Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 2655
Buchenau (Gemeinde Eiterfeld, Landkreis Fulda)

Buchenau: Die Wassermühle am Hopfengarten (Schloßmühle)

Im Talgrund des Ortes Buchenau steht nahe dem Bach Eitra die historische, 1672 erbaute Schloßmühle der Herren von Buchenau, gleich am Anfang der Straße Am Hopfengarten, gegenüber der Einmündung der Hermann-Lietz-Straße. Von der Eitra her führte einst der Mühlgraben zum rückseitig angebrachten Mühlrad, das längst nicht mehr existiert. Das Gebäude, eines der ältesten Bauwerke von Buchenau und heute "Haus Ossa" genannt, besitzt ein massives Sockelgeschoß und ein Fachwerk-Obergeschoß; rückwärtig sind Nebengebäude angesetzt. Der uns hier interessierende Wappenstein mit einem Allianzwappen befindet sich auf der Südseite links von der modernen Tür. Der Stein befindet sich nicht mehr am ursprünglichen Ort; denn einst war er über einem schönen Rundbogenportal angebracht, das bei einer Renovierung Anfang der 1970er Jahre entfernt wurde. Alte Photographieren belegen die alte Position mehr zur Gebäudemitte hin über dem niedrigen Rundbogenportal, das tiefer als die heutige Tür positioniert war.

Die Buchstaben "VB WVG" stehen für "von Buchenau" und für "Wolff von Gudenberg". Eine passende Ehe wurde zwischen dem kurpfälzischen Obristen Wolf Herbold von Buchenau und Anna Catharina Wolff von Gudenberg geschlossen. Er war der Sohn von Eitel Georg von Buchenau und Catharina von Fischborn zu Gelhausen; sie war die Tochter von Thito (Otto) Wolfgang Wolff von Gudenberg und Cordula Elisabetha von Brand aus dem Hause Leuzenhof (nach Biedermann). Ihrer beider Sohn war (gemäß Biedermann) Friedrich Wilhelm von Buchenau (-1716), kurpfälzischer Obristwachtmeister der Kavallerie, vermählt mit Sabina Dorothea Rieter von Kornburg (1674-1747).

Das gewendete Wappen für Wolf Herbold von Buchenau zeigt in Gold einen gekrönten grünen Sittich mit rotem Halsband, auf dem gekrönten Helm mit grün-goldenen Decken ein gekrönter grüner Sittich mit rotem Halsband sitzend zwischen einem goldenen Flug (Siebmacher Band: BayA3 Seite: 165 Tafel: 115, Band: NaA Seite: 17 Tafel: 23, Band: PrE Seite: 33 Tafel: 26, Band: ThüA Seite: 95 Tafel: 74, Aschaffenburger Wappenbuch Tafel 58 Seite 153). In dieser Darstellung hat der Sittich ein Bein erhoben.

Das Wappen für Anna Catharina Wolff von Gudenberg ist geviert:, Feld 1 und 4: in Silber ein natürlicher (brauner) Wolf schreitend, Feld 2 und 3: in Blau ein goldener Löwe, auf dem gekrönten Helm mit blau-silbernen Decken ein wachsender, golden gekrönter, natürlicher (brauner) Wolf (Siebmacher Band: PrE Seite: 207 Tafel: 180, Band: SaA Seite: 58 Tafel: 37, Band: PrGfE Seite: 51 Tafel: 33, Westfälisches Wappenbuch).

Die heute noch blühenden Wolff von Gudenberg sind eine hessische Adelsfamilie und gehören zur Althessischen Ritterschaft. Die Familie, die sich nach dem Stammsitz auf einem der beiden Gipfel des Gudenbergs bei Zierenberg in Nordhessen, dem Kleinen oder dem Großen Gudenberg, benennt, wurde am 10.3.1873 in den Freiherrenstand erhoben; die Begünstigten waren die Brüder Otto, Gottlob und Carl Wolff von Gudenberg. Von dieser Familie leiten sich übrigens die im Rheinland beheimateten Wolff-Metternich zur Gracht als Nebenlinie ab, beginnend mit der Heirat zwischen von Gotthard Wolff von Gudenberg zu Itter und Sybilla von Metternich; sie führen den Wolf in einem durch Teilung und Turnierkragen veränderten Schild.

