Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 2545
Sontheim (zu Heilbronn, Regierungsbezirk Stuttgart)

Belfriedstein an der Sontheimer Kirche St. Martinus

Sontheim war seit 1293 im Besitz des Deutschen Ritterordens. In jenem Jahr hatte Albrecht von Ebersberg eine Schenkungsurkunde über das "Dorf Zweikheim" mit Burg ausgestellt, das dem späteren Sontheim entspricht. Sontheim wurde der wichtigste Besitz der Kommende Heilbronn und blieb über 500 Jahre lang Ordenseigentum. Der Besitz durch den Deutschen Orden wurde nur kurz unterbrochen, als König Gustav Adolf von Schweden 1632 das Dorf Sontheim und die übrigen Besitzungen der Deutschordens-Kommende der Stadt Heilbronn schenkte, doch die Stadt gab 1634 alles wieder zurück. Der Komtur residierte freilich im sichereren städtischen Heilbronn (damals war die Stadt noch weit entfernt von der heutigen städtebaulichen Tristesse) und nutzte Sontheim nur als Sommersitz, insbesondere nachdem dort 1688 ein sogenanntes Gartenhaus erbaut worden war.

Die Reste der einstigen Burg der Herren von Ebersberg, ein Turm und ein Teil der nach dem Bauernkrieg hochgezogenen Ringmauer um den Deutschordenshof, wurden 1840 abgetragen. Dabei wurde ein vorher am Turm befindlicher Gedächtnisstein an eine niedrige Mauer am westlichen Treppenaufgang zur neoromanischen Kirche St. Martinus (nur der Chor ist gotisch) versetzt. Es handelt sich um eine Gruppe von drei Steinen. Die beiden oberen großen Blöcke sind im Rahmen einer Restaurierung neu gehauene, perfekt nachgearbeitete und doch nur charme-befreit technisch kopierte Steine mit je zwei Deutschordenswappen, der dritte Stein darunter ist kleiner, als einziger noch original und trägt die Datierung 1539.

 

Das erste Wappen von links gehört zu "WALTER VON CRONBVRG ADMINISTRATO(R)". Es ist das Hochmeister-Wappen des Walter von Cronberg, der ab 1508 Komtur zu Frankfurt und später Administrator des Hochmeistertums des Ordens war, geviert, Feld 1 und 4: in Silber ein schwarzes Kreuz (Deutscher Orden), Feld 2 und 3: geviert, Feld a und d: ledig und rot, Feld b und c: in Silber 4 (2:2) blaue Eisenhütlein (blau-silberner pfahlförmig angeordneter Eisenhutfeh). Das Ganze ist belegt mit einem Hochmeisterkreuz (auf einem schwarzen Kreuz ein goldenes Glevenkreuz (Lilienkreuz), in der Mitte belegt mit einem Herzschild, der in Gold den schwarzen Reichsadler zeigt).

Die anderen drei Wappen sind alle gleich aufgebaut und in einen Herzschild mit dem Familienwappen und einen Rückschild mit dem schwarzen Deutschordenskreuz auf silbernem Feld untergliedert. Das zweite Wappen ist "EBERHART VON EHIGEN STADHALTER" zugeordnet. Die schwäbischen von Ehingen führen in Schwarz einen goldenen Sparren. Die hier nicht dargestellte Helmzier wäre zu schwarz-goldenen Decken ein golden gekrönter Mannesrumpf wachsend, dessen schwarzes Gewand mit einem goldenen Sparren belegt ist. Das Wappen wird beschrieben im Siebmacher Band: BayA1 Seite: 11 Tafel: 8, Band: WüA Seite: 10 Tafel: 2 und im Alberti S. 153. Historische Abbildungen sind im Berliner Wappenbuch, im Scheiblerschen Wappenbuch Folio 134, in Conrad Grünenberg's Wappenbuch, im Wappenbuch St. Gallen, im Ingeram-Codex u.v.a.m. Die Familie, die ihren Stammsitz in Ehingen bei Rottenburg am Neckar hatte, ist 1697 erloschen. Eberhard von Ehingen war 1513 Amtmann in Scheuerberg, 1520 Komtur auf Burg Horneck und 1521-1532 Komtur in Heilbronn und schließlich 1543-1555 Landkomtur der Ballei Franken. Mehrere andere Familienmitglieder traten in den Deutschen Orden ein, darunter Hanns von Ehingen und Philipp von Ehingen (1540 Landkomtur im Elsaß).

