Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 2589
Leienkaul (Landkreis Cochem-Zell)

ehemaliger Springiersbacher Klosterhof in Martental

Hoch über der Wallfahrtskirche Maria Martental (Leienkaul, Landkreis Cochem-Zell) befindet sich eine separate Baugruppe mit einem spätbarocken ehemaligen Klosterhof. Dieser Hof gehörte einst zum Besitz des etwa zwischen Wittlich und Alf an der Mosel am südlichen Hang des Kondelwaldes gelegenen Klosters Springiersbach, das 1102 gegründet wurde, 1119 zum Augustiner-Chorherrenstift wurde und sich im Mittelalter einen Namen als geistiges Reformzentrum machte. Mit diesem Wappenstein befinden wir uns allerdings in der allerletzten Phase des einst bedeutenden, selbst Äbte ausschickenden und Filialklöster gründenden Chorherrenstifts. Kloster Martental wurde vermutlich um 1141 vom Mutterkloster gegründet. Augustinerinnen folgten nach. Doch das Kloster befand sich in der ersten Hälfte des 16. Jh. in einem Zustand der Verarmung, außerdem gab es nur noch zwei Nonnen und keinen Nachwuchs. Der Springiersbacher Abt Johann Print von Horchheim (1493-1530) beantragte deshalb in Rom die Auflösung des Nonnenklosters, der Papst Leo X. (1513-1521) am 14.4.1521 stattgab. Da er kurz darauf starb, kam es nie zu einer Publikation der Auflösungsverfügung. Erst Papst Clemens VII. (1523-1534) hob das Stift am 21.12.1523 rechtswirksam auf, gegen den Willen des Trierer Fürstbischofs Richard von Greiffenklau. Springiersbach zog eigenmächtig den Besitz ein, ohne in Trier Rücksprache zu halten. Das wurde toleriert, weil sich das Mutterkloster 1541 zum Lesen mehrerer Wochenmessen im zur Propstei gewordenen Martental verpflichtete. Seitdem wurde der Besitz in Martental von Springiersbach aus verwaltet.

Das farblich ganz unzutreffend und falsch angestrichene Wappen am barocken Gebäude ist dasjenige des Abtes Karl Kaspar von Holtrop (1758-1789), eigentlich in Silber ein schwarzer Balken, der im linken Obereck von einem roten Adler begleitet wird. Die Helmzier ist ein wachsender roter Drachenkopf (ohne dieses Wissen kann man hier nur raten) zu rot-silbernen Decken. Rechts ist eine schräg nach außen gestellte Inful auf dem Kartuschenrand zu sehen, links lugt die Krümme des Abtsstabes hinter der Kartusche hervor. Das Wappen wird beschrieben im Zobel unter "Holtorf" auf Tafel 150 und im Fahne unter "Holtorp" auf S. 167. Der Stammsitz dieser Familie lag bei Bergheim, aber von der gleichnamigen Wasserburg ist aufgrund des Tagebaus im Rheinischen Braunkohlerevier nichts mehr vorhanden, denn ihre Reste fielen 1958 dem Bagger zum Opfer.

Mehrere ganz ähnliche Wappen dieses Abtes sind am Kloster Springiersbach selbst zu finden, einmal an der Südseite eines modernen Wohnhauses, an dem neben anderen Spolien wie Fenstergewänden ein profiliertes barockes Bogenportal aus rotem Sandstein eingemauert ist, und ein weiteres Mal über dem Kirchenportal, in eine üppige Rokoko-Kartusche eingebettet. Ein farbiges Vergleichswappen befindet sich im Inneren der Abteikirche im Deckengemälde direkt über dem Eingangsbereich, dort speit der Drachenkopf der Helmzier eine rote Flamme (bei Fahne wird der Drachenkopf der Helmzier als golden angegeben, was der Darstellung im Deckengemälde widerspricht).

Karl Kaspar von Holtrop war der letzte Abt von Springiersbach. Während seiner Amtszeit wohnten in Martental nur Einsiedler, die die Wallfahrtskirche betreuten und in der daran angebauten Einsiedelei hausten. Im Jahre 1786 erfolgte aufgrund zunehmender Verfallserscheinungen des klösterlichen Lebens die Umwandlung des Muitterklosters in ein geistliches Ritterstift, das jedoch 1802 aufgehoben wurde. Somit war die neue Verfassung, ein struktureller Reformversuch, nur von kurzer Dauer.

