Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 2578
Bayreuth (Oberfranken)

Ordensschloß St. Georgen

Das ehemalige Ordensschloß St. Georgen befindet sich im nordöstlichen Bayreuther Stadtteil St. Georgen, Bernecker Straße 7-9. Es war Teil einer im Barock ab 1702 planmäßig konzipierten neuen Vorstadt zwischen dem Tal des Roten Mains und der Senke des einstigen Sees. Die Hauptstraße wurde vom damaligen Erbprinz Georg Wilhelm als eine Art Modellstraße mit Typenhäusern errichtet, von denen 24 identische Exemplare noch existieren, alle zweigeschossig und mit Walmdach versehen. An der Hauptstraße lag auch die Ordenskirche. Hier siedelten sich nicht nur Adelige und Ordensmitglieder, sondern auch Bürgerliche an, die in einem Dienstverhältnis zum markgräflichen Hofe standen, typischerweise Beamte. Zu den markgräflichen Bauten zählten noch das Prinzessinnenhaus, ein Opernhaus und eine Infanteriekaserne.

Von "Schloß" ist jedoch heute wenig zu spüren: Eine vielbefahrene Hauptverkehrsachse verläuft unmittelbar vor dem Gebäude, der einstige See (Brandenburger Weiher) ist heute ein Industriegebiet, und eine schwer gesicherte Mauer umgibt den ganzen, seitlich von der Matrosengasse und der Inselstraße begrenzten Komplex, der seit 1897 als Gefängnis genutzt wird und entsprechend umgebaut wurde. Das Schloß wurde 1725-1727 von Johann David Räntz erbaut. Zum Schloß gehört nur der schwarzgrau patinierte Mittelteil: Die langgestreckte, nach Südwesten weisende Front ist dreigeschossig und besitzt einen vorspringenden, fünfachsigen Mittelrisalit mit Mansarddach und beiderseits zwei vierachsige Seitenteile mit Walmdach. Die niedrigeren Flügelbauten und die rückwärtigen Erweiterungsgebäude entstanden erst im 19. Jh. Rückwärtig sind später symmetrisch zwei Treppenhäuser angebaut worden. Hier befindet sich vor dem Eingangsportal in der Mittelachse ein Balkon mit zweiseitig hochführender Freitreppe. Der Ordens- oder Kapitelsaal nimmt die beiden Obergeschosse des Mittelbaus ein.

Über dem Portal der Nordseite befindet sich eine Kartusche mit dem verschlungenen Monogramm des Bauherrn: MGWZB steht für Markgraf Georg Wilhelm zu Brandenburg-Bayreuth (16.11.1678-18.12.1726, regierte 1712-1726). Derselbe ließ bereits 1724-1735 ein Zucht- und Arbeitshaus für ca. 200 Gefangene erbauen, ebenfalls von Hofbaumeister Johann David Räntz, eine Anstalt, aus der sich die heutige JVA mit drei getrennten Teilanstalten (Markgrafenallee 49, Ordensschloß und St. Johannis) entwickelte, und es ist Ironie des Schicksals, daß das markgräfliche Ordensschloß funktionell kurzlebig war und selbst zum Teil dieser zweiten, erheblich beständigeren Gründung geworden ist.

Ein erstes Schloß am Ufer des 1499 künstlich zwecks Fischzucht angelegten Sees von St. Georgen wurde bereits 1695 von Markgraf Georg Wilhelm in Auftrag gegeben. Da war der einzige überlebende Sohn von Christian Ernst Markgraf von Brandenburg-Bayreuth (6.8.1644-10.12.1712) und dessen zweiter Frau Sophie Louise Herzogin von Württemberg (19.2.1642-13.10.1702) noch gar nicht an der Regierung. Dieser Bau war noch in Holzbauweise errichtet worden. Im See selbst ließ der Markgraf 1701 die Roseninsel aufschütten, die mit dem Schloß durch einen 80 m langen Steg verbunden war. Daran erinnert heute noch der Straßenname "Inselstraße". Markgraf Georg Wilhelm hatte eine Leidenschaft für militärische Manöver, und hier auf dem See konnte er sogar Manöver zur See arrangieren lassen, denn die Insel hatte Anlegemöglichkeiten für Schiffe bis zu 30 m Rumpflänge. 1695-1722 wurden sechs luxuriös ausgestattete Segelschiffe für diesen Zweck gebaut. Da der Markgraf als Prinz England und die Niederlande bereist hatte, hatte sich angesichts der dortigen Rolle der Marine eine Begeisterung für Kriegsschiffe und ihre Manöver entwickelt, hier konnte er sie spielerisch ausleben und sich wenigstens an inszenierten Seeschlachten ergötzen, wenn sein Fürstentum schon nichts ans Meer grenzte und er dort nicht "mit den großen Jungs spielen durfte". Wie wichtig das für ihn ganz persönlich war, sieht man an der Bezeichnung "St. Georgen am See" für den neuen Stadtteil. Am Rande des Sees ließ der begeisterte Markgraf sogar ein Kapitänshaus und Matrosenunterkünfte bauen - daran erinnert der Straßenname "Matrosengasse". Auf seiner Reise nach England hatte der Erbprinz auch den Hosenbandorden kennengelernt, der ihm als Vorbild für die eigene Ordensgründung diente.

