Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 2586
Bayreuth (Oberfranken)

Ordenskirche St. Georgen, Teil 4: Tafeln 59-72

Übersicht über die in diesem Kapitel vorgestellten Personen:

Ordensmitglied Datierung
Christoph Heinrich von Reitzenstein 1729
Georg Friedrich von Reitzenstein 1729
Johann Heinrich von Dobeneck 1729
Christian Albrecht Graf von Wolfstein 1728
Johann Christoph von Reitzenstein 1726
Johann Freiherr von Brehmer 1724
Otto Wilhelm von Bodenhausen 1723
 
Ordensmitglied Datierung
Cäsar Joseph von Lentulus 1722
Casimir Abraham Graf von Schlippenbach 1722
Ernst von Gleichen 1721
Heinrich von Gleichen 1721
DL. I. von Kottulinsky von Kottulin 1721
Franz Joseph Baron de Neveu 1721
Wolff Christoph von Reitzenstein 1721

Wappentafeln auf der Nordwestseite an der Brüstung der unteren Empore, Zehnergruppe rechts neben der Herrschaftsloge, gebogener Abschnitt der Brüstung
Abb. links unten: Tafel 59: Position ganz rechts, Aufschwörschild für "C. H. V. REIZENSTEIN" = Christoph Heinrich von Reitzenstein (9.3.1693-), datiert auf 1729. Blasonierung: In Rot ein silberner Schrägrechtsbalken, auf dem gekrönten Helm mit rot-silbernen Decken ein roter Flug, jeder Flügel mit einem silbernen Schrägbalken belegt, der rechte schräglinks, der linke schrägrechts. Nachweis: Siebmacher Band: Bad Seite: 70 Tafel: 42, Band: Han Seite: 20 Tafel: 22, Band: Bay Seite: 53 Tafel: 55, Band: Bay Seite: 106 Tafel: 129, Band: BraA Seite: 73 Tafel: 43, Band: Bö Seite: 88 Tafel: 52, Band: Pr Seite: 60 Tafel: 76, Band: Pr Seite: 322 Tafel: 375, Band: PrA Seite: 68 Tafel: 50, Band: Sa Seite: 44 Tafel: 50, Band: SaA Seite: 131 Tafel: 86, Band: SchwA Seite: 23 Tafel: 16, Band: Wü Seite: 11 Tafel: 13. Grote: Geschlechts- und Wappenbuch des Königreichs Hannover und des Herzogtums Braunschweig. Aschaffenburger Wappenbuch Tafel 11 Seite 188.

Christoph Heinrich von Reitzenstein (Biedermann Voigtland Tafel 98) auf Isiga und Tiefendorf entstammt der Schönbergischen Hauptlinie der Familie und der daraus entstandenen Unterlinie zu Nentschau. Er war der Sohn des nachfolgend beschriebenen Georg Friedrich von Reitzenstein (29.2.1664-7.6.1740) und dessen erster Frau, Anna Dorothea von Beulwitz (7.11.1666-29.9.1706), und er war der Halbbruder des nachfolgend beschriebenen Johann Christoph von Reitzenstein. Christoph Heinrich wurde anfänglich Page am Bayreuther Hof. Er ging in königlich-preußische Kriegsdienste, wurde 1714 Lieutenant, nahm dann in Preußen seinen Abschied und trat in Bayreuther Dienste, wurde 1721 Lieutenant bei den Grenadieren. 1720 wurde er fürstlich-bayreuthischer Kammerjunker. Mit Markgraf Georg Friedrich zog er nach Frankreich. 1724 wurde er in Bayreuth Kommandant des Hofstabs, dann Hofmarschall. 1730 wurde er Oberamtmann zu Hohenegg und Ippesheim, 1735 Oberhofmarschall, 1738 Geheimer Rat. Er war vermählt mit Philippina Jacobina Röder; Kinder werden nicht angegeben.

 

Abb. rechts oben: Tafel 60: zweite Position von rechts, Aufschwörschild für "G. F. V. REIZENSTEIN" = Georg Friedrich von Reitzenstein (29.2.1664-7.6.1740), datiert auf 1729. Wappenbeschreibung siehe vorstehend. Georg Friedrich von Reitzenstein (Biedermann Voigtland Tafel 98) auf Nentschau, Isiga, Tiefendorf, Tröda und Hohendorf entstammt der Schönbergischen Hauptlinie der Familie und wurde zum Stammvater der daraus entstandenen Unterlinie zu Nentschau. Dieses Gut bekam er bei der Teilung des väterlichen Erbes mit seinen Brüdern, die anderen Güter kaufte er hinzu: Isiga 1704, Tiefendorf anteilig 1721, Tröda 1719 und Hohendorf 1736. Er ist der Sohn von Christoph Adam von Reitzenstein (25.11.1625-9.8.1667) auf Hohenberg, Nentschau und Tiefendorf und dessen Frau Anna Barbara von Zedtwitz (-1672). Die anderen Brüder begründeten die Linie zu Hohenberg und die Linie zu Tiefendorf.

Georg Friedrich von Reitzenstein erlebte 1683 die Belagerung von Wien. Er wurde 1704 hochfürstlich Brandenburg-Kulmbachischer Kammerjunker, 1706 Deputat der voigtländischen Ritterschaft, 1727 geheimer Landrat. Er heiratete zweimal, in erster Ehe am 20.4.1686 Anna Dorothea von Beulwitz (7.11.1666-29.9.1706) und in zweiter Ehe 1708 Anna Elisabeth von Stockhausen aus dem Hause Immenhaus (1662-11.2.1751). Georg Friedrich von Reitzenstein ist der Vater des vorstehend beschriebenen Christoph Heinrich von Reitzenstein (aus erster Ehe) und des nachfolgend beschriebenen Johann Christoph von Reitzenstein (aus zweiter Ehe). Außerdem war er Vater des hier nicht mit einem Aufschwörschild vertretenen Christoph Ernst von Reitzenstein (aus erster Ehe).

 

Abb. links oben: Tafel 61: dritte Position von rechts, Aufschwörschild für "J. H. V. DOBENECK" = Johann Heinrich von Dobeneck (21.12.1699-1759), datiert auf 1729. Blasonierung: In Silber ein roter, runder, breitkrempiger Klerikerhut, von dem 2 verschlungene Schnüre mit Quasten herabhängen, auf dem Helm mit rot-silbernen Decken der gleiche rote Hut, aber ohne Schnüre, darauf ein Busch von zehn silbernen Hahnenfedern. Nachweis: Siebmacher Band: SchwA Seite: 8 Tafel: 5. Alter Siebmacher von 1605. Rietstap: "D'argent à un chapeau de protonotaire de gueules. Cimier le chapeau sans cordons ni houppes, sommé de dix plumes de coq d'argent".

Die fränkischen von Dobeneck gehören zum Uradel des Vogtlandes. Von da breitete sich die Familie nach Sachsen, Preußen und Württemberg aus. Das namengebende Stammhaus Dobeneck gehört heute zur Stadt Rehau (Landkreis Hof); die einst dort vorhandene Turmhügelburg ist abgegangen. Die Familie wurde 1826 und 1837 bei der Freiherrenklasse der Adelsmatrikel im Königreich Bayern eingetragen. 1844 erfolgte die preußische Anerkennung des Freiherrenstandes.

Johann Heinrich von Dobeneck (Biedermann Voigtland Tafel 160) auf Brandstein (zu Berg, Landkreis Hof), Kaulsdorf (Landkreis Saalfeld-Rudolstadt) und Bruck war der Sohn von Christoph Erdmann von Dobeneck (1.11.1664-23.2.1725), königlich-dänischer Lieutenant, und von Maria Christina von Beulwitz (18.7.1656-18.5.1722). Johann Heinrich war hochfürstlich Brandenburg-Kulmbachischer Geheimer Rat, Konsistorialpräsident und Amtshauptmann in Kulmbach. Er war zeitweise Ordenssekretär, wurde aber als solcher 1741 suspendiert. Er wurde am 8.10.1725 vermählt mit Charlotta Wilhelmina von Beust, Tochter von Johann Friedrich von Beust, Hofmarschall in Sachsen-Saalfeld. Das Paar hatte drei Söhne, Friedrich Wilhelm von Dobeneck (1726-1729), Carl Heinrich von Dobeneck (1728-1731) und Friedrich Erdmann von Dobeneck (15.12.1732-), der die Linie fortsetzte.

