Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 2719
Blankenburg (Landkreis Harz, Sachsen-Anhalt)

Bergkirche St. Bartholomäus: Ulrich Graf von Regenstein und Blankenburg

Die Bergkirche St. Bartholomäus ist eine evangelische Kirche, die sich am Nordhang des Schloßberges auf halber Höhe zwischen Stadt und Schloß befindet. Im Innern sind mehrere interessante Grabdenkmäler an den Wänden aufgestellt. Diese Grabplatte erinnert an Ulrich Graf von Regenstein und Blankenburg (1.10.1563-14.12.1578), einen Sohn von Ernst Graf von Regenstein und Blankenburg (7.12.1528-17.2.1581) und Barbara von Hohnstein-Vierraden, deren beider Epitaph an der Südwand der Kirche aufgestellt ist und die prächtigste Arbeit in der ganzen Kirche darstellt. Die zweireihige Inschrift auf der Grabplatte des Sohnes lautet: "A(NN)O (DOMINI) 1578 SON(N)TAGS NACH S(ANK)T LVCIAE / IST IN DEM HER(R)N SE(ELIG)LICH ENTSCHL(AFEN) DEN 14. DEC(E)M/BRIS VON GOTTES GNADEN DER EDELE / VND WO(H)LGEBOR(E)NE HER(R) VLRIC(H) ABT ZU / MICH(A)ELSTEIN GRAFF VND HERR ZV REINSTEIN VND BLANKE/NBVRCK SEINES ALTERS IHM 15./ JAHR WELCHES SEHLE GOTT GN(A)EDICH SEI."

 

Er wurde nur 14 Jahre alt. Trotz seines jugendlichen Alters war er auf die damals berühmte Universität in Helmstedt geschickt worden, und anschließend hatte man ihn zum Abt des Klosters Michaelstein gemacht. Deshalb sehen wir hier auch eine besondere Form des gräflichen Wappens mit zusätzlichem Klosterwappen, das natürlich den Erzengel Michael darstellt. Sein Vater, Ernst I., war bis 1563 Abt von Michaelstein, danach übernahm sein Onkel Caspar Ulrich Graf von Regenstein und Blankenburg (-16.12.1575) diesen Posten. Nach dessen Tod bekam der junge Ulrich 1575 die Stelle als Abt; damals war er ca. 11 Jahre alt. Hier wird Ulrich frontal dargestellt. Er ist in die damals modische Spanische Tracht gekleidet, mit kurzem Mantel mit hochgestelltem Kragen und mit angedeuteter Stickerei, mit gefältelter Halskrause und ebenso gefältelten Abschlüssen an den Handgelenken, sowie mit einer über dem Knie endenden Pluderhosen und schlanken Unterschenkeln. In der Linken hält er einen Hut; um den Hals trägt er eine dreifach gelegte Kette. Bewaffnet ist er nur mit einem Dolch an der rechten Hüfte.

Auch seine Brüder wurden nicht alt, Heinrich Wolfgang starb als Baby, Ernst II. Graf von Regenstein und Blankenburg (26.10.1568-12.7.1594) wurde 1578 Abt zu Michaelstein und 1581 Graf, aber er heiratete nie und blieb ohne Nachkommen. Der dritte Bruder war Martin (7.9.1570-1597), der wurde nach Ernst II. Abt von Michaelstein und 1594 Graf, er heiratete am 5.10.1595 in Blankenburg Dorothea zu Solms-Laubach (31.1.1579-1631), doch der gemeinsame Sohn wurde keine drei Jahre alt, das war der letzte der Familie, mit dem das Grafengeschlecht erlosch, Johann Ernst Graf von Regenstein und Blankenburg (29.10.1596-4.7.1599). Formal war auch dieser arme Knirps zum Abt von Michaelstein gemacht worden. Ulrich hatte auch noch zwei Schwestern, Hedwig, welche am 2.10.1592 in Blankenburg Christoph Graf zu Stolberg-Wernigerode (1.12.1567-21.11.1638) heiratete, und Sibille (12.7.1575-12.6.1577), die als Kleinkind verstarb.

