Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 2730
Halberstadt (Landkreis Harz, Sachsen-Anhalt)

Der Dom zu Halberstadt, Teil (8): der Orgelprospekt

Die Domorgel
Die steinerne Orgelempore ist ein 1866 entstandenes Werk der Neugotik und befindet sich im Westen des Domes, der hier 27 m lichte Höhe besitzt. Der 1712 begonnene und 1718 vollendete, sich steil bis zum gotischen Gewölbe aufbauende und den Raum beherrschende hölzerne Orgelprospekt ist eine Arbeit von Heinrich Herbst d. J. (1650-1720) und seinem Sohn Heinrich Gottlieb Herbst. Sowohl hinsichtlich seiner schieren Größe und vor allem Höhe (18 m hoch, 10 m breit) als auch wegen seiner reichen Ausstattung mit Schnitzereien aus Lindenholz als auch wegen seiner aufwendigen Technik mit insgesamt drei Spieltischen zählt er zu den eindrucksvollsten Leistungen der barocken Orgelarchitektur in Norddeutschland. Eine weitere Besonderheit dieser Orgel war ein Detail, das später verändert wurde: In der Mitte des Unterbaus wurde ein Lichttunnel eingebaut, um den Lichteinfall durch die westliche Fensterrosette weiter nutzen zu können. Erst bei einem Umbau 1965 wurde dieser Lichttunnel mit Holz verschlossen. Der Prospekt ist reich gegliedert, in der Mitte sind Brustwerk und Hauptwerk übereinander angeordnet; beide werden seitlich von zwei großen Pedaltürmen flankiert, unter denen die kleinen Seitenwerke über den beiden original erhaltenen seitlichen Spieltischen ihren Platz finden. Dadurch ergibt sich insgesamt eine Höhenstaffelung zur Mitte hin, der sich die Komponenten des oben abschließenden Wappens (s. u.) anpassen. Insgesamt gibt es rund 140 Prospektpfeifen. Die Orgel selbst ist nicht mehr original, sondern wurde 1901 durch Ernst Röver (1857-1923) und noch einmal 1965 durch die Bautzener Firma Hermann Eule jeweils neu gebaut.

 

Das heraldische Programm an der Domorgel: Landesherr und Statthalter
Das Jahr der Vollendung dieses Orgelprospekts war 1718. Das Wappenprogramm am Orgelprospekt gibt Aufschluß über die politische Situation in Halberstadt. Das Hochstift Halberstadt bestand von 804 bis 1648 als eigenständiges Territorium des Heiligen Römischen Reiches. Mit dem Westfälischen Frieden wurde 1648 das zuletzt bikonfessionelle Hochstift säkularisiert und in ein weltliches Fürstentum Halberstadt umgewandelt, das dauerhaft an die Kurfürsten von Brandenburg kam. Ab 1701 trugen die Herrscher neben dem Titel eines Königs von Preußen auch den Titel eines Fürsten von Halberstadt. Der Große Kurfürst, Friedrich Wilhelm Kurfürst von Brandenburg (16.2.1620-9.5.1688), hatte am 23.3.1664 bestimmt, daß der jüngere, dritte Sohn Friedrich das Fürstentum Halberstadt als Erbteil erhalten sollte, weil sein älterer Bruder Karl Emil (1655-1674), der auch vom Vater bevorzugt wurde, Kronprinz war. Doch 10 Jahre nach dieser Festlegung starb der ältere Bruder, und Friedrich wurde Kronprinz, der Fürst von Halberstadt wurde später König. In Halberstadt wurde ein Statthalter eingesetzt, und den rekrutierte man aus der Verwandtschaft.