Abb. rechts oben: Tafel 62: vierte Position von rechts, Aufschwörschild für "C. A. GRAFF VON WOLFFSTEIN" = Christian Albrecht Graf von Wolfstein (14.7.1672-27.4.1740), datiert auf 1728. Blasonierung: In Gold (nicht blaugrün wie hier!) zwei rote, schreitende Löwen übereinander. Zwei Helme: Helm 1 (rechts): Auf dem gekrönten Helm ein gekrönter, eigentlich goldener Löwe wachsend zwischen einem mit goldenen Lindenblättchen belegten schwarzen Adlerflug (Sulzbürg), Helm 2 (links): ein eigentlich roter Wolfsrumpf mit goldenem Halsband wachsend, ein schwarzes Lamm im Maule tragend (Wolfstein). Nachweis: Siebmacher Band: BayA3 Seite: 146 Tafel: 101 und Band: BayA1 Seite: 63 Tafel: 63. Die Helmdecken sind im Siebmacher Band: BayA1 Seite: 63 Tafel: 63 schwarz-golden (hier erratische Farbwahl auf der Tafel). Siebmacher Band: BayA3 Seite: 146 Tafel: 101 bildet das Wappen nach dem Stuttgarter Wappenbuch ab mit silbernem Wolf, gänzlich silbernen Decken und drei Löwen im Schild. Otto Hupp bildet in seinem Münchner Kalender 1911 für das Stammwappen auf dem Helm mit silbern-roten Decken einen wachsenden silbernen Wolfsrumpf ab, ein schwarzes Lamm im Rachen tragend. Im Scheiblerschen Wappenbuch sind für das Stammkleinod schwarz-rote Decken verwendet worden. Der Alte Siebmacher von 1605 hat beiderseits schwarz-goldene Decken, ebenso der Rietstap: "D'or à deux lions léopardés de gueules, l'un sur l'autre. Deux casques couronnés. Cimiers: 1° un lion issant et contourné d'or couronné du même entre un vol de gueules semé de feuilles de tilleul d'or les tiges en haut, 2° une tête et col de loup de sable colletée d'or tenant entre ses dents un agneau d'or. Lambrequin d'or et de sable".

Die Stammburg der Reichsfreiherren (1522), späteren Grafen (1673) von Wolfstein liegt bei Neumarkt/Oberpfalz. Die von Wolfstein sind Nachkommen zweier Reichsministerialenfamilien, der Herren von Stein zu Hilpoltstein und der Herren von Sulzbürg. Im Jahre 1522 wurden sie wegen der freieigenen Herrschaft Ober-Sulzbürg Reichsfreiherren. Dabei gab es zwei Wappenverbesserungen, zum einen wurde dem Wolfshals ein goldenes Halsband gegeben, ferner wurden die Lindenblättchen der anderen Helmzier in Kleeblätter verkehrt, wovon allerdings kein Gebrauch gemacht wurde. Am 9.6.1673 wurde Frhr. Albrecht Friedrich von Wolfstein in den Grafenstand erhoben (Herrschaften Sulzbürg und Pyrbaum).

Hier handelt es sich um Christian Albrecht Graf von Wolfstein-Sulzbürg (14.7.1672-27.4.1740), den Sohn von Albrecht Friedrich Graf von Wolfstein Freiherr zu Ober-Sulzbürg u. Birnbaum (13.5.1644-6.11.1693) und Sophie Luise von Castell-Remlingen (8.7.1645-19.7.1717). Die besondere Nähe zu den Markgrafen kommt daher, daß die Schwester von Christian Albrecht Graf von Wolfstein Sophie Christiane von Wolfstein (24.10.1667-23.8.1737) am 14.8.1687 Markgraf Christian Heinrich von Brandenburg-Kulmbach (29.7.1661-5.4.1708) heiratete, eine nicht als standesgemäß angesehene Ehe. Ihr Ehemann wurde nie selbst Landesherr, aber zwei Söhne wurden regierende Markgrafen von Brandenburg-Bayreuth, Georg Friedrich Karl (19.6.1688-17.5.1735, regierte 1726-1735) und Friedrich Christian (17.7.1708-20.1.1769, regierte 1763-1769), und eine Tochter heiratete 1721 König Christian VI. von Dänemark und Norwegen (1699-1746). Christian Albrecht Graf von Wolfstein studierte Rechtswissenschaften in Halle. Bevor er 1697 die Herrschaft antrat, machte er eine Kavalierstour nach Belgien und Italien. 1698 heiratete er Auguste Friederike Gräfin von Hohenlohe-Öhringen (1677-1752). Alle drei Söhne starben im Kindesalter. Das Geschlecht der Grafen von Wolfstein erlosch daher am 20.4.1740 mit diesem Grafen Christian Albrecht im Mannesstamm, und Kurbayern kassierte das protestantische Territorium als heimgefallenes Lehen (über eine Anwartschaft auf das Reichslehen), auch die Allodialgüter, woraus mit den Erben, den Fürsten von Hohenlohe und den Reichsgrafen von Giech, ein langer Rechtstreit entstand, der erst 1768 durch Zahlung einer Abfindung endete. Die Grafschaft Wolfstein wurde 1779 durch die Grafen Fugger von Zinnenberg erworben.

 

Abb. links oben: Tafel 63: Position Mitte rechts, Aufschwörschild für "I. C. V. REITZENSTEIN" = Johann Christoph von Reitzenstein (26.3.1698-), datiert auf 1726. Wappenbeschreibung siehe weiter oben auf dieser Seite. Johann Christoph von Reitzenstein auf Nentschau und Hohenberg (Biedermann Voigtland Tafel 99) entstammt der Schönbergischen Hauptlinie und davon der Unterlinie zu Nentschau. Er war der Sohn von Georg Friedrich von Reitzenstein (29.2.1664-7.6.1740), ebenfalls Ordensritter (s. oben), und dessen zweiter Frau, Anna Elisabeth von Stockhausen aus dem Hause Immenhaus (1662-11.2.1751). Er war damit der Halbbruder des weiter oben beschriebenen Christoph Heinrich von Reitzenstein.

Johann Christoph von Reitzenstein wurde 1707 Page bei der Markgräfin von Kulmbach zu Weverlingen, dann bei der regierenden Fürstin von Hohenlohe zu Weikersheim. Er ging dann 1716 als Freiwilliger in kaiserliche Kriegsdienste, wo er an der Schlacht bei Belgrad teilnahm. Danach wurde er 1717 Fähnrich, 1719 Premier Lieutenant, 1723 Grenadier-Hauptmann mit einer Kompanie. 1724 wurde er Obrist-Wachtmeister bei dem kaiserlichen Prinz Albrechtischen Infanterie-Regiment. 1731 wurde er Obrist-Lieutenant. Als solcher nahm er an den Ungarn-Feldzügen und Feldzügen nach Italien teil, wo er 1734 die Belagerung und Kapitulation von Tortona erlebte. Von König Christian VI. von Dänemark wurde er zum Hofmarschall ernannt. Daraufhin quittierte er 1739 den Militärdienst für den Kaiser des Heiligen Römischen Reichs und wandte sich ganz Dänemark zu. Er wurde Ritter vom königlichen Danebrogs-Orden. Außerdem wurde er 1743 Oberhofmarschall am dänischen Hof. 1741 wurde er Ritter des Ordens de la Fidelité (ein von der Königin verliehener Orden). Auch nach dem Tod von König Christian VI. blieb er unter dem Nachfolger, König Friedrich V., in einflußreicher Stellung am dänischen Hofe. Er wurde 1746 Geheimer Rat und im selben Jahr Kommandant und Generalmajor der Stadt und Festung Rendsburg. 1749 zog er sich aus dänischen Diensten zurück und wurde zum Abschied zum General-Lieutenant aus ganz besonderen Gnaden erhoben. Johann Christoph von Reitzenstein kaufte von der Familie von Beust 1747 das Rittergut Hohenberg und ließ 1750 das dortige Schloß neu errichten. Er heiratete zweimal, in erster Ehe am 1.10.1726 Maria Dorothea Freiin von Baumgarten (15.10.1699-7.7.1732), und in zweiter Ehe am 7.8.1743 in Kopenhagen mit Maria Christiana Henrietta von Beulwitz (25.11.1700-). Seine Söhne starben alle jung. Seine Tochter Christiana Albertina Friederica heiratete Friedrich August von Reitzenstein aus einer anderen Linie der Familie.

