Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 2916
Remlingen (Landkreis Würzburg, Unterfranken)

Das Castellsche Schloß in Remlingen

Die Baugruppe des Remlinger Schlosses besteht aus mehreren Einzelbauten in einem langgestreckten, mauerumsäumten Trapez, das im Norden vom Zehntbergweg, im Westen vom Schloßberg und im Südosten von der Schloßgasse eingefaßt wird. Der Schwerpunkt der Gruppe ist der Weiße Bau, das eigentliche Schloß, das Herrenhaus. Der weiß angestrichene breitgelagerte, traufständige und dreigeschossige Halbwalmdachbau ist in den beiden unteren Geschossen (Sockel- und Hauptgeschoß) ein aus Bruchsteinen gemauerter Massivbau, während das leicht vorspringende oberste Geschoß in überputztem Fachwerk ausgeführt ist. Daß es sich um Fachwerk handelt, kann man nicht nur am leichten Vorsprung des Aufliegers erkennen, sondern vor allem am prächtigen Zierfachwerk des Ostgiebels, der nicht verputzt ist. Der Weiße Bau ist inschriftlich auf 1563 datiert. Etwa in der Mitte liegt innen ein alle drei Geschosse erschließender Wendelstein. Im Haupt- und im Obergeschoß mündet die Wendeltreppe jeweils in einen breiten Flur. Auf der Nordseite liegen kleinere, durch Korridore erschlossene Räume, auf der Südseite liegen größere Räume, die zusätzlich untereinander im Sinne einer Enfilade miteinander verbunden sind. Die regelmäßig angeordneten Stockfenster besitzen profilierte Gewände aus rotem Sandstein, was einen starken Kontrast mit der in Franken ungewöhnlichen weißen Fassadenfarbe ergibt. Die Fenster sind doppelt, wobei seit der Restaurierung innen die Fenster mit Beschlägen aus dem späten 18. Jh. angebracht sind und außen moderne Fenster zum Schutz der ersteren angebracht wurden. Der Bauschmuck ist wenig ausgeprägt, es gibt rustizierte Ecken, einen rundbogigen Eingang mit dem Allianzwappen der Bauherren und dem Baujahr im Scheitel. Hauptschmuck der Fassade ist die hofseitig etwa in der Mitte eingelassene, von Pilastern eingefaßte Wappentafel nebst einer Inschrifttafel darunter.

Im Westen steht senkrecht zum Weißen Bau ein zweigeschossiger Massivbau mit Satteldach, das ist ein ehemaliger Ökonomiebau, der aus dem 16./17. Jh. stammt. Von diesem zieht sich eine Hofmauer mit einem großen Rundbogentor und daneben einer halb so hoch ausgeschnittenen Fußgängerpforte nach Süden zu einem etwas tiefer am Hang stehenden zweiflügeligen Bau, dem ehemaligen Amtshaus. Beide Flügel bilden einen stumpfen Winkel; im Eck steht ein runder Treppenturm. Der auf 1536 datierte Fachwerkbau ist zweigeschossig und trägt ein Krüppelwalmdach. Weiter abgesetzt im Nordosten, dort, wo das trapezförmige Grundstück schmäler wird, steht noch der Rote Bau, ein zweigeschossiges Gebäude mit Satteldach, Treppenturm in der Mitte der Südseite und Altan. Namengebend ist der unverputzte rote Sandstein. Zwei Jahreszahlen datieren die Bauzeit auf 1578 und einen Umbau auf 1683. Im letztgenannten Jahr wurden das Weiße und das Rote Schloß durch einen massiv gemauerten Gang miteinander verbunden. Durch das abfallende Gelände ist das Schloßareal terrassiert und erhebt sich entlang der Südostkante über einer hohen Stützmauer mit Strebepfeilern. Nur das ehemalige Amtshaus liegt etwas tiefer als die anderen genannten Bauten, und es hat auch einen gesonderten Zugang von der Schloßgasse aus. Insgesamt hat sich hier ein herrschaftliches Ensemble aus einem schlichten Landschloß und Neben- und Wirtschaftsgebäuden trotz aller späteren Veränderungen, vor allem im 20. Jh., sehr gut  erhalten. Das Schloß ist privat bewohnt und kann nicht besichtigt werden, die Gebäude sind nur über einen schmalen Laufweg entlang der Nordseite des Amtshauses zu betrachten.