Das heraldische Programm an der Domorgel: Markgraf Christian Ludwig von Brandenburg
Die beiden auffälligsten Wappen in der Mittelachse gehören zum damaligen Statthalter und Dompropst und zum 1718 aktuellen Landesherrn. In der Mitte zwischen den beiden Orgelpfeifen-Reihen, also zwischen Brustwerk und Hauptwerk, ist das Wappen des Markgrafen Christian Ludwig von Brandenburg (24.5.1677-3.9.1734) angebracht. Er war Statthalter des preußischen Königs, seines Halbneffen, und er war Dompropst zu Halberstadt. Außerdem war er noch Dompropst in Magdeburg. Der große Schild ist von einem achtspitzigen Kreuz hinterlegt, weil er seit 1704/1705 Komtur des Johanniterordens zu Lagow war. Der Markgraf war der Sohn von Friedrich Wilhelm Kurfürst von Brandenburg (16.2.1620-9.5.1688) und dessen zweiter Frau, Dorothea Herzogin von Schleswig-Holstein-Sonderburg-Glücksburg (29.9.1636-6.8.1689), und damit der Halbbruder des Kurfürsten Friedrich III., zeitweisen Fürsten von Halberstadt und späteren ersten preußischen Königs, als solcher ab dem 18.1.1701 Friedrich I. König in Preußen (11.7.1657-25.2.1713). Deshalb ist in diesem Wappen auch kein Kurzepter enthalten, weil diese Funktion auf die andere Linie übergegangen ist, die königliche.

Die der ganzen Konstruktion zugrunde gelegte Dreiecks- oder Giebelform wird hier im Zentrum des Prospekts von sechs hell abgesetzten, musizierenden Engelchen nachgezeichnet, die aufgrund den Kontrastes zum dunklen Holz dahinter, ihrem Arrangement und vor allem aufgrund der lebendigen Ausarbeitung den Blickfang der Mitte bilden. Alle sechs Figuren bilden imaginäre Schräglinien, die sich im brandenburgischen Wappen treffen und dieses so hervorheben.

Wappen für Markgraf Christian Ludwig von Brandenburg

Der markgräfliche Schild ist über einem Schildfuß dreimal geteilt und jeweils unterschiedlich oft gespalten:

Wappen für Markgraf Christian Ludwig von Brandenburg (leider nur eine Freihandaufnahme ohne Stativ)

Liste der Dompröpste von Halberstadt
Fett der hier mit Wappen vertretene Dompopst, Wappenfundstellen
1313-1341 Heinrich von Anhalt
1341-1367 Johann von Braunschweig
1367-1382 Heinrich von Braunschweig, 1378 suspendiert
1384-1411 Albrecht (Albert) von Wernigerode
1411-1414 Dietrich von Rabiel, abgesetzt
1414-1435 Friedrich von Hacke
1435-1452 Busso (Busse, Burchard) Graf von Beichlingen
Ludolf von Eßdorf, nicht gesichert
1453-1463 Rudolf Quirre
1463-1474 Heinrich Gerwen
1475-1516 Balthasar von Neuenstadt
- viele Wappenfundstellen: Grabplatte, Radleuchter, Neuenstadt-Kapelle, Schlußstein im Neuen Kapitelsaal, Schloß Krottorf etc.
1516-1538 Wolfgang Graf von Stolberg-Wernigerode, resignierte
1538-1544 Heinrich Graf von Stolberg, resignierte
1544-1581 Christoph I. Graf zu Stolberg-Königstein
der Papst ernannte einen Herrn von Westerholt, wurde vom Kapitel nicht angenommen, nie ins Amt eingeführt
1598-1623 Philipp Sigismund Herzog von Braunschweig-Wolfenbüttel
- Wappen an der Halberstädter Dompropstei
Friedrich Herzog von Schleswig-Holstein, ev., Prinz von Dänemark, gewählt, doch von den politischen Ereignissen überrollt, später König Friedrich III. von Dänemark
1627- Anselm Casimir Wambold von Umstadt, kath., durch 1623 päpstliche Provision, Akzeptanzproblem beim protestantischen Kapitel, erst 1627 Installation, später Erzbischof von Mainz
der Papst ernannte Ernst Adalbert Graf von Harrach, kath., wurde vom Kapitel nicht angenommen, Erzbischof in Prag und Kardinal
-1652 Conrad von Burgstorff
vor 1658-1692 Graf Georg Friedrich von Waldeck, kaiserlicher und holländischer General-Feldmarschall
vor 1695-1734
Markgraf Christian Ludwig von Brandenburg, Komtur des Johanniterordens zu Lagow - Wappen am Orgelprospekt des Halberstädter Doms
1734-1788 Friedrich Heinrich von Brandenburg-Schwedt, Prinz von Preußen, Neffe des Vorgängers, Komtur zu Lietzen
1788-1813 August Ferdinand Prinz von Preußen, Herrenmeister der Ballei Brandenburg des Johanniterordens