Liste der späten Äbte von Springiersbach:
(der hier mit einem Wappenstein vertretene ist hervorgehoben)

  • Matthäus von Merl (1352-1374)
  • Paul von Lahnstein (1374-1396)
  • Theoderich von Wittlich (1396-1400)
  • Simon (Sigmund) von Weiler (1400-1434)
  • Philipp von Koppenstein (1434-1438)
  • Peter von Kesselstatt (1438-1462)
  • Konrad von Metzenhausen (1462-1493)
  • Johann Print von Horchheim genannt Brohl (1493-1530)
  • Daniel Schilling von Lahnstein (1530-1560)
  • Kaspar von Schutzbar genannt Milchling (1560-1578)
  • Peter von Scheid genannt Weschpfennig (1578-1593)
  • Johann Friedrich von Auwach von Wittlich (1593-1621)
  • Johann Eberhard von Deusternau (1621-1638)
  • Hermann von Cortenbach (1638-1657)
  • Franz Wilhelm von Jülicher von Eilen (1657-1688), danach Vakanz
  • Theoderich Werner von Roest genannt Entzenbroch (1695-1711)
  • Johann Balduin Berg von Dürffendahl (1711-1728)
  • Johann Heinrich von Wassenberg (1728-1758)
  • Karl Kaspar von Holtrop (1758-1789)
  • Literatur, Links und Quellen:
    Lokalisierung auf Google Maps: https://www.google.de/maps/@50.2051861,7.0902679,17.94z - https://www.google.de/maps/@50.2051861,7.0902679,275m/data=!3m1!1e3
    Maria Martental auf Wikipedia:
    https://de.wikipedia.org/wiki/Maria_Martental
    Karl-Josef Gilles und Erwin Schaaf, Springiersbach, von der Augustiner-Chorherrenabtei zum Karmelitenkloster 1102-2002, unter Mitarbeit von Winfrid Blum und Natalie Fatin, Trier 2002, Schriftenreihe Ortschroniken des Trierer Landes Band 36, herausgegeben von der Verbandsgemeinde Kröv-Bausendorf und dem Karmelitenkloster Springiersbach, ISBN 3-928497-07-3
    Karl Laas, Karmelitenkloster Springiersbach, Schnell Kunstführer Nr. 2207, 3. Auflage 2005, Verlag Schnell & Steiner GmbH Regensburg, ISBN 3-7954-5956-7
    Kloster Springiersbach:
    http://de.wikipedia.org/wiki/Springiersbach
    Otto Gruber: Wappen des mittelrheinisch-moselländischen Adels, Trier 1962-1965, incl. Nachtrag Trier 1967, ebenfalls veröffentlicht in verschiedenen Jahrgängen der "landeskundlichen Vierteljahresblätter", S. 32-33
    Rolf Zobel: Wappen an Mittelrhein und Mosel, Books on Demands GmbH, Norderstedt 2009, ISBN 978-3-8370-5292-3, 527 S.
    Anton Fahne, Geschichte der kölnischen, jülichschen und bergischen Geschlechter in Stammtafeln, Wappen, Siegeln und Urkunden, Stammfolge und Wappenbuch, Köln 1848
    Anton Fahne, Geschichte der kölnischen, jülichschen und bergischen Geschlechter in Stammtafeln, Wappen, Siegeln und Urkunden, Ergänzungen und Verbesserungen zum 1. Teil und Stammfolge und Wappenbuch der clevischen, geldrischen und moersschen Geschlechter, soweit sie in dem Herzogtum Jülich-Cleve-Berg ansässig waren, Band 2, Köln 1853.
    Anton Fahne, Geschichte der westfälischen Geschlechter unter besonderer Berücksichtigung ihrer Übersiedelung nach Preußen, Kurland und Livland, mit fast 1200 Wappen und mehr als 1300 Familien, Köln 1858.
    Klostergeschichte:
    https://www.kloster-maria-martental.de/kloster1/geschichte

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