Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 186
Iphofen (Landkreis Kitzingen, Unterfranken)

Iphofen, Rathaus

Das dreistöckige barocke Rathaus wurde in den Jahren 1716-1718 errichtet nach den Plänen des bekannten Würzburger Architekten Joseph Greissing. Die Grundsteinlegung erfolgte 1716; die Einweihung konnte am 11.9.1718 gefeiert werden. Entsprechend dem Stil seiner Zeit wurde es für das kleine Iphofen fast ein wenig zu pompös und aufwendig inszeniert, ein selbstbewußtes Baudenkmal einer wohlhabenden Landstadt. Die Südfassade ist sieben Fensterachsen breit, wovon die drei mittleren als Mittelrisalit zusammengefaßt werden, der allerdings kaum vorspringt. Ein aufgesetztes Zwerchhaus betont die drei mittleren Achsen. An den Gebäudeecken ist im Keller- und Erdgeschoß Fugenrustika, darüber faßt jeweils ein Kolossalpilaster die beiden Obergeschosse zusammen. Ein Raster aus horizontalen und vertikalen Linien erzeugt eine gravitätische Wirkung. Eine doppelläufige Freitreppe mit Balustrade führt vom Marktplatz zum Eingang, über dem prachtvollen Portal befindet sich das fürstbischöfliche Wappen. Dachreiter und Wasserspeier sind exquisite Schmiedearbeiten und betonen den repräsentativen Charakter des Gebäudes. Das Trapez der Freitreppe korrespondiert mit dem Zwerchgiebel und schafft insbesondere mit dem dahinter hervorsehenden Dachreiter eine starke Vertikale in der Mittelachse. Gemessen an der Bauzeit ist das Iphofer Rathaus stilistisch eher konservativ. Das lag zum einen an dem typischen wertebewahrenden Geschmack der Greiffenclau-Zeit, andererseits an den eher konservativen Vorstellungen einer ländlichen Stadt und ihrer ausführenden Handwerker.

Die architravierten Seitengewände des Hauptportals besitzen nach Art antiker Tempeltüren geformte Umbrüche des Profils, für die eine ebensolche Gestaltung am Amtshaus (Knauf-Museum) Vorbild gewesen sein muß. Diese Gestaltung ist sonst nirgends an Greissings Bauten zu finden, und hier ist es aus Gründen städtebaulicher Harmonie aufgegriffen worden. Über dem verkröpften Segmentbogengiebel befinden sich seitlich zwei Liegefiguren antikisierender Krieger mit reich ornamentierten Brustharnischen. Sie tragen Kartuschen mit den Inschriften "FIDE" und "FIDELITAT". Mit der jeweils inneren Hand recken sie ein Schwert empor. Im Inneren gibt es eine sehenswerte, besonders prächtig gestaltete Stiege, die von mehreren aus Eiche geschnitzten, beinahe lebensgroßen und etwas rustikal ausgeführten Atlanten gestützt wird.

Das Wappen des Würzburger Fürstbischofs Johann Philipp von Greiffenclau-Vollraths ist geviert, Feld 1: "Fränkischer Rechen" = von Rot und Silber mit drei aufsteigenden Spitzen geteilt, Herzogtum zu Franken, Feld 2 und 3: von Greiffenclau-Vollraths, jeweils erneut geviert, Feld 1 und d: silbern-blau geteilt, darüber ein goldenes Glevenrad, Stammwappen Greiffenclau, Feld b und c: in Schwarz ein silberner Schräglinksbalken, Ippelbrunn = Eppelborn, Feld 4: "Rennfähnlein" = in Blau eine rot-silbern gevierte, an den beiden senkrechten Seiten je zweimal eingekerbte, schräggestellte Standarte mit goldenem Schaft, Hochstift Würzburg. Oberhalb der ovalen Schildkartusche sieht man den Fürsten- bzw. Herzogshut der Würzburger Fürstbischöfe, weiterhin schräggekreuzt dahinter das gestürzte Schwert und der Krummstab als Insignien weltlicher Landesherrschaft und geistlicher Macht.

