Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 2493
Tann (Rhön, Landkreis Fulda)

Schloß der Herren von der Tann, Gelbes Schloß

Die gesamte Westhälfte des Tanner Schloßkomplexes wird vom Gelben Schloß eingenommen. Es ist das höchste, größte und wuchtigste der drei Schlösser, und da es als einziges drei Flügel hat und zudem eine größere Tiefe besitzt als die beiden anderen Teilschlösser, hat es auch die größte Grundfläche. Aufgrund des abfallenden Geländes prägt das vierstöckige Gelbe Schloß die Fernwahrnehnung des Komplexes aus nördlicher, westlicher und südlicher Richtung. An das Blaue Schloß stößt es direkt an; zum Roten Schloß besteht eine kleine Baulücke, die mit einem modernen Garagenbau geschlossen worden ist. Als einziges der drei Schlösser ist es symmetrisch konzipiert, mit zwei Seitenflügeln und einem beherrschenden Hauptflügel in der Mitte, der sowohl nach Osten in den Innenhof hinein als auch nach Westen zum Tal hin einen Mittelrisalit besitzt, zum Hof hin mit zwei Fensterachsen. Im Gegensatz zu den beiden anderen Schlössern, die die Farbbezeichnung nur in den Fensterumrandungen umsetzen, ist das Gelbe Schloß gänzlich gelb angestrichen, während die Eckquaderung und die Fensterumrahmungen aus Sandstein bestehen.

Das Gelbe Schloß wurde von der Konradischen Linie erbaut und bewohnt. Die Konradische Linie teilte sich später in zwei Äste auf (siehe unten Genealogie). Das Schloß ist ein völliger Neubau aus den Jahren 1699-1714 in einem nüchternen, schmuckarmen barocken Stil. Der aus Neustadt a. d. Aisch stammende Baumeister Johann Mützel (7.10.1647-1.9.1717) fertigte die Pläne dazu an; dieser Baumeister ist als Hofbaumeister von Sachsen-Weimar bekannt geworden und erbaute unter anderem 1693 die Kreuzkirche in Eisenach, 1712 die Jakobskirche in Weimar, 1702-1704 das Gelbe Schloß in Weimar, 1707-1709 Goethes Wohnhaus in Weimar, 1706-1711 bzw. wieder das Schloß Ettersburg. Auch das ab 1710 zur Sommerresidenz der Herzöge von Sachsen-Eisenach ausgebaute Schloß Wilhelmsthal bei Eisenach trägt seine Handschrift. Das Gelbe Schloß ist bewohnter Privatbesitz der Familie; allerdings sind während der Touristensaison April-Oktober jeweils Dienstag, 10:30 Uhr, der Ahnensaal und der "lange Gang" im Rahmen einer Führung zugänglich (Voranmeldung montags bei der Touristinformation erbeten).

 

Über dem Segmentbogengiebel des Mittelrisalitportals befindet sich ein vermehrtes, freiherrliches Wappen. In einen ovalen Rahmen ist eine fein modellierte Platte eingesetzt; das Material ist Gußeisen; die beiden Verschraubungen sind rechts und links der mittleren Helmzier zu sehen, welche die beiden anderen Kleinode überragt. Die hier zu sehende Vermehrung betraf nur die Konradische Linie (Gelbes Schloß), aus der am 7.6.1704 Heinrich von und zu der Tann (21.5.1650-8.7.1714), fürstlich-fuldaischer Geheimrat, Obersthofmarschall und Ritterhauptmann des Ritterkantons Rhön und Werra, einen entsprechenden Freiherrenbrief für sich und seine Nachkommen erhielt.

Das vermehrte Wappen der von der Tann ist wie folgt aufgebaut: Geviert mit Herzschild, Feld 1 und 4: in Silber ein grüner Tannenbaum auf grünem Boden (Rasen), Feld 2 und 3: in Gold ein blauer, gekrönter doppelschwänziger Löwe, Herzschild: in Rot eine silberne, mit dem Rücken nach oben gekrümmte Forelle (Stammwappen). Das vermehrte Wappen wird beschrieben im Siebmacher Band: PrGfN Seite: 24 Tafel: 18, Band: Bad Seite: 25 Tafel: 16, Band: Bay Seite: 60 Tafel: 63 und Band: SchlA3 Seite: 60 Tafel: 36.

Dazu werden drei Helme geführt: Helm 1 (Mitte): auf dem gekrönten Helm mit rot-silbernen Decken eine golden gekrönte rote Säule, davor quer die silberne, nach oben gekrümmte Forelle, die Säule oben besteckt mit drei Straußenfedern, silbern-rot-silbern (Stammkleinod), Helm 2 (rechts): auf dem gekrönten Helm mit rot-silbernen Decken eine wachsende rot gekleidete Jungfrau, auf dem Kopf einen blauen Reichsapfel mit goldenem oder silbernem Kreuz tragend und eine silberne, golden gestielte Sichel haltend, die auf der äußeren Biegung mit fünf Straußenfedern besteckt ist, Helm 3 (links): auf dem gekrönten Helm mit blau-goldenen Decken wachsend ein Geharnischter, auf dem Helm mit offenem Visier drei Straußenfedern, je nach Quelle eine rote zwischen zwei silbernen oder eine blaue zwischen zwei goldenen, in der Rechten ein silbernes Schwert emporhaltend, die Linke eingestemmt.

