Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 2813
Brixen (Bressanone, Südtirol, Italien)

Der Friedhof von St. Michael in Brixen (10):
Jacob Reuperg zu Eggenstein und Johanna von Sprinzenberg

Dieses Grabmonument ist in der Höhe dreigeteilt. Die größte Zone ist die untere mit folgender Inschrift: "ANNO 1637 ist frumb (= fromm) gestorben mit empfang(e)ne(m) Ablas(s) / und H(eiligen) Sacramenten der Bues(se), deß H(eiligen) Leichnams Jesu Christi / und Letzter O(e)lung an Sanct Michaelstag der Ed(e)l Veste / herr Jacob Reuperg zu Eggenstain, Ertzfürst(licher) D(urc)h(lauch)tt / Ertzhertzogs Carl zu O(e)sterreich Bis(c)houe zu Brixen hofraths / Secretari nachmals I(h)r(er) fürstl(ichen) Gnaden Bis(c)houen Wilhelms / Rath und Hofambtman(n), so di(e)sem Stifft in underschi(e)dlich(en) Diensten / auf ettlich und viertzig Ja(h)r Treu bis in sein Ende unausgesetzt / gedient hat. Jetzto al(l)hie(r) ruhet. / Auf Erlaubnus hocher Obrigkhait haben seine sohn, Christof / gewester fürs(tlicher) Hofambtman(n), welich(e)r auch al(l)hie(r) bei seiner fr(au) Mueter / Johanna geborne Sprinzenbergerin begraben ist und Franckh / Thumher(r) zu Augspurg .... / Gott Der Allerbeste und Allergroeste welle i(h)nen und allen Christ/glaubigen Ein Freudenreiche Auferstehung verleichen. amen"

Die oberste, schmalste Zone trägt in der unter einem Wolkenbogen eine kniende weibliche Figur, welche die Arme vor der Brust gekreuzt hat, flankiert von zwei Kerzenständern. In den Lücken dazwischen ist zu lesen: "Got(t) sey Ehr und Danck und gepeten umb sein Gnad". Die mittlere Zone ist der Heraldik gewidmet, hier gibt es drei Textelemente, die jeweils aus einem deutschen Begriff auf dem Grat zwischen oberer und mittlerer Zone und einer lateinischen Umschreibung im Wappenfeld bestehen: "Redlich, IVS SVVM CVIQ(VE) TRIBVERE", "Eherlich, HONESTE VIVERE" und "Unschuldig, NEMINEM LAEDERE".

 

In der Mitte ist das Wappen des fürstbischöflichen Rats und Hofamtmanns Jakob von Reuperg zu Eggenstein (29.9.1637) zu sehen, es ist geviert, Feld 1 und 4: in Blau auf einem Dreiberg eine dreiflächige silberne Stadtmauer mit einem offenen Tor in der mittleren Fläche, mit je einer schwarzen Schießscharte auf den Seitenflächen und mit welschen Zinnen auf allen Oberkanten, Feld 2 und 3: schräggeteilt mit zwei sechszackigen goldenen Sternen, auf dem gekrönten Helm auf einem Dreiberg ein sechszackiger goldener Stern zwischen einem Paar geteilter Büffelhörner, in den Mündungen mit einem Busch Pfauenfedern besteckt. Die Farbgebung ist in der Fischnaler-Wappenkartei sehr unterschiedlich: Der Dreiberg ist dort rot, schwarz oder golden, die Schrägteilung ist silbern-rot, blau-rot oder rot-silbern, die Decken sind rechts rot-silbern, links schwarz-golden, oder rot-silbern, und die Büffelhörner sind rechts rot-silbern, links golden-schwarz geteilt, oder rechts silbern-rot und links blau-golden, oder rot-silbern übereck geteilt, oder blau-silbern übereckgeteilt je nach Quelle des Eintrags. Bei dieser Quellenlage läßt sich nur verbindlich sagen, daß das Feld 1 immer blau mit silberner Mauer ist und daß die Sterne immer golden sind, ferner sind die Pfauenfedern immer grün bzw. natürlich. In einer Version des ungevierten Stammwappens schwebt ein goldener Stern über der Zinnenmauer. Manchmal gibt es einen zweiten Helm mit einem Busch von Straußenfedern. Auch die Schreibweise des Namens variiert von Reuberg über Reuperg/Reuperger zu Reyberg zu Ehrenhausen und Eggenstein.