Das heraldische Programm an der Domorgel: Friedrich Wilhelm I. König in Preußen als Landesherr
Ganz oben auf dem Orgelprospekt befindet sich das riesige Wappen des Landesherrn, von Friedrich Wilhelm I. König in Preußen (14.8.1688-31.5.1740), dem sog. Soldatenkönig, der 1703 Statthalter der Kurmark und am 25.2.1713 König in Preußen wurde. Er war der Sohn von Friedrich I. König in Preußen (11.7.1657-25.2.1713) und Sophia Charlotte Prinzessin von Braunschweig (1668-1.2.1705) und der Halbneffe des Statthalters in und Dompropstes von Halberstadt. Das königlich-preußische Wappen nimmt die ganze Breite des Prospektes ein: Der aus Holz geschnitzte Schild wird von der preußischen Königskrone überhöht und von zwei wilden Männern mit Laubkränzen um Stirn und Hüften als Schildhaltern flankiert, die aber tiefer stehen als der Schild und mit ihrem inneren Arm weit nach oben langen müssen, um die oberen Ecken des Schildes zu fassen. In ihrer freien äußeren Hand halten sie jeweils eine knotige Keule. Vier fliegende Engel spannen ein Wappenzelt über dem Wappen auf, dessen seitlich herabfallende Tücher von zwei ganz außen und noch eine Stufe tiefer angebrachten preußischen schwarzen Adlern mit ihren Schnäbeln ergriffen und nach außen gezogen werden.

Wappen für Friedrich Wilhelm I. König in Preußen

Dieses Wappen folgt im gesamten oberen Teil, also im überwiegenden Teil seiner Fläche, dem zuvor Gesagten. Einzig neu ist, daß in die oberste Reihe noch ein Feld für das Kurzepter in der Mitte eingeschoben wurde, schmäler als die anderen Felder, mit einem goldenen Zepter auf blauem Feld. Und der preußische Adler kommt in den Herzschild, während der brandenburgische Adler ins Hauptfeld zurücktritt. Wirklich spannend ist aber der untere Teil: Sein Vater, König Friedrich I. in Preußen, bekam 1702 die Oranische Erbschaft mit Moers, Lingen und der Anwartschaft auf die Grafschaft Tecklenburg (die Grafschaft Lingen wurde 1493 von der Grafschaft Tecklenburg abgespalten. Graf Nikolaus IV. von Tecklenburg-Schwerin (1498-1541), Graf von Lingen, blieb unverheiratet. Als er starb, war Graf Konrad von Tecklenburg-Schwerin (1541-1547), sein Neffe und Graf von Tecklenburg, der nächste Verwandte und übernahm die Grafschaft Lingen mit. Damit waren die Gebiete der Grafschaften Tecklenburg und Lingen zunächst wieder vereint).

Denn König Friedrich I. war der Sohn von Friedrich Wilhelm Kurfürst von Brandenburg (16.2.1620-9.5.1688) und dessen erster Frau, Louise Henriette Prinzessin von Nassau-Oranien (7.12.1627-18.6.1667), die wiederum eine Tochter von Heinrich Friedrich Prinz von Nassau-Oranien (1584-14.3.1647) und Amalia von Solms-Braunfels (-8.9.1675) war. Friedrich I. war also ein Urenkel von Wilhelm I. Fürst von Nassau-Oranien (1533-1584) und dessen Frau, Louise de Coligny (23.9.1555-15.11.1620), und das erklärt die Ansprüche. Als Wilhelm III. von Oranien am 19.3.1702 kinderlos starb, ging die Grafschaft Moers an Brandenburg-Preußen über, nun in Form eines Fürstentum. Ebenfalls 1702 ging die Grafschaft Lingen an Preußen, als eröffnetes Lehen des Herzogtums Kleve. Der Anspruch auf die Grafschaft Moers war zusammen mit demjenigen auf die Grafschaft Lingen schon im Jahre 1700 durch den Kaiser ausdrücklich bestätigt worden. 1707 erwarb der preußische König durch Kauf Tecklenburg sowie das Fürstentum Neufchatel (Neuenburg) und die Grafschaft Valengin (Valendis). Friedrichs Sohn, der Wappeneigner Friedrich Wilhelm I., bekam 1713 einen Anteil am Herzogtum Geldern als Folge des Utrechter Friedens. Er verzichtete am 11.4.1713 auf das Oranien-Erbe. Dennoch ist hier im unteren Teil die gesamte oranische Erbschaft als Anspruch heraldisch vertreten.