Es gab übrigens noch einen dritten Bruder, Christoph Ernst von Reitzenstein (11.5.1694-2.1.1746) auf Tröda und Hobendorf, der auch Ordensmitglied wurde, dessen Aufschwörtafel hier aber nicht hängt (Biedermann Voigtland Tafel 98). Er ist gleichfalls der Sohn von Georg Friedrich von Reitzenstein (29.2.1664-7.6.1740) und dessen erster Ehefrau, Anna Dorothea von Beulwitz (7.11.1666-29.9.1706). Er wurde jedoch erst 1740 in den Ordre de la Sincérité aufgenommen. Er begann als Page in Bayreuth, ging 1713 in kursächsische Militärdienste, wurde 1715 Cornet in Polen, 1722 Lieutenant, 1730 Rittmeister, 1733 Major, 1738 Obrist Lieutenant und 1745 königlich-polnischer und kursächsischer Obrister beim Prinz Sondershäusischen Dragoner-Regiment. Bei Kesselsdorf wurde er am 15.12.1745 verwundet, und an den Folgen verstarb er zwei Wochen später. Er war seit dem 14.11.1730 vermählt mit Augusta Friederica von Einsiedel (17.2.1713-).

Es gab noch mehr Familienmitglieder, die in den Orden aufgenommen wurden, aber hier ebenfalls nicht mit Tafeln vertreten sind, so Georg Christoph von Reitzenstein (Biedermann Voigtland Tafel 79) auf Fischbach, Hartungs, Lippertsgrün und Lipperts, aus der Schwarzensteinischen Hauptlinie und aus der Nebenlinie zu Hartungs. Auch später, als der Orden längst preußisch geworden war, gab es bis ins 19. Jh. etliche Träger der Auszeichnung in der Familie der von Reitzenstein.

Abb. rechts oben: Tafel 64: Position Mitte links, Aufschwörschild für "IOHANN FREYHERR V: BREHMER" = Johann Freiherr von Brehmer (27.4.1677-30.6.1754), datiert auf 1724. Blasonierung: Geviert, Feld 1 und 4: hier in Gold zwei schwarze, oben gezinnte Balken (eigentlich müßte es umgekehrt sein, in Schwarz zwei goldene, oben gezinnte Balken), Feld 2 und 3: rot-silbern gerautet, Herzschild: hier undefinierbar (in Gold ein linksgekehrter Bär?). Nach Siebmacher, wo auch der Hauptschild abweichend abgebildet ist, Herzschild: in Gold ein schwarzer Sparren, begleitet von drei (2:1) schwarzen Adlerköpfen. Dazu werden zwei gekrönte Helme geführt, Helm 1 (rechts): ein wachsender schwarzer Adler, Helm 2 (links): ein wachsender, silbern gekleideter Mannesrumpf mit einer silbern-roten Mütze auf dem Kopf, Decken hier beidseitig schwarz-golden. Siebmacher abweichend, Helmzier 2 mit rot-golden geschachter Kleidung, Decken rechts schwarz-golden, links rot-silbern. Nachweis: Siebmacher Band: BayA1 Seite: 130 Tafel: 136. Das Wappen wurde später mit dem der Wrangel vereinigt als Wrangel von Brehmer, wobei dem Brehmer-Hauptschild das Wrangel-Stammwappen (in Silber ein schwarzer, oben gezinnter Balken) aufgelegt wurde.

Freiherr von Brehmer, Sohn von Johann von Brehmer und Elisabet Olofsdotter, war Livländer und wurde Geheimrat und Hofmarschall des Markgrafen Carl Wilhelm Friedrich von Brandenburg-Ansbach, als Nachfolger des Mecklenburgers Claus Josias von Behr. Er war verantwortlich für die Erziehung des jungen Markgrafen und wird als sehr gelehrter, aber auch pedantischer und schulmeisterlich strenger Mann beschrieben. Er begleitete den Markgrafen auf seinen Auslandsreisen als Hofmeister. Johann von Brehmer wurde am 16.10.1713 in den Adelsstand und am 24.12.1724 in den Reichsfreiherrenstand erhoben. Später wurde er Geheimer Regierungsrat und Landschaftsdirektor, auch Oberamtmann und Zunfthauptmann zu Wassertrüdingen und Röckingen, damals ansbachischer Besitz. Er starb unvermählt und ohne Nachkommen, und mit ihm erlosch die Familie im Mannesstamm. Der Besitz wurde zum Fideikommiß und kam an den Sohn einer Nichte, Johan Vilhelm Wrangel, wodurch es zu der oben beschriebenen Namens- und Wappenvereinigung kam.

 

Abb. links oben: Tafel 65: vierte Position von links, Aufschwörschild für "O. W. F. V. BODENHAUSEN" = Otto Wilhelm Freiherr von Bodenhausen (15.4.1680-18.10.1754), datiert auf 1723. Blasonierung: Geviert mit Herzschild, Feld 1: in Gold ein schwarzer, golden bewehrter Doppeladler, zwischen den Köpfen die Kaiserkrone, Feld 2: in Blau drei rote Säulen nebeneinander, die mittlere gekrönt, die anderen beiden oben je mit einer silbernen Kugel besetzt, Feld 3: in Blau hier unter einem unten golden gesäumten Zackenschildhaupt ein goldener dürrer Baum (Siebmacher: in Blau unter einem durch Spitzen abgeteilten goldenen Schildhaupt ein dürrer schwarzer Baum, Rietstap: silberner Baum), Feld 4: in Gold ein aufgerichteter schwarzer Bär mit goldener Krone und mit goldenem Halsband, Herzschild: in Silber drei (2:1) zunehmende, gesichtete, rote Mondsicheln. Dazu werden drei Helme geführt: Helm 1 (Mitte): auf dem gekrönten Helm ein schwarzer, golden bewehrter Doppeladler, zwischen den Köpfen die Kaiserkrone, Helm 2 (rechts): auf dem gekrönten Helm ein Busch von sieben abwechselnd roten und silbernen Straußenfedern, Helm 3 (links): ein wachsender schwarzer Bär mit goldener Krone und mit goldenem Halsband. Hier sind alle Helmdecken rot-silbern. Nachweis: Siebmacher Band: Han Seite: 4 Tafel: 3, Band Anh Seite: 1 Tafel: 1, Band: SchlA1 Seite: 13 Tafel: 9. Grote: Geschlechts- und Wappenbuch des Königreichs Hannover und des Herzogtums Braunschweig. Rietstap: "Écartelé, au 1 d'or à l'aigle éployée de sable surmontée de la couronne impériale, au 2 d'azur à trois colonnes rangées de gueules sur leurs piédestaux d'argent celle du milieu couronnée d'or les deux autres sommées chacune d'une boule d'argent, au 3 d'azur à un arbre sec et arraché d'argent et un chef diminué et dentelé d'or, au 4 d'or à l'ours rampant de sable couronné d'or colleté et bouclé du même. Sur le tout de Bodenhausen qui est d'argent à trois croissants tournés de gueules. Trois casques, les 1er et 2e couronnés. Cimiers: 1° sept plumes d'autruche alternativement de gueules et d'argent, 2° l'aigle éployée surmontée de la couronne impériale, 3° l'ours issant. Lambrequin à dextre d'argent et d'azur, à senestre d'argent et de gueules".

Die Familie gehört zum Uradel Thüringens und Niedersachsens. Anfang des 17. Jh. ist sie in Anhalt nachweisbar, später auch in Sachsen und Preußen. Der namengebende Stammsitz war Burg Bodenhausen bei Friedland (Landkreis Göttingen). Franz Wilke von Bodenhausen erhielt am 20.8.1699 von Kaiser Leopold I. den Freiherrenstand. Diese Linie ist zwar erloschen, doch eine andere Linie übernahm das freiherrliche Wappen, wie es 1699 verliehen wurde, und den Titel. Hier handelt es sich um Otto Wilhelm von Bodenhausen (15.4.1680-18.10.1754) auf Brandis, Wülffingeroda und Sollstädt, Sohn von Kraft Burchhard von Bodenhausen auf Brandis (1647-1716) und Anna Katharina von Gladebeck (1652-1726). Er war königlich-polnischer und kurfürstlich-sächsischer Hofgerichts-Assessor zu Wittenberg und Kreishauptmann im Leipziger Kreis. Er war außerdem Inspektor der Landesschule Grimma. Er war in erster Ehe seit dem 16.10.1704 mit Louise Emerentia von Pfuhl (28.3.1688-27.2.1715) und in zweiter Ehe seit dem 22.12.1718 mit Hedwig Elisabeth aus dem Winkel (5.1.1697-31.7.1737) verheiratet. Sein Grundbesitz lag im Kurfürstentum Sachsen. In Brandis (Landkreis Leipzig) ließ er 1724-1727 ein großzügiges Schloß nach Plänen von David Schatz errichten, das heutige Stadtschloß. Im Alter von 74 Jahren traf ihn in Leipzig der Schlag auf der Michaelismesse. Bereits acht Jahre vor seinem Tod übernahm sein ältester Sohn Carl Heinrich von Bodenhausen (3.3.1724-29.12.1760) das Rittergut Radis. Christoph August Lebrecht von Bodenhausen (6.10.1731-13.12.1786), Kammerherr, bekam das Rittergut Brandis. Alle anderen Söhne starben jung. Da die Linie des anderen Bruders erlosch, erbte diese Linie zu Brandis nach dem Tod von Carl Heinrich auch Radis und setzte den Stamm fort.

