Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 2727
Halberstadt (Landkreis Harz, Sachsen-Anhalt)

Der Dom zu Halberstadt, Teil (5): Huner von Sampleben

Eine weitere auf der Südempore ausgestellte bronzene Grabplattenabdeckung ist für den Domdekan Huner von Sampleben (-1560), der dieses Amt 1538-1560 ausübte. Einst besaß er auch ein zugehöriges Epitaph, das jedoch verlorengegangen ist. Bevor die Metallplatte hier in die Sammlung kam, waren sie im nördlichen Chorumgang des Domes zu finden. Auch diese Platte ist eine Braunschweiger Arbeit, wie der im unteren Bereich des Zentralfeldes ungewohnt prominent angebrachte Herstellervermerk verrät: "HANS / MEISNER / GOT MICK THO / BRVNSWICK" - Hans Meisner goß mich zu Braunschweig. Der Rotgießer Hans Meisner (-1582) kam ursprünglich aus Nürnberg. Er wurde vom Rat der Stadt Braunschweig als Glocken- und Stückgießer angestellt und war dort 1550-1582 in der Herstellung der städtischen Geschütze beschäftigt, und nebenher nahm er Aufträge für die Braunschweiger Martinikirche, die Halberstädter Domkirche und andere Kirchen an.

 

Die zweizeilig umlaufende Inschrift hat folgenden Wortlaut: "ANNO D(OMI)NI 1560 / SECVNDA FEBRVARY / OBI(I)T IN CHR(IST)O REVE/RENDVS AC NOBI/LIS DOMINVS / HVNERVS DE / SAMPELEVE(N) / HVIVS ECCLESIAE / DECANVS CVIVS / ANIMA REQVIES/CAT IN PACE" - im Jahre des Herrn 1560 verstarb am Zweiten des Februars in Christus der ehrwürdige und edle Herr Huner von Sampleben, Dekan dieser Kirche, dessen Seele in Frieden ruhen möge.

"ANNO D(OMI)NI 1560" und "SAMPELEVE(N)"

"SECVNDA FEBRVARY" und "HVIVS ECCLESIAE"

"OBI(I)T IN CHR(IST)O REVE..." und "DECANVS CVIVS"

"...RENDVS AC NOBI..." und "ANIMA REQVIES..."

"...LIS DOMINVS" und "...CAT IN PACE"

"HVNERVS DE" und Blattranken

Diese in erhabenen Buchstaben ausgeführte Inschrift wird insgesamt sechsmal, da sie zweizeilig ist, eigentlich sogar textbezogen neunmal unterbrochen von je einem Medaillon, von denen die in den vier Ecken die jeweils durch gravierte Spruchbänder identifizierten Evangelistensymbole darstellen ("S(ANCTVS) IO/HANI/S", "S(ANCTVS) LVC/AS", "S(ANCTVS) M/ATT/H(A)E/VS" und "S(ANCTVS) / MA/RC/VS") und die beiden in der Mitte jeder Längsseite zwei Heilige, rechts den Bistumspatron, den hl. Stephanus mit den Steinen auf dem Buch in der Rechten und dem Palmzweig in der Linken, links einen Heiligen, der seine Hand segnend über einen Kelch hält, vielleicht ist Johannes gemeint.

Der Verstorbene steht auf einem angedeuteten hügelförmigen Boden. Sein Kopf wird umrahmt von einem auf seitlichen Konsolen mit Blattkapitellen ruhenden Bogen, der mit den gleichen Blättern ornamentiert ist wie der letzte Abschnitt des nicht ganz ausgenutzten Inschriftenfeldes am Rand. Die Konsolen haben keine scheinarchitektonische Fortführung nach unten; sie sind direkt an der Randzone angesetzt. In den beiden oberen Bogenzwickeln sind geflügelte Engelsköpfe dargestellt.

Huner von Sampleben steht frontal, hat aber den Kopf nach rechts gedreht; der Blick ist nach oben gerichtet. Mit der Linken hält er einen Meßkelch vor sich; die Rechte wird in einer Segensgeste darüber gehalten, eine Variation des sonst üblichen Buch-Themas mit anderem Objekt. Der Kleriker trägt auf dem Kopf ein Birett in typischer "Pfaffenhütchen"-Form mit vier Kalotten, aber ohne die später übliche Quaste.