 

Das dritte Wappen erinnert an "WILHELM LOCHINGER COMATER". Wilhelm von Lochinger, hier noch als einfacher Komtur gelistet, war vorher 1525-1529 bzw. 1531-1532 Komtur in Rothenburg, 1535-1537 Komtur in Oettingen und wurde später 1555-1558 Landkomtur der Ballei Franken, als Nachfolger von Eberhard von Ehingen. Die in Archshofen nordwestlich von Rothenburg beheimatete und im Mannesstamm 1688 erloschene Familie führte in Gold einen schwarzgekleideten Mannesrumpf mit goldenem Kragen und niederem schwarzem, goldengestulptem Hut, auf dem Helm mit schwarz-goldenen Decken wachsend ein schwarzgekleideter Mannesrumpf mit goldenem Kragen und niederem schwarzem, goldengestulptem Hut - so wird es  im Geschlechterbuch des Johann Friedrich Christoph Schrag abgebildet. Ähnlich wird es im Siebmacher Si1 105 "Frenckische" sowie im Siebmacher Band: WüA Seite: 57 Tafel: 38 und Band: BayA1 Seite: 160 Tafel: 166 beschrieben, doch dort sind Aufschlag und Krempe jeweils grün.

Das vierte und letzte Wappen ganz rechts gehört zu "CASPER HABERCORN BAVMEISTER". Ordensbaumeister Kaspar Haberkorn von Zellingen wird 1513 als Ritter auf Burg Horneck genannt. Die Familie führt in Rot einen silbern-gestulpten goldenen Heidenhut, auf halber Höhe seitlich mit zwei roten Rosen, oben mit einem schwarzen Hahnenfederbusch an goldenem Knopf besteckt. Das Wappen wird beschrieben im Siebmacher Band: SchlA1 Seite: 38 Tafel: 29, sowie bei Schöler S. 52, Tafel 153. Die hier nicht dargestellte Helmzier wäre zu rot-silbernen Decken der Hut wie zuvor genannt. Die fränkische, in Steinau ansässige Familie ist im 15. und 16. Jh. im Bürgerstand der Städte zu finden und erlangte am 16.3.1715 mit Johann Adam Haberkorn den böhmischen Ritterstand. Da der Sohn des Genannten, Christian Friedrich von Haberkorn, 1713 jung verstarb, erlosch die Familie mit Johann Adam im dritten Jahrzehnt des 18. Jh.

Literatur, Links und Quellen:
Lokalisierung auf Google maps: https://www.google.de/maps/@49.1184299,9.189851,19.24z - https://www.google.de/maps/@49.1184786,9.1898701,66m/data=!3m1!1e3
St. Martinus in Sontheim auf Wikipedia:
https://de.wikipedia.org/wiki/St._Martinus_(Heilbronn-Sontheim)
Beschreibung des Oberamts Heilbronn/Kapitel B 14:
https://de.wikisource.org/wiki/Beschreibung_des_Oberamts_Heilbronn/Kapitel_B_14
St. Martin in Sontheim:
https://heilbronn.city-map.de/02010100/st-martin-heilbronn-sontheim
Julius Fekete, Simon Haag, Adelheid Hanke, Daniela Naumann: Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland, Kulturdenkmale in Baden-Württemberg, Band I.5., Stadtkreis Heilbronn, Theiss-Verlag, Stuttgart 2007, ISBN 978-3-8062-1988-3, S. 248-252
von Cronberg:
https://de.wikipedia.org/wiki/Kronberg_(Adelsgeschlecht)
Walter von Cronberg:
https://de.wikipedia.org/wiki/Walther_von_Cronberg
von Ehingen:
https://de.wikipedia.org/wiki/Ehingen_(Adelsgeschlecht)
Karl Holzherr: Geschichte der Reichsfreiherren von Ehingen bei Rottenburg am Neckar, Kohlhammer, Stuttgart 1884,
http://digital.ub.uni-duesseldorf.de/urn/urn:nbn:de:hbz:061:1-474400
Damian Hungs: Kommenden des Deutschen Ordens:
http://damian-hungs.de/data/documents/DO-Kommenden.pdf
Geschlechterbuch des Johann Friedrich Christoph Schrag (1703-1780), Bearbeitung von Karl Borchardt 2007
Siebmachers Wappenbücher wie angegeben

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