Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 2961
Sommersdorf (zu Burgoberbach, Landkreis Ansbach, Mittelfranken)

Schloß Sommersdorf

Das an der Südwestseite des Ortes gelegene Schloß Sommersdorf ist eine einzigartige Wasserschloßanlage, die durch die malerische Lage inmitten des Wassergrabens und durch die Regelmäßigkeit der Befestigung besticht. Der Wassergraben bildet ein Quadrat von ca. 68-69 m Kantenlänge. Die Schloßinsel mißt 36-38 m im Quadrat mit einem kleinen Versatz auf der Ostseite. Alle vier Ecken sind mit einem runden Schalenturm befestigt (der südöstliche ist nicht mehr erhalten), und in der Mitte der nördlichen, westlichen und südlichen Längsseite wird die Flanke durch einen weiteren Rechteckturm gesichert. Diese äußere, sich direkt aus dem Wasser erhebende Befestigung bildet einen Zwinger rings um das Wohnschloß. Der Zugang vom Festland auf die Schloßinsel erfolgt über eine Brücke im Osten, die rechterhand eines wehrhaften, isoliert stehenden, mit einem niedrigen runden Dach versehenen Rundturmes in der Mitte der Ostflanke mündet. Der vorgenannte Turm besitzt rückwärtig einen Hocheingang, was ihm die Rolle eines Bergfrieds zuweist. Für die dreibogige Brücke gibt es am diesseitigen Ufer und in der Mitte des Wassergrabens einen Brückenpfeiler; früher war der Zugang in eine feste Part und eine letzte bewegliche Part in Form einer Zugbrücke aufgeteilt, heute sind alle Abschnitte fest. Die Toranlage besteht aus insgesamt drei spitzbogigen Toren, die im rechten Winkel zueinander stehen, und erst nach Passieren aller drei Tore steht man im Schloßhof.

Das Schloß selbst steht frei innerhalb dieses Mauerrings und besteht aus zwei parallelen Flügeln von ca. 27 m Länge, die im Osten und Westen mit einer Mauer miteinander verbunden sind und einen schmalen, rechteckigen und etwas schattigen Hof einschließen. Der niedrigere Südflügel wird als altes, der höhere Nordflügel als neues Schloß bezeichnet. Der Südflügel war einmal dreigeschossig, ist heute aber nur noch zweigeschossig. Der Nordflügel ist viergeschossig mit zwei Gewölberäumen im Erdgeschoß, zwei großen Sälen im ersten und zweiten Obergeschoß und dem eigentlichen Rittersaal sowie einem freskengeschmückten Raum im dritten Obergeschoß. Links vom Eingang befindet sich ein Ziehbrunnen. Im Westen des Hofes steht der Treppenturm (Schneckenturm).

Im südöstlichen Vorfeld ist weitere Bebauung vorhanden, am Südrand steht u. a. die spätgotische Schloßkirche St. Stephan und Sebastian ("Alte Kirche") mit tonnengewölbtem Langhaus, mit kreuzrippengewölbtem Chor und mit einem 1722 erneuerten Turm, von da zieht sich eine Mauer nach Norden zu einem heute weitgehend frei stehenden Rundturm, dem alten Kapellenturm. Östlich davon befindet sich die Vorburg mit Ökonomiegebäuden (Scheunen, Stallungen), ehemaligen Kasematten, Pfarrhaus, Schulhaus, Kastenamtshaus, und 115 m vor dem Wassergraben befindet sich im Osten das Torhaus, das den Zutritt zum Schloßgelände markiert. Das Torhaus brannte 1671 ab und wurde in der Mitte des 18. Jh. wieder aufgebaut. Ein ehemaliger Zehntstadel wurde 1923 zur neuen Kirche umgebaut.