Als der Markgraf im Jahre 1705 den Orden "de la Sincérité" (Orden der Aufrichtigkeit) nach dem Vorbild des englischen Hosenbandordens als höfischen Ritterorden gründete, wurde die Schloßanlage erheblich aufgewertet: Am jeweiligen St. Georgstag sollten sich hier alle Ordensritter vereinigen und versammeln. Dieser Orden hatte als Wahrzeichen ein an einem roten Band getragenes Medaillon in Form eines Tatzenkreuzes mit rundem Mittelfeld, das den roten brandenburgischen Adler auf silbernem Grund zeigte, auf der Brust des Adlers der Hohenzollernschild. Dieser Adler wurde bald namengebend für den Orden, denn daraus entwickelte sich der "Rote Adlerorden", den Preußen übernahm.

Der neuen Bestimmung wurde das anfängliche hölzerne Schloß, das außerdem schon baufällig geworden war, nicht mehr gerecht, deshalb wurde 1725 der barocke Neubau in Angriff genommen. Markgraf Georg Wilhelm starb jedoch 1726 und erlebte die Fertigstellung seines Ordensschlosses nicht mehr. Danach wurde das Gebäude als Lustschloß für höfische Gesellschaften und Belustigungen genutzt. Das Schloß verfügte über einen zum See hin gerichteten Theaterbau. Auch der See wurde für Feste und Aufführungen genutzt. Mit dem Bauherrn endete die Hauptlinie der Markgrafen, denn mit seiner Frau, Sophia Herzogin von Sachsen-Weissenfels (2.8.1684-6.5.1752), hatte er nur eine Tochter, Markgräfin Christiane Sophie Wilhelmine von Brandenburg-Bayreuth (6.1.1701-15.7.1749), welche selbst nicht heiratete. Die vier anderen Kinder starben früh. Die Nachfolge im Markgrafenstaat trat Georg Friedrich Karl von Brandenburg-Kulmbach-Bayreuth (19.6.1688-17.5.1735) aus der Kulmbacher Nebenlinie an. Er hatte wenig Interesse an der Weiterentwicklung der neuen Modellstadt seines Vorgängers. Vielmehr überließ er den neuen Stadtteil in unvollendetem Zustand der Selbstverwaltung und kümmerte sich um andere Baustellen. Bis 1811 blieb St. Georgen eigenständige Stadt. 1775 wurde der See unter Markgraf Karl Alexander Brandenburg-Ansbach-Bayreuth (24.2.1736-5.1.186), dem letzten Markgrafen, trockengelegt.

Von der Innenausstattung hat sich so gut wie nichts erhalten außer dem großen Festsaal mit Stuck des Italieners Andrea Domenico Cadenazzi (andere Arbeiten: Palais Egloffstein in Erlangen, Jagdschloß Thiergarten in Bayreuth) und einem Deckenfresko von der Hand des Bayreuther Hofmalers Gabriel Schreyer (andere Arbeiten: Deckenmalereien in Creußen, Bilderdecke der Ordenskirche St. Georgen). Das Thema des mit "Toujours le même" beschrifteten Gemäldes ist: Im Krieg wie im Frieden huldigt das dankbare Volk dem aufrichtigen Herrscher, eine Apotheose des Ordens. Nur zu ganz seltenen Gelegenheiten erhält die Öffentlichkeit Zutritt zu diesem Saal.