Abb. rechts oben: Tafel 66: dritte Position von links, Aufschwörschild für "C. J. V. LENTVLUS" = Cäsar Joseph von Lentulus (ca. 7.6.1683-21./29.5.1744), datiert auf 1722. Blasonierung: Geteilt, oben in Rot drei goldene Rauten nebeneinander, unten in Blau drei (2:1) goldene Kugeln. Zwei gekrönte Helme: Helm 1 (rechts): zu schwarz-goldenen Decken ein wachsender, goldener gerüsteter Arm mit einem Strauß in der bloßen Hand, Helm 2 (links): zu blau-silbernen Decken eine wachsende, blau gewandete Göttin Minerva mit federgeschmücktem Helm, in der Rechten ein goldenes Füllhorn haltend, in der Linken einen grünen Sieges-Lorbeerkranz. Nachweis: Siebmacher Band: Pr Seite: 52 Tafel: 66 (unzutreffende Farben), Band: SaA Seite: 97 Tafel: 62 mit dem hiesigen Bild entsprechenden Farben im Schild, die Kugeln als Linsen bezeichnet. Rietstap: "Coupé, au 1 de sable à trois fusées d'or rangées en fasce, au 2 d'azur à trois boules d'argent 2 et 1. Cimier une Minerve issante habillée d'azur et d'une veste d'or, coiffée d'un casque d'azur liséré d'or la visière levée, panaché de trois plumes d'autruche une d'azur entre deux d'argent, tenant de sa main dextre une couronne de laurier de sinople et de sa senestre une corne d'abondance d'or remplie de fleurs et de fruits. Lambrequin d'argent et d'azur." Auch im Rietstap also die schwarze Farbe anstelle der roten, und nur eine Helmzier.

Die Familie stammt aus der Schweiz, und zwar aus Bern. Als Stammvater der Familie gilt der bürgerliche Basler Arzt Paul Lentulus (1560-1613), welcher 1592 als Stadtarzt nach Bern berufen wurde und zum Start das Bürgerrecht geschenkt bekam. Er wurde wohlhabend und konnte die Herrschaft Corcelles-sur-Chavornay erwerben. Mit seinem Sohn Julius Caesar (1597-1671) stieg die Familie zu den Ratsfamilien auf, denn er kam 1629 in den Großen und 1653 in den Kleinen Rat der Stadt Bern. Neben weiteren Räten stellte die Familie mit der Vorliebe für antik-römische Namen mehrere Militärangehörige. Wir haben es hier also erst einmal mit Berner Patriziat zu tun, noch nicht mit Adel.

Der hier relevante, auf dem Gut Corcelles-sur-Chavornay geborene Cäsar Joseph Lentulus (ca. 7.6.1683-21./29.5.1744), der in österreichischen bzw. kaiserlichen Kriegsdiensten Dragoneroberst wurde und bis zum Generalmajor (1738), General-Feld-Wachtmeister und Feldmarschall-Lieutenant (1743) aufstieg, wurde zum Stammvater der älteren Linie. Er kämpfte erst am Rhein gegen Frankreich und später in Ungarn, Bosnien, im Banat und in Siebenbürgen gegen die Türken. Er starb in Kronstadt (Siebenbürgen, heute Brasov, Rumänien), wo er 1741 zum Kommandanten berufen worden war, nachdem er sich im ersten Schlesischen Krieg bei Mollwitz (heute Malujovice, Polen) eine Verletzung zugezogen hatte. Für seine Verdienste wurde er 1738 von Maria Theresia zum Freiherrn erhoben. Er hatte 1713 Maria Elisabeth von Wangenheim geheiratet, die Witwe des Grafen von Lodisano. Sein Sohn Robert Scipio wurde preußischer Generalmajor. Die ältere Linie bestand bis 1807. Die jüngere Linie, die von Samuel Lentulus (1697-1762) begründet wurde, trug ab 1814 das Prädikat "von".

 

Abb. links oben: Tafel 67: zweite Position von links, Aufschwörschild für "C. A. G. V. Schlippenbach" = Casimir Abraham Graf von Schlippenbach (12.4.1680-28.6.1755), datiert auf 1722, mit einem sehr seltenen Wappen. Blasonierung nach Befund: Geviert mit Herzschild, Feld 1 und 4: in Rot ein silberner Zinnenturm, Feld 2 und 3: in Gold ein aus dem inneren Schildrand hervorkommender, nach außen gerichteter, geharnischter, säbelschwingender Arm, Herzschild: in Silber eine goldene, pfahlweise gelegte Kette aus drei ganzen und zwei halben Ringen. Auf dem Schild ruht eine Blattkrone. Als Schildhalter wird rechts ein goldener Greif, links ein goldener Löwe verwendet, beide widersehend, jeder ein blaues, golden gesäumtes Banner an goldener Turnierlanze haltend, beide auf einem goldenen Ornament stehend. Diese Darstellung entspricht nicht exakt den Erwartungen, sondern hat farbliche Fehler, dazu unten. Nachweise von weiteren Schlippenbach-Wappen: Siebmacher Band: Ost Seite: 103 Tafel: 24, Band: Ost Seite: 195 Tafel: 53, Band: Pr Seite: 26 Tafel: 29, Rietstap.

Bei den von Schlippenbach handelt es sich um ein westfälisches Geschlecht, das im 14. Jh. in Beziehung zur Grafschaft Mark und zum Herzogtum Berg auftritt. Seit dem 15. Jh. sind erste Familienmitglieder in Livland bezeugt, und von da kam die Familie nach Kurland. Die von Schlippenbach führen als Stammwappen in Schwarz eine silberne pfahlweise gelegte Kette aus drei ganzen und zwei halben Ringen, auf dem Helm mit schwarz-silbernen Decken die Kette zwischen einem rechts silbernen und links schwarzen Flug. Rietstap: "De sable à une chaîne de trois chaînons et deux demis d'argent posée en pal. Casque couronné. Cimier la chaîne en pal entre un vol d'argent et de sable."

Zusammen mit anderen westfälischen Familien aus der Gegend rings um Lüdenscheid tritt eine Häufung des Motivs der Kette auf, so haben die von Lüdenscheid, die von Neuhof (silbern in Schwarz), die von Neuhof gen. von Ley (senkrecht, silbern in Blau), die von Oedenthal, die von Budberg (waagerecht, silbern in Rot), von Boenen (senkrecht, rot in Silber), von Bögge (waagerecht, rot in Silber), die von Brockhausen, die von Brunenberg etc. Die von Schlippenbach hatten folgende Standeserhöhungen:

1.) Christopher Carl (Carl Christoph, 1624-1660) von Schlippenbach, Oberst im, königlich-schwedischen Leibregiment, Kammerherr der schwedischen Königin Christine (1626-1689), königlicher Oberschenk, bekam am 1.6.1654 zu Uppsala bzw. Stockholm ein schwedisches Grafendiplom. Das war die Belohnung für seine Beteiligung an den Verhandlungen, die Pfalzgraf Karl Gustav (1622-1660), dem er als Hofmarschall diente, 1654 die schwedische Königswürde als Karl X. einbrachte. 1656 wurde er zum Kriegspräsidenten ernannt. Das bei der Grafenstandserhebung vermehrte Wappen sah folgendermaßen aus: Hauptschild geviert: Feld 1: in Blau ein aus einer grauen (silbernen) Wolke im rechten Obereck (Schildrand) hervorkommender Arm mit rotem Ärmel, eine goldene Edelkrone in der Hand haltend, Feld 2: in Gold eine aufrechte silberne Lanze, von zwei blauen Schlangen umschlungen (Merkurstab, Hermesstab), Feld 3: in Gold eine natürliche Turnierlanze, von Lorbeerzweigen umwunden, Feld 4: in Blau ein links aufspringendes silbernes Pferd, Herzschild: in von Schwarz und Silber schräglinks geteiltem Schild eine goldene Kette. Drei gekrönte Helme: Helm 1 (Mitte): über silbernem Rumpf ein Januskopf zwischen 2x 2 Fahnen, je eine goldene und eine blaue, auf dem Kopf ein blauer, silbern geflügelter Hut, Helm 2 (rechts): eine wachsende silbern gekleidete Jungfrau mit grünem Laubkranz, in der Rechten eine goldene Waage, in der erhobenen Linken eine goldene Edelkrone emporhaltend, Helm 3 (links): ein wachsender silberner Geharnischter (Krieger), in der Rechten einen Türkensäbel schwingend, in der Linken einen Gorgonenschild mit Medusenhaupt haltend, auf dem offenen Helm ein golden-silbern-blauer Federbusch. Decken rechts blau-silbern, links schwarz-golden. Obige Angaben orientieren sich an Stavenhagen. Im westfälischen Wappenbuch gibt es einige farbliche Abweichungen, z. B. Kette des Herzschildes in verwechselten Farben und andere Kleinigkeiten.