Wappen für Friedrich Wilhelm I. König in Preußen (leider nur eine Freihandaufnahme ohne Stativ)

Der königlich-preußische Schild ist über einem Schildfuß viermal geteilt und jeweils unterschiedlich oft gespalten:

Das königlich-preußische Wappen und die oranische Erbschaft
Dieser geschichtlich hochinteressante und spannende Nabelschild hat seine Wurzeln in der burgundischen Grafschaft Oranien, dem Orange im Rhônetal. Daraus entstand 1163 das Fürstentum Oranien, die Erhebung zum Fürstentum erfolgte durch Kaiser Barbarossa. Das nur 300 Quadratkilometer kleine Fürstentum wird nacheinander von verschiedenen Familien innegehabt. Erst waren es die Familien de Montpellier und des Baux, dann ab Anfang des 15. Jh. die Familie der Grafen von Chalon.

 

Jean II. de Chalon Sire d'Arlay, d'Arguel et de Ciuseaux (1312-1362) war in erster Ehe vermählt mit Marguerite de Mello (- 25.12.1350). Louis II. de Chalon-Arlay Prince d'Orange war ein Sohn aus dieser Ehe. Danach heiratete Jean zum zweiten Mal, diesmal Marie de Genève, Tochter von Amédée III. Comte de Genève. Dadurch kommt das Element Genf in das Wappen (als Anspruchswappen). Sein Sohn aus erster Ehe, Louis de Chalon Sire d'Arguel et de Ciuseaux, vermählte sich mit Marguerite de Vienne. Deren Sohn Jean III. de Chalon, Seigneur d'Arlay (1392-1418), Prince d'Orange (1393-1418), Vicomte de Besançon, Seigneur d'Arguel et Seigneur de Cuiseaux (1396-1418), war vermählt mit Marie des Baux Dame d'Orange, der Tochter von Raymond IV. des Baux, Prince d'Orange. Durch diese Heirat geht die Herrschaft über das Fürstentum Orange von der Familie des Beaux auf die Grafen von Chalon über. So kam es zu der Kombination, die wir im Nabelschild sehen: Familie de Chalon als Inhaber des Fürstentums Orange mit Anspruchswappen Genf. Orange wurde schließlich von Frankreich annektiert. Der letzte Prinz von Oranien, Philibert von Chalon, wurde 1524-1526 gefangengesetzt. 1529 wurde er rehabilitiert, starb aber 1530 kinderlos, wodurch Wappen, Titel und Ansprüche im Erbgang auf das Haus Nassau (ottonische Linie) übergingen. Philiberts Schwester Claudia von Châlon war Erbin des Fürstentums Orange. Sie war mit Heinrich III. von Nassau verheiratet, und ihr Sohn René wurde Erbe des Fürstentums Orange. Seitdem nennen sich die Nassauer Prinzen von Oranien. Hier wurde von den Preußen aber nur ein Teil geerbt, deshalb finden wir keine nassauischen Komponenten im Wappen, sondern die der gewonnenen Territorien plus das Wappen des Fürstentums Oranien für die oranische Erbschaft und den Anspruch auf Oranien, der bis 1713 tatsächlich aufrechterhalten wurde.

