Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 2535
Weitramsdorf (Landkreis Coburg, Oberfranken)

Schloß Tambach

Schloß Tambach liegt ca. 7,5 km südwestlich von Coburg zwischen den Ortschaften Weitramsdorf und Seßlach am gleichnamigen Bach, der mehrere Seen im Südwesten und im Nordosten des Schlosses speist. Beiderseits der Straße befinden sich etliche naturnahe Freizeitangebote; sowohl eine 1995 entstandene und 1997 erweiterte Anlage des Golfclubs Coburg e.V. als auch der 1969 angelegte Wildpark Tambach mit einem Sitz des Bayerischen Jagdfalkenhofs liegen in unmittelbarer Nähe.

Das Schloß selbst bildet eine breitgelagerte, symmetrische Dreiflügelanlage von ca. 100 m x 60 m Größe. Der Hof öffnet sich nach Südosten und ist zum Park hin als Terrasse mit abschließender Balustrade ausgebildet, auf der Figuren von Michael Trautmann stehen. Das ist ein ungewöhnliches Konzept, daß hier nicht ein Ehrenhof zur Straße hin angelegt wurde, sondern daß sich der Hof zum Park hin öffnet. Die Mitte des Schloßhofs besitzt ein von zwei symmetrischen Rasenrabatten flankiertes Wasserbecken, das mit seinen vier konkaven und vier konvexen Abschnitten die Axialität der Anlage aufgreift. Früher standen hier im Schloßhof statt dessen zwei von Bildhauer Michael Trautmann gefertigte Brunnen, die aber 1806 entfernt wurden; einer davon steht heute im nahen Ort Neundorf, der andere in Teilen in Hattersdorf. Der Innenhof ist jedes Jahr Schauplatz von Konzerten im Rahmen der Veranstaltung Tambacher Sommer. Alle drei Flügel sind dreigeschossig und komplett in Sandstein ausgeführt. Der Mittelrisalit des Mittelflügels ist auf beiden Seiten fünfachsig und wird durch sechs die beiden Obergeschosse zusammenfassende Kolossalpilaster vertikal gegliedert; das mit Fugenschnittrustika gestaltete Erdgeschoß ist mit einem Gesims abgetrennt. Die Seitenteile sind mit jeweils zwei Gesimsen horizontal gegliedert. Ein fünfeckiger Giebel mit einem Dreieck über konkav eingezogenen Seiten überspannt die drei mittleren Achsen. Darüber erhebt sich ein schlanker Dachreiter mit Zwiebelkuppel und Laterne. Eine figurenbesetzte Balustrade überspannt die kompletten fünf Achsen des Mittelrisalits.

Im Norden des Schlosses stehen beiderseits des in der Hauptachse liegenden Hauptzugangsweges  zwei nicht ganz symmetrische separate Pavillon-Bauten mit Walmdach. An den westlichen Bau rechts vom Ankommenden ist außen ein langgestreckter, der Schloßallee folgend abknickender Bau angesetzt. Im Osten befindet sich jenseits des beschriebenen Baus noch ein dritter, ebenfalls zweistöckiger Separatbau mit Mansarddach. Zur Schloßallee sind die beiden östlichen Bauten (Abb. unten) mit einer von mehreren Pfeilern mit Schmuckaufsätzen unterbrochenen Mauer abgesetzt.

Schloß Tambach wurde von den Äbten des Klosters Langheim Ende des 17. Jh. als Sommersitz errichtet, an der Stelle eines seit dem 12. Jh. existierenden Klosterhofes. Kloster Langheim besaß in der Nähe auch Besitz in Altenhof. Der Klosterhof in Tambach diente vor allem der Karpfenzucht in den in der Talaue angelegten Fischteichen. Weiterhin richtete man hier eine Brauerei für Bier ein. Der Klosterhof Tambach nahm an Bedeutung zu, wurde Amtssitz und bekam im 14. Jh. die niedere und die hohe Gerichtsbarkeit. Zweimal wurde der Tambacher Klosterhof völlig zerstört, zuerst 1525 im Bauernkrieg und dann noch einmal im Dreißigjährigen Krieg. Das wohlhabende Mutterkloster plante Ende des 17. Jh. schon unter Abt Gallus Knauer (amtierte 1690-1728) einen Neubau, diesmal in schloßähnlicher Form. Im Jahre 1698 wurde der östliche Seitenflügel als erstes fertiggestellt (erste Bauphase). Vielleicht stammt der Entwurf von Leonhard Dientzenhofer, welcher Langheimer Klosterbaumeister war; seine Urheberschaft ist aber nicht bewiesen.

Das Wappen des Klosters Langheim sehen wir im südlichen Mittelrisalitgiebel oberhalb der Uhr, also hofseitig hoch oben über der Durchfahrt inmitten flächenfüllender feiner Ranken. Es zeigt in Blau einen goldenen Meßpokal, aus dem oben ein goldener, pfahlweise gestellter Krummstab hervorwächst. Das gleiche Wappen führt der zur Stadt Lichtenfels gehörende Stadtteil Klosterlangheim.