Sommersdorf gehörte vermutlich ursprünglich dem Benediktinerkloster Herrieden, doch das ist nirgends wirklich belegt. Als das Kloster aufgelöst und mitsamt den Gütern dem Hochstift Eichstätt geschenkt wurde, wäre demnach auch Sommersdorf an das Hochstift gekommen. Jedenfalls vergab das Fürstbistum Eichstätt den Ort als Lehen. Die ersten Lehensnehmer waren die im 13. Jh. urkundlich erwähnten Herren von Sunnemannesdorf. Eine Belehnung erfolgte 1314 an Chunrat von Nazzenfles (Nassenfels). Die nächsten Lehensnehmer waren die Herren von Eyb. Ludwig III. von Eyb (1345-) ließ die Wasserburg errichten; er wird erstmals 1391 auf Sommersdorf erwähnt.

Der alte Kapellenturm erinnert daran, daß die erste, 1432 von den Brüdern Martin und Ludwig von Eyb erbaute Schloßkapelle genau an diesem Platz stand, dann aber 1468 durch Ludwig von Eyb, Sohn des oben genannten Ludwig, abgebrochen und an den heutigen Standort verlegt wurde. Neben der alten Kapelle befand sich früher das mittlere Tor, in der Nähe des Turmes sind noch die Ansätze vorhanden. Die Daten und Fakten sind auf einer steinernen Bauinschrift in der Kapelle dokumentiert. Der alte Kapellenturm verlor schleichend seine Funktion im Namen, aus Käppelesturm wurde Käsperls-, Käsperlein- oder Kasperlturm. Oder einfach Taubenturm.

 

An diesem alten Kapellenturm ist auf der Ostseite ein Ehewappen angebracht, heraldisch rechts das Wappen der von Seckendorff (in Silber zwei zu einer Acht verschlungene, sich zweimal überkreuzende rote Lindenzweige mit nach außen gekehrten Blättern, vier auf jeder Seite), links das der von Eyb (in Silber drei (2:1) rote Jakobsmuscheln bzw. Pilgermuscheln). Ein Engel dient als Schildhalter; ungewöhnlich ist die Anordnung, denn es steht hier für Ludwig III. von Eyb (1345-) und seine Frau, Elisabeth von Seckendorff, also Mann heraldisch links. Von ihren sieben Kindern sind die wichtigsten die beiden Brüder Martin I. von Eyb (10.11.1379-27.12.1450) und Ludwig IV. von Eyb (2.2.1390-23.2.1438). Da sich beide den Besitz teilten, wurde Sommersdorf zur Ganerbenburg. Kaiser Sigismund verlieh am 7.4.1431 zu Nürnberg den beiden Brüdern den Blutbann zu Sommersdorf. Ludwig IV. hatte zwei historisch interessante Söhne: Erstens Ludwig V. von Eyb (1417-1502) war Rat des Markgrafen Albrecht Achilles von Brandenburg-Ansbach, Landrichter und oberster Kammermeister des Burggrafentums Nürnberg; und der andere Sohn war Albrecht von Eyb (24.8.1420-24.7.1475), einer der Humanisten der ersten Stunde, Theologe, Jurist, Doctor iuris utriusque und päpstlicher Kammerherr, Gelehrter, Übersetzer und Literat. Albrechts Neffe war jener Hans Christoph von Eyb (s. u.), der Sommersdorf an Wolf von Crailsheim verkaufte. Weitere Heraldik gibt es im Inneren des Schlosses, dort sind im Rittersaal an den Holzsäulen erneut die Wappen für Ludwig III. von Eyb und Elisabeth von Seckendorff angebracht.