Das Stammwappen der von Greiffenclau zu Vollraths zeigt nur ein goldenes Glevenrad in silbern-blau geteiltem Feld. Das vermehrte Wappen zeigt zusätzlich den silbernen Schräglinksbalken in schwarzem Feld der Herrschaft Ippelbrunn = Eppelborn. Die Familie der von Greiffenclau zu Vollraths ist ein uraltes rheinisches Rittergeschlecht im Dienste der rheinischen Stifte. Seit 1337 sind ihre Mitglieder als Besitzer von Vollraths (Vollrads) nachgewiesen. Durch Heirat kamen weitere Güter hinzu, so um die Wende zum 15. Jh. durch Heirat der Erbtochter die Herrschaft Ippelbrunn (Eppelborn), worauf der Schild wie oben erwähnt geviert wurde. Im 18. Jh. kamen die Güter der Frey von Dehrn hinzu, ebenfalls durch Heirat. Weiterer Grundbesitz liegt in Franken, v. a. im Kanton Baunach, mit Schloß in Gereuth. Den Domkapiteln waren die Greiffenclau zu Vollraths sehr verbunden, allein in Würzburg stellten sie zwischen 1666 und 1805 vierzehn Mitglieder desselben. Ähnlich aktiv sind sie in den Hochstiften Mainz, Speyer, Trier, Worms, Bamberg. Nach der Reformation blieben die Greiffenclau zu Vollraths den Stiften treu und erlangten noch einen Bedeutungszuwachs, indem sie viele vakant gewordene Stellen einnahmen. Bedeutende Vertreter der Familie sind Richard von Greiffenclau, Erzbischof zu Trier (1511-1531), Georg Friedrich von Greiffenclau, Fürstbischof in Worms (1616-1629) und Mainz (1616-1629), Johann Philipp II von Greifenclau, Fürstbischof in Würzburg (1699-1719) sowie in gleicher Position Karl Philipp von Greiffenclau (1749-1754). Mit Johann Erwein Freiherr von Greiffenclau zu Vollraths hat die Familie einen Erbtruchseß des Erzbistums Mainz, er stieg zum kurmainzischen Geheimrat und Vicedomus im Rheinland auf, weiterhin war er Ritterhauptmann im Kanton Mittelrhein und Burggraf zu Friedberg (gest. 1727). Das Geschlecht erlosch 1860 im Mannesstamme. Sophie von Greiffenclau zu Vollraths heiratete Hugo Graf Matuschka von Toppolezau, Freiherr von Spätgen, beider Wappen wurden 1862 vereinigt. Das Stammgut Volrads war bis 1997 noch in Familienbesitz.

Unter diesem fürstbischöflichen Wappen befindet sich noch direkt über dem Türsturz ein zweites Wappen, das der Stadt Iphofen. Innerhalb eines Lorbeerkranzes hält ein schwarz gerüsteter Schildhalter das Vollwappen der Stadt, in Blau (verblichen) ein silberner Eisenhut, oben besteckt mit zwei rot-silbern gevierten, an den beiden senkrechten Seiten je zweimal eingekerbten Standarten mit goldenem Schaft. Das gleiche Motiv wird als Oberwappen geführt, nur sind dort die Fähnchen auf einem heraldischen Helm montiert. Das sind die Rennfähnlein des Würzburger Hochstifts in einer auf einem Helm befestigten Variante, ein Hinweis auf den Landesherrn in Kombination mit dem Eisenhut als Symbol bürgerlicher Wehrhaftigkeit. Auf einem Schlußstein der Pfarrkirche hat dieser Helm die Form eines spanischen Morions,wie er für bürgerliche Wehren zeittypisch war. In der heute üblichen Form wird das Stadtwappen etwas anders geführt, in Blau auf einem grünen Dreiberg ein silberner Eisenhut, dessen Rand zu beiden Seiten mit einem silbern-rot gevierten Fähnchen besteckt ist.

