Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 2811
Brixen (Bressanone, Südtirol, Italien)

Der Friedhof von St. Michael in Brixen (8): Christoph Ernst Troilo von Troiburg

Den größten Teil des Grabmonumentes nimmt die Inschrift ein, mit den ersten drei Buchstaben auf dem oberen Rand beginnend: "D(EO) O(PTIMO) M(AXIMO) / ET MEMORIAE / D(OMINI) CHRIST(OPHORI) ERNESTI TROILI / A TROIBURG CAN(ONICI) ET SUM/MI SCHOLASTI(CI) HUIUS EC(C)L(ESI)AE / BRIXINENSIS / QUI OCTO MIL(L)I(BUS) FLOR(ENORUM) HOS/PITALI SUPERIO(RI) DONO DATIS / ET FUNDATIS DUOBUS BENE/FICUS IN HAC EC(C)L(ESI)A CORPVS / HUIC TERRAE ET ANIMAM DEO / REDDIDIT / DIE XIX MENSIS OCTOBRIS / ANNO MDCLIIII / VIXIT LXVI ANNOS". Dieser Stein ist also dem größten und besten Gott geweiht und dem Angedenken an den Brixener Kanoniker und Scholaster Christoph Ernst Troilo von Troiburg (-29.10.1654), der 8000 fl. für das obere Hospital stiftete, dessen Körper hier beerdigt ist und dessen Seele er an Gott zurückgab, und welcher 66 Jahre alt wurde.

Das Stammwappen der Troilo (auch: Troylo) zeigt in Schwarz einen goldenen Balken, belegt mit drei schwarzen abgehauenen Löwenpranken, auf dem gekrönten Helm mit schwarz-goldenen Decken ein wachsender gekrönter schwarzer Löwe, in den Pranken den goldenen Majuskel-Buchstaben T haltend. In dieser Form wird es auf dem Grabdenkmal verwendet. Die Brüder Friedrich, Nicolaus Jacob und Baptista Troilo erhielten am 25.5.1557 zu Wien den Reichsritterstand. 1613 wurde die Familie in die Tiroler Adelsmatrikel aufgenommen, und damit war die Landstandschaft verbunden. Die Familie nannte sich Troilo von Troiburg (Troyburg) nach einem Haus in der Bozner Silbergasse 16, welches Troyburg genannt wird. Seit 1563 hatte die Familie das Bürgerrecht in Bozen, und seit 1564 war das hübsche spätrenaissancezeitliche Eckhaus mit polygonalem Erker in ihrem Besitz. Über dem dortigen Hausportal ist das Familienwappen als Teil eines Allianzwappens aus zwei Schilden angebracht. Das Wappen der Familie wird beschrieben im Siebmacher Band: Pr Seite: 417 Tafel: 462, Band: Mä Seite: 298 Tafel: 214. Dort wird auch die weitere Entwicklung des Wappens skizziert: Das Schildbild blieb unverändert, es kam nur erst ein zweiter, dann ein dritter Helm hinzu. Das Ritterstandswappen hatte zwei gekrönte Helme, Helm 1 (rechts): Stammhelm, Helm 2 (links): zu schwarz-goldenen Decken zwei Straußenfedern, die rechte schwarz, die linke golden.

 

Die Familie kam um die Mitte des 16. Jh. mit Johann Franz von Troilo nach Schlesien, insbesondere ins geistliche Fürstentum Neiße und ins Fürstentum Breslau. Johann Franz hatte Katharina von Freund geheiratet. Er erwarb  die Herrschaft Lassoth mit dem Gut Jeutritz; in der Lassother Kirche, die er hatte umbauen und neu gestalten lassen, sind sowohl er als auch seine Frau begraben. In dieser Zeit verfolgten das Breslauer Domkapitel und die böhmischen Landesherren eine Politik der systematischen Rekatholisierung, deshalb wurde die Ansiedlung katholischer Familien aus dem habsburgischen Tirol aktiv gefördert. Der Bozener Familienzweig erlosch vermutlich im 17. Jh.

Den österreichischen Freiherrenstand gab es am 20.2.1745 bzw. 27.3.1745 für Karl Josef Troilo von Troiburg (1722-1778) auf Wigstein im Kreis Troppau mit dem Prädikat "von Troiburg, Roveredo und Iscia (= Ischia)". Roveredo ist der Ort Rovereto im Trentiner Etschtal am Leno, südlich von Trient. Die Familie stammte ursprünglich aus diesem früher venezianischen, seit 1509 habsburgischen Ort. Der Flecken Ischia liegt am rechten Etsch-Ufer zwischen Trient und Rovereto. Das freiherrliche Wappen hatte nun drei gekrönte Helme, Helm 1 (Mitte): Stammhelm, Helm 2 (rechts): zu schwarz-goldenen Decken ein Paar schwarz-golden übereck geteilte Büffelhörner, dazwischen zwei schräggekreuzte Fähnchen, das schrägrechte golden, das schräglinke schwarz, Helm 3: Federn. Die beiden neuen Helme sind inhaltlich leere Zutaten, die lediglich die Familienfarben auf Standard-Motive übertrugen, Vermehrung um der Vermehrung willen.