Diese Entwicklungsstufe wird im Rietstap wie folgt beschrieben: "Écartelé, au 1 d'azur à un dextrochère de carnation paré de gueules issant d'une nuée d'argent la main supp. une couronne d'or, au 2 d'or à une pique au naturel en pal entortillée de deux serpents d'azur les têtes affrontées, au 3 d'or à une lance de tournoi au naturel entortillée de deux rameaux de laurier de sinople, au 4 d'azur à un cheval galopant d'argent contourné. Sur le tout taillé de sable sur argent à une chaîne de trois chaînons et deux demis d'or posée en pal brochant sur le taillé. Trois casques couronnés. Cimiers: 1° une femme issante habillée d'argent couronnée de feuillage les cheveux épars supp. de sa main senestre une couronne d'or et tenant de sa dextre une balance d'or. Lambrequin d'argent et d'azur. 2° une tête de Janus de carnation coiffée d'un bassinet parti d'azur et de sable, ledit bassinet sommé d'un vol à l'antique d'argent, le tout placé entre quatre guidons alternativement d'or et d'azur. Lambrequin d'argent et de sable. 3° un chevalier issant la visière levée le casque panaché tenant de sa main dextre un cimeterre et de sa senestre un bouclier d'argent. Lambrequin d'or et de gueules. Supports deux lions d'or couronnés du même." Dieses Wappen nach dem schwedischen Grafendiplom wird neben dem Stammwappen im Siebmacher angegeben, weiterhin ist es gelistet bei Carl Arvid von Klingspor in dessen Baltischem Wappenbuch, Tafel 100.

2.) Christopher von Schlippenbach bekam am 28.2.1711 zu Barcelona ein königlich-spanisches Grafendiplom, und das ist die Form des Wappens, wie wir sie hier in der Ordenskirche sehen: Geviert mit Herzschild, Feld 1 und 4: ein Turm, Feld 2 und 3: ein aus dem linken Schildrand hervorkommender, geharnischter, säbelschwingender Arm, Herzschild: in Schwarz eine silberne pfahlweise gelegte Kette aus drei ganzen und zwei halben Ringen. Auf dem Schild ruht die gräfliche Blattkrone. Als Schildhalter wird rechts ein Greif, links ein Löwe verwendet, beide widersehend, jeder ein Banner haltend, darauf ein gekrönter Helm, besteckt mit einer hängenden Kette. Soweit die Beschreibung nach Stavenhagen. Hier gibt es einige farbliche Abweichungen, am offensichtlichsten beim Herzschild, auch gibt es Unterschiede in der exakten Stellung des geharnischten Armes; hier kommen beide aus dem inneren Rand, der obere nach links, der untere nach rechts. Diese Form des Wappens taucht weder im Rietstap, noch bei Spießen noch im Siebmacher auf.

3.) Otto Johann von Schlippenbach auf Jöggis (Estland) aus der Linie Sahlingen erhielt am 25.10.1768 zu Wien ein Reichsfreiherrendiplom, mit der Anrede "Wohlgeboren". Das Stammwappen bekam eine goldene Bordierung, die Kette wurde golden, auf den Schild kam noch eine fünfperlige Krone zusätzlich (schlechter Stil), der Flug wurde ebenfalls hälftig golden, die Kette des Kleinods ebenfalls. Dazu bekam das Wappen zwei Geharnischte als Schildhalter, der eine mit Turnierlanze, der andere sich auf einen silbernen ovalen Schild stützend. Diese Entwicklungsstufe wird im Rietstap wie folgt beschrieben: "Schlippenbach de Bornhusen Livonie - De sable à une chaîne de trois chaînons et deux demis d'or posée en pal à la bordure d'or. Casque couronné. Cimier la chaîne en pal entre un vol d'or et de sable. Tenants deux chevaliers armés de toutes pièces d'argent la visière levée le casque panache d'or celui à dextre tenant une lance de tournoi au naturel et celui à senestre appuyant la main senestre sur un bouclier ovale d'argent."

Die kurländische Linie der von Schlippenbach, die von den vorgenannten Diplomen und Standeserhebungen nicht profitierte, erhielt am 3.4.1862 wenigstens eine Anerkennung des Baronstitels durch einen kaiserlich-russischen Senatsukas.

Nun wieder zu dieser Aufschwörtafel: Mit dem Wappen, das eindeutig der spanischen Verleihung von 1711 entspricht, wird die Auswahl der Personen auf die sehr übersichtlichen Nachfahren des Christopher III. Graf von Schlippenbach auf Allmahlen (Kurland) aus der Linie Sahlingen eingeschränkt. Das einzige Familienmitglied mit diesen Initialen im fraglichen Zeitraum ist sein Sohn, Casimir Abraham Graf von Schlippenbach (12.4.1682-28.6.1755), aus der Ehe mit seiner ersten Frau, Anna Sophia von Alten-Bockum. Der Vater des hier mit seiner Wappentafel Vertretenen war holländischer Generalmajor der Kavallerie und wurde am 28.2.1711 um spanischen Grafen erhoben, als Belohnung für großen Mut bei den Schlachten in Almenora, in Saragossa und in Brihuega. Der Titel sollte in der Primogenitur weitergegeben werden. Sein Sohn Casimir Abraham war holländischer General-Leutnant und Gouverneur der Forts Lillo und Frederik Hendrik etc. Er nahm an etlichen Kriegen teil, die ihn quer durch Europa führten, vor allem am Krieg zwischen Spanien und Frankreich, und er sprach daher fließend Deutsch, Französisch, Holländisch, Spanisch und Englisch. Neben dem martialischen Leben führte er ein musisches; wie wir aus seinen Tagebüchern wissen, hatte er eine große Leidenschaft für Musik, Lautenspiel, Gesang und Tanz, und leider auch für das Spiel. Er heiratete zweimal, in erster Ehe am 1.5.1705 in 's Gravenhage Catharina Cecilia Huneken (19.5.1669-5.11.1737) und in zweiter Ehe am 11.2.1742 Susanna Elisabeth van Essen (22.12.1686-12.8.1768), geschieden 1743. Aus erster Ehe hatte er eine Tochter, Christoffeline Maria Casimira von Schlippenbach (-1732), die 1729 Ludwig Theodor Paul Graf von Nassau (-1748) geheiratet hatte. Da Casimir Abraham nur eine Schwester hatte, Theodora Johanna (-20.9.1745), konnte dieses Wappen nur von genau vier Personen geführt werden, von seinem Vater, von ihm selbst, von seiner Schwester und von seiner Tochter, vorbehaltlich der möglichen Allianzwappen mit den Ehepartnern. Deshalb ist die Zuordnung eindeutig, auch wenn ein Zusammenhang zwischen Casimir Abraham Graf von Schlippenbach und den Markgrafen von Brandenburg-Bayreuth offen ist, Hinweise willkommen. Und es bleibt zu betonen, daß das Wappen in dieser Form eine wirkliche heraldische Rarität ist.

Abb. rechts oben: Tafel 68: Position ganz links, Aufschwörschild für "E. V. Gleichen" = Ernst von Gleichen jun. (-1761), datiert auf 1721. Blasonierung: In Silber zwei aufgereckte schwarze, rot bewehrte Bärenpranken (Bärentatzen), an den Schnittflächen rot, auf dem schwarz-silbern bewulsteten Helm mit ebensolchen Decken zwei aufgereckte schwarze, rot bewehrte Bärenpranken (Bärentatzen). Nachweis: Siebmacher Band: PrE Seite: 83 Tafel: 70, Aschaffenburger Wappenbuch Tafel 48 Seite 154. Rietstap: "D'argent à deux pattes d'ours adossées de sable. Casque couronné. Cimier les meubles de l'écu."

