Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 2469
Alken (Landkreis Mayen-Koblenz)

St. Michael: Grabsteine der Familie von Wiltberg

1.) Emmerich Ernst von Wiltberg
Dieser rechteckige, aus Basalt gehauene Grabstein trägt die Umschrift: "ANNO 1706 DEN 7 AVG(VSTI) STARB DER HOCHWOHLGEBOR(E)NE HERR EMMERICH ERNEST FREYHERR VON WILTBERG HERR ZU SARTELSTEIN VLMEN ARRAS SCHMITBVRG FAZBERG VND LVZ C(VIVS) A(NIMA) R(EQVIESCAT) I(N) P(ACE)". Hinter der Besitzbezeichnung "SARTELSTEIN" verbirgt sich Burg und Herrschaft Hartelstein bei Schwirzheim, ein Teil der Schönenberg-Erbschaft. "VLMEN" ist der Ort Ulmen im Landkreis Cochem-Zell und war ebenfalls ein Teil der Erbschaft, um die man sich nach dem Tod von Hugo Augustin von Schönenberg 1612 stritt. Anton Johann von Wiltberg erreichte 1625 eine Belehnung mit dem Schönenbergschen Teil an Ulmen durch den Kölner Erzbischof. Arras gehört zu Alf, ebenfalls im Landkreis Cochem-Zell; und dort hatten die von Wiltberg eine Weinrente. Die anderen Orte sind Schmidtburg, Faitzberg (Vetzberg) und Lutz.

 

Emmerich Ernst von Wiltberg (-7.8.1706) war der Sohn von Anton Johann von Wiltberg und von Anna Maria Vogt von Hunolstein (-20.5.1669). Seine Großeltern väterlicherseits waren Hans Valentin von Wiltberg, der Sohn von Heinrich von Wiltberg und Magdalena von Dune (Dunegin), und Anna von Schönenburg von dem Sane, die Tochter von Johann von Schönenburg von dem Sane und Clara von Braunsberg, und die Schwester des eingangs erwähnten Hugo Augustin von Schönenberg, Herr von Hartelstein und Ulmen. Seine Großeltern mütterlicherseits waren Wilhelm Vogt von Hunolstein, Sohn von Johann IV. von Hunolstein und Elisabeth von Hagen zur Motten, und Anna Maria von Landsberg (1565-1636), die Tochter von Marzloff Richard von Landsberg (1535-1586) und Susanna von Reinach-Obersteinbrunnen (-1613).

Emmerich Ernst von Wiltberg hatte noch als Geschwister: Anna Maria von Wiltberg, vermählt mit Lorenz von Helmstatt, Magdalena Elisabeth von Wiltberg, Wolfgang Wilhelm von Wiltberg, vermählt mit Maria Christina von Waldenburg und danach mit Maria Catharina von Harff, Anton von Wiltberg, Anna Catharina von Wiltberg und Casimir Wilhelm von Wiltberg.

Emmerich Ernst von Wiltberg war mehrfach verheiratet. In erster Ehe vermählte er sich mit Maria Agathe Cratz von Scharffenstein. In zweiter Ehe heiratete er 1674 Maria von Nesselrode (14.10.1636-1681), die Tochter von Bertram von Nesselrode-Reichenstein (1592-), zu Herten, Herr zu Steyn und Ehrenstein, bergischer Erbkämmerer und Erbmarschall, Rat und Statthalter im Vest Recklinghausen, 1652 Reichsfreiherr, und Lucie von Hatzfeld (6.6.1605-24.5.1670). Es war Marias zweite Ehe, davor hatte sie Ferdinand Freiherr von dem Bongart geheiratet und eine Tochter mit ihm gezeugt. Emmerich Ernst von Wiltberg und seine zweite Frau Maria hatten ebenfalls eine gemeinsame Tochter, Maria Antonetta von Wiltberg, die 1694 Damian Lothar von Eltz-Rübenach (1666-1744) heiratete. In dritter Ehe vermählte er sich mit Anna Magdalena von Heddesdorf, der Tochter von Karl Anton von Heddesdorf und Alberta von Irmtraut. Dieser Verbindung entsprossen Johann Hugo Anton von Wiltberg und Maria Theresia von Wiltberg.