Das Remlinger Schloß ist nicht der einzige Herrschaftssitz im zwischen Mainviereck und Maindreieck an der Straße zwischen Aschaffenburg und Würzburg und damit an der Fernhandelsstraße Prag-Nürnberg-Frankfurt gelegenen Ort; es gab unten in der Talniederung noch ein zweites Schloß. Denn das Dorf war seit dem Ende der Herrschaft der Grafen von Wertheim durch deren Erlöschen im Mannesstamm im Jahre 1556 zwischen dem Hochstift Würzburg und der Grafschaft Castell geteilt. Würzburg übernahm seine Gebiete als heimgefallenes Lehen. Die Grafen von Castell kamen an dieses Kuchenstück aus der Wertheimer Erbmasse, weil Wolfgang I. zu Castell (14.3.1482-5.7.1546) am 18.3.1518 Martha von Wertheim geheiratet hatte, die Tochter von Michael II. von Wertheim und dessen Frau, Barbara von Eberstein. Der Anteil an Remlingen war Marthas Erbteil. Jede Dorfhälfte hatte ihren eigenen Herrschaftssitz, die Grafen von Castell bauten oben am Hang, das Hochstift Würzburg hatte den Sitz unten im Tal, 270 m vom Casteller Schloß genau nach Süden gelegen. Von der regelmäßigen Vierflügelanlage des würzburgischen Amtsschlosses, ca. 45 x 52 m groß, ist bis auf drei runde Ecktürme im Westen, Süden und Osten und Teile der Befestigungsanlagen aus Wall und doppeltem Wassergraben kaum noch etwas erhalten, da der Baubestand durch Parzellierung und Umbau vollständig in mehreren Bauernhäusern aufgegangen ist. Früher hat dieses mächtige Schloß sogar acht Türme gehabt.

Ein kurzer Blick auf die Genealogie: Zusammenhang zwischen Wertheim und Castell:

Unter den Kindern von Wolfgang I. zu Castell und Martha von Wertheim wurden die Verhältnisse neu geordnet. Die Grafschaft Castell wurde 1546 zwischen mehreren Brüdern, den Grafen Konrad I. (10.7.1519-8.7.1577) und Georg II. (16.11.1527-11./12.11.1597), geteilt in Castell-Castell und Castell-Rüdenhausen, während Graf Heinrich IV. (13.2.1525-20.9.1595) im mütterlichen Erbe, dem ehemals wertheimischen Remlingen eine dritte Linie etablierte und dort am Nordrand des Dorfes ab 1562 dieses Schloß neu errichtete, Dieses Schloß war zunächst als Wittum ("WIDEMSITZ") für seine Frau Elisabeth von Helfenstein-Wiesensteig (21.11.1527-2.11.1584) geplant, diente also ihrer unabhängigen Versorgung. Da sie aber ohne Nachkommen waren, und weil Heinrich seine Ehefrau um knapp zehn Jahre überlebte, wurde das Schloß dann ein weiterer Herrschaftssitz der Familie. Die Linien in Castell und in Remlingen erloschen mit der Gründergeneration. 1597 wurde erneut unter den Söhnen Georgs II. aufgeteilt, diesmal in zwei Teile: Gottfried (16.1.1577-6.8.1635) gründete die Linie Rüdenhausen, und Wolfgang II. (20.7.1558-30.4.1631) gründete die Linie Remlingen, und fortan war Remlingen regelmäßiger Herrschaftssitz und Hauptsitz dieser Linie.

Bereits am äußeren Portalbogen der Umfassungsmauer ist Heraldik des Erbauers und seiner Frau zu finden. Rechts und links des großen Torbogens sind zwei Wappensteine aus der Bauzeit eingelassen, einer für jeden Ehepartner, und jeweils mit beiden elterlichen Wappen. Die insgesamt vier Wappen stellen also jeweils eine Zweier-Ahnenprobe für Heinrich IV. Graf von Castell (13.2.1525-20.9.1595) aus der Linie zu Castell-Oberschloß und seine Frau Elisabeth von Helfenstein-Wiesensteig (21.11.1527-2.11.1584) dar.