 

Wir sehen in den vier Ecken jeweils ein Vollwappen für die Ahnenprobe. Die Eltern waren Ernst Graf von Regenstein und Blankenburg (7.12.1528-17.2.1581) und Barbara von Hohnstein-Vierraden. Die Großeltern waren väterlicherseits Ulrich Graf von Regenstein und Blankenburg (-1551) und Barbara von Mansfeld-Vorderort (1505-1529) sowie mütterlicherseits Wolfgang Graf von Hohnstein-Vierraden-Schwedt und Katharina von Hohnstein-Klettenberg. Entsprechend sehen wir heraldisch rechts oben das Wappen der Grafen von Regenstein und Blankenburg als Abt von Kloster Michaelstein, geviert, Feld 1 und 4: in Silber eine rote, nach links gekrümmte Hirschstange, Feld 2 und 3: in Silber eine schwarze, nach links gekrümmte Hirschstange, Herzschild: der geflügelte Erzengel Michael, einen sich unter ihm auf dem Rücken krümmenden Drachen tötend (Kloster Michaelstein, Tinkturen nicht bekannt). Das Wappen des Klosters ist im Siebmacher Band: Klö Seite: 24 Tafel: 43 gelistet, auch dort ohne Tinkturangaben. Streng genommen ist hier eine Ungenauigkeit passiert, denn eigentlich stehen die vier Wappen in den Ecken für die vier Großeltern. Er selber und sein Vater waren jeweils Äbte von Michaelstein, aber nicht sein Großvater. Da Ulrich aber kein separates eigenes Wappen für sich selber auf der Platte hat, nimmt dieses hier den Platz des großväterlichen Wappens ein, der den Herzschild nicht hätte führen können. Das Wappen der Grafen von Hohnstein gegenüber ist silbern-rot geschacht, auf dem gekrönten Helm mit rot-silbernen Decken eine silberne und eine rote Hirschstange.

Das in einem Tal abseits Blankenburgs gelegene Kloster Michaelstein ist Anfang des 12. Jh. von Graf Burchard von Blankenburg gegründet worden. Von Äbtissin Beatrix II. von Quedlinburg wurde es erweitert. Mitte des 12. Jh. wurde das Kloster von Zisterziensermönchen aus Stift Campen besiedelt. Abt Rotoherus erlangte 1152 von Papst Eugenius ein Privileg für das Kloster, dem er als erster Abt vorstand. Einen Schutzbrief von Kaiser Friedrich II. erlangte das Kloster 1173, einen weiteren der Herzöge von Braunschweig-Lüneburg bekam es im Jahre 1299. Im Laufe des 12. und 13. Jh. wurde das Kloster aufgrund von Schenkungen recht wohlhabend. Es gab gewisse Kompetenz- und Zuständigkeits-Diskussionen zwischen den Grafen von Regenstein und Blankenburg und dem Stift Quedlinburg. Formal war das Kloster Michaelstein dem kaiserlichen Stift Quedlinburg untergeben. Andererseits hatte Abt Gregor (Georg) Schwartz, während dessen Amtszeit die Reformation eingeführt wurde, die Resignation der abteilichen Würde an Graf Ernst von Blankenburg vollzogen, was die Äbtissin Anna von Quedlinburg auch 1544 urkundlich bestätigte. 1543 hatte nämlich der letzte katholische Abt sein Amt niedergelegt und den Grafen von Blankenburg das Kloster zur Übernahme angeboten. Dennoch betrachtete sich die Äbtissin weiterhin als allein zuständig, auch hinsichtlich der Bestätigung der Äbte. Die Grafen von Blankenburg wiederum hatten das Präsentationsrecht.

Das Problem wurde gelöst, indem Quedlinburg zwar die Oberhoheit hatte, die Grafen von Blankenburg bzw. von Regenstein und Blankenburg jeweils zu Äbten ernannt wurden. Nacheinander hatten also Ernst I. von Blankenburg (1544-1562), danach dessen Halbbruder Caspar Ulrich von Blankenburg (1562-1575), dann dessen Neffe, dieser Ulrich von Blankenburg (1575-1578) von der Grabplatte, schließlich sein Bruder Ernst II. von Blankenburg (1578-1594), dann der andere Bruder Martin von Blankenburg (1594-1597) und zuletzt Johann Ernst von Blankenburg (1597-1599) das Amt inne. Das war keine wirklich klerikale Stellung, denn die Grafen heirateten und hatten Nachwuchs. Michaelstein war nach Einführung der Reformation auch kein klösterlicher Konvent mehr, sondern eine Klosterschule. Nachdem die Grafen von Regenstein und Blankenburg 1599 ausgestorben waren, kam das Präsentationsrecht bezüglich Michaelstein an das Haus Braunschweig-Wolfenbüttel, die hier ein Seminar für Kandidaten des Predigerstandes einrichteten. 1629 gab es ein kaiserliches Restitutionsedikt, aufgrund dessen mehrfach seitens des Zisterzienserordens der Versuch unternommen, sich wieder in den Besitz des Klosters zu bringen, das gelang 1629-1630 und 1636-1640 jeweils vorübergehend, war aber in summa erfolglos. Das Haus Braunschweig, das mit Herzog Julius August von Braunschweig-Wolfenbüttel (1599-1617) und Christian von Braunschweig-Wolfenbüttel (1617-1624) nur zwei Äbte stellte, blieb Besitzer des Klosters, das für sie aufgrund der zugehörigen Güter einfach nur wirtschaftliche Funktion hatte, und als formale Äbte setzte man jeweils einen Theologieprofessor der Universität Helmstedt ein, beginnend mit Wilhelm Böckel (1625-1628) und endend mit dem Theologen Anton August Heinrich Lichtenstein (1803-1807).