Heraldisch rechts befindet sich das Wappen der von Troyer, in Silber ein oberhalber roter Widder mit goldenen Hörnern, auf dem gekrönten Helm mit rot-silbernen Decken das Schildbild wachsend. Das Wappen steht für Jakobs Schwiegertochter Magdalena Troyer von Ansheim. Die Familie stammte ursprünglich vermutlich aus Luxemburg, wurde dann in Regensburg ansässig und wanderte einerseits nach Tirol, andererseits nach Krain, Kärnten, Mähren, Böhmen und Ungarn ein. Ganz am Anfang führte die Familie in Silber einen roten Widderrumpf. 1491 besserte Maximilian I. seinem Stückhauptmann Hieronymus Troyer das Wappen, indem er das bis dahin silberne Feld in ein goldenes änderte und den bisherigen Widderrumpf in einen oberhalben Widder mit Vorderbeinen änderte. Diese Linie, die zu Kitzbühel, ist erloschen, deshalb setzte sich die goldene Feldfarbe auch nicht durch. 1542 wurde Paul Troyer, Richter zu Schöneck, wurde 1542 von König Ferdinand I. geadelt; auch diese Linie ist erloschen. Die vier Brüder Balthasar, Kaspar, Christoph und Hans Troyer wurden am 24.12.1546 von Kaiser Karl V. als Belohnung für ihren Einsatz beim Kampf gegen die Türken in den Adelstand erhoben. Von diesen vieren stammen alle weiteren Linien ab. Balthasar begründete die Linie der von Troyer zu Thurn und Niederdorf, Kaspar die Linie der von Troyer zu Aufkirchen, Christoph die Linie der von Troyer zu Gießbach und Johann die Linie der von Troyer zu Ansheim. Die von Kaspar von Troyer, vermählt mit Margarete Anna von Han-Hanberg (Bruneck), abstammende Tiroler Linie der Familie blieb bei dem Wappen mit dem oberhalben Widder in silbernem Feld ohne weitere Zutaten. Kaspars Sohn Leonhard von Troyer heiratete Juliana Ellinger von Ellingen. Ebenso blieben die von Troyer zu Ansheim bei diesem Wappen. Ein anderer Familienzweig erfuhr eine Weiterentwicklung des Wappens; es waren die von Troyer von Gießbach, die den Freiherren- und den Grafenstand erlangten.

Von diesem Wappen gibt es daher noch eine freiherrliche Variante von 1660, geviert mit Herzschild, Feld 1 und 4: in Silber ein nach innen gekehrter roter oberhalber Widder mit goldenen Hörnern, Feld 2 und 3: in Schwarz ein goldenes Herz mit den schwarzen Großbuchstaben "FLS", Herzschild: in Rot ein silberner Adler. Dazu werden drei gekrönte Helme geführt, Helm 1 (Mitte): zu rot-silbernen Decken ein silberner Adler, Helm 2 (rechts): zu schwarz-goldenen Decken ein schwarzer Flug, belegt mit dem goldenen Herz mit den Buchstaben "FLS", Helm 3 (links): zu rot-silbernen Decken der rote Widder mit goldenen Hörnern wachsend. Den Freiherrenstand bekamen Christoph und Cyriacus von Troyer verliehen.

