Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 2881
Sulzfeld am Main (Landkreis Kitzingen)

Das Sulzfelder Rathaus

Das Sulzfelder Rathaus befindet sich direkt am Marktplatz und ist giebelständig aufgestellt. Da sowohl zum Gebäude als auch dahinter das Gelände ansteigt, wirkt die Fassade noch imposanter. Der Baumeister des 1609 im Stile der Renaissance fertiggestellten Gebäudes war Peter Meurer aus Kitzingen. Das Rathaus war damals ein völliger Neubau, und es wurde ein für den Ort imposantes Gebäude. Julius Echter von Mespelbrunn ließ im Ort aber nicht nur das Rathaus erbauen, sondern er ließ auch die Kirche vergrößern und die Befestigung weitgehend erneuern. Vor dem Rathaus steht rechterhand eine barocke Mariensäule aus dem Jahr 1724 (Sockelinschrift mit Chronogramm: "Magnae DeI ge-/nItrICI ereCta eX / Voto staVa / Joanne-Michaeli Sebastiano / Marquard germanis fratribus" = M + D + I + I + I + C + I + C + X + V + V = 1000 + 500 + 1 + 1 + 1 + 100 + 1 + 100 + 10 + 5 + 5 =  1724) mit Maria mit Kaiserkrone und Zepter, unter sich die Mondsichel, eine Schlange zertretend, um zu symbolisieren, daß Gott durch Christus das Böse besiegen wird, das Christuskind mit dem Reichsapfel in der Hand.

Zum Platz hin besitzt die dreigeschossige Rathausfassade im ersten und im zweiten Obergeschoß je drei Doppelfenster; die Fläche ist bis zum Hauptgesims ungegliedert. Ganz anders reich ist die Gliederung des zweigeschossigen Giebels, drei die Geschosse voneinander trennende Gesimse, unter den Fenstern (vier unten, zwei oben) entlanglaufende Gesimse gliedern ihn horizontal, dazu kommen unten fünf, oben drei vertikale Wandvorlagen, die bis zum Fenstersims mit einem rechteckigen Diamantbossen und darüber mit Beschlagwerk geschmückt sind. Die Zwickel außen, die den Giebel zum Dreieck machen, tragen Beschlagwerk und Voluten, wobei die Schmuckelemente weit nach außen gezogen sind und dem Giebel zusammen mit den insgesamt fünf schlanken Obelisken eine äußerst lebhafte Außenlinie verleihen.

Das Erdgeschoß der nach Südosten weisenden Platzfassade wird geprägt von den beiden großen Portalen. Mittig führt ein großes, aufwendig mit Bossensteinen geschmücktes Portal mit Rampe davor in die Halle des Erdgeschosses. Die Diamantquaderung des Bogens setzt sich über die Pilaster hinweg fort. Weitere Diamantquader sind am Gebälk angebracht. Das schmiedeeiserne Gitter des Oberlichts ist eine kunstvoll verschlungene Arbeit. Im Aufsatz des Portals ist zwar eine runde Kartusche mit Rollwerkrahmung in das Beschlagwerk eingearbeitet, dort sieht man drei schräggekreuzte Pfeile. In heutiger Form zeigt das Kommunalwappen der Gemeinde Sulzfeld am Main in Rot drei gekreuzte silberne Pfeile, beseitet von zwei silbernen, golden bebutzten Rosen. Dieses Wappen geht zurück auf ein 1639 verwendetes Dorfgerichtssiegel, und die Farben wurden bei der Festlegung 1962 denen des Fränkischen Rechens entlehnt. Hier am Portal fehlen die Rosen (unzutreffend bei Schock-Werner: zweites Echter-Wappen über dem Portal). Das große Portal wird unten von zwei S-förmigen Voluten begleitet.