Zur Übersicht ein Ausschnitt aus der Liste der Würzburger Fürstbischöfe:
Rudolf II. von Scherenberg 1466-1495
Lorenz von Bibra 1495-1519
Konrad II. von Thüngen 1519-1540
Konrad III. von Bibra 1540-1544
Melchior Zobel von Giebelstadt 1544-1558
Friedrich von Wirsberg 1558-1573
Julius Echter von Mespelbrunn 1573-1617
Johann Gottfried von Aschhausen 1617-1622
Philipp Adolf von Ehrenberg 1623-1631
Franz von Hatzfeld 1631-1642
Johann Philipp von Schönborn (desgl. Erzbischof von Mainz) 1642-1673
Johann Hartmann von Rosenbach 1673-1675
Peter Philipp von Dernbach (desgl. Bischof von Bamberg) 1675-1683
Konrad Wilhelm von Wernau 1683-1684
Johann Gottfried von Guttenberg 1684-1698
Johann Philipp von Greiffenclau-Vollraths 1699-1719
Johann Philipp Franz von Schönborn 1719-1724
Christoph Franz von Hutten 1724-1729
Friedrich Carl von Schönborn (desgl. Bischof von Bamberg) 1729-1746
Anselm Franz von Ingelheim 1746-1749
Karl Philipp von Greiffenclau-Vollraths 1749-1754
Adam Friedrich von Seinsheim (desgl. Bischof von Bamberg) 1755-1779

Literatur, Links und Quellen:
Lokalisierung auf Google Maps: https://www.google.de/maps/@49.704896,10.2606858,20z - https://www.google.de/maps/@49.704973,10.2606784,41m/data=!3m1!1e3
Eugen Schöler, Historische Familienwappen in Franken, Verlag Degener 3. Aufl. 1999
Siebmachers Wappenbücher
Peter Kolb: Die Wappen der Würzburger Fürstbischöfe. Herausgegeben vom Bezirk Unterfranken, Freunde Mainfränkischer Kunst und Geschichte e.V. und Würzburger Diözesangeschichtsverein. Würzburg, 1974. 192 Seiten.
Anton P. Rahrbach, Reichsritter in Mainfranken. Zu Wappen und Geschichte fränkischer Adelsfamilien. Bauer & Raspe Verlag - Die Siebmacherschen Wappenbücher, die Familienwappen deutscher Landschaften und Regionen, Band 2, 2003, ISBN 3-87947-113-4
Webseite der Stadt Iphofen:
https://www.iphofen.de/ - https://www.iphofen.de/vor-ort/sehenswertes/ - https://www.iphofen.de/vor-ort/sehenswertes/einzeldenkmaeler.html - Stadtplan mit Sehenswürdigkeiten: https://tramino.s3.amazonaws.com/s/iphofen/1044095/200916-stadtplan-abriss-a3-web.pdf
Kulturpfad der Grafen von Castell:
http://www.kulturpfad-grafen-castell.de/html/body_iphofen.html
Liste der Baudenkmäler in Iphofen:
https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Baudenkmäler_in_Iphofen#Iphofen
Johannes Mack: Der Baumeister und Architekt Joseph Greissing, mainfränkischer Barock vor Balthasar Neumann, hrsg. von der Gesellschaft für fränkische Geschichte, VIII. Reihe: Quellen und Darstellungen zur fränkischen Kunstgeschichte, c/o Verlag PH. C. W. Schmidt, 1. Auflage 2009, 797 S., ISBN-10: 3866528167, ISBN-13: 978-3866528161, S. 509-511, S. 651
Stadtwappen, Haus der Bayerischen Geschichte:
https://www.hdbg.eu/gemeinden/index.php/detail?rschl=9675139

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