Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 2491
Tann (Rhön, Landkreis Fulda)

Schloß der Herren von der Tann, Blaues Schloß

Schloß Tann liegt am Westrand des Rhön-Ortes. Fast scheint es, als wäre die Stadt in Nord-Süd-Richtung zweigeteilt, im Osten die halbkreisförmige Altstadt jenseits der B278, im Westen der Schloßkomplex mit baulichem Vorfeld und umgebenden Park. Das Zentrum des Westteiles von Tann bildet die riesige Vierflügelanlage des Schlosses, und das Pendant im Ostteil ist die Kirche, zu der alle Abschnitte der konzentrischen Straßen-Halbringe führen. Da Tann am Hang erbaut ist, liegt das Schloß ein wenig tiefer als der Großteil des Ortes, zugleich aber hoch über dem Unsbach und der Ulsteraue. Reste der mittelalterlichen Stadtmauer sind noch im Westen und Süden des Parks zu sehen.

Die Vierflügelanlage setzt sich bei genauerem Hinsehen aus drei Teilbauten mit unterschiedlicher, namengebender Außengestaltung zusammen. Die mittelalterliche Burg war als Ganerbenburg zwischen verschiedenen Familienteilen aufgeteilt worden. Jedes Teilschloß wurde von einem anderen Teil der Familie erbaut und bewohnt. Die Teilschlösser werden ebenso wie die Familienzweige nach den Farben Blau, Rot und Gelb benannt. Das Rote und das Blaue Schloß entsprechen dieser Charakterisierung durch die Farbe der Fenstergewände und des Fachwerks, während der Putz selbst weiß ist; das Gelbe Schloß hat insgesamt eine entsprechende Putzfarbe.

Die Nordostecke der Gesamtanlage bildet das Blaue Schloß. Es ist unwesentlich niedriger als das Gelbe Schloß und nur ein bißchen höher als das Rote Schloß, aber von der Grundfläche her der kleinste Abschnitt. Das Schloß ist gewinkelt mit dem längeren Flügel im Norden, der etwa in der Mitte des Hofes an das Gelbe Schloß stößt, und einem kürzeren Flügel, der nach Süden abknickt und dort an das Rote Schloß stößt. Das Blaue Schloß ist also stadtseitig nur zwei bzw. ganz oben drei Fensterachsen breit und endet rechts der Tordurchfahrt zum Innenhof; zum Nordhang hin besitzt es sieben Fensterachsen, zum Innenhof hin vier im langen Nordflügel und nur eine im kurzen stadtseitigen Flügel. Das Blaue Schloß wurde von der älteren Hauptlinie errichtet und ist damit eigentlich das geschichtlich wichtigste Teilschloß. Das Schloß ist nach wie vor in Privatbesitz der Familie; der gegenwärtige Besitzer ist Kilian von der Tann.

Ein polygonaler Turm ist an die äußere Ecke des Blauen Schlosses angesetzt. Die unteren Stockwerke stammen noch aus der Zeit, als die Anlage eine wehrhafte Burg war. Damals war vor dem Turm ein Wassergraben, und der mittelalterliche Turm schützte den schmalen Zwinger. Christoph von der Tann war der Erbauer der oberen Stockwerke des Turmes, denn er ließ auf die vorhandene Basis 1574 drei Stockwerke im Stil der Renaissance aufsetzen, nachdem er die Burg als Fuldaer Lehen von seinem Vater Melchior übernommen hatte. Die unteren zwei Geschosse des Turmes verschwanden in der Erde, als der Burggraben zugeschüttet wurde. Die neuen Geschosse bestehen aus verputztem Bruchsteinmauerwerk mit Eckquaderung. Das auf eng gesetzten Steinkonsolen vorkragende oberste Geschoß besteht aus Fachwerk und trägt einen polygonalen, verschieferten Helm. Der Turm überstand unverändert die barocke Erneuerung im frühen 18. Jh.

