Alexander Hoffmann
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 2689
Neudamm (zu Neuwegersleben, Am Großen Bruch, Landkreis Börde, Sachsen-Anhalt)

Altes Fährhaus in Neudamm

Im Ortsteil Neudamm (früher Neu-Damm) der Gemeinde Am Großen Bruch im Landkreis Börde befindet sich am Haus Neudamm 7 ein qualitätvoller, sehr fein gearbeiteter und sehenswerter Wappenstein in Höhe des Obergeschosses an der östlichen Giebelseite des Krüppelwalmdachhauses, direkt an der L245. Früher war die Talniederung des Großen Bruchs im nördlichen Harzvorland ein schwer zu passierendes Feuchtgebiet. Seit dem 14. Jh. ist ein Fährübergang an dieser Stelle belegt. Als im 16. Jh. die Wege über den Großen Bruch neu angelegt wurden, entstand auf dessen Südseite ein Gutshof, dessen ältester Teil als Fährhaus bezeichnet wird. Der Gutshof wurde 1705 ein Vorwerk der Domäne Schlanstedt.

Heute besteht der Gutshof aus zwei parallelen, langgezogenen Wirtschaftsgebäuden mit jeweils einem kleineren Haus am östlichen Kopfende und einem Wohnbau in der Mitte dazwischen. Der Wappenstein befindet sich am nördlichsten Gebäude, quasi am allerletzten Haus linkerhand, bevor man die kleine Ansiedlung nach Norden verläßt. Noch weiter nordwärts passiert man mehrere Gräben und den querenden Alten Schradergraben, Zeugnisse der Entwässerung des Großen Bruchs. Noch weiter nach Norden folgen der Große Graben und der Fillergraben. Der Ortsname "Neudamm" erzählt ebenfalls die Geschichte der Aufschüttung eines Dammes im Zuge der Durchwegung dieser feuchten Senke.

In der Sockelzone ist eine erhabene Kapitalis-Inschrift herausgearbeitet mit dem Wortlaut: "SIGISMVNDVS DEI GRACIA ARCHIEPISCOPVS / MAGDEBVRGENSIS PRIMAS GERMANI(A)E AD/MINISTRATOR HALBERSTADENSIS MARCHIO / BRANDENBVRGENSIS STETTINENSIS POM/MERANI(A)E CASSVBORVM AC VANDALORVM IN / SILESIA CROSNI(A)E DVX BVRGGRAVIVS NORM/BERGENSIS ET PRINCEPS RVGI(A)E ANNO 1562" - Sigismund von Gottes Gnaden Erzbischof von Magdeburg, Primas von Germanien, Administrator von Halberstadt, Markgraf von Brandenburg, Herzog von Stettin, von Pommern, der Kaschuben und Wenden, in Schlesien zu Crossen, Burggraf von Nürnberg und Fürst von Rügen, im Jahre 1562 (die "2" sieht zwar aus wie eine "7", das wäre jedoch aufgrund der Lebensdaten nicht möglich). Einige Stellen zeigen Nachlässigkeiten, z. B. die abgekürzte Genitiv-Endung "e" statt "ae", "Gracia" statt "Gratia" oder "Normbergensis" statt "Norinbergensis"; ähnliche Verschleifungen sind in Schloß Krottorf zu lesen.

Gemeint ist hier Sigismund (Sigmund) Markgraf von Brandenburg (2.12.1538-14.9.1566), der Sohn von Joachim II. Kurfürst von Brandenburg (9.1.1505-3.1.1571) aus dessen Ehe mit seiner zweiten Frau, Jadwiga von Polen (25.3.1513-7.2.1573). Sein Vater hatte in erster Ehe am 6.11.1524 in Dresden Magdalena von Sachsen (7.3.1507-25.1.1534) geheiratet, daraus entsproß sein Amtsvorgänger Friedrich. In zweiter Ehe hatte sein Vater dann mit der polnischen Prinzessin Sigismund gezeugt. Daneben hatte sein Vater noch eine unstandesgemäße Beziehung mit Anna Sydow; die Tochter wurde zur Gräfin von Arenberg gemacht.