Eine Schlüsselfigur ist Johann Wilhelm Friso Fürst von Nassau-Oranien (4.8.1687-14.7.1711). Johann Wilhelm Friso war 1696-1708 Fürst von Nassau-Dietz. 1702 erbte er Oranien von dem kinderlosen Wilhelm III. Er wurde Erbstatthalter von Friesland, Marquis von Vere und Vlissingen, Graf von Büren und Leerdam, Baron von Breda, außerdem 1704 Herr von Ameland. Johann Wilhelm Friso war jedoch de facto nach der französischen Annexion nur noch Titularfürst von Orange. Im Alter von 15 Jahren wurde er Universalerbe der niederländischen Provinzen und Prinz von Oranien, doch er lebte nicht lange genug, um wirklich etwas davon zu haben. Dazu meldeten entfernte Verwandte Ansprüche auf das begehrte Erbe an. Dazu wütete zeitgleich der Spanische Erbfolgekrieg, und jetzt hatte man auch noch Verhandlungen mit vermeintlichen Erben am Hals. Friso, der Hoffnungsträger der Familie, nachdem sein älterer Bruder im Alter von 11 Monaten gestorben war, starb jung mit 23 Jahren: Im Rahmen eines Feldzuges mußte er bei Mordyck über die Maas (Hollands Diep) übersetzen, und er wollte danach in Den Haag eine abschließende Unterredung mit dem preußischen König führen, das Wetter war regnerisch und stürmisch, so daß der Herr sich in seine trockene Kutsche zurückzog, eine böse Falle, denn der Sturm warf die Fähre um, und der Held von Malplaquet ersoff kläglich. Erst acht Tage später fand ein Fischer seine Leiche. Zudem wurde das Testament des Erblassers, seines Patenonkels, nicht anerkannt, und der Oranische Erbfolgestreit zog sich bis 1732 hin. Der preußische König Friedrich I. einerseits und Fürst Wilhelm Hyacinth von Nassau-Siegen andererseits waren der Meinung, daß Oranien ihnen gehören sollte, und erst der Frieden von Utrecht 1713 brachte eine Interimsentspannung: Johann Wilhelm Frisos postum geborener Sohn bekam den Titel eines Fürsten von Oranien (der Stamm war gerettet!), doch das Fürstentum selbst fiel an Frankreich und Preußen: Frankreich bekam das Fürstentum Orange, das damit nicht mehr Reichsterritorium war und aus dem HRR ausschied, und Preußen bekam die Grafschaft Moers, das Fürstentum Neuenburg, die Grafschaft Lingen und Obergeldern.

Genealogischer Exkurs: Wie kommt Orange-Chalon-Genf in das preußische Wappen?
Folgende Genealogie erklärt das unter Verfolgung des Fürstentums Orange:

Das heraldische Programm an der Domorgel: das Domkapitel
Unten sind am Orgelprospekt über dem ehemaligen, nun verschlossenen Lichttunnel als horizontale Galerie noch 19 weitere Wappen in einem Band angebracht. Sie stehen zwar auf einer Höhe, folgen aber der reich bewegten Außenlinie der Pfeifentürme, so daß sich insgesamt, vor allem bei Schrägansicht von unten, dennoch ein lebhaftes und bewegtes Arrangement ergibt. Es handelt sich um das ganze Halberstädter Domkapitel, das sich hier als Bauherr der Orgel vertreten ließ. Optisch ganz links beginnt die Reihe mit dem Wappen der von Kesselstatt, Hauptschild: in Gold ein rotes Schragenkreuz, bewinkelt von vier grünen, rund ausgeschnittenen Seeblättern (Orsbeck), Herzschild: in Silber ein roter geflügelter Drache mit gewundenem Stachelschwanz (Kesselstatt). Zwei gekrönte Helme, Helm 1 (rechts): auf dem Helm mit rot-silbernen Decken der auffliegende Drache wachsend (Kesselstatt), Helm 2 (links): auf dem Helm mit rot-goldenen Decken ein silberner Pferderumpf mit rotem Zaum und roten Zügeln (Orsbeck). Das Wappen steht hier für Hugo Wolfgang von Kesselstatt (1.11.1691-21.1.1730), kurtrierischer Geheimrat, Domkanoniker in Lüttich und Halberstadt, Propst von St. Paulin in Trier.

Dann folgen die Wappen der von Ledebur (in Rot ein silberner Sparren, auf dem rot-silbern bewulsteten Helm mit rot-silbernen Decken zwei rote Fasanenfedern, jede mit einem silbernen Sparren belegt, hier nur eine erhalten), der Schenk von Flechtingen (in Gold zwei laufende rote Biber übereinander, auf dem Helm mit rot-goldenen Decken sechs rote Fähnchen, 3 nach rechts, 3 nach links abwehend, an goldenen Stangen zwischen zwei roten Biberschwänzen, von den Fähnchen hat sich nur eine erhalten) und der von Westphalen (in Silber ein roter Balken, darüber ein schwarzer, fünflätziger Turnierkragen, auf dem Helm mit schwarz-silbernen Decken ein roter Hut mit zwei silbernen Fasanenfedern besteckt, dazwischen eigentlich noch ein schwarzer, dreilätziger Turnierkragen, hier für Wilhelm von Westphalen, Propst von St. Peter und Paul).