Oben: Zustand 2013. Unten: renovierter Zustand 2018

Einen ersten Einblick in die Familien-Genealogie gibt eine in das Mauerwerk unter dem Fenster im Hocherdgeschoß eingelassene Steintafel mit der Nennung des Bauherrn als letztes von insgesamt 17 Kindern seiner Eltern: "FILII ET FILIAE MELCHIORIS VON / DER THAN ET MARGARETHAE CONIV/GIS SVAE NATAE EX FAMILIA MANSBACH / 1. MARTINVS / 2. ELISABETHA / 3. EBERHARDVS / 4. KATHARINA / 5. CONRADVS / 6. ANNA / 7. GEORGIVS / 8. FRIDERICVS / 9. ALEXANDER / 10. ELISABETHA / 11. CONRADVS / 12. WENDELINVS / 13. CAROLVS / 14. DOROTHEA / 15. VRSVLA / 16. GEORGIVS / 17. CHRISTOPHORVS“. Ein Eierstab rahmt seitlich und oben das Inschriftenfeld, im unteren Teil abgelöst von unterschiedlichen Musterornamenten. Schräg geschnittene Perlstäbe und Rautenmuster bilden eine Art Sockelzone. Oben zum Fenster hin ist ein Gesims mit Liliendekor zu sehen. Der an dritter Stelle genannte Eberhard von der Tann wurde Gesandter der Herzöge von Sachsen und ein eifriger Kämpfer für die Reformation. In eben diesem Jahr 1574, als der Turm aufgestockt wurde, starb er in seiner Heimatstadt Tann. Die hohe Kindersterblichkeit zeigt sich darin, daß drei Namen doppelt vergeben wurden.

Oben: Zustand 2013. Unten: renovierter Zustand 2018

Die eigentliche Bauinschrift des Sohnes ist über dem Fenster auf dem Gewände zu lesen: "IN NOMINE TVO SALVATOR IESV / CHRISTOPHEL VON DER THAN ZVNN KETTEN FIERI FECIT 1574" - im Deinem Namen, Erlöser Jesus, hat Christoph von der Tann zu Ketten 1574 den Bau veranlaßt. Der genannte Besitz in Ketten ist heute ein Ortsteil von Geisa im Wartburgkreis. Der Ort war vom 16. bis zum 18. Jh. in Besitz der Herren von der Tann. Das von den Herren von Ketten erbaute Schloß wurde 1790 abgebrochen.

Oben: Zustand 2013. Unten: renovierter Zustand 2018

Ein kleines Schriftband befindet sich unter dem Inschriftenfeld mit den 17 Kindern und hat folgendem Inhalt: "PS 128 ECCE SIC BENEDICETVR / HOMO QVI TIMET DOMINVM" - Psalm 127/4: Siehe, auf diese Weise wird der Mann gesegnet, der den Herrn fürchtet.

Der Turm diente zuletzt nach dem Zweiten Weltkrieg zu Wohnzwecken, als hier Flüchtlinge einquartiert waren. Danach diente der untere Raum zeitweise als Schaf- und Ziegenstall, bis er ungenutzt blieb. In den Jahren 2000 bis 2002 wurde der Dachstuhl des Turmes samt Bedeckung komplett erneuert. Im Jahre 2016 begann man größere Sanierungsarbeiten am Gemäuer, weil zwischenzeitlich entstandene Risse die Standsicherheit bedrohten. Ursächlich war, daß die Vergrößerung der einstigen mittelalterlichen Schießscharten zu Fenstern das Mauerwerk geschwächt hatte; das wurde zurückgebaut; die Öffnungen wurden wieder verkleinert. Weiterhin wurde ein Ringanker zur Stabilisierung eingebaut.

 

Eine einzigartige Besonderheit ist eine in zwei Spalten angeordnete Ahnenprobe am Turm des Blauen Schlosses. Im Jahr 2017 ist der Turm außen renoviert und neu verputzt und gestrichen worden; dabei wurden auch alle Wappen farbig gefaßt, so daß sie einen ganz besonderen Blickfang rechts des Torweges zum Innenhof darstellen. Im folgenden werden sowohl die Bilder aus der Zeit vor der Renovierung (Photos aus dem Jahr 2013, z. B. die beiden Bilder oben) als auch solche danach aus dem Jahr 2018 (z. B. die beiden Bilder unten) gegenübergestellt, nachdem die bislang unauffälligen Sandsteinreliefs zu einem echten Blickfang geworden sind.

 

Die Ahnenprobe am Turm gehört zu dem Ehepaar Christoph von der Tann und Anna Kunigunde von Ebersberg. Die beiden hatten am 12.6.1543 in Fulda geheiratet. Christoph von der Tann (15.3.1514-1575) war der Sohn von Melchior von der Tann d. J. (-21.12.1524) und Margareta von Mansbach (-15.5.1541). Die Großeltern von Christoph von der Tann waren Melchior von der Tann d. Ä. (1420-1460) und dessen Frau, Dorothea von Stein zu Nord- und Ostheim (-1464), väterlicherseits sowie Conrad von Mansbach (1454-1519) und Sophie von Trümbach zu Wehrda mütterlicherseits. Die vier Urgroßeltern väterlicherseits waren Fritz von der Tann, Margarete von Schlitz gen. Görtz, Caspar von Stein zu Nord- und Ostheim, Herr zu Nordheim, und Margarete von Brunn zu Münnerstadt. Die vier Urgroßeltern mütterlicherseits entstammten den Familien von Mansbach und von Brenden, von Trümbach und Schenk zu Schweinsberg (ergänzende Hinweise zur Genealogie willkommen). Entsprechend sehen wir acht Wappenschilde in der linken Spalte, beschriftet mit "THAN", "MANSBACH", "STEIN", "TRVBENBACH", "GORCZ", "BREN", "BRON" und "SCHENCK".

