Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 2966
Krautheim (zu Volkach, Landkreis Kitzingen, Unterfranken)

Das Krautheimer Schloß

Schloß Krautheim befindet sich im Osten des Volkacher Stadtteils Krautheim schräg gegenüber der Kirche, in der Landstraße 11. Es handelt sich um ein schlichtes zweigeschossiges Gebäude mit einem Satteldach in der Mitte und zwei an den beiden Schmalseiten um eine Etage aufgestockten quergestellten Aufsätzen mit Mansarddach. Diese etwas komplizierte Dachlandschaft, der Rhythmus aus der niedrigeren Längsseite und den pavillonartigen Aufstockungen, das verwirrende Spiel mit den gegenüber der Längsseite hervorgehobenen Schmalseiten und die barocken Fensterrahmungen heben das ansonsten einfache Gebäude von der umliegenden Dorfbebauung positiv ab. Der obere Teil besteht aus verputztem Fachwerk. An der westlichen, vier Fensterachsen breiten Schmalseite befindet sich unterhalb des heutigen Straßenniveaus ein auf 1736 datierter Torbogen (Jahreszahl in zwei Ziffernpaaren auf dem Gebälk über den Pilastern), der allerdings vermauert und mit zwei Fenstern versehen wurde, so daß die Zufahrt heute blind endet. Zwei Pilaster rahmen die ehemalige Torblende mit Fugenschnitt-Rustika. Der Keilstein trägt eine Maske. Das Gebälk trägt eine zwei Fensterachsen breite Blendbalustrade, deren äußere seitliche Abschlüsse jeweils einen Helm mit Federbusch tragen. Die Postamente darunter sind mit Trophäen (Kanonen, Fahnen, Trommeln) und Masken verziert. Der Kern des Gebäudes stammt aus dem 15. Jh., davon ist durch die Barockisierung nichts mehr zu sehen.

Das uralte, bereits 888 erwähnte Krautheim war vom Mittelater bis zur Neuzeit ein Besitz der Herren und späteren Grafen von Castell. Diese vergaben es als Lehen. Die ersten Lehensnehmer waren die Zollner von der Hallburg, so erhielten die Brüder Stephan Zollner von der Hallburg und Endres Zollner zu Rimbach im Jahr 1376 die Vogtei zu Krautheim von Graf Johann von Castell als Lehen. Es gab noch keinen eigenen Herrensitz im Ort, deshalb kaufte Friedrich Zollner 1546 den Klosterhof des Benediktinerklosters Münsterschwarzach. Die Zollner erloschen 1640 mit Johann Friedrich Zollner von der Hallburg zur Hallburg und zu Rimbach im Mannesstamm, und Krautheim kam als heimgefallenes Lehen wieder an die Grafen von Castell. Sie behielten die Dorf-, Vogtei-, Kirchen- und Landeshoheit bis zum Ende des Alten Reiches, aber sie vergaben 1655 die heimgefallenen Lehensgüter an die Herren von Buttlar, und von diesen wurde 1736 der ehemalige Zollnersche Fronhof zu einem barocken Landschloß umgebaut.

Von heraldischem Interesse ist das Portal auf der Westseite. In der Mitte der Blendbalustrade ist mit stark nach außen fallender Neigung ein Allianzwappen des Bauherrn angebracht, zwei ovale Kartuschen unter einer gemeinsamen Krone zusammengestellt. Bei einer Restaurierung wurden die Motive dem Anschein nach recht grob und nicht wirklich treffsicher nachgeformt (auch in manch anderer Hinsicht macht das Schloß den Eindruck eines Restaurierungsopfers). Das heraldisch rechte Wappen ist dasjenige der Herren von Buttlar, in Rot eine mit den goldenen Tragriemen nach links gestellte silberne Butte mit zwei goldenen Reifen.

