Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 2958
Schwarzenau (zu Schwarzach am Main, Landkreis Kitzingen, Unterfranken)

Pfarrkirche St. Laurentius in Schwarzenau

In Schwarzenau, einem linksmainischen Ortsteil von Schwarzach am Main, gibt es Wappen an der St. Laurentius-Kirche, einem Saalbau mit später angebautem Fassadenturm und polygonal geschlossenem Chor. Der quadratische Turm mit Spitzhelm ist typisch für die Echterzeit, mit der man die Regierungszeit des Würzburger Fürstbischofs Julius Echter von Mespelbrunn bezeichnet. Aber nicht dieser war der Auftraggeber, sondern sein Bruder, denn Schwarzenau war nicht Besitz des Hochstifts, sondern der Familie Echter von Mespelbrunn. Ursprünglich war Schwarzenau ein Besitz der Grafen von Castell und dann des Klosters Münsterschwarzach auf der anderen Mainseite, doch bereits im 14. Jh. kam der Ort an die Grafen von Henneberg, die ihn wiederum als Lehen weitergaben. Lehensinhaber waren die von Dettelbach, die von Seinsheim, die von Lichtenstein, die von Wolfskeel, die Schrimpf, die von Ebersberg, die von Heßberg etc. Die Grafen von Henneberg als Lehnsherren waren in der Zwischenzeit ausgestorben, und der Rechtsnachfolger waren die Herzöge und Kurfürsten von Sachsen. Es gab in der ersten Hälfte des 16. Jh. Streit um das Lehen, weil es auch den Rau von Holzhausen in Aussicht gestellt worden war. Der Lehnsherr löste das Problem durch Verkauf an den Ehemann einer Rau von Holzhausen: So kam Schwarzenau 1588 an Valentin Echter von Mespelbrunn (21.5.1550-24.9.1624), der 1592 den Neubau der Kirche veranlaßte und unter dem Schwarzenau 1609 eine eigenständige Pfarrei wurde; zuvor war das Dorf eine Filiale der Pfarrei Gerlachshausen gewesen.

 

Das rundbogig geschlossene Westportal wird von zwei freistehenden Säulen flankiert, die einen mehrfach gestuften, wuchtigen und ausladenden Architrav tragen. Darüber ist ein Stifterrelief angebracht; es handelt sich um eine Kopie. Das Original ist in der Vorhalle in die Wand eingelassen. Valentin Echter von Mespelbrunn und seine Frau, Ottilia Rau von Holzhausen, die am 26.2.1577 geheiratet hatten, knien einander zugewandt auf jeweils einem kleinen Sockel und halten zwischen sich ein Modell der Kirche, aber abweichend dreiachsig und mit ganz anderem Turm. Die mehrfach in der Zeile und zwischen den Zeilen hin- und herspringende Inschrift lautet: "1592 / Der Edell Valentin Echter von / Ottershausen Seines alters 69 Jahr(e) / Diß gottes hauß baugestift Zum / Wohl für sich und sein adelichß geschlecht / der heil(i)gen dreifaltigkeit und Gott zu Ehr". Am Original gibt es ein paar kleine Unterschiede, dort steht "Öttershausen", "Dies" statt "Diß", "heiligen" statt "heilgen", und die Worte "und Gott" fehlen.

Oben rechts befindet sich das Wappen der Echter von Mespelbrunn, in Blau ein silberner, mit drei blauen Ringen belegter Schrägrechtsbalken, auf dem Helm mit blau-silbernen Decken ein Paar silberner Büffelhörner, jeweils mit einen silbernen, mit drei blauen Ringen belegten Schrägbalken belegt, rechts schrägrechts und links schräglinks. Gegenüber wird das Wappen der Rau von Holzhausen dargestellt, in Silber ein roter Balken, auf dem Helm mit rot-silbernen Decken ein silbernes Paar Büffelhörner, jedes Horn mit einem roten Balken belegt.

 

Diese Stiftertafel hat einen "Bruder": Im Museum für Franken in Würzburg wird eine ganz ähnliche Tafel aufbewahrt, die aus Gaibach stammt. Anordnung der Stifter, Kirchenmodell, die beiden Wappen, alles ist ähnlich. Jene Tafel stammt ebenso wie sein auch dort aufbewahrtes Epitaph aus der alten, 1740/1742 für einen Neubau abgebrochenen Pfarrkirche in Gaibach. 