 

Der gewendete Wappenschild der von der Tann ("THAN") zeigt in Rot eine normalerweise nach rechts gewendete, nach oben gekrümmte, silberne Forelle. Die hier nicht abgebildete Helmzier wäre zu rot-silbernen Decken ein roter Schaft belegt mit einer nach oben gekrümmten, mit Kopf und Schwanz abwärts gebogenen, silbernen Forelle und oben besteckt mit drei Straußenfedern (Siebmacher Band: He Seite: 27 Tafel: 31, Band: Bay Seite: 60 Tafel: 63, Band: Bay Seite: 119 Tafel: 146, Band: Sa Seite: 17 Tafel: 16, Band: Bad Seite: 25 Tafel: 16; Schöler, Familienwappen: S. 104-105, Tafel 57; Rahrbach S. 261-264). Dem entspricht die neue Farbfassung.

 

Der Schild der von Mansbach ("MANSBACH) ist von Rot und Silber achtfach geständert. Die hier nicht dargestellte Helmzier wäre zu rot-silbernen Decken ein wachsender Mann mit silbern gestulptem, rotem Hut und achtfach von Rot und Silber geständerter Kleidung (Siebmacher Band: Pr Seite: 253 Tafel: 303, Band: He Seite: 19 Tafel: 20, Band: Reu Seite: 7 Tafel: 5 und Band: Pr Seite: 54 Tafel: 69, Jahrbuch des Deutschen Adels, Bd. 2, 1898). Dem entspricht die neue Farbfassung, auch wenn die Ständerung hier silbern-rot ist, was aber durchaus als gewendeter Inhalt interpretiert werden kann.

 

Die von Stein zu Ostheim ("STEIN") haben als Wappen in silbernem Schild einen schwarzen Schrägbalken, hier gewendet. Die hier nicht dargestellte Helmzier wäre zu schwarz-silbernen Decken ein beiderseits wie der Schild bez. offener Flug, Schrägbalken sparrenweise gegeneinander geneigt (Rahrbach S. 248-250, Schöler, Familienwappen: S. 101., T. 15, Siebmacher II. 8., 5.). Dem entspricht die neue Farbfassung weitgehend, auch wenn die beiderseitige Bordierung eine Fehlinterpretation ist - wenn man ein Wappen ist Stein haut, haben die Linien eben eine gewisse materialbedingte Eigenstärke, die hier falsch als Doppelgrenze interpretiert wurde.

 

Darunter befindet sich das Wappen der von Trümbach zu Wehrda ("TRVBENBACH"), in Gold drei (2:1) rote Rosen. Die hier nicht dargestellte Helmzier wäre zu rot-goldenen Decken ein hoher roter Hut, auf dem goldenen Aufschlag mit den drei Rosen belegt, an der Spitze mit rot-goldenen Federn besteckt (Siebmacher Band: He Seite: 28 Tafel: 32, Band: PrE Seite: 174 Tafel: 150). Die neue Farbfassung entspricht nicht den Erwartungen, weil die Feldfarbe golden statt silbern sein muß, wie Vergleichsdarstellungen auf zahlreichen farbig gefaßten Epitaphien belegen. Ferner wurde hier das Gold des Butzens auf die gesamte innere Blütenblattlage der Rosen ausgedehnt, was ebenso nicht korrekt ist, denn die innere Blattlage müßte ebenfalls rot sein, wenn die Rose als rot definiert ist - nur die Staubgefäße dürfen golden abgesetzt sein, also der innerste kreisförmige Bereich.

 

Als nächstes folgt der nicht gewendete Wappenschild der von Schlitz genannt Görtz ("GORCZ"), in Silber zwei schwarze, schrägrechte, oben gezinnte Balken (Zinnenschrägbalken). Die hier nicht dargestellte Helmzier wäre zu schwarz-silbernen Decken ein silberner, sparrenweise mit zwei schwarzen, schrägen, oben gezinnten Balken (Zinnenschrägbalken) belegter Flug (Siebmacher Band: Han Seite: 15 Tafel: 16, Band: He Seite: 10 Tafel: 10, Aschaffenburger Wappenbuch Tafel 16 Seite 226). Dem entspricht die neue Farbfassung.