Dann gibt es noch ein freiherrliches Wappen von 1671, am 27.4.1671 für Cyriacus von Troyer (3.10.1619-14.7.1687) verliehen, Hauptschild wie zuvor, Herzschild rot mit silbernem Balken und insgesamt belegt mit einem Adler in verwechselten Farben, auf dem Kopfe einen grünen Kranz tragend, drei Helme, Helm 1 (Mitte): mit Herzogshut und schwarz-goldenen Decken und drei Pfauenfedern, eine silberne zwischen zwei roten, Helm 1 (rechts): gekrönt mit rot-silbernen Decken und dem wachsenden roten, golden bewehrten Widder, Helm 3 (links): gekrönt, zu schwarz-goldenen Decken ein angewinkelter und mit dem Ellenbogen aufgestützter, schwarz mit goldenen Aufschlägen gekleideter Rechtsarm, in der Hand das goldene Herz haltend.

Den Grafenstand gab es am 22.10.1697 für Franz Anton Freiherr von Troyer. Das gräfliche Wappen hat bei gleichem Schild wie bei der 1671er-Version vier Helme, Helm 1 (innen rechts): Federn, Helm 2 (innen links): Arm mit Herz, Helm 3 (rechts außen): Widder), Helm 4 (links außen): nochmal wie Helm 3. Es wurde also lediglich der Stammhelm noch einmal hinzugefügt, eine sinnleere "Wappenbesserung" um der Vermehrung willen, eine Aufblähung ohne Inhalts- oder Bedeutungsgewinn. Die Familie etablierte sich in Mähren und erlosch am 18.9.1854 im Mannesstamm mit Franz Anton Graf von Troyer (1783-19.9.1854), k. k. Kämmerer und Major i. d. A, und gänzlich mit dessen Tochter Constantine, Kapitularin des adeligen Damenstiftes in Prag. Das Wappen wird beschrieben im Siebmacher Band: Tir Seite: 18 Tafel: 20-21, Band: UnE Seite: 120 Tafel: 87 und Band: Mä Seite: 162 Tafel: 116. In der Fischnaler Wappenkartei ist eine vermehrte Variante enthalten mit den Buchstaben "LI" anstelle von "FLS" für Karl Cyriak Troyer Freiherr von Ansheim und Grembsen.

Heraldisch links befindet sich das Wappen der von Sprinzenberg, in Gold auf einem grünen Dreiberg ein auffliegender schwarzer Falke ("Vogel Sprinz"), auf dem gekrönten Helm mit schwarz-goldenen Decken ein silberner Anker ohne Stock zwischen zwei schwarzen Büffelhörnern mit goldenen Spangen. Das Wappen steht für Jakobs Frau, Johanna von Sprinzenberg. Das Wappen wird beschrieben im Siebmacher Band: Tir Seite: 24 Tafel: 27. Die Brüder Leonhart, Georg und Sebastian Sprinzenberg erhielten am 19.6.1579 von Erzherzog Ferdinand in Innsbruck den Adelsstand mit Wappenbestätigung. In der Fischnaler Wappenkartei befinden sich mehrere Einträge mit unplausiblen Tingierungsvarianten. Das Wappen der von Sprinzenberg fand Eingang in das vermehrte Wappen der Tarnóczy von Sprinzenberg (Siebmacher Band: Un Seite: 655 Tafel: 457). Diese Wappenvermehrung gab es zusammen mit dem Ritterstand und dem Prädikat "von Sprinzenberg" von Kaiser Franz Josef I. zu Wien am 13.5.1880 für Karl von Tarnóczy.