Valentin Echter von Mespelbrunn, Sohn von Peter Echter von Mespelbrunn (1520-21.1.1576), Amtmann zu Prozelten, kurmainzischer Geheimer Rat, Reichstagsgesandter, und Gertrud (Gertraud) von Adelsheim (1525-1583), begann erst eine kirchliche Laufbahn. Nach der Resignation seines Bruders Sebastian wurde er am 22.10.1569 Domherr in Würzburg, außerdem war er Domherr in Speyer. Er resignierte am 16.10.1576 von seinen beiden Pfründen. Er wurde fürstbischöflich-würzburgischer Amtmann in Aschach (1579), Kissingen und Volkach. Er war fürstlich-würzburgischer Rat und Reichshofrat in Wien. 1577 bekam er zusammen mit seinen Brüdern Adolf und Dietrich die Erneuerung eines kaiserlichen Schutzbriefs, mit dem Privileg, Mühlen etc. bauen zu dürfen, mit dem Gerichtsstandsprivileg und mit dem Judenprivileg. Am 13.6.1601 wurde ihm der kaiserliche Ratstitel verliehen. Diese Ansammlung von Ämtern und Titeln verdankte er seinem fürstbischöflichen Bruder. 1579 erwarb er von den Zollner von der Hallburg das Dorf Gaibach, wo er 1588 mit dem Kirchenbau und 1590 mit dem Schloßbau begann. 1588 erwarb er Schwarzenau, Breitensee und ein Gut in Öttershausen bei Gaibach. Am 17.3.1623 wurde er von Kaiser Ferdinand II. in den Freiherrenstand erhoben. Er verstarb im Folgejahr auf dem Hofgut in Öttershausen und wurde in Gaibach bestattet. Seine Frau Ottilia Rau von Holzhausen war die Tochter von Adolph Rau von Holzhausen und Agnes Schutzbar gen. Milchling.

Der Chor der Laurentius-Kirche ist in spätgotischem Stil erbaut worden mit einem Stichkappengewölbe und einem mächtigen Schlußstein, an dem sechs der Gewölberippen zusammenlaufen. Dort ist auf einem Untergrund mit Rollwerk erneut das Wappen des Stifterehepaares angebracht, diesmal farbig gefaßt. Das Paar hatte 12 Kinder.

Die Eigenständigkeit der Pfarrei hatte nur bis zum Dreißigjährigen Krieg Bestand, dann erfolgte die Betreuung  von Stadtschwarzach aus. 1802 wurde die Pfarrei erneut selbständig. Heute gehört die Pfarrei Schwarzenau zum Pastoralen Raum St. Benedikt in Schwarzach am Main und bildet mit Heilig Kreuz in Stadtschwarzach, St. Ägidius in Gerlachshausen, St. Sebastian in Reupelsdorf, Maria Rosario in Dimbach, St. Michael in Dollstadt und St. Vitus in Hörblach eine Pfarreiengemeinschaft.

Genealogischer Exkurs:
Wo genau dieses Paar (fett) seine Position innerhalb der Echter-Genealogie hat, und wo diverse Wappenvorkommen (rot) der Familie zu finden sind, das illustriert folgende Liste:

Literatur, Links und Quellen:
Lokalisierung auf Google Maps: https://www.google.de/maps/@49.8037455,10.2156354,19z - https://www.google.de/maps/@49.8037394,10.2157471,75m/data=!3m1!1e3
Schwarzenau:
https://de.wikipedia.org/wiki/Schwarzenau_(Schwarzach_am_Main) - Geschichte: https://de.wikipedia.org/wiki/Schwarzenau_(Schwarzach_am_Main)#Geschichte
St. Laurentius in Schwarzenau:
https://de.wikipedia.org/wiki/St._Laurentius_(Schwarzenau)
Valentin Echter von Mespelbrunn:
https://de.wikipedia.org/wiki/Valentin_Echter_von_Mespelbrunn
Kathrin Brandmair: "Dein Scheiden mir mein Hertz zerbricht...“" -das Epitaph des Valentin Echter von Mespelbrunn, Würzburg 2013
Hans-Joachim Raab: Anmerkungen zu Valentin Echter von Mespelbrunn, in: Ute Feuerbach (Hrsg.): Volkach. 906-2006, Volkach 2006
Theodor Stolzenberg: Die Echter, eine weit verzweigte Familie in oft dramatischen Zeiten, Verlag Plexus, Amorbach 2021, 352 S., ISBN-10: 3937996745, ISBN-13: 978-3937996745, S. 217-219, genealogische Tafelbeilagen
Kaiserlicher Ratstitel: Österreichisches Staatsarchiv
https://www.archivinformationssystem.at/detail.aspx?ID=2488509 und https://www.archivinformationssystem.at/detail.aspx?ID=2488510
Freiherrenstand, österreichisches Staatsarchiv:
https://www.archivinformationssystem.at/detail.aspx?ID=1710786
Confirmatio privilegiorum, österreichisches Staatsarchiv:
https://www.archivinformationssystem.at/detail.aspx?ID=960928
Joh. Octavian Salver, Proben des hohen deutschen Reichs Adels oder Sammlungen alter Denkmäler
http://books.google.de/books?id=ZONWAAAAcAAJ S. 476
Pfarreiengemeinschaft Stadtschwarzach:
https://www.sankt-benedikt.org/gemeinden/pfarreiengemeinschaft-stadtschwarzach/
Verwendung der Innenaufnahmen mit freundlicher Erlaubnis von Herrn Pfarrer Matthias Eller vom 15.6.2022, wofür ihm an dieser Stelle herzlich gedankt sei.

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