Das Stammwappen der Familie ist der namensrelevante Wolf. 1479 wurde das Wappen um den Löwen der Herrschaft Itter vermehrt, weil Thile I. Wolff von Gudenberg diese Herrschaft größtenteils in Familienbesitz Ende des 14. Jh. brachte, als Pfandbesitz. Die Herren von Itter erloschen zwar erst in der Mitte des 15. Jh., doch der Besitz wurde schon in der Mitte des 14. Jh. verkauft. Die im Nordwesten von Hessen rings um Vöhl liegende Herrschaft Itter kam 1356 größtenteils anteilig an das Hochstift Mainz und an die Landgrafen von Hessen. Der letzten Herr von Itter, Erasmus von Itter (-1443), behielt nur einen winzigen Teil der ursprünglichen Herrschaft. Der Mainzer Teil wurde 1359 an die Grafen von Waldeck verpfändet. Thile I. Wolff von Gudenberg übernahm nun den hessischen und den waldeckischen Anteil seinerseits als Pfandbesitz. Sein Enkel hatte den Besitz von Itter bereits so verinnerlicht, daß er das Wappensymbol in sein eigenes aufnahm.

Die Herren von Itter führten allerdings den Löwen etwas anders, nach einer Darstellung hatten sie in Blau einen silbernen, goldengekrönten und ebenso bewehrten Löwen, auf dem Helm mit blau-silbernen Decken ein wachsender, naturfarbener (brauner) Hirschkopf mit Geweih. Rietstap teilt den Löwen silbern-golden: "d'azur au lion coupé d'argent sur or, couronné d'or. Cimier un cerf issant". Wie auch immer er war, die Wolff von Gudenberg nahmen ihn in goldener Tinktur in ihr Wappen auf. Im hier vorliegenden Wappen muß man schon genau hinsehen, nur der Löwe hat eine Mähne, und die Stellung der Hinterbeine unterscheidet sich bei Wolf und Löwe; der Wolf hat sie in kleinem Winkel nebeneinander, der Löwe hingegen weit gespreizt eines nach vorne, eines nach hinten und unten.

Doch der Besitz der ertragreichen Herrschaft Itter währte nicht ewig; der Graf von Waldeck kündigte ihnen 1542 die Pfandschaft für seinen Anteil, Landgraf Philipp von Hessen folgte 1562 mit der Kündigung der Pfandschaft für seinen Teil. Trotz seitens der Wolff von Gudenberg, die ungern auf die Einkünfte der von ihnen ziemlich ausgeplünderten Herrschaft verzichteten, angestrengter Prozesse vor dem Reichskammergericht mußten sie die Auslösung des Pfandes hinnehmen und sich auf ihren Besitz in Höringhausen im hessischen Landkreis Waldeck-Frankenberg verlagern. Die Landgrafen von Hessen erwarben später auch die Mainzer und die Waldecker Anteile der Herrschaft Itter.

 

Die Herren von Buchenau hatten schon vor Mitte des 16. Jh. ein Problem: Sie drohten zu erlöschen. Deshalb sollte Anna Katharina von Buchenau, die Nichte von Wolf Herbold von Buchenau, die Tochter seines inzwischen verstorbenen Bruders Johann Friedrich von Buchenau, anläßlich der am 11.3.1645 anstehenden Lehenserneuerung beim Fürstabt von Fulda mit in dieses Lehen aufgenommen werden. Weil Buchenau eine Ganerbschaft war, wurde das Lehen jeweils an mehrere Personen in Gemeinschaft gegeben. Es gab freilich ein paar Mitinteressenten an diesem Lehen, die auf das Aussterben spekulierten und deshalb wegen der Lehenserneuerung Schwierigkeiten machten und vorbrachten, daß diese Aufnahme der Tochter, obwohl rechtmäßige Erbin, gegen fuldisches Lehnrecht verstieße, weil sie keine Brüder hatte. Eigentlich hätte sie eine finanzielle Abfindung erhalten müssen, aber weil kein Geld vorhanden war, und weil man bereits früher ähnlich verfahren war und sich die Familie auf Präzedenzfälle berufen konnte, erneuerte Abt Joachim von Gravenegg den Herren von Buchenau das Lehen 1645 unter der Aufnahme der Tochter. Zu diesem Zeitpunkt war der damalige Major Wolf Herbold der letzte Verbliebene im Mannesstamm der von Buchenau.