 

Die 1525 erloschene Familie von Brenden ("BREN") führt in Silber ein schwarzes Hirschgeweih mit Grind. Die nicht dargestellte Helmzier wäre zu schwarz-silbernen Decken ein schwarzes Hirschgeweih (Aschaffenburger Wappenbuch Tafel 45 Seite 35, 137, 149, 217, 214, Schöler, Familienwappen S. 34, T. 100). Dem entspricht die neue Farbfassung. Es besteht übrigens eine Wappengleichheit mit den Brunner von Babenhausen und den von Stockar. Das selten anzutreffende Wappen ist im Würzburger Domkreuzgang und in der Sepultur der Würzburger Domherren wiederzufinden.

 

Die von Brunn (Bronne) zu Münnerstadt ("BRON") führen einen geteilten Schild, oben ein aus der Teilung wachsender Löwe, unten drei (2:1) Ringe (Sturm, Altkreis Fulda, 1989, S. 864). Die neue Farbfassung, der Löwe oben wachsend golden in silbernem Feld, die Ringe schwarz in rotem Feld, ist sowohl oben als auch unten heraldisch unplausibel wegen zweifachen Farbregelverstoßes, kann aber mangels Literaturnachweisen nicht verifiziert werden, Hinweise willkommen. Das Motiv als solchen ist in verschiedenen Farben bei mehreren anderen Familien bekannt (z. B. Asseln, Schaller).

 

Das achte und letzte Wappen der Ahnenprobe ist das gewendete der von Schenk zu Schweinsberg ("SCHENCK"); es ist geteilt, oben in Blau ein schreitender goldener Löwe, unten in Silber 4 (3:1) rote Rauten, die sich gegenseitig und den Schildrand berühren. Zu dem Schild gehören zwei hier nicht dargestellte Helme, Helm 1 (rechts): auf dem Helm mit rot-silbernen Decken ein wachsender silberner Wolfsrumpf, in dessen Ohren zwei Federn stecken, silbern und rot (Stammkleinod), Helm 2 (links): auf dem gekrönten Helm mit blau-goldenen Decken ein beiderseits mit einem wie der Schild bez. Schildchen belegter, schwarzer Flug (Siebmacher Band: He Seite: 24 Tafel: 27, Band: MeA Seite: 91 Tafel: 51, Band: Bay Seite: 56 Tafel: 58, Band: Na Seite: 9 Tafel: 10, Band: Pr Seite: 62 Tafel: 81, Band: Pr Seite: 351 Tafel: 404, Aschaffenburger Wappenbuch Tafel 42 Seite 123, Schöler, Familienwappen S. 95, Rahrbach S. 213-215). Dem entspricht die neue Farbfassung.

 

Anna Kunigunde von Ebersberg (-18.10.1580) war die Tochter von Eitel von Ebersberg gen. Weyers und Anna von Mörlau (Merlau). Ihre Großmütter entstammten den Familien von Ebersberg gen. Weyers und Liederbach. In der nächstzurückliegenden Generation kommen die Familien von Ketten, von Steinau gen. Steinrück, Völkershausen und Rolshausen neu hinzu (ergänzende Hinweise zur Genealogie willkommen). Entsprechend sehen wir acht Wappenschilde in der linken Spalte, beschriftet mit "WEYERS", "MERLAW", "WEYERS", "LIDERBACH", "KETTEN", "STEINROCK", "VOLCKERSHAVS" und "ROLCZHAVSEN".

 

Die aus der Gegend von Grünberg stammenden und 1748 erloschenen von Mörlau (Merlau) gen. Böhm ("MERLAW") führen in Rot einen goldenen, gekrönten Jungfrauenadler (Rietstap, Siebmacher Band: ThüA Seite: 65 Tafel: 50, Hessisches Wappenbuch S. 99). Das Wappen zeigt ein Fabelwesen, eine sog. Harpyie. Sämtliche Extremitäten sind die eines Adlers, Beine, Schwanz, ausgebreitete Flügel. Der Rumpf ist eindeutig als weiblich zu erkennen, und das menschliche Haupt ist gekrönt. Die hier nicht dargestellte Helmzier wäre zu rot-goldenen Decken ein wachsender goldener, gekrönter Löwe zwischen einem roten Flug. Dem entspricht die neue Farbfassung. Es besteht übrigens eine Wappengleichheit mit den von Felda.

 

Das zweimal auftretende Wappen der von Ebersberg gen. Weyers ("WEYERS") zeigt in Blau eine silberne Lilie. Die hier nicht dargestellte Helmzier wäre zu blau-silbernen Decken eine silberne Lilie zwischen einem blauen Flug (Siebmacher Band: BayA3 Seite: 138 Tafel: 94, Rahrbach S. 48-50,  Zobel Tafel 367, Schöler, Familienwappen S. 40, T. 44). Dem entspricht die neue Farbfassung.