Emmerich Ernst von Wiltberg bekam 1698 einen Hof in Vallendar von Johann Lothar Waldbott von Bassenheim und ließ dort den heute noch bestehenden zweigeschossigen Wiltberger Hof errichten, der im Herzen des Ortes steht und von zwei Türmen mit welschen Hauben und Laterne dominiert wird. 1784 zog die Familie von Wiltberg aus dem Hof zu Vallendar aus und verpachtete ihn.

Das zentrale Vollwappen (Abb. weiter oben) ist das der von Wiltberg, in Schwarz ein goldener Balken, auf dem Helm mit schwarz-goldenen Decken ein schwarzer, mit einem goldenen Balken bez. Köcher, der oben mit Federn besteckt ist (Gruber, Zobel Tafel 371, Siebmacher Band: Pr Seite: 70 Tafel: 91). Der Schild der Ahnenprobe heraldisch rechts oben (Abb. oben, links) steht für den Großvater väterlicherseits, Hans Valentin von Wiltberg, und wiederholt den Inhalt. Heraldisch oben links zeigt das Wappen der von Hunolstein (Abb. oben, rechts), in Silber zwei rote Balken, begleitet von mehreren querliegenden roten Schindeln, deren Anzahl sich hier nicht mehr verifizieren läßt, aber in Vergleichswappen 12 (5:4:3) oder 10 (4:3:2:1) beträgt. Die hier nicht dargestellte Helmzier wäre zu rot-silbernen Decken ein wachsender silberner Mannesrumpf ohne Arme in wie der Schild mit roten Balken und Schindeln bez. Gewand (Gruber, Siebmacher Band: Bad Seite: 56 Tafel: 34, Lot Seite: 29 Tafel: 20, Bay Seite: 13 Tafel: 7, Na Seite: 2 Tafel: 2, PrGfN Seite: 33 Tafel: 25, Zobel Tafel 159). Der Schild der Ahnenprobe steht für den Großvater mütterlicherseits, Wilhelm von Hunolstein.

Heraldisch rechts unten ist das Wappen der von Schönenburg zu sehen (Abb. oben, links), in Schwarz drei (2:1) silberne Tatzenkreuze. Auf dem hier nicht dargestellten Helm führte die Familie zu schwarz-silbernen Decken einen schwarzen Turnierhut, dessen Stulp mit drei silbernen Tatzenkreuzen belegt ist, auf dem Hut eine silberne Kugel mit einem schwarzen Hahnenfederbusch (Aschaffenburger Wappenbuch Tafel 22 Seite 64, 155, Zobel Tafel 302, Gruber, Siebmacher Band: NaA Seite: 37 Tafel: 60). Der Schild der Ahnenprobe steht für die Großmutter väterlicherseits, Anna von Schönenburg. Der Wappenschild heraldisch links unten steht für die von Landsberg (Abb. oben, rechts) und ist grün-silbern geteilt (hier zum Schildfuß erniedrigt), oben ein goldener Sechsberg. Die hier nicht dargestellte Helmzier wäre zu grün-silbernen Decken ein wachsender Mohrenrumpf, golden gekrönt mit zwei abflatternden silbernen Bändern, das Gewand grün-silbern geteilt, oben ein goldener Sechsberg (Aschaffenburger Wappenbuch, Tafel 30 Seite 115, Zobel Tafel 187). Der Schild der Ahnenprobe steht für die Großmutter mütterlicherseits, Anna Maria von Landsberg.

2.) Anna Maria von Wiltberg geb. Vogt von Hunolstein
Dieser rechteckige, aus Basalt gehauene Grabstein trägt die Umschrift: "ANNO 1669 DEN 20 MAY IST IN GOTT EN(T)SCHLAFFEN DIE WO(H)LGEBOR(E)NE FRAVW ANNA MARIA VON WILTBERG GEBOR(E)NE VOGTIN ZV HVNNOLSTEIN DER SE(E)LLEN GOT(T) G(NADE)".