Anna Katharina von Buchenau (5.4.1627-29.3.1675) heiratete ihrerseits 1643 wieder in die Familie der Wolff von Gudenberg ein, sie ehelichte nämlich Adam Herbold Wolf von Gudenberg, so daß diese zu Erben wurden. Wolf Herbold von Buchenau behielt seinen bei einer 1633 vorgenommenen brüderlichen Erbteilung erhaltenen Anteil an den Besitzungen, darunter Langenschwarz. Es wurde geregelt, daß dieses Erbe zunächst unter Vorbehalt beim damaligen Major Wolf Herbold von Buchenau blieb und nach dem Aussterben des Mannesstamms der von Buchenau gegen Bezahlung an Anna Katharina verheiratete von Gudenberg und ihren Ehemann übergehen solle. Mit dem Erlöschen der Herren von Buchenau zog Adam Herbold von Gudenberg mit seiner Familie nach Langenschwarz. Major Friedrich Wilhelm von Buchenau, Sohn von Wolf Herbold von Buchenau und Anna Catharina Wolff von Gudenberg, verklagte 1679 Adam Friedrich von Gudenberg, Sohn von Adam Herbold von Gudenberg und Herr auf Buchenau und Langenschwarz, auf Herausgabe der Güter; Mitbeklagter war der Abt von Fulda. Adam Friedrich von Gudenberg war hessischer Kapitän und heiratete Anna Sophia von Wallenstein. Aus dieser Ehe entsproß ein Sohn, Philipp Ludwig von Gudenberg, hessen-kasselscher Kapitän, unvermählt gestorben.

Literatur, Links und Quellen:
Position in Google Maps: https://www.google.de/maps/@50.7811781,9.7697952,20z - https://www.google.de/maps/@50.7811781,9.7697952,56m/data=!3m1!1e3
Siebmachers Wappenbücher wie angegeben
Buchenau:
https://de.wikipedia.org/wiki/Buchenau_(Eiterfeld)
August Weber: Die Geschichte des Kreises Hünfeld, 1960, S. 41-44 f.
Erwin Sturm: Die Bau- und Kunstdenkmale des Kreises Hünfeld, Bad 2 der Reihe Die Bau- und Kunstdenkmale des Fuldaer Landes, 1971, S. 51-55
Peter Schaaf: Geschichtliche Tabelle:
http://www.buchenau.info/historie/geschichtliche-tabelle/
Peter Schaaf: Geschichte von Buchenau:
http://www.buchenau.info/historie/
Herren von Buchenau:
https://heraldik-wiki.de/wiki/Buchenau_(Adelsgeschlecht,_Eiterfeld) - https://de.wikipedia.org/wiki/Buchenau_(Adelsgeschlecht,_Eiterfeld)
Hubertus von Wilmowsky: Die Geschichte der Ritterschaft Buchenau von ihren Anfängen bis zum Wiener Kongreß, in: Fuldaer Geschichtsblätter, 40. Jahrgang, Nr. 1, 1964
Biedermann: Geschlechtsregister Der Reichsfrey unmittelbaren Ritterschaft Landes zu Franken Löblichen Orts Rhön und Werra
http://books.google.de/books?id=j9JDAAAAcAAJ Tafel 259
Biedermann: Geschlechts-Register Der Reichs Frey unmittelbaren Ritterschafft Landes zu Francken Löblichen Orts Ottenwald (Odenwald)
http://books.google.de/books?id=g9JDAAAAcAAJ Tafel 102.
Max von Spießen (Hrsg.): Wappenbuch des Westfälischen Adels, mit Zeichnungen von Professor Ad. M. Hildebrandt, 1. Band, Görlitz 1901 - 1903
Wolff von Gudenberg auf Wikipedia:
https://de.wikipedia.org/wiki/Wolff_von_Gudenberg
Herrschaft Itter und Herren von Itter:
https://de.wikipedia.org/wiki/Itter_(Adelsgeschlecht) - https://de.wikipedia.org/wiki/Herrschaft_Itter
historische Aufnahme:
http://www.buchenau.info/Bilder/gallery2/main.php?g2_itemId=123
Urkunde vom 3.2.1645 im Hessischen Staatsarchiv Marburg, HStAM Bestand Urk. 75 Nr. 1860 -
https://arcinsys.hessen.de/arcinsys/detailAction?detailid=v4997952
Hans Manfred Bock: Die Wolff von Gudenberg: Zur Sozialgeschichte und Familienchronik eines Adelsgeschlechts der Region Kassel, Kassel University Press GmbH, Kassel 2019, ISBN 978-3-7376-0444-4, S. 398 ff.
https://books.google.de/books?id=21-5DwAAQBAJ

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