Literatur, Links und Quellen:
Lokalisierung auf Google Maps: https://www.google.de/maps/@46.716143,11.6576034,20z - https://www.google.de/maps/@46.716143,11.6576034,92m/data=!3m1!1e3
Der Alte Friedhof in Brixen:
https://www.hiwio.com/de/Artikel/Der-Alte-Friedhof-in-Brixen-78
Siebmachers Wappenbücher wie angegeben
Josef Resch (Josephus Reschius): Monumenta veteris ecclesiae Brixinensis, Brixen 1765, online:
https://www.digitale-sammlungen.de/de/view/bsb10939445?page=,1 - https://books.google.de/books?id=vYxQAAAAcAAJ
Familie von Troyer:
https://de.wikipedia.org/wiki/Troyer_(Adelsgeschlecht)
Wappen Reuberg in der Fischnaler Wappenkartei:
http://wappen.tiroler-landesmuseen.at/index34a.php?id=&do=&wappen_id=23047&sb=reuberg&sw=&st=&so=&str=&tr=99 (genau dieser Stein) - http://wappen.tiroler-landesmuseen.at/index34a.php?id=&do=&wappen_id=23049&sb=reuberg&sw=&st=&so=&str=&tr=99 (genau dieser Stein) - http://wappen.tiroler-landesmuseen.at/index34a.php?id=&do=&wappen_id=23042&sb=reuberg&sw=&st=&so=&str=&tr=99 - http://wappen.tiroler-landesmuseen.at/index34a.php?id=&do=&wappen_id=23045&sb=reuberg&sw=&st=&so=&str=&tr=99 - http://wappen.tiroler-landesmuseen.at/index34a.php?id=&do=&wappen_id=23044&sb=reuberg&sw=&st=&so=&str=&tr=99 - http://wappen.tiroler-landesmuseen.at/index34a.php?id=&do=&wappen_id=23041&sb=reuberg&sw=&st=&so=&str=&tr=99 - http://wappen.tiroler-landesmuseen.at/index34a.php?id=&do=&wappen_id=23046&sb=reuberg&sw=&st=&so=&str=&tr=99 - http://wappen.tiroler-landesmuseen.at/index34a.php?id=&do=&wappen_id=23040&sb=reuperg&sw=&st=&so=&str=&tr=99
Wappen Troyer in der Fischnaler Wappenkartei:
http://wappen.tiroler-landesmuseen.at/index34a.php?id=&do=&wappen_id=9638&sb=troyer&sw=&st=&so=&str=&tr=99 - http://wappen.tiroler-landesmuseen.at/index34a.php?id=&do=&wappen_id=9652&sb=troyer&sw=&st=&so=&str=&tr=99 - http://wappen.tiroler-landesmuseen.at/index34a.php?id=&do=&wappen_id=9655&sb=troyer&sw=&st=&so=&str=&tr=99 - http://wappen.tiroler-landesmuseen.at/index34a.php?id=&do=&wappen_id=9649&sb=troyer&sw=&st=&so=&str=&tr=99 - http://wappen.tiroler-landesmuseen.at/index34a.php?id=&do=&wappen_id=9640&sb=troyer&sw=&st=&so=&str=&tr=99 - http://wappen.tiroler-landesmuseen.at/index34a.php?id=&do=&wappen_id=9642&sb=troyer&sw=&st=&so=&str=&tr=99
Wappen Sprinzenberg in der Fischnaler Wappenkartei:
http://wappen.tiroler-landesmuseen.at/index34a.php?id=&do=&wappen_id=24693&sb=sprinzenberg&sw=&st=&so=&str=&tr=99 - http://wappen.tiroler-landesmuseen.at/index34a.php?id=&do=&wappen_id=24695&sb=sprinzenberg&sw=&st=&so=&str=&tr=99 - http://wappen.tiroler-landesmuseen.at/index34a.php?id=&do=&wappen_id=24696&sb=sprinzenberg&sw=&st=&so=&str=&tr=99 - http://wappen.tiroler-landesmuseen.at/index34a.php?id=&do=&wappen_id=24697&sb=sprinzenberg&sw=&st=&so=&str=&tr=99 - http://wappen.tiroler-landesmuseen.at/index34a.php?id=&do=&wappen_id=24698&sb=sprinzenberg&sw=&st=&so=&str=&tr=99 - http://wappen.tiroler-landesmuseen.at/index34a.php?id=&do=&wappen_id=8444&sb=sprinzenberg&sw=&st=&so=&str=&tr=99

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