Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 2473
Leuzendorf (zu Burgpreppach, Landkreis Haßberge, Unterfranken)

das Schloß Leuzendorf

Schloß Leuzendorf liegt im Westen des kleinen Ortes südlich der Straße nach Burgpreppach, in das Leuzendorf eingemeindet ist. Es handelt sich um einen sehr einfachen Landadelssitz, schlicht und funktional. Der dreistöckige Rechteckbau mit ziegelgedecktem Mansarddach steht frei in einer großen Wiese und besitzt seinen geraden Zugang im Osten aus Richtung des Dorfteiches (Froschsee). Ursprünglich war das kleine Schloß ringsum von einem Wassergraben umgeben. Das Gebäude wird privat bewohnt und ist nicht zu besichtigen.

Das Schloß findet bereits 1385 urkundliche Erwähnung und war bis dahin Besitz der Ende des 15. Jh. erloschenen Grafen von Truhendingen. In genanntem Jahr verkaufte es Graf Johann von Truhendingen an das Hochstift Würzburg. Die Fürstbischöfe vergaben Leuzendorf als Lehen, zunächst an die von Fuchs und die von Leineck, dann gab Fürstbischof Julius Echter von Mespelbrunn im Jahre 1598 Leuzendorf Christoph Heinrich von Erthal zu Lehen. Seit 1667 gab es eine eigene Leuzendorfer Linie der Familie, die bis 1780 bestand. Danach kam das Schloß an die Elfershäuser Linie und blieb in deren Besitz bis zum Erlöschen im Jahre 1805 mit Lothar Franz Freiherr von Erthal.

Der von Christoph Heinrich von Erthal im 16. Jh. errichtete Renaissancebau wurde um 1750 stark verändert. Aus dieser Zeit stammt nicht nur der Wappenstein außen, sondern auch der Stuck im Inneren. Die Zimmer erhielten eine mit der rustikalen Außenerscheinung kontrastierende prachtvolle Innendekoration. Vor allem wurde der große Saal mit Rocaille-Stuck dekoriert. An der Fensteranordnung erkennt man die innen verlaufende Wendeltreppe im Nordosteck.

Heraldischen Schmuck finden wir oberhalb des mittig angeordneten Rundbogenportals, unter den Fenstern des Obergeschosses. Der undatierte Wappenstein in den Formen des Rokoko ist oberhalb einer breiten Konsole mit einem drapierten, dreilappigen Tuch angebracht. Zwischen zwei ovalen, einander zugeneigten Kartuschen ist als Trenner eine Dekoration aus geflügeltem Engelskopf, Blumengirlande und Muschelornament angebracht. Über beiden Kartuschen ist oben in der Mitte eine Laubkrone angebracht. Die heraldisch rechte Kartusche zeigt das Wappen der von Erthal, geviert, Feld 1 und 4: in Rot zwei silberne Balken, Feld 2 und 3: ledig und blau. Die hier nicht dargestellte Helmzier wäre zu rechts rot-silbernen und links blau-silbernen Decken ein Paar geteilter Büffelhörner, rechts oben rot mit zwei silbernen Balken, unten blau, rechts umgekehrt (Aschaffenburger Wappenbuch, Tafel 6 Seite 119, 124-126, Rahrbach, Schöler). Im Innern ist das Erthal-Wappen ein weiteres Mal im Stuck des Korridors des ersten Obergeschosses angebracht.

Die heraldisch linke Kartusche zeigt das Wappen der Schütz von Holzhausen, in Gold drei (2:1) schwarze Eisenhüte (Kesselhüte) mit herabhängender roter Riemenschleife. Die hier nicht dargestellte Helmzier wäre zu schwarz-goldenen Decken ein golden mit schwarzem Kragen gekleideter (var. von Schwarz und Gold geteilter) Mannesrumpf ohne Arme, auf dem Haupte einen schwarzen Eisenhut wie im Schild tragend. Die Familie kommt aus dem Hessischen und Nassauischen, aus Merenberg bei Weilburg oder Heckholzhausen bei Runkel, stammend, weil die in den ältesten Urkunden vorkommenden Schütz den Beinamen "von Merenberg" führen, der sich später in "von Holzhausen" änderte. 1325 finden wir noch einen Giselbert Schütz von Merenburg, 1457 führt Heinrich Schütz zuerst den Beinamen von Holzhausen, und von da an blieb diese Variante bestehen. Die Familie war reichsritterschaftlich.