Heinrich Graf von Castell hat einen außergewöhnlichen Lebenslauf, denn er begann erst eine geistliche Karriere. Er war ab 1532 Domherr zu Bamberg und ab 1533 Domherr zu Würzburg. Die Würzburger Dompräbende hatte er am 23.10.1533 nach Resignation des bisherigen Inhabers Wilhelm Balthasar Freiherr von Schwarzenberg erhalten. Er studierte 1533-1548 in Ingolstadt und Dole, 1546-1548 in Bologna und Padua. Im Jahre 1548 wurde er nach seiner Rückkehr nach Franken Domkapitular in Würzburg. Er übernahm diplomatische Missionen für seinen Landesherrn, war u. a. 1550 auf dem Reichstag zu Augsburg, war 1552 als würzburgischer Gesandter beim Abschluß des Passauer Vertrages und 1553 Gesandter in Dresden, alles im Auftrag des Fürstbischofs Melchior Zobel von Giebelstadt. Danach war er fürstbischöflicher Statthalter und Kommandant von Würzburg. Im Jahre 1555, dem Jahr des Augsburger Religionsfriedens, schmiß er alles hin und vollzog eine 180°-Kehrtwende: Er resignierte von all seinen Domherrenstellen, er bekannte sich fortan zur lutherischen Lehre, und er suchte sich einen neuen, weltlichen Dienstherrn: Er trat in die Dienste des ebenfalls protestantischen Herzogs Christoph von Württemberg. Noch im selben Jahr seines totalen Wechsels wurde er württembergischer Rat und Amtmann zu Waiblingen. 1556 wurde er Amtmann zu Schorndorf, 1562 Oberamtmann zu Möckmühl. Mit seinem neuen Dienstherrn reiste er 1562 zur Krönung Kaiser Maximilians II. nach Frankfurt. Ebenfalls zusammen mit seinem Herzog reiste er 1566 zum Reichstag nach Augsburg. Im Jahre 1568 wurde er Statthalter im Herzogtum Württemberg, Ende des Jahres starb "sein" Herzog. 1569-1575 war er noch Statthalter in Mömpelgard. Dann ging er in markgräfliche Dienste und war 1575-1577 Geheimrat und Statthalter des Markgrafen von Brandenburg-Ansbach. Außerdem wurde er 1568 Direktor des fränkischen Grafenkollegiums. Auch Kaiser Maximilian II., dessen Krönung er beigewohnt hatte, schätzte ihn als Diplomat, ebenso Kaiser Rudolph II. von Habsburg, für den er den Streit zwischen dem Deutschen Orden und den Landgrafen von Hessen zu schlichten half. Er saß ab 1560 zu Remlingen, das er 1556 über seine Mutter erhalten hatte, und ab 1577 zu Wiesenbronn. Von einer geistlichen Karriere zu resignieren, sobald sich etwas Aussichtsreiches bot oder sich die Verhältnisse änderten, war gar nicht so unüblich, auch sein Bruder Konrad hatte 1530 eine Dompräbende in Würzburg erhalten, die er aber schon am 23.2.1538 wieder freigab.

Der optisch linke, heraldisch rechte Wappenstein ist mit "15 HE(INRICH) 67" bezeichnet (man könnte das natürlich auch als "H(einrich)" und "E(lisabeth)" interpretieren, da aber Elisabeth ihre eigene Inschrift hat, ist nur "HE(inrich)" plausibler); das entsprechende Schriftband ist kurz, weil die Helmzier daneben recht viel Platz benötigt. Das Wappen der Grafen von Castell auf der Innenposition des Steinpaares ist rot-silbern geviert, auf dem Helm mit rot-silbernen Decken ein silbern-rot gevierter Spitzhut mit Aufschlag in verwechselten Farben, an der Spitze aus einer goldenen Krone ein Pfauenfederstoß hervorkommend. Das Wappen der Grafen von Wertheim ist geviert, Feld 1 und 4: geteilt, oben in Gold ein schwarzer aus der Teilung hervorkommender Adler, unten in Blau 3 (2:1) silberne Rosen mit goldenem Butzen (Grafschaft Wertheim), Feld 2 und 3: in Silber zwei rote Balken (Herrschaft Breuberg), auf dem gekrönten Helm mit rot-silbernen Decken ein golden gekrönter, goldener Adler wachsend (Grafschaft Wertheim) zwischen zwei silbernen Fähnchen mit zwei roten Balken (Herrschaft Breuberg). Die Eltern des Bauherrn waren Wolfgang I. zu Castell (14.3.1482-5.7.1546) und Martha von Wertheim (1485-1541). Seine Großeltern waren Friedrich IX. (VII) Graf von Castell (-12.1.1498), Elisabeth von Reizenstein, Michael II. Graf von Wertheim (-24.3.1531) und Barbara von Eberstein zu Neu-Eberstein (-1.8.1529).