 

Das Wappen der von Liederbach ("LIDERBACH") wird im Rietstap beschrieben: Gespalten, rechts in Rot ein halber goldener Adler am Spalt, links in Rot zwei silberne Balken (parti, au 1 de gueules à la demi-aigle d'or mouv. du parti, au 2 de gueules à deux fasces d'argent). Die hier nicht dargestellte Helmzier wären zu rechts rot-goldenen, links rot-silbernen Decken zwei Büffelhörner, das rechte gänzlich rot, das linke rot jmit zwei silbernen Balken (cimier: deux proboscides, celle à dextre de gueules plein, celle à senestre de gueules chargé de deux fasces d'argent). Dem entspricht die neue Farbfassung. Das Wappen der oberhessischen, aus Liederbach bei Alsfeld stammenden Familie wird weiterhin im Hessischen Wappenbuch auf S. 96, T. 21 beschrieben. Die Familie, die Burgmannen in Alsfeld und Altenburg stellte, die eine enge Beziehung zum Deutschen Orden hatte, diesem etliche Güter spendete und die mehrere Komture hervorbrachte, erlosch 1624 mit Johann von Liederbach, Deutschordenskomtur in Schiffenberg bei Gießen (Grabstein dort).

 

Die Herren von Ketten ("KETTEN") führen eine schrägrechtsgestellte, dreigliedrige Kette: Hier wird die Kette silbern in blauem Feld dargestellt. Die hier nicht dargestellte Helmzier wäre zu Decken in den vorgenannten Farben die mit dem mittleren Glied um zwei Büffelhörner gelegte dreigliedrige Kette; Literaturhinweise willkommen.

 

Die 1734 erloschene Familie von Steinau gen. Steinrück ("STEINROCK") führt in Silber drei (2:1) schwarze, fünfspeichige Wagenräder. Die hier nicht dargestellte Helmzier wäre zu schwarz-silbernen Decken ein schwarzes, fünfspeichiges Wagenrad, oben mit silbernen Straußenfedern besteckt (Aschaffenburger Wappenbuch Tafel 82 Seite 124, Siebmacher Band: SchlA1 Seite: 104 Tafel: 76, Band: ThüA Seite: 85 Tafel: 67, Band: Pr Seite: 393 Tafel: 440, Band: Sa Seite: 48 Tafel: 56, Band: BayA3 Seite: 95 Tafel: 61, Rahrbach S. 250-252, Schöler, Familienwappen S. 101-102, T. 129). Dem entspricht die neue Farbfassung.

 

Das Wappen der thüringischen von Völkershausen ("VOLCKERSHAVS", aus Vacha, Wartburgkreis) wird gewöhnlich mit einem goldenen Feld und einer Gruppe von drei deichselförmig im Dreipaß mit den Mundstücken in der Mitte zusammengestellten Hifthörnern ohne Band dargestellt. Frühe Siegel wie z. B. das des Jahres 1366 von Friedrich von Völkershausen geben aber Anlaß zu der Vermutung, daß es sich um eine nachträglich gegenständlich uminterpretierte sechsfache golden-schwarze Schneckenständerung gehandelt haben könnte. Für diese These spricht neben der Siegeldarstellung auch die Tatsache, daß die Hörner in der Spätgotik ohne Band und ohne Beschläge dargestellt werden und somit noch eine gewisse Nähe zum gebogenen Ständer haben. Die hier nicht dargestellte Helmzier wäre zu schwarz-silbernen Decken eine sitzende schwarze Bracke zwischen zwei silbernen Büffelhörnern (Siebmacher Band: BayA1 Seite: 190 Tafel: 192; Band: ThüA Seite: 46 Tafel: 36 abweichend mit silberner Feldfarbe und einem Mohrenkopf anstelle der Bracke). Hier ist beim Anstreichen ein Fehler passiert - die rote Feldfarbe ist falsch und widerspricht zudem heraldischen Grundprinzipien.

 

Die aus Niedershausen (Nieder-Rolshausen) stammende Familie von Rolshausen ("ROLCZHAVSEN") haben als Wappenbild in Rot zwei schräggestellte und gestürzte silberne Handruder (Siebmacher Band: OstN Seite: 172 Tafel: 113, Band: He Seite: 23 Tafel: 26, Band: Pr Seite: 331 Tafel: 384, Band: Pr Seite: 61 Tafel: 78; Hessisches Wappenbuch S. 110, T. 24). Die hier nicht dargestellte Helmzier wären die beiden Ruder verschränkt mit zwei silbern-rot übereck geteilten Büffelhörnern (Rietstap: De gueules à deux avirons d'argent passés en sautoir les manches en bas. Cimier les avirons entre deux proboscides coupées alternativement d'argent et de gueules). Dem entspricht die neue Farbfassung. Deren Wappen ist auch noch an der Kirche zu Kirchberg und an der Burg Staufenberg bei Gießen zu finden, wo sie Burgmannen stellte.

