Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 2955
Würzburg (Unterfranken)

St. Burkard: Epitaph für Philipp Zollner von Rottenstein

Dieses Epitaph ist nach gängiger Zuordnung für Philipp Zollner von Rottenstein (-1546) zu Friesenhausen, Walchenfeld, Rottenstein und Birkenfeld, und für seine Frau, Dorothea von Dottenheim. Mit Philipp Zollner starb diese Familie in männlicher Linie aus. Gänzlich erloschen ist die Familie 1561 mit seiner Schwester Martha Zollner von Rottenstein, welche laut Biedermann vermählt war mit Heinrich Wolff von Herbilstadt. Nach Biedermann war Philipp der Sohn von Carl Zollner von Rottenstein, würzburgischer Amtmann zu Haßfurt, und Margaretha Haberkorn von Zellingen, und Dorothea war die Tochter von Hans von Dottenheim und Barbara von Pfundsdorf.

Die Inschrift war früher einmal sehr ausführlich und zog sich an den beiden Seiten jeweils dreizeilig und oben quer zweizeilig entlang. Bis auf die Worte "Starb der Edel und Ernveste" ist kaum etwas zu erkennen, so verwittert ist die Oberfläche. Das Zentralfeld zeigt in beherrschender Größe beiderseits des Gekreuzigten die Familie des Verstorbenen, optisch links zwei Männer und ein Söhnchen, rechts zwei Frauen, alle mit zum Gebet zusammengelegten Händen, die Männer in Rüstung, die Frauen mit Haube und Rosenkranz. Die Lücken beiderseits des Kreuzes zwischen Christi Armen und Hüfttuch enthalten eine Strahlensonne und eine Mondsichel, beide gesichtet und mit wehklagendem Gesichtsausdruck.

 

Im Aufsatz sind zwei Wappenschilde einander zugeneigt als Allianzwappen. Heraldisch rechts sieht man den Schild der Zollner von Rottenstein, in Silber drei (2:1) rote Zimmermannsbeile. Für die Familie sind verschiedene Kleinode überliefert: Im Ingeram-Codex ("dye zolner von (?)eckenstein od Dinstman") ist es zu rot-silbernen Decken ein silberner Flug, beiderseits mit den drei roten Zimmermannsbeilen belegt, zwischen den Flügel ein silberner Schwanenhals. Im Berliner Wappenbuch "von roddenstain" gibt es mehrere Varianten, darunter auch diese: Auf dem Helm mit silbern-roten Decken auf einem rotkrempigem Hermelinhut ein gestürztes, mit der Schneide nach unten und mit dem Griff nach schräg hinten gelegtes Beil. Im Wappenbuch St. Gallen ("von rodttenstein") ist in der Helmzier ein silberner, rotkrempiger Hut (kein Hermelinhut) dargestellt, im Wernigeroder Wappenbuch ("Zollner von Friesenhausen dienstman") wird in der Helmzier ein silberner, golden bewehrter Schwan dargestellt, dessen Flügel mit dem Schildbild belegt ist. Im Wappenbuch St. Gallen gibt es unter der Bezeichnung "Dienstmann" ein eigenes Wappen: In Silber drei (2:1) aufrechte rote Beile mit goldenem Griff, die Schneide nach links gelegt; auf dem Helm mit silbern-roten Decken ein wachsender roter, golden bewehrter, rotgezungter Schwan, dessen silberne Flügel mit drei (2:1) aufrechten roten Beilen mit goldenem Griff belegt sind. Im Donaueschinger Wappenbuch wird die Familie unter der Bezeichnung "zällner" geführt.

Die Zollner von Rottenstein waren Ministerialen der Würzburger Fürstbischöfe. Im Ingeram-Codex und im Wernigeroder Wappenbuch erscheint jeweils der Namenzusatz "Dienstmann". 1280 ist ein Otto Zollner von Rottenstein überliefert, 1360-1364 ist ein Marquard Zollner von Rottenstein als Landkomtur der Ballei Franken überliefert, und 1382-1390 war Konrad Zollner von Rottenstein Hochmeister des deutschen Ordens. Namengebend war die Burg Rottenstein bei Aidhausen (Landkreis Haßberge), die dem Hochstift Würzburg gehörte. Dort saßen die Zollner als Dienstmänner. Die Spornburg wurde 1525 im Bauernkrieg zerstört und nie wieder aufgebaut, vielmehr als Steinbruch ausgeschlachtet; heute gibt es dort nur noch Geländespuren wie den Halsgraben. Aufgehendes Mauerwerk gibt es im Burgstall nicht mehr zu sehen.