Das Wappenpaar auf der anderen, optisch rechten Seite trägt ein Schriftband mit dem Inhalt "E(LISABETH) G(EBORENE) G(RÄFIN) V(ON) H(ELFENSTEIN)"; es geht über die ganze Breite des Steines, endet links in zwei Zipfeln und verschwindet rechts hinter der zweiten Helmzier. Das heraldisch rechte Wappen ist dasjenige der Grafen von Helfenstein, in Rot auf einem goldenen Dreiberg ein schreitender silberner Elefant, auf dem Helm mit rot-silbernen Decken ein wachsender silberner Elefantenrumpf. Das zweite Wappen heraldisch links ist geviert, Feld 1 und 4: in Blau über einem goldenen oder natürlichen Dreiberg eine goldene, gesichtete Strahlensonne (Grafschaft Sonnenberg), Feld 2 und 3: in Gold drei schwarze, rotgezungte, schreitende und hersehende Löwen übereinander (Truchseß von Waldburg). Als Kleinod wird ein beiderseits wie der Schild bezeichneter Flug geführt. Die Eltern Elisabeths waren Ulrich XVI. (XI) Graf von Helfenstein-Wiesensteig (-26.5.1548), kaiserlicher Rat, 1525-1531 Rat und Regent in Württemberg, 1532 Hofpfalzgraf, 1539 oberster Rat des Pfalzgrafen Philipp, und des Erstgenanten Ehefrau, Katharina von Waldburg-Sonnenberg (21.10.1495-14.10.1563). Die vier Großeltern Elisabeths waren Ludwig X. (VI) Graf von Helfenstein-Wiesensteig (-27.12.1493), Elisabeth von Limpurg-Speckfeld, Johann Graf von Waldburg-Sonnenberg (-24.6.1510) und Johanna von Salm. Für Elisabeth von Helfenstein war die Ehe mit Heinrich übrigens die zweite Ehe, sie hatte zuvor in erster Ehe Georg von Rappoltstein (-25.8.1548) geheiratet. Nach knapp sieben Jahren Witwenstand heiratete sie am 11.7.1555 in Wiesensteig dann Graf Heinrich von Castell. Bei ihrer zweiten Hochzeit war sie dennoch erst 27 Jahre alt.

 

Der Bogen selbst wurde 1801 in der heutigen Form errichtet, Jahreszahl und ein weiterer Wappenschild der Grafen von Castell sind aus dem asymmetrisch geschnittenen Scheitelstein herausgearbeitet.

Die Wappen-Kombination Castell-Helfenstein ist auch am Weißen Bau am Portalbogen angebracht, wobei der Dreiberg im Helfenstein-Schild noch farblich abgesetzt werden müßte. Darüber spannt sich in drei Zügen das Schriftband mit der durch das Steinmetzzeichen unterbrochenen Jahreszahl 1563. Zum Portal führt eine siebenstufige, dreiseitige Freitreppe hoch.