   

Am Turm des Blauen Schlosses befindet sich noch ein zweites Wappen, unter dem Fenster des 1. Obergeschosses auf der rechten Seite. In einem rechteckigen Feld ist hier noch einmal das Wappen der von Ketten zu sehen, dieses Mal mit Kleinod, der mit dem mittleren Ring um zwei Büffelhörner gelegten dreigliedrigen Kette. Das hat eine besondere Bedeutung für den Bauherrn, so wie er sich auch in der Bauinschrift "zu Ketten" nennt (s. o.).

Oben: Zustand 2013. Unten: renovierter Zustand 2018

Eine weitere Inschrift unter dem Fenster im 1. Obergeschoß zählt die sechs Kinder Christophs und seiner Frau auf: "FILII ET FILIAE CHRISTOPHORI A THAN/NA ET ANNAE KVNEGVNDIS CONIVGIS SVAE NATAE EX FAMILIA WEYERS / AMELIA / SIBILLA / EYTEL MELCHIOR / KVNEGVNDIS / CRISTIANA / GEORGIVS FRIDERICVS". Georg Friedrich von der Tann (1557-1630), Herr auf Ketten, heiratete am 24.8.1584 Maria von Lichtenstein, die Tochter von Jörg von Lichtenstein, Herr zum Hohenstein, und Anna von Berlichingen. Deren Sohn, Caspar Adolf von der Tann (1597-1659), wurde der nächste Herr auf Ketten; er heiratete am 25.11.1633 Agnes von Schwalbach. Danach wurde deren Sohn Georg Christoph von der Tann Herr auf Ketten.

Noch eine Inschrift ist ganz oben unterhalb der Kragsteine zu lesen: "NISI DOMINVS AEDIFICAVERIT DOMVM IN VANVM LA(BORAVE) / RANT QVI AEDIFICANT EAM NISI DOMINVS CVSTODIE / CIVITATEM FRVSTRA VIGILAT QVI CVSTODIT EA(M)." - das ist Psalm 126, Canticum graduum Salomonis, Vers 1: Nisi Dominus aedificaverit domum in vanum laboraverunt qui aedificant eam nisi Dominus custodierit civitatem frustra vigilat qui custodit eam - ein Lied Salomos im Höheren Chor: Wenn nicht der Herr das Haus baut, so arbeiten umsonst, die daran bauen. Wo nicht der Herr die Stadt behütet, so bewacht sie der Wächter umsonst. Erst bei den Baumaßnahmen 2016-2017 wurde auf der Ostseite des Turmes eine weitere Inschriftentafel mit einem lateinischen Zitat des Erasmus von Rotterdam entdeckt, übersetzt "Alles in dieser Welt wird durch lange Geduld, Arbeit und einen scharfen Geist besiegt".

Der nächste Wappenstein des Blauen Schlosses ist über dem Haupteingang im Innenhof innerhalb des Segmentbogengiebelfeldes zu sehen. Der Stein ist stark verwittert, läßt aber noch das Wesentliche erkennen. Die beiden Schildhalter seitlich lassen sich nur noch erahnen. Heraldisch rechts sehen wir das Wappen der von der Tann, in Rot eine rechts gewendete, nach oben gekrümmte, silberne Forelle, auf dem Helm mit rot-silbernen Decken ein roter Schaft belegt mit einer nach oben gekrümmten, mit Kopf und Schwanz abwärts gebogenen, silbernen Forelle und oben besteckt mit drei Straußenfedern. Heraldisch links ist das Wappen der ursprünglich thüringischen von Witzleben zu sehen, in Rot zwei gestürzte silberne Sparren. Dazu werden zwei Helme geführt: Helm 1 (rechts, hier in der Mitte): aAuf dem Helm mit rot-silbernen Decken auf einem gestulpten Hut zwei goldene (alternativ schwarze) Stäbe (Schäfte, Ratteln, das sind Schäfte mit beweglich durchgesteckten Querstäben), beide an der Seite mit je 4x 2 Kleeblättchen, Kugeln oder Schellen besteckt und oben jeweils mit 3 roten und silbernen Straußenfedern besteckt. Helm 2 (links): auf dem Helm mit rot-silbernen Decken wachsend Hals und Kopf eines Geiers mit goldenem, beringtem Halsband zwischen rechts zwei, links drei silbern-rot geteilten Fähnchen. Das ist eine auch alternativ bei einigen Linien vorkommende Helmzier, typisch für die Liebensteiner (jetzt Oldenburger) Linie. Etwas besser sind die Details an dem Wappenstein am Roten Schloß zu erkennen. Der Stein stammt aus der Zeit um 1716, als die beiden viergeschossigen Flügel des Blauen Schlosses völlig umgebaut wurden und ihre heutige Gestalt erhielten. Der Segmentbogengiebel wure glücklicherweise aus härterem Material angefertigt, so daß sich die fortgeschrittene Verwitterung auf den Wappenstein beschränkt.