Ernst von Gleichen jun. (-1761) auf Birckigt, Espelbach und Lausnitz war Brandenburg-Kulmbachischer Geheimrat und Oberforstmeister, Oberaufseher zu Röhrenhof, später Markgräflich-Bayreuthischer Oberjägermeister, weiterhin Kammerjunker, Major der Grenadier-Garde, Oberamtmann zu Gefrees und Goldkronach und 1758 Ordenskanzler. Er war verheiratet mit Cordula Barbara, geborene Domlin von Kronenschild. Sein einziger Sohn war der Diplomat und Botschafter Karl Heinrich von Gleichen (1733-5.4.1807).

Wappentafeln auf der Nordwestseite unter der unteren Empore, Vierergruppe unter der Herrschaftsloge rechts
Abb. links unten: Tafel 69: Position ganz rechts, Aufschwörschild für "H. V. GLEICHEN" = Heinrich von Gleichen, datiert auf 1721. Blasonierung: In Silber zwei aufgereckte schwarze, rot bewehrte Bärenpranken (Bärentatzen), an den Schnittflächen rot, auf dem schwarz-silbern bewulsteten Helm mit ebensolchen Decken zwei aufgereckte schwarze, rot bewehrte Bärenpranken (Bärentatzen). Nachweise siehe oben. Heinrich von Gleichen sen. war am Bayreuther Hof Oberkammerjunker, dann Oberforstmeister zu Jößlein und Ober-Kriegs-Commissarius.

 

Abb. rechts oben: Tafel 70: Position innen rechts, Aufschwörschild für "DL. I. V. KOTTULINSKY" = DL. I. von Kottulinsky, datiert auf 1721. Blasonierung: In Blau ein abgehauenes goldenes Greifenbein (Adlerbein) mit roten Krallen, auf dem blau-golden bewulsteten Helm mit blau-goldenen Decken wachsend ein goldener, golden gekrönter Löwenrumpf. Nachweis: Siebmacher Band: Bö Seite: 137 Tafel: 65, Band: SchlA2 Seite: 67 Tafel: 44, Band: ÖSchl Seite: 128 Tafel: 68, Band: OÖ Seite: 749 Tafel: 151, Rietstap (Details siehe unten).

Die Familie stammt aus Oberschlesien und Böhmen und benennt sich nach dem Stammhaus Kottulin. Der Stammvater Nicolaus von Kotholin tritt 1358 erstmals urkundlich auf. Das Stammwappen gehört als Derivat zur Wappenfamilie Topacz (in Rot ein schwarzes, golden bewehrtes Greifenbein oder Adlerbein, auf dem Helm mit schwarz-roten Decken drei silberne Straußenfedern). Andere Formen haben als Kleinod entweder den Greifenfuß oder einen wachsenden Greifenrumpf; es gibt viele Varianten, selbst für die Farben im Schild. Rietstap wiederum gibt einen Greifenkopf als Kleinod an: "D'azur à un membre de griffon d'or la cuisse coupée de gueules la serre en bas. Cimier une tête et col de griffon d'or."

Freiherren-Diplome datieren vom 24.10.1518 für Nicolaus von Kottulinsky (Reichsfreiherrenstand), vom 13.6.1645 zu Wien für Johann von Kottulinsky von Kottulin und Krziczkowitz auf Krzischkowitz (böhmischer Herrenstand) aus der Linie Krzischkowitz, vom 30.9.1652 zu Wien für einen anderen Johann von Kottulinsky (böhmische Bestätigung des alten Herrenstandes mit Wappenbesserung), vom 20.3.1666 für Daniel von Kottulinsky, vom 15.2.1724 und vom 21.1.1730 für Josef Ignaz von Kottulinsky, jedes mit einer eigenen Variante des Wappens und manchmal mit wirklich merkwürdigen Neuerungen. Die Variante von 1518 hat auf dem rot-silbern bewulsteten Helm zu blau-goldenen Decken einen wachsenden gekrönten roten Löwenrumpf. Die Variante von 1645 hat zu grünen Decken einen gekrönten roten Löwenrumpf. Das freiherrliche Wappen wird bei Tyroff mit dem wachsenden Löwenrumpf als Kleinod abgebildet, ebenso im Schlesischen Wappenbuch. Das entspricht auch der hiesigen Darstellung mit dem goldenen Löwenrumpf. Im Diplom von 1645 wurde bereits der gevierte Schild wie nachfolgend beschrieben antizipiert, aber nur mit zwei Helmen unter Auslassung des Stammkleinods. Im Diplom von 1730 ist der Schild silbern-rot geteilt und mit dem schwarzgefiederten, golden bewehrten Greifenbein belegt; das Kleinod ist ein schwarzer Adlerrumpf zwischen einem Flug, rechts golden-rot, links silbern-schwarz geteilt, Decken rechts schwarz-silbern, links rot-golden. Die Varianten sind unübersichtlich, und die Verbesserungen sind nicht wirklich heraldisch überzeugend.

Eine vermehrte Version des Wappens entstand bei der Erhebung in den böhmischen Grafenstand der Linie Krzischkowitz am 26.2.1706. Der Begünstigte war Franz Carl Kottulinsky Freiherr von Kottulin, Herrn auf Politschan. Diese Erhebung war mit folgender Wappenbesserung verbunden, die im Grunde das freiherrliche Wappen von 1645 um den Stammhelm auf Platz 1 ergänzte: Geviert mit Herzschild: Feld 1 und 4: in Rot ein silberner Stockanker, Feld 2 und 3: in Silber ein golden gekrönter, doppelschwänziger, roter Löwe, gekrönter Herzschild: in Blau ein abgehauenes goldenes Greifenbein (Adlerbein) mit roten Krallen. Dazu werden drei Helme geführt, Helm 1 (Mitte): zu rechts blau-goldenen, links rot-silbernen Decken ein abgehauenes goldenes Greifenbein (Adlerbein) mit roten Krallen, Helm 2 (rechts): zu blau-goldenen Decken ein schwarzer (eigentlich roter) Flügel, belegt mit dem silbernen Stockanker, Helm 3 (links): zu rot-silbernen Decken ein wachsender, golden gekrönter, roter Löwenrumpf. Diese Entwicklungsstufe wird auch im Rietstap mit einigen Farbabweichungen beschrieben: "Écartelé, aux 1 et 4 de gueules à une ancre d'argent, aux 2 et 3 d'argent au lion de gueules. Sur le tout d'azur à un membre de griffon d'or les ongles de gueules. Trois casques couronnés. Cimiers: 1° un demi-vol contourné de sable ch. d'une ancre d'argent, 2° le membre de griffon, 3° une tête et col de lion d'or couronnée du même. Lambrequin à dextre d'or et d'azur, à senestre d'argent et de gueules." Das Wappen wird auch in den Tyroffschen Wappenbüchern abgebildet, mit neunperliger Rangkrone. Ein solches Wappen ist in bauplastischer Form in Graz am neobarocken Palais Kottulinsky angebracht, ein weiteres, farbiges Beispiel ist im Glasfenster "Maria Attersee" im Linzer Dom zu sehen.

Eine weitere Wappenvermehrung entstand 1905 noch kurz vor Ende des Feudalsystems aufgrund einer Adoption. Theodora Gräfin Kottulinsky von Kottulin, geb. Freiin von Mayr-Melnhof, hatte Karl Freiherr Dobrzensky von Dobrzenicz, k. u. k. Kämmerer und Oberleutnant, adoptiert. Dieser erhielt nun mit einem Diplom vom 31.10.1905 den adoptivmütterlichen Namen übertragen und hieß fortan "Graf Kottulinsky Freiherr von Kottulin, Krzischkowitz und Dobrzenicz". Das kombinierte Wappen erhielt nun folgende Form: Geviert mit Herzschild, Feld 1 und 4: in Rot ein silberner Stockanker, Feld 2 und 3: in Silber ein golden gekrönter, roter Löwe, gekrönter Herzschild: durch einen silbernen Faden gespalten, rechts in Blau ein abgehauenes goldenes Greifenbein (Adlerbein) mit roten Krallen, links in Blau ein Storch (Dobrzensky). Dazu werden drei Helme geführt, Helm 1 (Mitte): zu blau-goldenen Decken ein roter Flügel, belegt mit dem silbernen Stockanker, Helm 2 (rechts): zu rechts blau-goldenen, links rot-silbernen Decken ein abgehauenes goldenes Greifenbein (Adlerbein) mit roten Krallen, Helm 3 (links): zu rot-silbernen Decken ein wachsender, golden gekrönter, roter Löwenrumpf. Es kam also nur das Wappen Dobrzensky zusätzlich in den Herzschild, und die Helme 1 und 2 wurden vertauscht, auch wenn es wenig Sinn macht, die gespaltenen Decken aus der Mitte an den Rand zu setzen.