Schloß Leuzendorf kam 1805 infolge des Erlöschens der von Erthal auf dem Erbwege an die Freiherren von Schrottenberg, danach 1854 durch Verkauf in bürgerlichen Besitz; Gottfried Appel kaufte es für 2425 fl. Zeitweise diente das unbewohnte Schloß als Flüchtlingslager, als Schnapsbrennerei und Lagerraum und später als Rübenkammer (Erdgeschoß) und Getreidekammer (Obergeschoß) und war entsprechend heruntergekommen bis ruinös. Die nicht dafür gemachten Decken drohten unter der Last einzubrechen. Eine Außenwand im Westen war um 15 cm nach außen gewandert. Die Statik des Erdgeschosses war kritisch. Etliche Räume hatten keinen Fußboden mehr. Moos kroch bis zu einem Meter hoch die Wände hinauf. Der Putz war zu 80% kaputt. Holzwurm saß in den Balken, dazu Hausschwamm. Der vorletzte Besitzer des Anwesens war seit Ende der 1970er Jahre Archäologie-Professor Schmidt aus Bamberg, der aber nichts zur Erhaltung tat außer statischer Sicherung und notdürftiger Reparaturen an Dachstuhl und Außenhaut. 50 Jahre Leerstand und unangemessene Nutzung hatten ihre Spuren hinterlassen: Die Schäden waren gravierend und substantiell.

2004 kaufte die in Frankfurt wohnhafte Familie von Hugo das Schloß und restaurierte es bis 2007 so aufwendig wie zurückhaltend in Zusammenarbeit mit der Frankfurter Architektin Katharina Wallenborn. Die aufwendigsten Maßnahmen waren die, die man nicht mehr sieht: Zur statischen Stabilisierung des Erdgeschosses mußten neue Fundamente und eine tragende Stahlkonstruktion eingefügt werden. Wegen des starken Befalls mit Schädlingen war eine komplette Begasung des ganzen Schlosses notwendig. Der komplette Putz mußte erneuert werden. Die Innenfußböden wurden nach historischem Vorbild mit Preppacher Sandstein in Rosenspitzmuster belegt. Die komplette Sanitär- und Elektroinstallation wurde erneuert. Dann erst konnte man an die Wiederherstellung der Innendekoration gehen. Insbesondere der 100 m2 große Rokokosaal im zweiten Obergeschoß, einer der schönsten in Franken, wurde wiederhergestellt. Durch die mustergültige Renovierung unter weitestgehender Bewahrung der alten Substanz haben sich Christopher und Stefanie von Hugo 2007 den Denkmalpreis der Hypo-Kulturstiftung verdient (drei Preisträger insgesamt, je mit 10000 € dotiert). Ein ebenfalls renoviertes altes Fachwerkhaus gegenüber dem Schloß wird von der Familie als Pension geführt.

Literatur, Links und Quellen:
Lokalisierung auf google maps: https://www.google.de/maps/@50.1366401,10.6766614,14z - https://www.google.de/maps/@50.1383792,10.6808241,174m/data=!3m1!1e3
Alfred F. Wolfert, Aschaffenburger Wappenbuch, Veröffentlichung des Geschichts- und Kunstvereins Aschaffenburg e. V., Aschaffenburg 1983
Schloß Leuzendorf auf den Seiten der Gemeinde Burgpreppach: ehemals
http://www.burgpreppach.de/index.php?option=com_content&view=article&id=81&Itemid=67 archiviert auf http://archive.is/tlGvz#selection-343.246-343.289
Über den Ortsteil Leuzendorf:
http://www.burgpreppach.de/index.php/gemeindeleben/ortsteile/153-leuzendorf
Pension im Fachwerkhaus:
http://www.hausvisavis.de/
Schloß Leuzendorf:
https://www.alleburgen.de/bd.php?id=2958
Schloß Leuzendorf:
http://www.hassberge-tourismus.de/DE/Schloss-Leuzendorf.htm
Klaus Gimmler: Von Fachleuten zu den Schönsten in Franken gezählt - Der Stuck im prunkvollen Rokokosaal des Schlosses Leuzendorf, Artikel in der Mainpost vom 23.8.2009:
https://www.mainpost.de/aktiv-region/anschauen/burgen/Von-Fachleuten-zu-den-Schoensten-in-Franken-gezaehlt-Der-Stuck-im-prunkvollen-Rokokosaal-des-Schlosses-Leuzendorf;art29157,5773707
Schloß Leuzendorf:
https://de.wikipedia.org/wiki/Schloss_Leuzendorf
Anton Rahrbach, Jörg Schöffl, Otto Schramm: Schlösser und Burgen in Unterfranken, eine vollständige Darstellung aller Schlösser, Herrensitze, Burgen und Ruinen in den unterfränkischen kreisfreien Städten und Landkreisen, Hofmann Verlag, Nürnberg 2002, ISBN 3-87191-309-X, S. 162.
Michael Mösslein: Ein Glücksfall für ganz Franken. Artikel in der Mainpost vom 24.8.2007
https://www.mainpost.de/regional/hassberge/Ein-Gluecksfall-fuer-ganz-Franken;art1726,4087869
German Schneider: Dornröschenschloß wach geküsst, Artikel in der Mainpost vom 3.12.2006
https://www.mainpost.de/regional/hassberge/Dornroeschenschloss-wach-gekuesst;art1726,3150100
Michael Mösslein: Nach 50 Jahren den Verfall gestoppt, Artikel in der Mainpost vom 29.8.2007:
http://www.mainpost.de/regional/franken/5spalten;art1727,4088570
Leuzendorf:
https://de.wikipedia.org/wiki/Leuzendorf_in_Unterfranken

die Kirche St. Michael in Leuzendorf

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