Diese Kombination steht für Christoph Caspar von der Tann (16.4.1673-7.9.1742) und seine Ehefrau, Johanna von Witzleben (1678-9.4.1758). Christoph Caspar von der Tann war der Sohn von Georg Christoph von der Tann (30.7.1638-2.8.1690), Herr auf Ketten, und Juliane von Buttlar (19.9.1641-2.6.1701). Seine Großeltern väterlicherseits waren Caspar Adolf von der Tann (1597-1659), Herr auf Ketten, und Agnes von Schwalbach (1615-10.8.1641). Die Urgroßeltern waren väterlicherseits Georg Friedrich von der Tann (1557-1630), Herr auf Ketten, und Maria von Lichtenstein, und noch eine Generation weiter zurück kommt man zu Christoph von der Tann (1514-1575), dem Erbauer des zuvor beschriebenen Turmes. Johanna von Witzleben war die Tochter von Johann Adam von Witzleben, Herr auf Liebenstein und Gräfenau, markgräflich-brandenburgischer Generalwachtmeister, Obrist und Geheimer Kriegsrat, und Sophia Eleonore von Polenz. Christoph Caspar und Johanna hatten am 10.4.1694 in Ketten geheiratet.

 

Eine vereinfachte Version dieses Allianzwappens ist auf der Außenseite des Blauen Schlosses über einer Tür zu sehen; beide Schildinhalte, von der Tann und von Witzleben, werden in einer gespaltenen Ovalkartusche zusammengeschoben, ohne Oberwappen. Die Einfassung wird aus zwei sehr schlichten Laubzweigen gebildet, die sich unten mit ihren Stielen überkreuzen.

Innenhof der drei Tanner Schlösser, Blaues Schloß in der Mitte mit Prunkportal, in dessen Segmentbogengiebel sich der verwitterte Wappenstein befindet, Gelbes Schloß links angesetzt, Rotes Schloß rechts inclusive der Tordurchfahrt zur Stadt.

Ausschnitt aus der Genealogie der Herren von der Tann, Genealogie zum Blauen Schloß, fett sind für dieses Kapitel relevante Personen, fett und burgunderrot sind die Besitzer der hier beschriebenen Wappensteine, rot sind andere Fundstellen, fett und blau sind die einzelnen Linien:

Literatur, Links und Quellen:
Lokalisierung auf google maps: https://www.google.de/maps/@50.641966,10.0216002,18.5z - https://www.google.de/maps/@50.642088,10.021067,161m/data=!3m1!1e3
Schloß Tann:
https://de.wikipedia.org/wiki/Schloss_Tann
Schloß Tann: Ulrich Großmann: Hessische Renaissance-Schlösser
http://schloesser.gnm.de/wiki/Tann,_Schloss
Ahnen von Christoph von der Tann:
https://gw.geneanet.org/cvpolier?lang=en&n=von+der+tann&oc=0&p=christoph - https://gw.geneanet.org/cvpolier?lang=en&iz=0&p=melchior&n=von+der+tann - https://gw.geneanet.org/cvpolier?lang=en&iz=0&p=margareta&n=von+mansbach - https://www.geni.com/people/Christoph-von-der-Tann/6000000074781984995 und abhängige Seiten
Ahnen von Anna Kunigunde von Ebersberg:
https://gw.geneanet.org/cvpolier?lang=en&iz=0&p=anna+kunigunde&n=von+ebersberg - https://gw.geneanet.org/cvpolier?lang=en&iz=0&p=eitel&n=von+ebersberg - https://gw.geneanet.org/cvpolier?lang=en&iz=0&p=anna&n=von+morlau - https://www.geni.com/people/Anna-Kunigunde-von-Ebersberg/6000000074782054029 und abhängige Seiten
Ahnen von Johanna von Witzleben:
https://gw.geneanet.org/cvpolier?lang=en&n=von+witzleben&oc=0&p=johanna - https://www.geni.com/people/Johanna-von-Witzleben/6000000074704595879 und abhängige Seiten
Ahnen von Christoph Caspar von der Tann:
https://gw.geneanet.org/cvpolier?lang=en&iz=0&p=christoph+caspar&n=von+der+tann - https://www.geni.com/people/Christoph-Caspar-von-und-zu-der-Tann/6000000074704239153 und abhängige Seiten
Genealogie Ebersberg: Damian Hartard, Die Hoheit des Teutschen Reichs-Adels, Band 3,
http://books.google.de/books?id=y-A-AAAAcAAJ
Schloß Tann:
http://www.tann-rhoen.de/smap---1168--tann-.html
Schloß Tann:
https://www.rhoenfuehrer.de/ausflugsziele/sehenswuerdigkeiten/burgen-schloesser/schloss-tann/574
Schloß Tann:
https://www.rhoentravel.de/freizeitangebot/schlossanlage-tann/
Schloß Tann:
http://www.rhoen.info/lexikon/staetten/Gelbes_Schloss_in_Tann-Rh%F6n_8585810.html
Sehenswürdigkeiten in Tann:
http://tanner-netz.de/stadtfuehrung-sehenswuerdigkeiten-tann-rhoen/
Restaurierung des Turmes: Alte Wappen und eine zeitlose Weisheit: Turm am Blauen Schloss in Tann saniert, Fuldaer Zeitung vom 18.9.2017:
https://www.fuldaerzeitung.de/regional/fulda/alte-wappen-und-eine-zeitlose-weisheit-turm-am-blauen-schloss-in-tann-saniert-XK6950725
Sturm, Altkreis Fulda, 1962, S. 538 f., Sturm, Altkreis Fulda, 1989, S. 861-865 (2. erw. Aufl.)
Dehio, Hessen, 1982, S. 843
Eugen Schöler, Historische Familienwappen in Franken, Verlag Degener / Bauer Raspe, Neustadt an der Aisch, 3. Aufl. 1999, Nachdruck 2002, ISBN 3-87947-112-6
Alfred F. Wolfert, Aschaffenburger Wappenbuch, Veröffentlichung des Geschichts- und Kunstvereins Aschaffenburg e. V., Aschaffenburg 1983
Anton P. Rahrbach, Reichsritter in Mainfranken. Zu Wappen und Geschichte fränkischer Adelsfamilien. Bauer & Raspe Verlag - Die Siebmacherschen Wappenbücher, die Familienwappen deutscher Landschaften und Regionen, Band 2, 2003, ISBN 3-87947-113-4
Dieter Krieger, Hessisches Wappenbuch, 3. Teil, Familienwappen Band 1, C. A. Starke Verlag, Limburg / Lahn 1999, ISBN 3-7980-0002-6
Franz Menges: von und zu Tann, in: Neue Deutsche Biographie 25 (2013), S. 781-782
https://www.deutsche-biographie.de/pnd119530031.html#ndbcontent http://daten.digitale-sammlungen.de/0008/bsb00085894/images/index.html?fip=193.174.98.30 ff.
Epitaph des Melchior von der Tann 1608 und seiner Frau, in: Grabdenkmäler
https://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/gdm/id/767
Germania Sacra NF 40 - Die Bistümer der Kirchenprovinz Mainz. Das Bistum Würzburg 6. Die Benediktinerabtei und das Adelige Säkularkanonikerstift St. Burkard in Würzburg, S. 219, S. 267-268
Germania Sacra NF 26 - Die Bistümer der Kirchenprovinz Mainz. Das Bistum Würzburg 4. Das Stift Neumünster in Würzburg, S. 554-556
Genealogische Datenbank des Christoph Graf von Polier, z. B.
https://gw.geneanet.org/cvpolier?lang=en&n=von+der+tann+rathsamhausen&oc=0&p=ludwig - https://gw.geneanet.org/cvpolier?lang=en&iz=0&p=eberhardt&n=von+der+tann - https://gw.geneanet.org/cvpolier?lang=en&iz=0&p=fritz&n=von+der+tann - https://gw.geneanet.org/cvpolier?lang=en&iz=0&p=conrad&n=von+der+tann&oc=1 - https://gw.geneanet.org/cvpolier?lang=en&iz=0&p=christoph&n=von+der+tann und jeweils abhängige Seiten
Gothaisches genealogisches Taschenbuch der freiherrlichen Häuser, 1855, Fünfter Jahrgang, Freiherrliche Häuser:
http://digital.ub.uni-duesseldorf.de/ihd/periodical/pageview/8416837 - http://digital.ub.uni-duesseldorf.de/ihd/periodical/pageview/8398771 ff.
Biedermann, Geschlechtsregister Der Reichsfrey unmittelbaren Ritterschaft Landes zu Franken Löblichen Orts Rhön und Werra
http://books.google.de/books?id=j9JDAAAAcAAJ, 1749, Tf. 182-185 (CLXXXII-CLXXXV) - völlig erratisch und irreführend, da darf man bei dieser Familie nichts für bare Münze nehmen, das ist schlicht NICHTS verläßlich.

Rotes Schloß - Gelbes Schloß - Schloßstraße 1 (Neuer Bau) und Schloßstraße 2 - Denkmal auf dem Marktplatz - Knottenmühle, Hospital, Samtbau etc.

Wappen der Herren und Freiherren von der Tann

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