silbern in zwei Reihen geschachten Balken, von Künsberg (rechts unten), in Blau eine silberne eingebogene Spitze, und von Laufenholz (unten links, auch Lauffenholz oder Laufamholz), geteilt, oben golden, unten blau-silbern geschacht.

Literatur, Links und Quellen:
Lokalisierung auf Google Maps: https://www.google.de/maps/@49.7947946,9.9295677,20z - https://www.google.de/maps/@49.7948267,9.9295932,81m/data=!3m1!1e3
Homepage der Dompfarrei:
https://www.dom-wuerzburg.de/seelsorge/dompfarrei/
Marienkapelle in Wikipedia:
https://de.wikipedia.org/wiki/Marienkapelle_(Würzburg)
Marienkapelle im Würzburg-Wiki:
https://wuerzburgwiki.de/wiki/Marienkapelle
Marienkapelle im Historischen Lexikon Bayerns:
https://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Marienkapelle,_Würzburg
Marienkapelle auf der Webseite des Bistums Würzburg:
https://www.bistum-wuerzburg.de/bildung-kunst/sehenswuerdigkeiten/marienkapelle-wuerzburg/
Verwendung der Innenaufnahmen mit freundlicher Erlaubnis von Frau Alexandra Eck, Referentin für die Dombesucherpastoral, vom 27.6.2022, wofür ihr an dieser Stelle herzlich gedankt sei.
Die Deutschen Inschriften, hrsg. von den Akademien der Wissenschaften in Düsseldorf, Göttingen, Heidelberg, Mainz, München und der Österreichischen Akademie der Wissenschaften in Wien, 27. Band, Münchener Reihe 7. Band, Die Würzburger Inschriften bis 1525, auf der Grundlage des Nachlasses von Theodor Kramer, unter Mitarbeit von Franz Xaver Herrmann, bearbeitet von Karl Borchardt, Dr. Ludwig Reichert Verlag, Wiesbaden 1988, Nr. 363, S. 171
Wochentagsberechnung:
https://bonding24.de/wochentag-berechen-fuer-ein-beliebiges-datum-im-zeitraum-46-bis-3000-n-chr/
Testamentsvollstreckung in den Ratsurkunden:
https://www.monasterium.net/mom/DE-StaAWuerzburg/WuerzburgerRatsurkunden/1001/charter - https://www.monasterium.net/mom/DE-StaAWuerzburg/WuerzburgerRatsurkunden/999/charter - https://www.monasterium.net/mom/DE-StaAWuerzburg/WuerzburgerRatsurkunden/1000/charter
Konrad von Schaumberg im Würzburg-Wiki:
https://wuerzburgwiki.de/wiki/Konrad_von_Schaumberg
von Schaumberg:
https://de.wikipedia.org/wiki/Schaumberg_(Adelsgeschlecht)
Truchseß von Wetzhausen:
https://de.wikipedia.org/wiki/Truchseß_von_Wetzhausen
von Künsberg:
https://de.wikipedia.org/wiki/Künsberg
Peter Kolb: Wappen in Würzburg, Mainfränkische Studien 90, hrsg. vom Verein der Freunde Mainfränkischer Kunst und Geschichte e. V. Würzburg, 169 S., Spurbuch-Verlag, Würzburg 2019, ISBN: 978-3-88778-572-7

Marienkapelle: Johann Friedrich Eckenbert von Dalberg - Marienkapelle: Johann Philipp Eckenbert von Dalberg - Marienkapelle: Anton Franz Friedrich Stein von Nord- und Ostheim - Marienkapelle: Johann Georg von Mauchenheim gen. Bechtolsheim - Marienkapelle: Maria Johanna Faust von Stromberg - Marienkapelle: Anna Maria Amalia Sophia von Würtzburg - Marienkapelle: Maria Rosina von Greiffenclau-Vollraths - Marienkapelle: Maria Anna Theresie von Breidbach-Bürresheim - Marienkapelle: Jörg Schrimpf - Marienkapelle: Ludwig Wilhelm von Bibra - Marienkapelle: Valentin von Münster und seine zwei Frauen - Marienkapelle: Martin von Seinsheim - Marienkapelle: Johanna von Gebsattel

Ortsregister - Namensregister - Regional-Index
Zurück zur Übersicht Heraldik

Home

© Copyright bzw. Urheberrecht an Text, Graphik und Photos: Bernhard Peter 2022
Impressum