 

Das Wappen des Magdeburger Erzbischofs und Halberstädter Administrators Sigismund von Brandenburg ist zweimal geteilt und zweimal gespalten mit Schildfuß und mit einem gevierten Herzschild, Feld 1: Burggrafschaft Nürnberg, innerhalb eines silbern-rot gestückten Bordes in Gold ein schwarzer Löwe, hier einwärts gewendet, Feld 2: Markgrafschaft Brandenburg, in Silber ein roter Adler, golden bewehrt, Feld 3: Herzogtum Stettin, in Blau ein roter Greif, Feld 4: Herzogtum Pommern, in Silber ein roter, golden bewehrter Greif, hier einwärts gewendet, Feld 6: Herzogtum Wenden, in Silber ein von Rot und Grün sechsmal schräglinksgeteilter Greif, Feld 7: Herzogtum Kassuben (Cassuben, Kaschubei), in Gold ein schwarzer Greif, hier einwärts gewendet, Feld 8: Stammwappen Hohenzollern, silbern-schwarz geviert, Feld 9: Fürstentum Rügen, golden-blau geteilt, oben ein aus der Teilung wachsender schwarzer Löwe, unten ein aus roten Steinen gemauerter Stufengiebel, Schildfuß: Regalienfeld, ledig und rot, Herzschild geviert, Feld 1 und 4: rot-silbern geteilt für das Erzstift Magdeburg, Feld 2 und 3: silbern-rot gespalten für das Hochstift Halberstadt. Reste von Farbe zeugen von einer einstigen Bemalung, die aber größtenteils nichts mit den heraldisch korrekten Tinkturen zu tun hatte.

Dazu werden drei Helme geführt, Helm 1 (Mitte): zu rot-silbernen Decken ein rot-silbern geteilter Spitzhut mit aufgeschlagener Hermelin-Krempe, oben besetzt mit einem Pfauenfederstoß, beiderseits stecken in der Krempe je ein rot-silbern geteiltes Fähnchen an goldener Stange, Erzstift Magdeburg, dahinter ein Kreuz herausragend, Helm 2 (rechts): auf dem gekrönten Helm ein schwarzer, mit Kleestengeln belegter und hier nur auf den Saxen mit gestürzten Lindenblättchen bestreuter Flug, Markgrafschaft Brandenburg, Helm 3 (links): ein niedriger roter Hut mit Hermelinaufschlag, aus dem Hut ein schwarzer rotgekrönter Löwe wachsend, zwischen zwei rot-silbern gestückten Hörnern, Burggrafschaft Nürnberg.

Dieses Wappen gibt es in genau dieser Form in der Nähe noch dreimal, und zwar einmal am Petershof in Halberstadt über dem Renaissance-Portal, und zweimal an Schloß Krottorf, einmal im Tordurchgang, aber schlechter erhalten als das in Neudamm, und einmal am Hauptgebäude zum Innenhof hin.

Literatur, Links und Quellen:
Position in Google Maps: https://www.google.de/maps/@52.0268909,11.0928241,17z - https://www.google.de/maps/@52.0270802,11.0923913,131m/data=!3m1!1e3
Original-Publikation auf Berlinerwappen:
http://heraldik-unterwegs.berlinerwappen.de/?page_id=152
Gustav Schmidt: Beschreibende Darstellung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler der Provinz Sachsen (Band 14): Beschreibende Darstellung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler des Kreises Oschersleben, Halle a. d. S., 1891.
Gustav Adelbert Seyler, J. Siebmacher’s grosses und allgemeines Wappenbuch, Bd. Bisthümer, Verlag Bauer & Raspe, Nürnberg, 1881
Stephan Kunze: Geschichte, Statistik und Topographie sämmtlicher Ortschaften des landräthlichen Kreises Oschersleben, Band 1, Druck und Verlag von C. H. Häniche, Oschersleben, 1842.
Sigismund von Brandenburg bei Wikipedia:
https://de.wikipedia.org/wiki/Sigismund_von_Brandenburg
Karl Janicke: Sigmund von Brandenburg, in: Allgemeine Deutsche Biographie, Bd. 34, Duncker & Humblot, Leipzig 1892, S. 294-229 -
https://de.wikisource.org/wiki/ADB:Sigmund_(Administrator_von_Magdeburg)

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