 

Heraldisch rechts unten sehen wir das Wappen der Grafen von Mansfeld-Vorderort für die Großmutter väterlicherseits, Hauptschild geviert, Feld 1 und 4: erneut geviert, Feld a und d: silbern-rot mehrfach geteilt (Herrschaft Querfurt), Feld b und c: silbern-rot gerautet (Grafschaft Mansfeld), Feld 2: in Schwarz ein silberner, golden bewehrter und rotgezungter Adler (Grafschaft Arnstein), Feld 3: in Blau ein goldener, golden gekrönter und rot gezungter und ebenso bewehrter Löwe, überdeckt von einer in zwei Reihen rot-silbern geschachten Schrägleiste (Herrschaft Heldrungen). Dazu werden zwei Helme geführt, Helm 1 (rechts): auf dem gekrönten Helm mit rot-silbernen Decken acht mehrfach rot-silbern geteilte Fähnchen, vier zu jeder Seite abwehend (Querfurt), Helm 2 (links): auf dem gekrönten Helm mit schwarz-silbernen Decken zwischen einem silbernen Adlerflug (Arnstein) ein wachsender gekrönter goldener Löwe (Heldrungen). Dieses Wappen wird beschrieben im Siebmacher Band: FstA Seite: 151 Tafel: 182, Band: SaA Seite: 104 Tafel: 67.

Heraldisch links unten sehen wir ein zweites Wappen der Grafen von Hohnstein für die Großmutter mütterlicherseits, diesmal dasjenige der Linie von Hohnstein-Klettenberg. Es ist geviert, Feld 1 und 4: silbern-rot geschacht (Grafschaft Hohnstein), Feld 2 und 3: geteilt, oben in Rot ein goldener Löwe, unten dreimal golden-rot geteilt (Grafschaft Lauterberg), Herzschild: in Silber ein schreitender schwarzer Hirsch (Grafschaft Klettenberg). Dazu werden zwei Helme geführt, Helm 1 (rechts): auf dem gekrönten Helm mit rot-silbernen Decken eine silberne und eine rote Hirschstange (Grafschaft Hohnstein), Helm 2 (links): auf dem gekrönten Helm mit rot-goldenen Decken ein naturfarbener Pfauenstoß (Lauterberg). Dieses Wappen wird beschrieben im Siebmacher Band: Souv4 Seite: 47 Tafel: 38.

Literatur, Links und Quellen:
Lokalisierung in Google Maps: https://www.google.de/maps/@51.7876463,10.9545544,18.5z - https://www.google.de/maps/@51.7877626,10.9545643,66m/data=!3m1!1e3
Siebmachers Wappenbücher wie angegeben, zur ganzen Klostergeschichte insbesondere Band: Klö Seite: 24 Tafel: 43
Evangelische Kirche Blankenburg:
https://www.evangelisch-in-blankenburg.de/
Kirche St. Bartholomäus:
https://www.evangelisch-in-blankenburg.de/kirchen/st-bartholomaeus.html
Hinweistafeln an den einzelnen Grabdenkmälern in der Kirche
Kloster Michaelstein:
https://www.kloster-michaelstein.de/ - Geschichte: https://www.kloster-michaelstein.de/museum/geschichte/
Kloster Michaelstein auf Wikipedia:
https://de.wikipedia.org/wiki/Kloster_Michaelstein
Kloster Michaelstein auf den Seiten der Stadt Blankenburg:
https://www.blankenburg.de/tourismus/kultur/kloster-michaelstein/
Veröffentlichung der Innenaufnahmen mit freundlicher Erlaubnis von Herrn Pfarrer Eckehart Winde vom 9.1.2021, wofür ihm an dieser Stelle herzlich gedankt sei

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