Der andere Schild ist derjenige der von Dottenheim, in Rot ein silberner Widder mit goldenen Hörnern. Die hier nicht verwendete Helmzier wäre zu rot-silbernen Decken auf einem roten, hermelingestulpten Turnierhut stehend ein silberner Widder mit goldenen Hörnern (Aschaffenburger Wappenbuch, Scheiblersches Wappenbuch Folio 313, Siebmacher Band: BayA1 Seite: 133 Tafel: 138). Diese Familie gehörte zu den Vasallen des Hochstifts Würzburg, und ihre Mitglieder waren Wappengenossen der Voit von Rieneck und der von Gemünden. Die von Dottenheim, die sich nach ihrem Grundbesitz in Dottenheim (Dietersheim, Landkreis Neustadt an der Aisch-Bad Windsheim) nannten, sind Anfang des 16. Jh. erloschen. Ihr Widder ist, zwar reduziert auf den Kopf, im Kommunalwappen von Dietersheim im Herzschild erhalten geblieben.

Anmerkung: Es gibt eine Urkunde vom 9.7.1519, in der Dorothea von Dottenheim als Ehefrau des Karl Zollner bezeichnet wird, der damals Vogt des Würzburger Bischofs Konrad von Thüngen auf dem Marienberg zu Würzburg war - und das steht in Widerspruch zu der von Wendehorst angegebenen Genealogie, die sich wiederum auf Biedermann stützt. Sicher ist die Zuordnung der Wappen zu den Familien Zollner und Dottenheim, doch diese Urkunde stellt die gängige Personenzuordnung in Frage.

Literatur, Links und Quellen:
Lokalisierung auf Google Maps: https://www.google.de/maps/@49.7899328,9.9247645,19z - https://www.google.de/maps/@49.7899328,9.9247645,162m/data=!3m1!1e3
St. Burkard Würzburg, Schnell Kunstführer Nr. 251, 2. Auflage 1989, Verlag Schnell & Steiner GmbH Regensburg.
St. Burkard: http://www.st-burkard.de/
Veröffentlichung der Photos aus dem Innenraum mit freundlicher Genehmigung von Herrn Pfarrer Ernst Bach, Kath. Pfarramt St. Burkard, Burkarderstraße 40, 97082 Würzburg, vom 15.02.2007
Alfred Wendehorst, Germania sacra, NF 40 - Die Bistümer der Kirchenprovinz Mainz, das Bistum Würzburg 6, die Benediktinerabtei und das Adelige Säkularkanonikerstift St. Burkard in Würzburg, Berlin/New York 2001, online: http://rep.adw-goe.de/handle/11858/00-001S-0000-0005-745C-F, http://rep.adw-goe.de/bitstream/handle/11858/00-001S-0000-0005-745C-F/NF%2040%20Wendehorst%20St.%20Burkhard.pdf, S. 25 ff.
Burgstall Rottenstein:
https://de.wikipedia.org/wiki/Burgstall_Rottenstein
Zollner von Rottenstein:
https://de.wikipedia.org/wiki/Zollner_von_Rottenstein
Biedermann: Geschlechtsregister Der Reichsfrey unmittelbaren Ritterschaft Landes zu Franken Löblichen Orts Baunach
http://books.google.de/books?id=ayZRAAAAcAAJ Tafel 266 ff.
Urkunde vom 9.7.1519:
https://www.monasterium.net/mom/DE-StAW/HimmelspfortenOCist/Urkunden_1519_Juli_9/charter

St. Burkard: Johanna Theresia von Bubenhofen geb. von Pölnitz - St. Burkard: Wilhelm von Rosenbach - St. Burkard: zwei Seckendorff-Epitaphien - St. Burkard: drei Äbte aus der Klosterzeit - St. Burkard: Veronika Fuchs von Burgbreitbach

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