Von den Herren von Eyb ging der Besitz durch Verkauf am 26.3.1550 an die Herren von Crailsheim über, die auch heute noch hier leben und wohnen. Die Verkäufer waren die drei Brüder Christoph Hieronymus, Gregorius Veit Asmus und Wolf Nikolaus von Eyb, die als Vormünder für ihren psychisch kranken Vetter Hans Christoph von Eyb handelten. Um genau zu sein: Eigentlich verkaufte Hans Christoph Sommersdorf bereits am 31.10.1549, aufgrund völlig zerrütteter Finanzen. Doch noch vor Siegelung der Verkaufsurkunde muß der Verkäufer völlig unzurechnungsfähig geworden sein, so daß erst einmal besagte Vormünder eingesetzt wurden, ehe der Verkauf rechtlich korrekt stattfinden konnte. Der Käufer war der mit den Verkäufern verschwägerte Wolf von Crailsheim zu Neuhaus; der Kaufpreis betrug 20000 fl. zzgl. 400 fl. jährliches Leibgeding, solange besagter Vetter am Leben war.

Zu diesem Zeitpunkt war das Gut Sommersdorf rechtlich eine Mischung aus fürstbischöflich-eichstättischen, fürstbischöflich-würzburgischen und markgräflich-ansbachischen Lehen und einigen Allodien. Zum Gut gehörten Besitzungen in Burg- und Niederoberbach, Reisach, Winkelhof, Leidendorf, Dierersdorf, Irebach, Labenzedel, Haag, Kleinried und Oberndorf, dazu der kleine und große Blutzehnt zu Eyb. Auf besagten Wolf von Crailsheim, der auch Fröhstockheim etc. erwarb und 1551 in Sommersdorf die Reformation einführte, folgte sein Sohn Ernst, aber der Enkel Friedrich wohnte auf dem Schloß und verwaltete es. Ernst von Crailsheim, der sein Epitaph in der Kirche Fröhstockheim hat, kaufte weitere Güter hinzu: 1557 einen Wald in Stöckig, 1559 die Weidendorfer Mühle, 1563 den Hagenhof, 1569 die Mühle und Güter in Unterheßbach. In der Folgezeit wechselte Sommersdorf mehrfach zwischen verschiedenen Mitgliedern und Linien der Herren von Crailsheim, hauptsächlich wegen Geldforderungen und Schulden, die mit dem Besitzübergang abgelöst wurden, weswegen es innerhalb der Familie zu erheblichen Streitigkeiten kam. Das beendete der Bischof von Eichstätt 1619 durch ein Machtwort, und es wurde eine gemeinschaftliche Verwaltung des Gutes mit rotierender Besetzung vereinbart. Das funktionierte nicht lange, und es blieb sehr kompliziert. Georg Wolf von Crailsheim verkaufte beispielsweise 1701 Sommersdorf angeblich zum Schein an seinen Schwiegersohn Georg Heinrich de Campo. 1717 trat der Erbfall ein, und der Scheinkäufer (wie die anderen glaubten) bzw. echte Käufer (wie er sich selber sah), kaiserlicher Dragonerhauptmann im Castellschen Regiment und verheiratet mit Eleonora Louise von Crailsheim, wollte nach dem Tod des Verkäufers von Sommersdorf Besitz ergreifen, wozu die Geschlechtsagnaten eine dezidiert andere Meinung hatten: Es kam zur Klage und zum Campo-Prozeß, der 30 Jahre dauerte. In der Zwischenzeit erweiterte Georg Heinrich de Campo die Anlage erheblich um den Wirtschaftshof mit umlaufender Mauer und Torturm. Erst 1747 endete das Problem mit einem Vergleich, und Schloß und Gut Sommersdorf kamen wieder vollumfänglich in das Eigentum der Familie von Crailsheim zurück. Das blieb das einzige Intermezzo in der ansonsten seit 1550, also seit 472 Jahren, bestehenden Besitzgeschichte der Familie von Crailsheim in Sommersdorf.