V. l. n. r.: Schenk von Flechtingen, von Westphalen, von Boineburg, von Haren, von der Asseburg, von Wulffen.

Die nächsten Wappen sind die der von Boineburg (schwarz-silbern geviert, auf dem gekrönten Helm mit schwarz-silbernen Decken ein schwarz-silbern übereck geteiltes Paar Büffelhörner, hier für Ludwig Wilhelm von Boineburg-Lengsfeld), der von Haren (im silbernen Schild drei (2:1) rote Spindeln, Helmzier hier verloren gegangen, hier für Christian Wilhelm von Haren) und der von der Asseburg (in Gold ein liegender, sprungbereit gekrümmter, schwarzer Wolf, rot gezungt, Helmzier eine goldene, mit einer silbernen, ovalen Scheibe (Kugel) belegte und oben mit grünen (natürlichen) Pfauenfedern besteckte Säule, Helmdecken schwarz-golden).

Die nächsten Wappen sind die der von Wulffen (mit einem aufspringenden Wolf als Schildbild und dem Wolf wachsend als Helmzier, für Werner von Wulffen), der von Münchhausen (in Gold ein schreitender, halbrechts gekehrter Mönch in silberner Kutte, mit schwarzem Scapulier und mit silberner hinten herabhängender Kapuze, in der Linken einen oben gekrümmten roten Stab (Hirtenstab) haltend, in der Rechten ein Brevier haltend in rotem Futteral mit goldenen Verzierungen, auf dem Helm mit golden-schwarzen Decken wachsend der Mönch wie beschrieben), der von Pannewitz (silbern-rot-schwarz halbgespalten und geteilt, geviert mit einem Ordenskreuz in den Feldern 1 und 4, Helmzier zwei Büffelhörner) und noch einem weiteren Wappen der von Münchhausen (s. o.).

V. l. n. r.: von Wulffen, von Münchhausen, von Pannewitz, von Münchhausen, von Kannenberg.

Es folgen die Wappen der von Kannenberg (in Blau drei (2:1) silberne Henkelkannen mit Ausguß, auf dem blau-silbern bewulsteten Helm mit blau-silbernen Decken eine silberne Henkelkanne zwischen einem blauen Paar Büffelhörner), nach einem weiteren Wappen das der von Bocholtz (in Grün drei (2:1) silberne, abgerissene Löwenköpfe mit rot ausgeschlagenen Zungen, ins Visier gestellt (frontal), auf dem gekrönten Helm mit grün-silbernen Decken ein sitzender silberner Schwan) und zweimal das der von Leerodt (in Silber ein gekrönter schwarzer Löwe, auf dem gekrönten Helm mit schwarz-silbernen Decken der gekrönte schwarze Löwe wachsend zwischen einem schwarzen Flug).

Dann folgen noch einmal das Wappen der von Pannewitz (s.o.), als vorletztes das der von dem Bussche (in Silber drei (2:1) rote Pflugscharen, auf dem rot-silbern bewulsteten Helm mit rot-silbernen Decken zwei gekreuzte (verschränkte), aufrechte, auf dem Mundstück stehende, mit den Mündungen nach oben und außen gestellte, eigentlich silberne Hifthörner (Jagdhörner) mit roten Beschlägen ohne Band, steht hier für den amtierenden Domdechanten Clamor Eberhard von dem Busche, dessen Wappen auch an Burg Zilly zu sehen ist), und noch ein letztes Wappen ganz rechts im Eck. Es gibt etliche Wappengalerien des Halberstädter Domkapitels, an der Dompropstei, an Burg Zilly, in Burg Schlanstedt etc, doch diese hier ist die umfangreichste und besterhaltene.