 

Anna Maria Vogt von Hunolstein (-20.5.1669) war die Ehefrau von Anton Johann von Wiltberg. Sie war die Tochter von Wilhelm Vogt von Hunolstein und Anna Maria von Landsberg (1565-1636). Ihre Großeltern väterlicherseits waren Johann IV. Vogt von Hunolstein und Elisabeth von Hagen zur Motten; ihre Großeltern mütterlicherseits waren Marzloff Richard von Landsberg (1535-1586) und Susanna von Reinach-Obersteinbrunnen (-1613). Das zentrale Ehewappen aus zwei zusammengestellten Vollwappen zeigt die oben beschriebenen Wappen der Familien von Wiltberg heraldisch rechts und Vogt von Hunolstein heraldisch links.

Das Ahnenwappen heraldisch rechts oben ist das der Vogt von Hunolstein, wie oben beschrieben. Der Schild der Ahnenprobe (Abb. oben, links) steht für den Großvater väterlicherseits, Johann IV. von Hunolstein. Heraldisch oben links befindet sich das Wappen der von Landsberg, wie oben beschrieben (Abb. oben, rechts). Der Schild der Ahnenprobe steht für den Großvater mütterlicherseits, Marzloff Richard von Landsberg (1535-1586).

Das Ahnenwappen heraldisch rechts unten ist das der von Hagen zur Motten, in Gold ein roter Balken, begleitet von roten liegenden Schindeln (Steinen), oben neun (5:4), unten sechs (3:2:1). Die hier nicht dargestellte Helmzier wäre zu rot-goldenen Decken ein Flug, beiderseits belegt mit einem roten, von roten liegenden Schindeln (Steinen) begleiteter Balken (Gruber, Aschaffenburger Wappenbuch, Tafel 2, Seite 68, 15, Zobel Tafel 127). Der Schild der Ahnenprobe (Abb. oben, links) steht für die Großmutter väterlicherseits, Elisabeth von Hagen zur Motten. Heraldisch unten links befindet sich das Wappen der von Reinach, in Gold ein roter Löwe mit blauem Kopf. Die hier nicht dargestellte Helmzier wäre zu rot-goldenen Decken ein wachsender, goldener Löwe mit einem roten Rückenkamm, dessen Spitzen mit natürlichen Pfauenspiegeln besetzt sind (Wappenbuch der Stadt Basel, Siebmacher Band: Els Seite: 18 Tafel: 22, Band: Bad Seite: 70 Tafel: 42, Band: Bay Seite: 53 Tafel: 55, Zobel Tafel 270). Der Schild der Ahnenprobe (Abb. oben, rechts) steht für die Großmutter mütterlicherseits, Susanna von Reinach. Zwischen den beiden Schilden befindet sich noch ein geflügelter Engelskopf.

3.) ein Sohn des Emmerich Ernst Wiltberg aus dritter Ehe
Dieser rechteckige, aus Basalt gehauene Grabstein trägt die teils unleserliche, teils zugewachsene Umschrift: "....... HOCHWOHLGEBOR(E)N(E)R FREYHERR ...... VON WILTBERG STARB DEN 8 9BRIS 1705 C(VIVS) A(NIMA) R(EQVIESCAT) I(N) P(ACE)". Aufgrund der Wappenanordnung ist klar, daß es sich hierbei um einen Sohn des Emmerich Ernst von Wiltberg aus seiner dritten Ehe handeln muß, geboren nach 1681, gestorben 1705. Die Eltern des Kindes sind Emmerich Ernst von Wiltberg (-7.8.1706) und Anna Magdalena von Heddesdorf. Die Großeltern väterlich sind Anton Johann von Wiltberg und von Anna Maria Vogt von Hunolstein (-20.5.1669). Die Großeltern mütterlich sind Karl Anton von Heddesdorf und Alberta von Irmtraut, Tochter von Jörg Philipp von Irmtraut zu Vallendar und Eva Specht von Bubenheim.