Ein weiterer Wappenstein mit ausführlicher Bauinschrift ist in der fünften Achse von links angebracht. Das Fenster des Hauptgeschosses ist hier verkürzt, weil sich dahinter der Wendelstein befindet, und diese Unregelmäßigkeit der Fassade wird durch den schmückenden Reliefstein kaschiert. Die mit 29 Zeilen sehr ausführliche Bauinschrift lautet: "ALS MAN ZA(EH)LT FVNFZEHENHVNDERT IA(H)R / SECH(Z)IG VND DREI SAGE ICH FVRWA(H)R / NACH CHRISTI GEBVRT VNSERS HER(R)N / ZV VORDERST DEM ZV LOB VND EHR(E)N / HIE(R) WARD GEBAVEN DIESES HAVSS / VON NEVEM GAR VND VON GRVND AVS / DVRCH EINEN HERREN WO(H)LGEBOR(E)N / DER I(H)M DEN PLATZ AVSSERKOR(E)N / HEINRICH EIN GRAF IST ER GENAN(N)T / VON CASTEL AVS DEM FRANCKE(N)LANT / ER HATS GEBAVET SEINER GEMAHEL / BEKAN(N)T IN EHEREN VBERAL(L) / ELISABET(H) HEIS(S)T SI(E) MIT NAMEN / GEBOR(E)N VON DEM EDLEN STAM(M)EN / DER GRAVEN SO IN SCHWAB(E)N SEIN / EIN ALT GESCHLECHT VON HELFENSTEIN / ZVM WIDEMSITZ IST ES GEMACHT / DANEBEN AVCH DAZV BEDRACHT / DAS(S) ES WER SEIN WO(H)NVNG IM LEBEN / NACH BEIDER TODT SO WOL(L)T GEBEN / DEN NACHKO(E)M(M)LING(EN) IN SEI(NE)M GESCHLECHT / (A)VF DAS(S) MAN SEIN(ER) DABEI GEDECHT / ER HAT GEBAVET DA NICHTS NIE WAR / EIN AND(E)RER MAG (E)S VOL(L)ENDEN GAR / WIE ES I(H)M (BE)LIEBT VND WO(H)LGEF(A)EL(L)T / DAS IST ZV GOTTES WILLEN GESTEL(L)T / WELCHER ES HAT IN SEINER H(A)END / DER GEB(E) VNS AL(L)EN EIN SELIGES END(E)".

Die genannte Jahreszahl deckt sich mit dem Schriftband über dem Wappen. Hier zeichnete sich ferner bereits ab, daß es keine Nachkommen gab, denn die Inschrift regelt bereits, daß das Schloß nach ihrer beider Tod, wenn es die Witwe nicht mehr zum Lebensunterhalt brauchte, an die Nachkommen des Geschlechts fallen solle, auf daß die damit machen können, was sie wollen.

Darüber finden wir in einem gevierten Wappenschild zusammengestellt die gleiche Ahnenzusammenstellung beider Ehepartner wie draußen beiderseits des Torbogens: Von der Logik her ist der mit Rollwerk verzierte Schild geviert, Feld 1: Grafschaft Castell, Feld 2: Grafschaft Helfenstein, Feld 3: Grafschaft Wertheim, Feld 4: Grafschaft Waldburg-Sonnenberg, alle Inhalte wie oben beschrieben. Wegen der unterschiedlichen Komplexität der Einzelkomponenten ist die logische Horizontalteilung nach oben verrutscht, so daß der Aufbau vom Layout her wie gespalten und zweimal geteilt aussieht, was aber nicht der Logik entspräche: Man hat einfach nur dem erhöhten Platzbedarf der Felder 3 und 4 nachgegeben, um eine gleichmäßige Dichte der Reliefinhalte zu bekommen. Über dem Schild trägt ein Schriftband die Jahreszahl 1563, wobei die beiden Ziffernpaare durch die Initialen HE getrennt werden, was hier am besten als "H(einrich)" und "E(lisabeth)" gelesen werden kann, wahlweise auch nur als "HE(inrich)". Die rahmenden Pilaster tragen einen Aufsatz mit zwei spiegelbildlichen, liegenden, S-förmigen Voluten.

Nach dem Zweiten Weltkrieg ging es bergab mit dem Remlinger Schloß. Die Gebäude wurden übernutzt und erhielten zu wenig Fürsorge. Die wenigen durchgeführten Modernisierungsmaßnahmen wurden nicht sachgemäß ausgeführt. Der Bau stand schließlich wegen schwerwiegender statischer Mängel lange leer und verkam ganz. Friedrich Prinz zu Schoenaich-Carolath kaufte die heruntergekommene Immobilie aus einer Erbengemeinschaft heraus, um sie zu retten. 1979 wurde der Dachstuhl saniert und bekam eine neue Eindeckung. 1980 mußte eine Notsicherung erfolgen, um die Bausubstanz zu retten. Der Leerstand zog sich bis in die 1990er Jahre hin. Wieder konnte Feuchtigkeit eindringen und Schäden an Mauer- und Fachwerk verursachen. Der Zustand war zeitweise so bedrohlich und die Statik war zeitweise so fragwürdig geworden, daß sogar eine Aufgabe der Bemühungen und ein Totalverlust des historischen Gebäudes erwogen wurden. Nur durch die Zähigkeit und die unermüdlichen Bemühungen des Eigentümers konnte es dennoch gerettet werden. Erst nach vielen Jahren des kritischen Zustandes konnte das Schloß umfassend durch Friedrich Prinz zu Schoenaich-Carolath statisch gesichert und saniert werden, finanziert durch erhebliche Eigenmittel, Förderungen durch den Kreis und das Land und durch Zuwendungen der Deutschen Stiftung Denkmalschutz. Für die außen wie innen gelungene denkmalgerechte Instandsetzung bekam der Eigentümer 2000 verdientermaßen den Denkmalpreis.