Dabei sind die vier neuen Felder, also zwei neuen Inhalte und die beiden neuen Helme, keine ererbten, bei der Rangerhöhung berücksichtigten Geschlechterwappen wie bei anderen historisch vermehrten Wappen, sondern eine bloße willkürliche Zugabe aus Anlaß des Freiherrendiploms. Die neuen Felder und Helme haben schlicht keine inhaltliche Bedeutung außer der Vermehrung um der Vermehrung willen. Man nahm das Aneinanderstoßen von Silber und Gold als Feldfarbe, das bei historisch gewachsenen Wappen unvermeidbar ist, denn man kann sich sein Erbe nicht aussuchen, seitens der kaiserlichen Kanzlei billigend in Kauf, obwohl es bei einer solchen Neuschöpfung ohne Hintergrund wirklich vermeidbar gewesen wäre. Als Schildhalter dienen ein wilder Mann und eine wilde Frau, beide mit einem langen Stab, um den Kopf laubbekränzt.

 

Ausschnitt aus der Genealogie der Herren von der Tann, Genealogie zum Gelben Schloß, fett sind für dieses Kapitel relevante Personen, rot sind Wappen-Fundstellen, fett und blau sind die einzelnen Linien:

Literatur, Links und Quellen:
Lokalisierung auf google maps: https://www.google.de/maps/@50.641966,10.0216002,18.5z - https://www.google.de/maps/@50.642088,10.021067,161m/data=!3m1!1e3
Schloß Tann:
https://de.wikipedia.org/wiki/Schloss_Tann
Schloß Tann: Ulrich Großmann: Hessische Renaissance-Schlösser
http://schloesser.gnm.de/wiki/Tann,_Schloss
Genealogie Heinrich Freiherr von der Tann:
https://gw.geneanet.org/cvpolier?lang=en&n=von+der+tann&oc=0&p=heinrich
Schloß Tann:
http://www.tann-rhoen.de/smap---1168--tann-.html
Schloß Tann:
https://www.rhoenfuehrer.de/ausflugsziele/sehenswuerdigkeiten/burgen-schloesser/schloss-tann/574
Schloß Tann:
https://www.rhoentravel.de/freizeitangebot/schlossanlage-tann/
Sehenswürdigkeiten in Tann:
http://tanner-netz.de/stadtfuehrung-sehenswuerdigkeiten-tann-rhoen/
Franz Menges: von und zu Tann, in: Neue Deutsche Biographie 25 (2013), S. 781-782
https://www.deutsche-biographie.de/pnd119530031.html#ndbcontent http://daten.digitale-sammlungen.de/0008/bsb00085894/images/index.html?fip=193.174.98.30 ff.
Ludwig Samson Freiherr von Rathsamhausen, in: Hessische Biographie
https://www.lagis-hessen.de/pnd/1080958398
Ludwig Arthur Samson Freiherr von und zu der Tann-Rathsamhausen, in: Hessische Biographie
https://www.lagis-hessen.de/pnd/119411954
Heinrich Friedrich Konrad Freiherr von und zu der Tann, in: Hessische Biographie
https://www.lagis-hessen.de/pnd/117200441
Epitaph des Melchior von der Tann 1608 und seiner Frau, in: Grabdenkmäler
https://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/gdm/id/767
Germania Sacra NF 40 - Die Bistümer der Kirchenprovinz Mainz. Das Bistum Würzburg 6. Die Benediktinerabtei und das Adelige Säkularkanonikerstift St. Burkard in Würzburg, S. 219, S. 267-268
Germania Sacra NF 26 - Die Bistümer der Kirchenprovinz Mainz. Das Bistum Würzburg 4. Das Stift Neumünster in Würzburg, S. 554-556
Genealogische Datenbank des Christoph Graf von Polier, z. B.
https://gw.geneanet.org/cvpolier?lang=en&n=von+der+tann+rathsamhausen&oc=0&p=ludwig - https://gw.geneanet.org/cvpolier?lang=en&iz=0&p=eberhardt&n=von+der+tann - https://gw.geneanet.org/cvpolier?lang=en&iz=0&p=fritz&n=von+der+tann - https://gw.geneanet.org/cvpolier?lang=en&iz=0&p=conrad&n=von+der+tann&oc=1 - https://gw.geneanet.org/cvpolier?lang=en&iz=0&p=christoph&n=von+der+tann und jeweils abhängige Seiten
Gothaisches genealogisches Taschenbuch der freiherrlichen Häuser, 1855, Fünfter Jahrgang, Freiherrliche Häuser:
http://digital.ub.uni-duesseldorf.de/ihd/periodical/pageview/8416837 - http://digital.ub.uni-duesseldorf.de/ihd/periodical/pageview/8398771 ff.
Biedermann, Geschlechtsregister Der Reichsfrey unmittelbaren Ritterschaft Landes zu Franken Löblichen Orts Rhön und Werra
http://books.google.de/books?id=j9JDAAAAcAAJ, 1749, Tf. 182-185 (CLXXXII-CLXXXV) - völlig erratisch und irreführend, da darf man bei dieser Familie nichts für bare Münze nehmen, das ist schlicht NICHTS verläßlich.
Johann Mützel:
https://de.wikipedia.org/wiki/Johann_Mützel
Wolfgang Mück: Johann Mützel 1647-1717, ein Wegbereiter des Barock; Streiflichter aus der Heimatgeschichte, hrsg. vom Geschichts- und Heimatverein Neustadt a. d. Aisch, Eigenverlag, 1997.

Schloß der Herren von der Tann, Blaues Schloß - Rotes Schloß - Schloßstraße 1 (Neuer Bau) und Schloßstraße 2 - Denkmal auf dem Marktplatz - Knottenmühle, Hospital, Samtbau etc.

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