Im Schloßhof erinnert das Wappen der von Crailsheim mit der Jahreszahl 1663 an eine Reparatur durch Wolf von Crailsheim. Die meisten Wappen allerdings findet man in der alten Kirche (mehrere Epitaphien), wenn offen, und in der neuen Kirche (Wappen am Altar für Wolf von Crailsheim und seiner Frau aus der Familie der Zorn von Plobsheim). Bis 1686 war das Schloß durchgehend bewohnt. Dann führte die französische Kriegsgefahr dazu, daß man alles Wertvolle nach Ansbach schaffte, 1702 brachte man das restliche Mobiliar nach Altenschönbach. Ab 1747 gab man das Schloß dem Verfall preis. Im 19. Jh. war der Schloßgraben stark vernachlässigt und lag brach, auch die äußeren Wasseranlagen waren trockengefallen, die äußeren Wehrtürme hatten dadurch großen Schaden genommen. Erst in den 1870er Jahren erfolgte eine Wiederherstellung, und zu dieser Zeit zog der herrschaftliche Ökonomiepächter in die beiden oberen Stockwerke des Nordtraktes ein. Ende des 19. Jh. kam es zu einigen baulichen Veränderungen: Zum einen wurde die Zugbrücke entfernt und durch eine durchgehende feste Brücke ersetzt. Zum anderen, und hatte eine gravierendere Wirkung auf das Erscheinungsbild, wurde das oberste Stockwerk des alten Schlosses (Südflügel) wegen Baufälligkeit abgetragen. Das Schloß wird seit dem Anfang des 20. Jh. von der Familie privat bewohnt; die gegenwärtigen Eigentümer sind Dr. Manfred Freiherr und Lilo Freifrau von Crailsheim. Das in den 1950er Jahren und noch einmal seit den 1990er Jahren umfangreich renovierte und von Bewuchs befreite Anwesen ist jenseits der Grabenbrücke nicht öffentlich zugänglich, aber man kann Ferienwohnungen im alten Schloß und im historischen Gästehaus mieten, und Schloßführungen sind auf Anfrage möglich. Auch im Torturm wird eine Ferienwohnung vermietet.

Literatur, Links und Quellen:
Lokalisierung auf Google Maps: https://www.google.de/maps/@49.2009519,10.5839812,18.17z - https://www.google.de/maps/@49.201103,10.583579,185m/data=!3m1!1e3
Webseite des Schlosses:
https://schloss-sommersdorf.de/ - Geschichte des Schlosses: https://schloss-sommersdorf.de/schloss-sommersdorf-2/geschichte/
Sigmund Friedrich von Crailsheim: Die Reichsfreiherren von Crailsheim, Familiengeschichte, 1905:
https://digital.ub.uni-duesseldorf.de/ihd/content/titleinfo/8759219 - Teil 1-3: https://digital.ub.uni-duesseldorf.de/ihd/content/titleinfo/8753645 - Teil 4: https://digital.ub.uni-duesseldorf.de/ihd/content/titleinfo/8754013, Schloß Sommersdorf im ersten pdf S. 252-264
Freiherr Manfred von Crailsheim: Die Geschichte von Schloß Sommersdorf 
http://www.freundetriesdorf.de/geschichte_sommersdorf.html, ebenfalls publiziert in: Triesdorfer Hefte Nr. 3, Triesdorf 1990
von Crailsheim: https://de.wikipedia.org/wiki/Crailsheim_(Adelsgeschlecht)
Campo-Prozeß:
http://markgraf-ansbach.de/tag/georg-heinrich-de-campo/
Johann Burkhard Geiger, Christian Friedrich von Glück: Merkwürdige Rechtsfälle und Abhandlungen aus allen Theilen der Rechtsgelehrsamkeit, 2. Bd., Erlangen 1794, S 55 ff.
https://books.google.de/books?id=Sg1AAAAAcAAJ
Ruth Bach-Damaskinos, Jürgen Schabel, Sabine Kothes: Schlösser und Burgen in Mittelfranken, Hofmann Verlag Nürnberg, 2. Auflage 2003, ISBN: 3-87191-186-0, S. 56-57

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