Die Linie Eckersdorf, die zuvor am 20.2.1666 für Daniel Kottulinsky auf Eckersdorf eine böhmische Bestätigung des alten Herrenstandes mit "Freiherr zu Jeltsch" und "Edler Herr zu Eckherstorff" sowie am 3.9.1667 für Caspar Moritz und Adam Kotulinsky Freiherren von der Jeltsch eine weitere böhmische Bestätigung des alten Herrenstandes erhalten hatte, bekam ebenfalls eine Grafenstandserhebung, und zwar am 13.9.1748 für Daniel Leopold Freiherr Kottulinsky von Kottulin auf Reinersdorf und Hennersdorf, diesmal war es der preußische Grafenstand, der zu Berlin vergeben wurde. Der Sohn des Begünstigten war Daniel Christoph Graf Kottulinsky, Brandenburg-Bayreuthischer Kammerjunker unter Markgraf Georg Wilhelm und später Grenadierhauptmann unter Markgraf Georg Karl Friedrich von Brandenburg-Bayreuth, dazu preußischer Kammerherr und Ritter des badischen Fidelitasordens (Hausorden der Treue). Das Wappen ist geviert mit Herzschild, Feld 1 und 4: in Silber ein schwarzer, golden bewehrter Adler, Feld 2 und 3: in Rot einwärts ein goldener, golden gekrönter Löwe, gekrönter Herzschild: in Blau ein abgehauenes goldenes Greifenbein (Adlerbein) mit roten Krallen. Drei gekrönte Helme: Helm 1 (Mitte): das Greifenbein, Helm 2 (rechts): der wachsende Löwenrumpf, Helm 3 (links): drei silberne Straußenfedern, Helmdecken blau-golden. Das Wappen ist im Rietstap gelistet: "Écartelé, aux 1 et 4 d'argent à l'aigle de sable becquée membrée et couronnée d'or, aux 2 et 3 de gueules au lion d'or couronné du même celui du 3 contourné. Sur le tout un écusson d'azur couronné d'or ch. d'un membre de griffon d'or coupé à la cuisse dont jaillissent des jets de sang. Trois casques couronnés. Cimiers: 1° une tête et col de lion d'or couronnée du même, 2° le membre de griffon, 3° trois plumes d'autruche d'argent. Lambrequin d'or et d'azur."

Um welches Familienmitglied es sich hier genau handelt, ist noch offen, Hinweise willkommen. Die Abkürzung "DL." steht vermutlich naheliegend für Daniel, ein häufig in der Familie vorkommender Vorname. In der zur Verfügung stehenden Literatur finden sich als nähere Angaben lediglich, daß das Ordensmitglied Freiherr auf Eckersdorf und Hauptmann in Schlesien sei.

 

Abb. links oben: Tafel 71: Position innen links, Aufschwörschild für "F. J. Baron de Neveu" = Franz Joseph Freiherr von Neveu, datiert auf 1721. Blasonierung: In Grün zwei schräggekreuzte, gestürzte, silberne Anker mit goldenen Spitzen und Ringen, auf dem gekrönten Helm mit grün-silbernen Decken ein gestürzter, silberner Anker mit goldenen Flunken und Ringen. Nachweis: Siebmacher Band: Bad Seite: 11 Tafel: 8. Rietstap: " De sinople à deux ancres d'argent les bouts d'or renversées et passées en sautoir. Casque couronné. Cimier une ancre de l'écu renversée et mise en pal".

Bei der Familie Neveu de Windschläg handelt es sich um einen Zweig der ursprünglich aus dem Anjou stammenden Neveu de la Folie. Im Zuge des Dreißigjährigen Krieges kam Franz Carl II. de Neveu (katholisch) zunächst in schwedischen, dann nach einem Wechsel der Seite in kurbayerischen Diensten, schließlich als kaiserlicher Obrister und Feldhauptmann nach Deutschland. Ab dem 12.7.1648 befehligte er das Infanterie-Regiment Gronsfeld. 1650 war er noch Kommandant der Stadt Freiburg im Breisgau. Im gleichen jahr 1650 wurde er unter Kaiser Ferdinand III., Erzherzog von Österreich, Landvogt in der Ortenau. Die Herrschaft Windschläg mit Hespengrund bekam er 1656 von demselben zum Dank für geleistete Dienste. 1669 wurde er in den Reichsfreiherrenstand erhoben. Er heiratete zweimal, in erster Ehe Marie Susanne von Roggenbach, in zweiter Ehe 1677 Maria Elisabetha von Falkenstein. Die Familie war seitdem in Baden ansässig. Der Sohn aus zweiter Ehe, Franz Michael Neveu von Windschläg, österreichischer Gesandter in der Schweiz, k. k. Landvogt in der Ortenau, erhielt am 17.12.1700 zu Wien den erbländisch-österreichischen Freiherrenstand. Die Familie gehörte zur Reichsritterschaft der Landvogtei Ortenau Vorderösterreichs. Neben der Grundherrschaft Windschläg (seit 1975 Stadtteil von Offenburg) besaß die Familie in Baden Dietenbach, Rain, einen Anteil an Biengen (seit 1971 zu Bad Krozingen) und einen Hof im Hespengrund (zu Durbach, Ortenaukreis).

Hier haben wir es mit Franz Joseph Freiherr von Neveu (-21.6.1742) zu tun, den Sohn von Franz Michael Freiherr von Neveu. Er war Generalmajor, heiratete nicht. Den Stamm setzte sein Bruder fort, Franz Anton Freiherr von Neveu, Hauptmann und Obervogt in den Freibergen. Mit dessen Enkel, Franz Xaver Freiherr von Neveu, stellte die Familie einen Fürstbischof von Basel (lebte 1749-1828, amtierte 1794-1828), den letzten überhaupt, der dazu 1795-1801 Administrator des Erzbistums Besançon und des Bistums Belley war.

Abb. rechts oben: Tafel 72: Position ganz links, Aufschwörschild für "W. C. V. REIZENSTEIN" = Wolff Christoph von Reitzenstein (14.11.1663-17.1.1729), datiert auf 1721. Wappenbeschreibung siehe weiter oben auf dieser Seite. Wolff Christoph von Reitzenstein auf Zoppaten (Biedermann Voigtland Tafel 73) war der Sohn von Christoph Friedrich von Reitzenstein auf Krötenhof, dem Stammherrn der Linie zu Zoppaten. Der Vater war Cornet in schwedischen Diensten. Die Mutter war Maria Juliana von Kotzau. Wolff Christoph von Reitzenstein wurde fürstlich-Bayreuthischer Geheimer Rat, Oberforstmeister und Oberjägermeister. Er heiratete 1707 Maria Sabina von Würtzburg (21.3.1683-17.6.1762), die Tochter von Johann Veit von Würtzburg (21.12.1638-7.4.1703) zu Ober- und Untermitwitz und Cordula von Redwitz-Wildenroth (-7.2.1696). Er liegt in der Kirche von Zoppaten begraben.

Die von Reitzenstein besaßen in Bayreuth ein eigenes Adelspalais: Am Luitpoldplatz entstand das "von Reitzensteinsche Haus" 1760-1767 als Familienpalais nach Plänen von Carl Philip von Gontard. Es war ein dreigeschossiges Eckhaus mit Flügeln zu 13 und 5 Fensterachsen; an der Front des längeren Flügels befand sich der Eingangsportikus. Das Palais wurde 1850 von Herzog Alexander von Württemberg aufgekauft. Nach dessen Tod ging es an eine Frau von Meyernberg über. 1915 ging das Reitzenstein-Palais in den Besitz der Stadt Bayreuth über, die es zum Rathaus umbaute. 1945 brannte es aus; die beiden oberen Stockwerke stürzten teilweise ein. 1945 hatte man die Reste bis aufs Erdgeschoß abgetragen, welches man als Verkehrsbüro und Polizeigebäude nutzte, während das Rathaus wieder ins alte Rathausgebäude in der Maximilianstraße umzog. 1966 riß man auch diesen verbliebenen Rest ab und schuf einen modernen Rathausneubau, der 1972 bezogen wurde. Eine Portikus-Säule vom Reitzenstein-Palais steht noch im Innenhof des Historischen Museums.