Der Wappenschild des großen Wappens auf der Südseite ist dreimal gespalten und viermal geteilt mit einem Schildfuß, hat somit 21 Felder, und dazu noch einen Herzschild. Die einzelnen Felder sind wie folgt belegt:

Um das Wappen ist das Band des Ordens "de la Sincérité" gelegt; die Lücken bis zum Rand sind mit militärischen Trophäen gefüllt, so sehen wir Kanonenrohre, Feldzeichen im römischen Stil, einen Morgenstern, einen Degen, mehrere Fahnen, einen Bügelhelm, einen Schild, eine Trompete, eine Hellebarde etc.

Dazu werden hier neun Helme geführt:

Auf allen Kapitellen der zur Wandgliederung eingesetzten Pilaster ist das Abzeichen des Ordens "de la Sincérité" zu sehen, ein silbernes Tatzenkreuz, in der Mitte mit einem Kreis, der in Silber den roten brandenburgischen Adler trägt, oben über dem Kreuz der hermelingestulpte Fürstenhut. Eine Umbenennung in "Hochfürstlicher Brandenburgischer Roter-Adler-Orden" erfolgte 1776 unter Markgraf Christian Friedrich Karl Alexander, der dem Orden damals auch neue Statuten gab. Nachdem 1791 die fränkischen Hohenzollerngebiete an Preußen übergegangen waren, wurde der Orden 1792 von Preußen adaptiert und vom Preußischen König als Roter Adlerorden weitergeführt. Es war im preußischen Staat der zweithöchste Orden nach dem Schwarzen Adlerorden. 2005 wurde der Rote Adlerorden als Verdienstorden des Bundeslandes Brandenburg reaktiviert und wird seitdem unter dem traditionellen Namen an maximal 300 Träger für besondere Verdienste verliehen.

Literatur, Links und Quellen:
Lokalisierung auf Google Maps: https://www.google.de/maps/@49.9560022,11.5917163,19.04z - https://www.google.de/maps/@49.9560022,11.5917163,164m/data=!3m1!1e3
Ordensschloß:
https://de.wikipedia.org/wiki/Ordensschloss_St._Georgen
Stefanie Gansera-Söffing: Die Schlösser des Markgrafen Georg Wilhelm von Brandenburg-Bayreuth, Verlag C. u. C. Rabenstein, Bayreuth 1992, ISBN 3-928683-05-5
Ruth Bach-Damaskinos, Peter Borowitz: Schlösser und Burgen in Oberfranken, Hofmann Verlag, Nürnberg 1996, ISBN 3-87191-212-3, S. 40-41.
Christoph Rabenstein, Ronald Werner: St. Georgen - Bilder und Geschichten, Bayreuth 1994, ISBN 3922808387, S. 23-42
Christoph Rabenstein, Ronald Werner: St. Georgen, Druckhaus Bayreuth, Bayreuth 1994, ISBN 3-922808-38-7
Bernd Mayer: Kleine Bayreuther Stadtgeschichte, Pustet, Regensburg 2010, ISBN 978-3-7917-2266-5
Nordansicht des Schlosses mit See und Insel:
https://de.wikipedia.org/wiki/Ordensschloss_St._Georgen#/media/File:Bt_006altesschloss.jpg
JVA St. Georgen:
https://www.justiz.bayern.de/justizvollzug/anstalten/jva-bayreuth/ - https://www.justiz.bayern.de/media/pdf/jva_bayreuth_2019.pdf
JVA St. Georgen:
https://de.wikipedia.org/wiki/Justizvollzugsanstalt_St._Georgen-Bayreuth
Markgraf Georg Wilhelm:
https://de.wikipedia.org/wiki/Georg_Wilhelm_(Brandenburg-Bayreuth)
Bericht über die Besichtigung des Ordensschlosses:
https://www.csu.de/verbaende/ov/bayreuth-west/regionales/november-2016/besichtigung-des-ordensschlosses-st-georgen-in-der-jva-bayreuth/
Roter Adlerorden:
https://de.wikipedia.org/wiki/Roter_Adlerorden
Fürstentum Bayreuth:
https://de.wikipedia.org/wiki/Fürstentum_Bayreuth
Stadtteil St. Georgen:
https://de.wikipedia.org/wiki/St._Georgen_(Bayreuth)
Landes- und Wappenkunde der Brandenburgisch-Preußischen Monarchie, M. Gritzner, 1894
Maximilian Gritzner: Das Wappen der Kurfürsten zu Brandenburg von 1417 bis 1701, in: Festschrift zur Feier des fünfundzwanzigjährigen Bestehens des Vereins für Wappen-, Siegel- und Familienkunde "Herold", hrsg. vom Verein Herold, Berlin 1894, S. 1-64

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