Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 1126
Bamberg (Oberfranken)

ehem. Hauptwache, Hauptwachstraße 16

Die ehemalige Hauptwache (Hauptwachstraße 16) wurde 1772-1774 von Johann Joseph Vogel nach Plänen von Johann Georg Roppelt als Repräsentationsgebäude der fürstbischöflichen Infanterie erbaut. Zuvor standen hier am Rande der damaligen Stadt einige unbedeutende Gebäude und das 1697 errichtete Riegeltor, das 1779 abgetragen wurde, als der Stadtgraben verfüllt und die Promenade angelegt wurde. Das langgestreckte, zweistöckige Barock-Gebäude mit Mansarddach ist aus unverputzten Sandsteinquadern erbaut. Das Erdgeschoß bestand aus offenen Arkaden, die heute größtenteils verglast oder mit Türeinbauten verschlossen sind. Die zur Dekoration verwendeten militärischen Embleme und Trophäen über den rustizierten Wandvorlagen des Erdgeschosses stammen von Johann Bernhard Kamm (1736-1816). Das Gebäude wird von der Stadt Bamberg als Dienstgebäude genutzt. Hier ist das Kultur-, Schulverwaltungs- und Sportamt untergebracht, und hier befindet sich die Amtsleitung Sachgebiet Kultur für Kulturförderung und Kulturpädagogik. Im Erdgeschoß befinden sich Ladengeschäfte. Im zweiten Stock befindet sich das Troppauzimmer, in dem Schriftstücke, Graphiken, Archivalien und Bildmaterial zu Troppau aufbewahrt werden (Öffnungszeiten nach Vereinbarung). Es handelt sich dabei um die Sammlung der Heimatkreisgemeinschaft Troppau e. V. Troppau war bis 1928 Regierungssitz von Österreichisch-Schlesien. Seit 1958 engagiert sich die Stadt Bamberg in einer Patenschaft für die Stadt Troppau (Opava).

Im Dreiecksgiebel befindet sich das Wappen des Bamberger Fürstbischofs Adam Friedrich von Seinsheim (regierte 1757-1779). Das wappen besitzt die gleiche ungewöhnliche Feldaufteilung wie an St. Jakob. Der Hauptschild ist mit zwei Bogenlinien schräggeviert, Feld 1 (oben) und 4 (unten): in Gold ein rotbewehrter und rotgezungter, schwarzer Löwe, überdeckt von einer silbernen Schrägleiste (welche hier untypisch und unrichtig schwebend dargestellt wird), Hochstift Bamberg, Feld 2 (rechts): "Fränkischer Rechen" = von Rot und Silber mit drei aufsteigenden Spitzen geteilt, Herzogtum zu Franken, Feld 3 (links): "Rennfähnlein" = in Blau eine rot-silbern gevierte schräggestellte Standarte mit goldenem Schaft, Hochstift Würzburg. Der gekrönte Herzschild ist "normal" geviert (aber andersherum als bei St. Jakob), Feld 1 und 4: in Gold eine golden gekrönte schwarze springende Wildsau, Wappen der erloschenen von Sünching, Feld 2 und 3: 5x silbern-blau gespalten, Stammwappen der von Seinsheim. Das um das Wappen von Sünching vermehrte Wappen wurde von der Familie ab dem Freiherrendiplom vom 2.3.1580 geführt.

Von 1755-1757 war Adam Friedrich von Seinsheim Fürstbischof nur von Würzburg. Die Personalunion der Hochstifte Würzburg und Bamberg galt 1757-1795. Im Bamberger Bereich gibt es folglich von diesem Bischof nur kombinierte Wappen Seinsheim/Würzburg/Bamberg. Hier wird auf das Oberwappen zugunsten der Fürstenhutes verzichtet. Schwert und Krummstab fehlen hier. Die um die ovale Kartusche gelegte Girlande verweist stilistisch bereits auf den Übergang zum Klassizismus.

Literatur, Links und Quellen:
Lokalisierung auf Google Maps: https://www.google.de/maps/@49.8950403,10.8906383,19.45z - https://www.google.de/maps/@49.8950214,10.8906845,51m/data=!3m1!1e3
Liste der Baudenkmäler:
https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Baudenkm%C3%A4ler_in_Bamberg/Innere_Inselstadt#Hauptwachstra%C3%9Fe
Hauptwache:
https://de.wikipedia.org/wiki/Hauptwache_(Bamberg)
von Seinsheim:
https://de.wikipedia.org/wiki/Seinsheim_(Adelsgeschlecht)
Adam Friedrich von Seinsheim
https://de.wikipedia.org/wiki/Adam_Friedrich_von_Seinsheim
Peter Kolb: Die Wappen der Würzburger Fürstbischöfe. Herausgegeben vom Bezirk Unterfranken, Freunde Mainfränkischer Kunst und Geschichte e.V. und Würzburger Diözesangeschichtsverein. Würzburg, 1974, 192 S.
Siebmachers Wappenbücher, Band Bistümer
Die Wappen der Hochstifte, Bistümer und Diözesanbischöfe im Heiligen Römischen Reich 1648-1803, hrsg. von Erwin Gatz, von Clemens Brodkorb, Reinhard Heydenreuter und Heribert Staufer, Schnell & Steiner Verlag 2007, ISBN 978-3-7954-1637-9

Die Wappen der Fürstbischöfe von Würzburg - Teil (1) - Teil (2) - Teil (3) - Teil (4)
Die Wappen der Fürstbischöfe von Bamberg - Teil (1) - Teil (2) - Teil (3) - Teil (4)

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