Literatur, Links und Quellen:
Lokalisierung auf Google Maps: https://www.google.de/maps/@49.9541059,11.592822,18.75z - https://www.google.de/maps/@49.9540937,11.5928929,117m/data=!3m1!1e3
Evangelisch-lutherische Kirchengemeinde Ordenskirche Bayreuth St. Georgen:
https://www.ordenskirche.de/
Kirchenführer: Die Ordenskirche, hrsg. von der Evang.-Luth. Kirchengemeinde Bayreuth-St. Georgen
von Reitzenstein:
https://de.wikipedia.org/wiki/Reitzenstein_(Adelsgeschlecht)
Artikel zu Reitzenstein in: Johann Heinrich Zedlers Grosses vollständiges Universal-Lexicon aller Wissenschafften und Künste, 1731-1754, Band 31 (Rei-Ri), Sp. 412-413 -
https://www.zedler-lexikon.de/index.html?c=blaettern&seitenzahl=219&bandnummer=31&view=100&l=de
Palais Reitzenstein in der Bavariathek:
https://www.bavariathek.bayern/wiederaufbau/gebaeude/detail/ehem-palais-reitzenstein/264
von Reitzenstein: Biedermann: Geschlechts Register der löblichen Ritterschafft im Voigtlande
http://books.google.de/books?id=FCZRAAAAcAAJ Tafel: 63-105. Weitere Familienmitglieder: Biedermann: Geschlechtsregister der Reichsfrei unmittelbaren Ritterschaft Landes zu Franken Löblichen Orts Gebürg http://books.google.de/books?id=49JDAAAAcAAJ Tafel 207-210
von Dobeneck:
https://de.wikipedia.org/wiki/Dobeneck_(Adelsgeschlecht)
von Dobeneck: Biedermann: Geschlechts Register der löblichen Ritterschafft im Voigtlande
http://books.google.de/books?id=FCZRAAAAcAAJ, ab Tafel 145
von Wolfstein:
https://de.wikipedia.org/wiki/Wolfstein_(Adelsgeschlecht)
Sophie Christiane von Wolfstein:
https://de.wikipedia.org/wiki/Sophie_Christiane_von_Wolfstein
von Wolfstein:
https://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Wolfstein,_Adelsfamilie
Wrangel von Brehmer:
https://www.riddarhuset.se/att/wrangel-von-brehmer/
Wrangel von Brehmer:
https://www.adelsvapen.com/genealogi/Wrangel_von_Brehmer_nr_268
Johann von Brehmer:
https://www.geni.com/people/Johan-von-Brehmer/6000000017115637506
von Bodenhausen:
https://de.wikipedia.org/wiki/Bodenhausen_(Adelsgeschlecht)
Otto Wilhelm Freiherr von Bodenhausen:
https://de.wikipedia.org/wiki/Otto_Wilhelm_von_Bodenhausen
Schloß Brandis:
https://de.wikipedia.org/wiki/Schloss_Brandis_(Sachsen)
Arthur von Bodenhausen: Stammtafeln der Familie von Bodenhausen mit Belegen, Göttingen, 1865:
http://digital.ub.uni-duesseldorf.de/ihd/content/titleinfo/8191975 insbesondere Tafel VIII http://digital.ub.uni-duesseldorf.de/ihd/content/pageview/8192017 und Tafel IX http://digital.ub.uni-duesseldorf.de/ihd/content/zoom/8192021
Genealogie von Bodenhausen:
https://gw.geneanet.org/cvpolier?lang=en&n=von+bodenhausen&oc=0&p=otto+wilhelm
Hans Braun: Cäsar Joseph Lentulus, in: Historisches Lexikon der Schweiz:
https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/023967/2008-11-25/
Hans Braun: Lentulus, in: Historisches Lexikon der Schweiz:
https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/020891/2008-11-20/
Genealogie Schlippenbach: in: Oskar Stavenhagen: Genealogisches Handbuch der kurländischen Ritterschaft, Bd. 1, Görlitz, 1939 - ab S. 461
http://daten.digitale-sammlungen.de/bsb00000602/images/index.html?id=00000602 - Genealogie von Casimir Abraham: http://daten.digitale-sammlungen.de/~db/bsb00000602/images/index.html?seite=487&fip=193.174.98.30
Estländischer Zweig: in: Genealogisches Handbuch der baltischen Ritterschaften, Teil: Estland, Band 1, Görlitz 1930, S. 724 ff. -
https://personen.digitale-sammlungen.de/baltlex/Blatt_bsb00000600,00741.html
Casimir Abraham von Schlippenbach: Lebensdaten und Vorfahren:
http://members.home.nl/pushkar/Schlippenbach.html
Arry Voorsmit, Hans Vogel: "De Princeman", Feature Film, Riba Film International
Genealogie Schlippenbach:
https://www.geni.com/people/Casimir-Abraham-Graf-von-Schlippenbach/6000000018672747013 - https://www.genealogieonline.nl/de/genealogie-richard-remme/I41287.php - http://richardremme.com/genealogy/tng/getperson.php?personID=I41287&tree=tree01
von Schlippenbach:
https://de.wikipedia.org/wiki/Schlippenbach_(Adelsgeschlecht)
von Schlippenbach:
http://grosse-drenkpohl.de/schlippenbach-adelsgeschlecht/
Carl Arvid von Klingspor: Baltisches Wappenbuch, Wappen sämmtlicher, den Ritterschaften von Livland, Estland, Kurland und Oesel zugehöriger Adelsgeschlechter, Stockholm 1882
H. Vogel, M. Smits: Een oorlogsman van dezen tijd en minnaar der sexe/druk 1: de autobiografie van Casimir Graaf von Schlippenbach (1682-1755), 592 S., Verlag Veen, L.J., 2007, ISBN-10: 9045701103, ISBN-13: 978-9045701103.
Leonard Dorst: Schlesisches Wappenbuch oder die Wappen des Adels im Souverainen Herzogthum Schlesien, der Grafschaft Glatz und der Oberlausitz, Görlitz 1847
http://www.dokumentyslaska.pl/herby_slaskie/kottulinsky.html
Artikel zu Kottulinsky im Adelslexikon:
https://www.austroaristo.com/joodbnew/index.php?option=com_content&view=article&id=4193:kottulinsky-kottulin&catid=8&Itemid=102
Lars Adler: Verleihungsliste des markgräflich badischen Fidelitasordens 1715-1802, Darmstsdt 2013 -
https://www.deutsche-gesellschaft-fuer-ordenskunde.de/DGOWP/wp-content/uploads/2013/06/Verleihungsliste_badischer_Fidelitasorden_1715_1802_Adler.pdf
Edmund von der Becke-Klüchtzner: Stamm-Tafeln des Adels des Großherzogthums Baden: ein neu bearbeitetes Adelsbuch, Baden-Baden, 1886, S. 302.
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/beckekluechtzner1886/0302/image
Carl Neveu de la Folie:
http://www.30jaehrigerkrieg.de/neveu-de-la-folie-carl-freiherr/
Marco Jorio: von Neveu, in: Historisches Lexikon der Schweiz
https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/022061/2008-08-27/
Artikel zu Reitzenstein in: Johann Heinrich Zedlers Grosses vollständiges Universal-Lexicon aller Wissenschafften und Künste, 1731-1754, Band 31 (Rei-Ri), Sp. 412-413 -
https://www.zedler-lexikon.de/index.html?c=blaettern&seitenzahl=219&bandnummer=31&view=100&l=de
von Reitzenstein: Biedermann: Geschlechts Register der löblichen Ritterschafft im Voigtlande
http://books.google.de/books?id=FCZRAAAAcAAJ Tafel: 63-105. Weitere Familienmitglieder: Biedermann: Geschlechtsregister der Reichsfrei unmittelbaren Ritterschaft Landes zu Franken Löblichen Orts Gebürg http://books.google.de/books?id=49JDAAAAcAAJ Tafel 207-210
Johann Conrad Peetz: Neu-eröfnetes Europäisches Staats-Theatrum: Auf welchem Der vornehmsten Staaten in Europa jetzt lebende hohe Personen... , Regensburg 1730, S. 450-464
https://books.google.co.jp/books?id=mNBWAAAAcAAJ
Louis Schneider: Der Rothe Adler-Orden, Hayn, Berlin 1857 -
http://digital.ub.uni-duesseldorf.de/ihd/content/titleinfo/9296907 - http://digital.ub.uni-duesseldorf.de/ihd/content/structure/9296448 - http://digital.ub.uni-duesseldorf.de/download/pdf/9296448?name=%255B1%255D
ein herzliches Dankeschön an Herrn Pfarrer Martin Bachmann für die Erlaubnis zur Veröffentlichung der Bilder aus dem Innenraum vom 13.5.2019

Ordenskirche St. Georgen, Teil 1: Tafeln 1-22 - Ordenskirche St. Georgen, Teil 2: Tafeln 23-42 - Ordenskirche St. Georgen, Teil 3: Tafeln 43-58 - Ordenskirche St. Georgen, Teil 5: Tafeln 73-85

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