Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 1155
Seßlach (Landkreis Coburg, Oberfranken)

Fürstbischöfliches Amtsmagazin

Nördlich der Pfarrkirche befindet sich das ehemalige fürstbischöfliche Amtsmagazin, das als Sitz des Amtmannes und als Schüttboden für die dem Hochstift Würzburg zustehenden Abgaben genutzt wurde. Seßlach gehörte dem Hochstift Würzburg bereits seit dem 12. Jh.; die Würzburger Dienstmannen saßen zunächst auf der Burg Geiersberg über dem Ort. 1335 bekam der Ort von Kaiser Ludwig dem Bayer das Stadtrecht verliehen und durfte eine Befestigung errichten. Das Amtsmagazin steht in der Luitpoldstraße 7 und grenzt rückwärtig an die nördliche Partie der fast vollständig erhaltenen und sehr sehenswerten Stadtmauer des Ortes. Eine Freitreppe führt zum mittig angeordneten Portal in der siebenachsigen Fassade hoch. Zur Luitpoldstraße wird das Anwesen mit einer Mauer mit Rundbogentor abgegrenzt. Das repräsentative, dreistöckige Gebäude mit Satteldach entstand im Jahre 1714 (Datierung auf dem Wappenstein). Der Baumeister war der berühmte fränkische Barock- und Würzburger Hofbaumeister Joseph Greissing (1664-1721). Nach der Auflösung der geistlichen Fürstentümer wurde das Gebäude verstaatlicht und erst als Salzfaktorei, später als Amtsgerichtsgefängnis genutzt.

Das in eine Aussparung des die beiden Obergeschosse trennenden Gesimses eingesetzte Wappen ist das des Würzburger Fürstbischofs Johann Philipp von Greiffenclau-Vollraths (lebte 13.2.1652-3.8.1719, regierte 1699-1719). Der Schild ist geviert, Feld 1: "Fränkischer Rechen" = von Rot und Silber mit drei aufsteigenden Spitzen geteilt, Herzogtum zu Franken, Feld 2 und 3: erneut geviert, Feld a und d: silbern-blau geteilt, darüber ein goldenes Glevenrad, Stammwappen von Greiffenclau-Vollraths, Feld b und c: in Schwarz ein silberner Schräglinksbalken, Herrschaft Ippelbrunn, Feld 4: "Rennfähnlein" = in Blau eine (von der Stange aus gesehen) rot-silbern gevierte, schräggestellte und an den beiden senkrechten Seiten je zweimal eingekerbte Standarte mit goldenem Schaft, Hochstift Würzburg. Bei der unlängst erfolgten farblichen Neufassung, die seltsamerweise selektiv nur die Schildkartusche, die Amtsinsignien und die Anhänger der Helme erfaßte, nicht aber Kleinode und Decken, ist ein Fehler unterlaufen, die Facettierung des Ippelbrunner Schräglinksbalkens führte hier zu einer falschen blauen Hälfte, selbstverständlich muß der ganze Balken ohne Trennlinie silbern angestrichen werden.

Das Wappen wird mit hinter dem Schild schräggekreuztem Krummstab schräglinks und gestürztem Schwert schrägrechts geführt, dazu mit drei Helmen, Helm 1 (Mitte): auf dem Helm mit blau-silbernen Decken eine goldene Greifenklaue mit silbern-blauer Befiederung, Stammwappen von Greiffenclau, Helm 2 (rechts): auf dem gekrönten Helm mit rot-silbernen Decken ein Paar Büffelhörner, jeweils im Spitzenschnitt rot-silbern geteilt, Herzogtum zu Franken, Helm 3 (links): auf dem mit einem Fürstenhut gekrönten Helm mit rot-silbernen Decken drei Straußenfedern in den Farben Silber, Rot und Blau zwischen zwei rot-silbern gevierten Standarten mit goldenem Schaft, Hochstift Würzburg.

Literatur, Links und Quellen:
Lokalisierung auf Google Maps: https://www.google.de/maps/@50.1883959,10.8425698,18.94z - https://www.google.de/maps/@50.1884421,10.8425671,143m/data=!3m1!1e3
Baudenkmäler in Seßlach:
https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Baudenkm%C3%A4ler_in_Se%C3%9Flach#Se%C3%9Flach
Sehenswürdigkeiten in Seßlach:
https://www.sesslach.de/index.php/sehenswuerdigkeiten
Johann Philipp von Greiffenclau-Vollraths:
https://de.wikipedia.org/wiki/Johann_Philipp_von_Greiffenclau_zu_Vollraths

Die Wappen der Fürstbischöfe von Würzburg - Teil (1) - Teil (2) - Teil (3) - Teil (4)
Greiffenclau zu Vollraths - eine rheinische Familie im Dienste der Hochstifte

Ortsregister Photos von Wappen - Namensregister
Zurück zur Übersicht Heraldik

Home

© Copyright bzw. Urheberrecht an Text, Graphik und Photos: Bernhard Peter 2018
Impressum