Huner von Sampleben, Sohn eines gleichnamigen Vaters, der bereits am 6.9.1508 in Magdeburg Domherr erwählt wurde, hat in Wittenberg studiert, wo er sich 1512 immatrikulierte. Am 21.6.1522 erhielt er in Magdeburg eine Minorpräbende. Die dortige Majorpräbende resignierte er 1545 zugunsten seines Verwandten Christoph von Sampleben. In Halberstadt ist Huner von Sampleben seit 1524 als Domherr aktenkundig. Zum Domdekan wurde er 1538 gewählt, als Nachfolger von Johannes von Marenholtz d. Ä. Er gehörte zu den katholischen Domherren und blieb beim alten Glauben.

 

Das Wappen der aus dem braunschweigischen Raum stammenden und im Halberstädtischen begüterten Familie von Sampleben bedeckt den unteren Teil der Kleidung, es zeigt in Gold einen schwarzen ausgerissenen und gestümmelten Baumstamm, beiderseits mit einem herabhängenden Lindenblatt, auf dem Helm mit schwarz-goldenen Decken ein auf die Spitze gestelltes, golden bequastetes, rotes Kissen oben auf einem Turnierhut oder auf einer schwarzen, golden gestulpten Mütze (Siebmacher Band: BraA Seite: 92 Tafel: 55, Band: SaA Seite: 142 Tafel: 93). Die Familie ist erloschen. Für diesen Domdekan gab es früher ein Bildepitaph mit der Auferweckung des Lazarus als Thema, das im nördlichen Chorumgang in der Nähe des ebenfalls nicht mehr existierenden Epitaphs und seiner Grabplatte angebracht war. Sein Wappen ist auch am Prunkportal des Petershofes zu sehen, wo die Initialen "HVS" auf ihn verweisen. Das Wappen der Familie taucht noch auf einer anderen Platte in anderem Zusammenhang auf, auf der an der Nordwand des Alten Kapitelsaals aufgestellten Grabplatte für den Domherrn Heinrich von Stechow als Teil der Ahnenprobe.

Literatur, Links und Quellen:
Position in Google Maps: https://www.google.de/maps/@51.8962678,11.0488647,18.5z - https://www.google.de/maps/@51.896156,11.0487941,131m/data=!3m1!1e3
Kulturstiftung Sachsen-Anhalt:
https://www.kulturstiftung-st.de/ - Dome und Klöster: https://www.kulturstiftung-st.de/burgen-schloesser-dome/#dome-kloester
Kulturstiftung Sachsen-Anhalt, Domschatz Halberstadt:
https://www.dom-schatz-halberstadt.de/ - Dom: https://www.dom-schatz-halberstadt.de/dom-domschatz/der-dom-zu-halberstadt/
Förderverein Dom und Domschatz:
https://www.domverein-halberstadt.de/de/aktuelle-projekte.html
Veröffentlichung der Innenaufnahmen aus Dom und Domschatz mit freundlicher Genehmigung von Frau Dr. Uta-Christiane Bergemann vom 7.1.2021, wofür ihr an dieser Stelle herzlich gedankt sei
Huner von Sampleben: Deutsche Inschriften, Bd. 75, Halberstadt Dom, Nr. 203 (Hans Fuhrmann), in: www.inschriften.net, urn: nbn:de:0238-di075l003k0020300. - http://www.inschriften.net/halberstadt-dom/inschrift/nr/di075-0203.html#content
ehemaliges Bildepitaph des Huner von Sampleben: Deutsche Inschriften Bd. 75, Halberstadt Dom, Nr. 204† (Hans Fuhrmann), in:
www.inschriften.net, urn: nbn:de:0238-di075l003k0020407. - http://www.inschriften.net/halberstadt-dom/inschrift/nr/di075-0204.html#content
Huner von Sampleben (GSN: 005-04504-001), in: Germania Sacra,
http://personendatenbank.germania-sacra.de/index/gsn/005-04504-001
Zu Huner von Sampleben in Germania Sacra, AF I, 1972 - Die Bistümer der Kirchenprovinz Magdeburg. Das Erzbistum Magdeburg 1,1 Das Domstift St. Moritz in Magdeburg. und 1, 2. Die Kollegiatstifte St. Sebastian, St. Nicolai, St. Peter und Paul und St. Gangolf in Magdeburg. Die Bistümer der Kirchenprovinz Magdeburg, S. 559 -
http://germania-sacra-datenbank.uni-goettingen.de/books/view/130/577

Mit freundlicher Unterstützung der Kulturstiftung Sachsen-Anhalt

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