Ein wichtiger Kleriker aus der Familie war Nikolaus von Troilo (25.1.1582-3.12.1640), ein Sohn von Johann Franz von Troilo, dem, der nach Schlesien ausgewandert ist. Nikolaus von Troilo wurde kaiserlicher Rat und residierender Domherr in Breslau sowie Dekan des Breslauer Domkapitels. Mehrfach war er als Bistumsadministrator für den vielbeschäftigten Karl von Österreich (1590-1624) tätig, welcher u. a. auch Hochmeister des Deutschen Ordens war. Nikolaus von Troilo wurde 1628 Hofpfalzgraf. Er war eines der einflußreichsten Familienmitglieder. Ein weiterer Kleriker aus der Familie war Johann Nepomuk Toilo Freiherr von Troiburg, Roveredo und Iscia (5.2.1758-1803), 13.6.1776 nicht residierender Domherr in Brünn, 1777 residierender Domherr in Olmütz. Ein dritter Kleriker war Franz Nikolaus von Troilo (7.10.1715-2.10.1796), Sohn von Franz Anton von Troilo und Maria Franziska von Schoberg, Kanoniker am Breslauer Dom,  Scholaster, päpstlicher Hausprälat und bischöflicher Konsistorialrat. Im Breslauer Domkapitel gab es insgesamt sieben Vertreter der Familie.

Eines der bedeutendsten heraldischen Zeugnisse der Familie ist ein 1717 hergestellter, 34 cm hoher Wappenbecher mit Deckel, aus teilvergoldetem Silber hergestellt in Neiße von Meister Carl Reymann, aufbewahrt im Germanischen Nationalmuseum Nürnberg (Inventar-Nr. HG10810). Auf dem Deckel ist dreimal der Wappenschild der Troilo zwischen Akanthusranken angebracht, und in der nochmals gewölbten Mitte erhebt sich das Stammkleinod auf seinem Helm. 32 Wappen auf dem Korpus bilden eine Ahnenprobe des Auftraggebers, Franz Gottfried Anton von Troilo (-1735), Rektor der Universität Breslau und Provinzial der böhmischen Ordensprovinz der Jesuiten.

Literatur, Links und Quellen:
Lokalisierung auf Google Maps: https://www.google.de/maps/@46.716143,11.6576034,20z - https://www.google.de/maps/@46.716143,11.6576034,92m/data=!3m1!1e3
Der Alte Friedhof in Brixen:
https://www.hiwio.com/de/Artikel/Der-Alte-Friedhof-in-Brixen-78
Siebmachers Wappenbücher wie angegeben
Josef Resch (Josephus Reschius): Monumenta veteris ecclesiae Brixinensis, Brixen 1765, online:
https://www.digitale-sammlungen.de/de/view/bsb10939445?page=,1 - https://books.google.de/books?id=vYxQAAAAcAAJ
Adler, Zeitschrift für Genealogie und Heraldik, Band 19 (1997), H. 3, S. 84
Genealogisches Handbuch des Adels, Adelige Häuser B, Bd. III (Gesamtreihe: Bd. 17), Glücksburg 1958, ab S. 485.
Norbert Conrads: Der Aufstieg der Familie Troilo. Zum kulturellen Profil des katholischen Adels in Schlesien zwischen Späthumanismus und Gegenreformation. In: Zeitenwenden. Herrschaft, Selbstbehauptung und Integration zwischen Reformation und Liberalismus. Festgabe für Arno Herzig zum 65. Geburtstag, hrsg. v. Jörg Deventer u.a.. Münster 2002, S. 273-305.
Familie von Troilo:
https://de.wikipedia.org/wiki/Troilo_(Adelsgeschlecht)
Nikolaus von Troilo:
https://de.wikipedia.org/wiki/Nikolaus_von_Troilo
Wappen Troilo in der Fischnaler-Kartei:
http://wappen.tiroler-landesmuseen.at/index34a.php?id=&do=&wappen_id=9672&sb=troilo&sw=&st=&so=&str=&tr=99 (nach genau diesem Stein) - http://wappen.tiroler-landesmuseen.at/index34a.php?id=&do=&wappen_id=9675&sb=troilo&sw=&st=&so=&str=&tr=99 (mit drei Helmen) - http://wappen.tiroler-landesmuseen.at/index34a.php?id=&do=&wappen_id=9669&sb=troilo&sw=&st=&so=&str=&tr=99 - http://wappen.tiroler-landesmuseen.at/index34a.php?id=&do=&wappen_id=9667&sb=troilo&sw=&st=&so=&str=&tr=99 - http://wappen.tiroler-landesmuseen.at/index34a.php?id=&do=&wappen_id=9668&sb=troilo&sw=&st=&so=&str=&tr=99 - http://wappen.tiroler-landesmuseen.at/index34a.php?id=&do=&wappen_id=9674&sb=troilo&sw=&st=&so=&str=&tr=99
Exlibris des Carl Freiherr von Troilo:
https://kulturerbe.niedersachsen.de/objekt/isil_DE-23_43765/1/
Wappenbecher der von Troilo im GNM:
https://objektkatalog.gnm.de/wisski/navigate/63987/view

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