Links des großen Portals befindet sich das einzige Erdgeschoßfenster der Schaufassade, klein und vergittert, nicht mehr als ein Auslug, wer an der Tür klopft. Darüber ist die Bautafel eingelassen, deren Inschrift besagt: "Als Bischoff Julius Regirt / Wurdt dis Rathaus von Neue volfürdt / Das brauch du from(m)er Vnderthan / Wie es bedechtlich gesehen an / schaff ab nachtheil bedenck den Nutz / Richt gutes an gib's gott zu schutz / vnd thue nuer nach deins hern wunsch / Glaub gwis kein mühe würt sein umb/sonst Anno 1609" (vgl. abweichend die unpräzise Lesung bei Schock-Werner). Auch in dieser Inschrift wird der Segen beschworen, den des Bischofs Bautätigkeit für das Land hat, und der Untertan ermahnt, folgsam zu sein und nach seines Landesherrn Wunsch zu leben, damit er den Nutzen all dieser landesfürstlichen Segnungen genießen kann. Es war dem Landesherrn jede Mühe wert, diese Bauten zu errichten, aber der Untertan soll sich vom Nachteil entfernen und den Nutzen genießen, sofern er "nur nach seines Herrn Wunsch tut".

Das Inschriftenfeld ist eher schlicht, dafür ist der zu vielfältigen Formen ausgezogene Rahmen um so aufwendiger gestaltet. Oberhalb und unterhalb der Inschrift ist ein ausladender Schnörkel als Raumfüller eingehauen. Ganz links befindet sich das kleinere der beiden Portale, ein reines Fußgängerportal, zu dem drei Stufen hinaufführen. Diese Tür führt in das Treppenhaus und in die oberen Stockwerke. Zwei freistehende, fein kannelierte Säulen auf hohen Sockeln und mit aufwendigen Komposit-Kapitellen (bei Schock-Werner als toskanisch bezeichnet) tragen das Gebälk. Hinter den Säulen sind in Höhe des Ansatzes des etwas abgeflacht gespannten Portalbogens zwei Gesimse nach außen gezogen, die die Säulen in halber Höhe hinterschneiden. In den beiden Zwickeln sind schräggestellte Masken dargestellt, mit menschlichen Gesichtszügen und Löwenmähne.

Das Gebälk ist mit Beschlagwerk belegt. Im Aufsatz schließlich ist das Vollwappen des Würzburger Fürstbischofs Julius Echter von Mespelbrunn (18.3.1545-13.9.1617, amtierte 1573-1617) zu sehen, dieses ist geviert, Feld 1: "Fränkischer Rechen" = von Rot und Silber mit drei aufsteigenden Spitzen geteilt, Herzogtum zu Franken, Feld 2 und 3: in Blau ein silberner Schrägbalken, belegt mit drei blauen Ringen, Stammwappen der Echter von Mespelbrunn, Feld 4: "Rennfähnlein" = in Blau eine rot-silbern gevierte, an den beiden senkrechten Seiten je zweimal eingekerbte, schräggestellte Standarte mit goldenem Schaft, Hochstift Würzburg.

Zum Wappen gehören drei Helme, Helm 1 (Mitte): ein Paar blauer Büffelhörner, jeweils belegt mit einem silbernen Schrägbalken, der wiederum mit drei blauen Ringen belegt ist, Helmdecken blau-silbern, Stammwappen der Echter von Mespelbrunn, Helm 2 (rechts): ein Paar Büffelhörner, jeweils im Spitzenschnitt rot-silbern geteilt, Helmdecken rot-silbern, Herzogtum zu Franken, Helm 3 (links): auf einem Fürstenhut drei Straußenfedern in den Farben Silber, Rot und Blau (Reihenfolge kann variieren) zwischen zwei rot-silbern gevierten Standarten mit goldenem Schaft, Helmdecken rot-silbern, Hochstift Würzburg. Teile des mit Mauern und Türmen befestigten Ortes kamen 1376 an das Hochstift Würzburg, das hier ein Kellereiamt unterhielt (Gebäude aus dem 16. Jh., Kettengasse 5). Das historische Rathaus wird nach wie vor als solches genutzt.