Dann war erst einmal Baustop; auch unter Abt Martin Wolf (amtierte 1728-1734) geschahen keinerlei Fortschritte am Schloß. Erst Abt Stephan Mösinger (amtierte 1734-1751) trat wieder durch Bautätigkeiten hervor: Er ließ 1746 (Datierung auf dem Stein) den Pavillon (Abb. oben) rechts neben dem Einfahrtstor zum Schloß errichten (zweite Bauphase), wovon sein Wappen über der Tür zeugt (Abb. unten). Die Initialen FSAL stehen für Fecit Stephanus Abbas Langheimensis. Auf dem Schild ruht ein geflügelter Engelskopf, der die Inful trägt. Typisch für dieses Kloster ist die Verwendung von zwei schräggekreuzten Krummstäben hinter dem Schild.

Sein Wappen (Detailausschnitt Abb. unten) zeigt eine reichlich heterogene und bildhafte Kombination, in Blau über einem mit Grasbüscheln bewachsenen grünen Berg eine gesichtete Strahlensonne, aus dem rechten Schildrand kommt aus Wolken ein linker Arm hervor, der in der Hand einen gefalteten und mit beiden Enden nach unten hängenden Streifen hält, aus dem rechten Obereck stößt schräglinks ein herabstürzender Adler mit ausgebreiteten Schwingen nach unten und ergreift mit dem Schnabel einen aufrechten, pfahlweise gestellten, geschuppten Fisch (Karpfen). Dieses Wappen ist auch noch an weiteren Orten zu finden, so an der Propstei von Vierzehnheiligen, an der Friedhofskapelle Isling, an einer Kniebank der kath. Kapelle in Köttel und über dem Altarblatt der Filialkirche St. Clemens in Neudorf bei Weismain. (Unten sind in starker Außenneigung noch zwei Kartuschen angesetzt, optisch links mit dem Klosterwappen mit Meßkelch und Krummstab, gegenüber mit einem Wellenschrägbalken.

Abt Malachias Limmer (amtierte 1751-1774) machte wiederum gar nichts in Tambach. Danach wurden 1777-1786 der Mittelflügel und der Westflügel unter Abt Johann Nepomuk Pitius (amtierte 1774-1791) errichtet (dritte Bauphase). Er ließ auch die Schloßkirche erbauen und dekorieren. Das war wieder ein großer Bauabt, der auch im Mutterkloster bauen ließ, was die Klosterkasse hergab, und somit finden sich an den Bauten des Mutterklosters insgesamt drei seiner Wappen. Hier ist sein Wappen im Mittelrisalitgiebel der Nordseite angebracht (beide Abb. unten).

 

Es zeigt einen gevierten Schild mit Herzschild, Feld 1 und 4: in Blau ein schrägrechter, in zwei Reihen rot-silbern geschachter Balken (Zisterzienserbalken, eigentlich in schwarzem Feld), Feld 2: eine Allegorie der Victoria mit Lorbeerkranz in der erhobenen Rechten und Palmzweig, in der gesenkten Linken, die Flügel symbolisieren nach antikem Vorbild Flüchtigkeit von Sieg und Niederlage, Feld 3: zwei schräggekreuzte Anker ohne Stock, Herzschild: fünf (1:2:2) sechszackige Sterne, wie die Ecken eines Fünfecks gelegt. Palmwedel und Sterne sind hier vergoldete Metallarbeiten. Die Kombination wird von einem ovalen Schmuckrahmen doppelt eingefaßt. Der geflügelte Engelskopf mit der Inful wirkt winzig gegenüber der riesigen Kartusche, ebenso klein wirken die beiden Krummstäbe, die hinter der Kartusche schräggekreuzt sind, auch diese sind hier freiplastisch in Metall ausgeführt. Daß Abt Johann Nepomuk Pitius das Geld mit vollen Händen für Bauwerke ausgab, führte letztendlich 1789 zu seiner Suspendierung wegen Verschwendung durch den Bamberger Fürstbischof, bei dem er schon vorher in Ungnade gefallen war.

Unter den Äbten erreichte das Schloß noch nicht seine heutige Symmetrie, denn es blieb eine Zweiflügelanlage mit Hauptflügel und östlichem Seitenflügel; der Westflügel war noch als Wirtschaftstrakt konzipiert, wich in der Außengestaltung ab und barg im Inneren keine Wohnräume. Mit der Säkularisation wurden das Kloster Langheim aufgelöst und der Klosterbesitz verstaatlicht. Der letzte Abt war Abt Candidus Hemmerlein (amtierte 1791-1803). Das Schloß Tambach kam 1803 an das Kurfürstentum Bayern. Seit 1806 ist es in Besitz der Grafen zu Ortenburg. Diese hatten bislang seit ca. 1120 ihre Reichsgrafschaft mit ihrem Stammsitz in Niederbayern zwischen Passau und Pfarrkirchen, die aber schließlich nur noch 4 Quadratkilometer Fläche rings um die Feste Ortenburg herum hatte, eine reichsunmittelbare protestantische Enklave mitten im katholischen Bayern. Deshalb boten die Wittelsbacher Graf Joseph Carl zu Ortenburg (30.8.1780-28.3.1831) einen Deal an: Tausch der Stammgrafschaft gegen die Herrschaft Tambach und Übernahme der Schulden. Das Kurfürstentum Bayern bekam ein geschlossenes Territorium, und der Graf war seine Schulden los, die 1804 immerhin ca. 254000 fl. betragen hatten, und zog nach Franken um.