Friedrich Prinz zu Schoenaich-Carolath steht genealogisch mit dem Erbauer des Schlosses in Verbindung, wie nachfolgend aufgezeigt, ist aber kein direkter Nachfahr des Erbauers, sondern ein direkter Nachfahr des Bruders des Erbauers:

Alternativ können wir auch folgende Abstammung finden, die in einem Teil über zwei Generationen hinweg anders verläuft, aber wiederum beim Bruder des Schloßerbauers endet:

Literatur, Links und Quellen:
Lokalisierung auf Google Maps: https://www.google.de/maps/@49.8056149,9.6949033,19z - https://www.google.de/maps/@49.805608,9.6947847,91m/data=!3m1!1e3
Liste der Baudenkmäler in Remlingen:
https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Baudenkmäler_in_Remlingen_(Unterfranken)
Stammliste der von Castell:
https://de.wikipedia.org/wiki/Stammliste_von_Castell
Casteller Schloß im Würzburg-Wiki:
https://wuerzburgwiki.de/wiki/Casteller_Schloss_(Remlingen)
Heinrich von Castell im Würzburg-Wiki:
https://wuerzburgwiki.de/wiki/Heinrich_IV._zu_Castell
Remlingen im Würzburg-Wiki:
https://wuerzburgwiki.de/wiki/Remlingen
Remlingen in Wikipedia:
https://de.wikipedia.org/wiki/Remlingen_(Unterfranken)
Grafschaft Castell im Würzburg-Wiki:
https://wuerzburgwiki.de/wiki/Grafschaft_Castell
Grafschaft Castell in Wikipedia:
https://de.wikipedia.org/wiki/Grafschaft_Castell
Altes Würzburger Schloß im Würzburg-Wiki:
https://wuerzburgwiki.de/wiki/Altes_Würzburger_Schloss_(Remlingen)
Deutsche Stiftung Denkmalschutz über den Weißen Bau:
https://www.denkmalschutz.de/denkmal/schloss-3-weisser-bau.html
Hypo-Kulturstiftung über den Weißen Bau:
https://www.hypo-kulturstiftung.de/kulturstiftung/preistraeger/details/castellsches-schloss-3-weisser-bau/
Geschichte von Remlingen:
http://www.remlingen.de/Geschichte.n170.html
Grafen von Castell in Wikipedia:
https://de.wikipedia.org/wiki/Castell_(Adelsgeschlecht)
Grafen von Wertheim in Wikipedia:
https://de.wikipedia.org/wiki/Grafen_von_Wertheim
Grafen von Helfenstein in Wikipedia: https://de.wikipedia.org/wiki/Grafen_von_Helfenstein
Haus Waldburg in Wikipedia:
https://de.wikipedia.org/wiki/Haus_Waldburg
Grafschaft Sonnenberg in Wikipedia: https://de.wikipedia.org/wiki/Grafschaft_Sonnenberg
Genealogien: Prof. Herbert Stoyan, Adel-digital, WW-Person auf CD, 10. Auflage 2007, Degener Verlag ISBN 978-3-7686-2515-9
Johann Octavian Salver: Proben des hohen deutschen Reichs Adels oder Sammlungen alter Denkmäler
http://books.google.de/books?id=ZONWAAAAcAAJ S. 659-661, auch unter https://daten.digitale-sammlungen.de/~db/0006/bsb00065646/images/ S. 394, S. 396
Otto Meyer: Das Haus Castell, Landes- und Standesherrschaft im Wandel der Jahrhunderte. In: Otto Meyer, Hellmut Kunstmann (Hrsg.): Castell. Landesherrschaft- Burgen- Standesherrschaft, Castell 1979, S. 9-53

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