Literatur, Links und Quellen:
Position in Google Maps: https://www.google.de/maps/@51.8962678,11.0488647,18.5z - https://www.google.de/maps/@51.896156,11.0487941,131m/data=!3m1!1e3
Kulturstiftung Sachsen-Anhalt:
https://www.kulturstiftung-st.de/ - Dome und Klöster: https://www.kulturstiftung-st.de/burgen-schloesser-dome/#dome-kloester
Kulturstiftung Sachsen-Anhalt, Domschatz Halberstadt:
https://www.dom-schatz-halberstadt.de/ - Dom: https://www.dom-schatz-halberstadt.de/dom-domschatz/der-dom-zu-halberstadt/
Förderverein Dom und Domschatz:
https://www.domverein-halberstadt.de/de/aktuelle-projekte.html
Veröffentlichung der Innenaufnahmen aus Dom und Domschatz mit freundlicher Genehmigung von Frau Dr. Uta-Christiane Bergemann vom 7.1.2021, wofür ihr an dieser Stelle herzlich gedankt sei
Aufgrund der extremen Entfernung und der schlechten Lichtverhältnisse sind die obigen Angaben das maximal Auswertbare anhand der freihändig gemachten Photos. Deshalb wurden viele der Inschriften nicht in hinreichender Schärfe erfaßt. Hinweise zu Ergänzungen stets willkommen.
Prof. Herbert Stoyan, Adel-digital, WW-Person auf CD, 10. Auflage 2007, Degener Verlag ISBN 978-3-7686-2515-9
Max von Spießen (Hrsg.): Wappenbuch des Westfälischen Adels, mit Zeichnungen von Professor Ad. M. Hildebrandt, 1. Band, Görlitz 1901 - 1903.
Online: http://wiki-commons.genealogy.net/images/0/0e/WappenWestfAdel.djvu?djvuopts&page=1 und http://wiki-commons.genealogy.net/images/e/e3/Wappen_Westf_Adel2.djvu?djvuopts&page=1
Grafschaft Moers auf Wikipedia:
https://de.wikipedia.org/wiki/Grafschaft_Moers
Grafschaft Lingen auf Wikipedia:
https://de.wikipedia.org/wiki/Grafschaft_Lingen
Johann Wilhelm Friso von Nassau-Dietz: http://nl.wikipedia.org/wiki/Johan_Willem_Friso_van_Nassau-Dietz - http://de.wikipedia.org/wiki/Johann_Wilhelm_Friso_(Nassau-Dietz)
Maximilian Gritzner: Das Wappen der Kurfürsten zu Brandenburg von 1417 bis 1701, in: Festschrift zur Feier des fünfundzwanzigjährigen Bestehens des Vereins für Wappen-, Siegel- und Familienkunde "Herold", hrsg. vom Verein Herold, Berlin 1894, S. 1-65
Fürstentum Orange auf Wikipedia:
https://de.wikipedia.org/wiki/Fürstentum_Orange
Erbfolgestreit Oranien:
https://www.sieunddieniederlande.nl/ihr-land-und-die-niederlande/deutschland/kultur................kassel
Peter Baumgart: König Friedrich I. von Preußen und die Oranische Erbschaft (1702-1732), in: Friedhelm Jürgensmeier, Simon Groenveld (Hrsg.): Nassau-Diez und die Niederlande, Wiesbaden 2012, S. 134–151
Eduard Sebald: Ein Brunnen als Memoria? Der Friso-Brunnen in Diez, in: Friedhelm Jürgensmeier, Simon Groenveld (Hrsg.): Nassau-Diez und die Niederlande, Wiesbaden 2012, S. 187-191
Carmen Presch: Der barocke Orgelprospekt im Dom zu Halberstadt, 2017
www.domorgel-hbs.de/fileadmin/user_upload/FPDF/Orgelbeschreibung_Prospekt.pdf
Domorgel Halberstadt:
https://www.domorgel-hbs.de/durch-die-orgel-licht - Chronik der Orgel: https://www.domorgel-hbs.de/die-orgel/orgelchronik
Caspar Abel: Stiffts- Stadt- und Land-Chronick des jetzigen Fürstenthums Halberstadt -
https://books.google.de/books?id=LYlbAAAAcAAJ, S. 564-568
Samuel Lentz: Diplomatische Stifts- und Landes-Historie von Halberstadt und angräntzenden Oertern, Halle 1749
https://books.google.de/books?id=lRVhAAAAcAAJ
Gustav Schmidt: Die Dompröpste von Halberstadt, in: Zeitschrift des Harz-Vereins für Geschichte und Altertumskunde, 19. Jg., S. 23-92 -
https://zs.thulb.uni-jena.de/rsc/viewer/jportal_derivate_00211796/Zeitschrift_Harz-Vereins_Altertum_1886_19_0029.tif?logicalDiv=jportal_jparticle_00254978

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