 

Und es gibt noch ein zweites Wappen des Fürstbischofs am Rathaus, aber dafür muß man sehr genau hinschauen und sehr hoch: Der alleroberste Giebelaufsatz, unter dem obersten Obelisken und zwischen den beiden zweitobersten seitlichen Obelisken, trägt ein als Fenster gearbeitetes fürstbischöfliches Wappen wie beschrieben, doch die untere Dreiecksfläche von Feld 2 und die obere von Feld 3 sind zur Belüftung des dahinterliegenden Daches ausgespart. Dieser Giebel war von Peter Meurer wohl etwas zu mutig gebaut worden, denn schon 1613 versuchte ein Sturm Schäden, und einige Steine stürzten vom Giebel herab. Deshalb handelte sich Meurer in Dettelbach, wo er auch tätig war, eine Ermahnung ein, etwas besser aufzupassen und sorgfältiger zu arbeiten als in Sulzfeld. Die Längsseite des Rathauses zur ansteigenden Langengasse hin enthielt früher in den einzelnen Öffnungen die Kaufläden.

Literatur, Links und Quellen:
Lokalisierung auf Google Maps: https://www.google.de/maps/@49.7081429,10.1329066,21z - https://www.google.de/maps/@49.7081429,10.1329066,41m/data=!3m1!1e3
Siebmachers Wappenbücher, insbesondere Band Bistümer
Peter Kolb: Die Wappen der Würzburger Fürstbischöfe, hrsg. vom Bezirk Unterfranken, Freunde Mainfränkischer Kunst und Geschichte e.V. und Würzburger Diözesangeschichtsverein, Würzburg, 1974, 192 S.
Julius Echter von Mespelbrunn in Wikipedia:
https://de.wikipedia.org/wiki/Julius_Echter_von_Mespelbrunn
Julius Echter von Mespelbrunn im Würzburg-Wiki:
https://wuerzburgwiki.de/wiki/Julius_Echter_von_Mespelbrunn
Rainer Leng: Julius Echter von Mespelbrunn, Fürstbischof von Würzburg, hrsg. vom Mainfränkischen Museum, Würzburg 2013, ISBN 978-3-932461-35-4
Rainer Leng, Wolfgang Schneider, Stefanie Weidmann (Hrsg.): Julius Echter 1573-1617, der umstrittene Fürstbischof, eine Ausstellung nach 400 Jahren,  Quellen und Forschungen zur Geschichte von Bistum und Hochstift Würzburg, Echter Verlag, Würzburg 2017, ISBN 978-3429043261
Götz Freiherr von Pölnitz: Julius Echter von Mespelbrunn, in: Neue Deutsche Biographie, Bd. 10, Duncker & Humblot, Berlin 1974, ISBN 3-428-00191-5, S. 655 f. -
https://www.deutsche-biographie.de/gnd118528696.html#ndbcontent - https://daten.digitale-sammlungen.de/0001/bsb00016327/images/index.html?seite=669
Alfred Wendehorst (Bearb.): Das Bistum Würzburg 3: Die Bischofsreihe von 1455 bis 1617, Germania Sacra Neue Folge Nr. 13, De Gruyter, Berlin/New York 1978, ISBN: 978-3-11-007475-8 -
https://rep.adw-goe.de/handle/11858/00-001S-0000-0003-16E3-3 - https://rep.adw-goe.de/bitstream/handle/11858/00-001S-0000-0003-16E3-3/NF%2013%20Wendehorst%20W%c3%bcrzb.%20Bfsreihe%201455%e2%80%931617.pdf?sequence=1&isAllowed=y
Barbara Schock-Werner: Die Bauten im Fürstbistum Würzburg unter Julius Echter von Mespelbrunn, Struktur, Organisation, Finanzierung und künstlerische Bewertung, Verlag Schnell & Steiner, Regensburg 2005, ISBN 978-3795416232, S. 335-336
Haus der bayerischen Geschichte, Sulzfeld:
https://www.hdbg.eu/gemeinden/index.php/detail?rschl=9675170
Das Rathaus von Sulzfeld am Main:
https://de.wikipedia.org/wiki/Rathaus_(Sulzfeld_am_Main)
Georg Dehio: Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler, Franken, Regierungsbezirke Oberfranken, Mittelfranken und Unterfranken, bearbeitet von Tilmann Breuer u. a., Deutscher Kunstverlag, München 1979, S. 803

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