Das heraldisch linke Wappen ist dasjenige der Herren von Wildenstein, in Rot ein silberner Schräglinksbalken. Das Wappen dieser im Frankenwald beheimateten Familie wird beschrieben im Siebmacher Band: Bay Seite: 64 Tafel: 69 und im Schöler, Familienwappen. Es gehört zur Gruppe Reitzenstein & Co., denn die Familien von Reitzenstein, von Berg, von Epprechtstein, von der Grün, von Münchberg, von Radeck, von Sparnberg, von Stein, von Thoßfell, von Töpen und der hier relevanten von Wildenstein sind alle stammes- und wappenverwandt und gehen alle zurück auf das bereits 1091 erwähnte Ministerialengeschlecht Sack, wobei sich jede abgeleitete Familie nach ihrem Sitz nannte. Die Herren von Wildenstein nannten sich nach einem Ortsteil des oberfränkischen Martes Presseck (Landkreis Kulmbach, Frankenwald). Die hochverschuldeten von Wildenstein verkauften 1693 ihre Herrensitze und Güter an den Bamberger Fürstbischof. Die hier nicht verwendete Helmzier wäre zu rot-silbernen Decken ein roter Flug, beiderseits mit dem silbernen Schrägbalken belegt, wobei sparrenartige (z. B. im Wappenbuch des Heiligen Römischen Reiches von Stephan Brechtel) und sturzsparrenartige (z. B. alter Siebmacher, Epitaph in der ev. Kirche St. Jakob in Oettingen) Anordnung vorkommen.

Dieses Allianzwappen kann Carl Heinrich Gottfried von Buttlar (-1765) zugeordnet werden, dem Sohn von Emanuel Gottfried von Buttlar (-1719) auf Krautheim, welcher in erster Ehe Eleonore von Buttlar und in zweiter Ehe Maria Brigitta von Guttenberg (-1720) geheiratet hatte. Carl Heinrich Gottfried von Buttler hatte Anna Juliana Maria Magdalena von Wildenstein geheiratet, die Tochter von Christoph Enoch von Wildenstein und Maria Wilhelmina von Horneck. Das Bauherrenpaar hatte keine Nachkommen. Das Schloß blieb nicht lange in der Familie, denn Oberst August Friedrich von Buttlar (-1766) zu Harzgerode, ein Cousin des Bauherrn und Sohn von dessen Vaters Bruder Carl Friedrich von Buttlar (-1708) auf Hasserod, hatte 1765 seinen Krautheimer Besitz an die Linie Castell-Rüdenhausen verkauft. 1806 wurde das Haus Castell mediatisiert.

Literatur, Links und Quellen:
Lokalisierung auf Google Maps: https://www.google.de/maps/@49.8849568,10.2881986,20z - https://www.google.de/maps/@49.8849741,10.2882204,42m/data=!3m1!1e3
Liste der Baudenkmäler in Krautheim:
https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Baudenkmäler_in_Volkach#Krautheim
Schloß Krautheim:
https://de.wikipedia.org/wiki/Schloss_Krautheim
Rudolf Buttlar-Elberberg: Stammbuch der Althessischen Ritterschaft, Kassel 1888:
http://gdz.sub.uni-goettingen.de/dms/load/img/?PID=PPN513401067 - http://gdz.sub.uni-goettingen.de/download/PPN513401067/PPN513401067___LOG_0001.pdf Tafel V Buttlar
Kulturpfad Castell, Krautheim: http://www.kulturpfad-grafen-castell.de/html/krautheim.html
Arnold von Dobeneck: Die Grundherrengeschlechter des Vogt- und Regnitzlandes im Mittelalter. in: Archiv für Geschichte und Altertumskunde von Oberfranken. Band 29, 3 (1926), S. 32 f.
von Reitzenstein:
https://de.wikipedia.org/wiki/Reitzenstein_(Adelsgeschlecht)
von Wildenstein:
https://de.wikipedia.org/wiki/Wildenstein_(Adelsgeschlecht,_Frankenwald)
Eugen Schöler, Historische Familienwappen in Franken, Verlag Degener / Bauer Raspe, Neustadt an der Aisch, 3. Aufl. 1999, Nachdruck 2002, ISBN 3-87947-112-6
Anton Rahrbach, Jörg Schöffl, Otto Schramm: Schlösser und Burgen in Unterfranken, Hofmann Verlag Nürnberg 2002, ISBN 3-87191-309-X, S. 171

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