 

Das Vollwappen im Zentrum ist das der Herren von Wiltberg wie oben beschrieben. Die Erhaltung ist so schlecht, daß der Balken im Schild nicht mehr aufgelöst ist. Die Steinmetzarbeit ist zudem schlicht und grob. Vier Ahnenwappen in den vier Ecken umgeben dieses zentrale Wappen.

Das Ahnenwappen heraldisch rechts oben ist das der von Wiltberg, wie oben beschrieben. Der Schild der Ahnenprobe (Abb. oben, links) steht für den Großvater väterlicherseits, Anton Johann von Wiltberg. Heraldisch oben links befindet sich das Wappen der von Heddesdorf, in Blau ein silberner Schrägbalken (Schrägrechtsbalken) mit drei schrägrechtsgelegten roten Muscheln (Abb. oben, rechts). Die her nicht dargestellte Helmzier wäre zu blau-silbernen Decken ein Hahnenrumpf zwischen einem wie der Schild bez. Flug (Zobel Tafel 133, Gruber, Siebmacher Band: Bad Seite: 54 Tafel: 33, Band: Na Seite: 7 Tafel: 7, Band: Pr Seite: 45 Tafel: 57). Die Muscheln sind aufgrund Verwitterung und/oder Abnutzung nicht mehr aufgelöst. Der Schild der Ahnenprobe steht für den Großvater mütterlicherseits, Karl Anton von Heddesdorf.

Das Ahnenwappen heraldisch rechts unten ist das der von Hunolstein, wie oben beschrieben. Der Schild der Ahnenprobe (Abb. oben, links) steht für die Großmutter väterlicherseits, Anna Maria Vogt von Hunolstein. Heraldisch unten links befindet sich das Wappen der von Irmtraut (Ermtraut), in Silber ein schwarzer Bock. Die hier nicht dargestellte Helmzier wäre zu schwarz-silbernen Decken der schwarze Bock wachsend (Zobel Tafel 162, Gruber, Siebmacher Band: NaA Seite: 27 Tafel: 41, Band: Wü Seite: 9 Tafel: 10). Der Schild der Ahnenprobe (Abb. oben, rechts) steht für die Großmutter mütterlicherseits, Alberta von Irmtraut.

Ein Auszug aus der Genealogie (modifiziert nach Humbracht), unter Hervorhebung der hier relevanten Personen:

Literatur, Links und Quellen:
Lokalisierung auf google maps: https://www.google.de/maps/@50.2502446,7.4481432,18.95z - https://www.google.de/maps/@50.2501974,7.4486036,155m/data=!3m1!1e3
Genealogien:
https://gw.geneanet.org/kraeuter2?lang=en&pz=herbert&nz=hombrecher&ocz=0&p=anna+maria&n=von+hunolstein
Genealogien:
https://gw.geneanet.org/cvpolier?lang=en&iz=0&p=emmerich+ernst&n=von+wiltberg
Genealogien:
https://www.geni.com/people/Emmerich-Ernst-Freiherr-von-Wiltberg/6000000020152952156 und abhängige Seiten
Hunolstein:
https://de.wikipedia.org/wiki/Hunolstein_(Adelsgeschlecht)
Alfred F. Wolfert, Aschaffenburger Wappenbuch, Veröffentlichung des Geschichts- und Kunstvereins Aschaffenburg e. V., Aschaffenburg 1983
Siebmachers Wappenwerk wie angegeben
Otto Gruber: Wappen des mittelrheinisch-moselländischen Adels, Trier 1962-1965, incl. Nachtrag Trier 1967, ebenfalls veröffentlicht in verschiedenen Jahrgängen der "landeskundlichen Vierteljahresblätter".
Rolf Zobel: Wappen an Mittelrhein und Mosel, Books on Demands GmbH, Norderstedt 2009, ISBN 978-3-8370-5292-3, 527 S.
Stammtafeln von Humbracht

die Wiltburg: Sitz der Familie von Wiltberg

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