Im Detail war das noch ein bißchen komplizierter: Schon zweimal wollte ein Ortenburger seine Grafschaft verkaufen, erst Georg von Ortenburg (-1422), der durch die Konflikte mit Bayern und durch die Schikanen der Herzöge so zermürbt war, daß er 1408 zum Verkauf bereit war, dann Joachim von Ortenburg (6.9.1530-19.3.1600), der die Reformation in der Grafschaft eingeführt hatte und sich so in Opposition zu den bayerischen Herzögen gebracht hatte, die seine Lehen zeitweise einzogen. Graf Joachim war schließlich 1589 willens, zu verkaufen und die zu Böhmen gehörende Grafschaft Glatz dagegen einzutauschen. Die Verkaufsgespräche verliefen jedoch ergebnislos, was aber an der Unbeweglichkeit der Position des Bayern lag. Anders 1803: Graf Joseph Carl Leopold Franz Ludwig zu Ortenburg hatte seine Regierung 1801 bereits mit 200000 fl. Schulden angetreten. Trotz rigoroser Sparmaßnahmen stiegen die Schulden - es gab nur eine Lösung: Verkaufen. Bayern beeilte sich, weil es auch nicht die anderen Interessenten, Habsburg und Alfred I. von Windisch-Graetz, dort "in seinem Vorgarten" haben wollte. Bereits am 28.2.1804 schloß man einen Vertrag, in dem der Verkauf der Grafschaft und aller Besitzungen vereinbart wurde, allerdings noch nicht von Tambach die Rede war, sondern nur allgemein von einer noch zu findenden passenden fränkischen Herrschaft. Und für den Grafen ganz besonders wichtig: Seine Schulden wurden vom Kurfürstentum übernommen. Auch wenn noch nichts konkretes über die neue Bleibe des Grafen vereinbart und geklärt war, muß er wohl extrem froh gewesen sein, der Grafschaft den Rücken zu kehren, denn er zog unmittelbar nach der Vereinbarung mit seiner Frau, Caroline Louise Wilhelmine Gräfin zu Erbach-Erbach (21.11.1779-6.12.1825), ins Jagdschloß Eulbach, das seinem Schwiegervater gehörte, Franz II. Graf zu Erbach-Erbach und zu Limpurg Herr zu Breuberg (29.10.1754-8.3.1823). Kurfürst Maximilian IV. von Bayern hatte schließlich 1805 ein passendes Angebot für den Verkäufer: Tambach, säkularisiertes Klostergut. Bayern bekam eine Pufferzone an der Grenze zu Sachsen-Coburg-Gotha, und die protestantischen Ortenburger waren nicht nur ihren Glaubensbrüdern nahe, sondern auch ihren politischen Weggefährten vom Wetterauischen Grafenkollegium. Am 14.8.1805 wurde der Tausch vertraglich festgezurrt; das neue Gebiet erhielt den aufwertenden Namen "Reichsgrafschaft Ortenburg-Tambach", deren Regierung Graf Joseph Carl am 20.1.1806 offiziell antrat. Sie umfaßte das Gebiet von Gleismuthhausen bis Witzmannsberg in West-Ost-Richtung und von Tambach bis Rothenberg in Nord-Süd-Ausdehnung.

In mancherlei Hinsicht erwies sich der Tausch als Mogelpackung: 1805 entstand kurzfristig das neue Kurfürstentum Würzburg, und Graf Joseph Carl hatte auf einmal einen unangekündigten mächtigen Nachbarn. 1806 war das Ende des Heiligen Römischen Reiches, und Reichsgrafschaften waren Geschichte: Mit der anschließenden Mediatisierung verlor Graf Joseph Carl die Reichsunmittelbarkeit und die Souveränität; er wurde zum Standesherrn degradiert und durch das Kurfürstentum Bayern mediatisiert, später von Bayern an das Großherzogtum Würzburg abgegeben. 1810-1814 war auch noch die Herrschaft Tambach aufgrund einer Grenzbereinigung zwischen Bayern und Würzburg geteilt. Als standesherrliche Grafschaft bestand Ortenburg-Tambach bis 1918. Späte Reue packte Graf Joseph Carl, als er 1827 sein Stammschloß Ortenburg zurückkaufte - es sollte bis 1971 in Familienbesitz bleiben. Fazit: Man war noch nicht einmal ein Jahr lang reichsunmittelbar geblieben - doch das hätte am Stammsitz auch gedroht. Man war seine Schulden los und konnte das Stammschloß zu einer Art Vorzugspreis als Kompensation für die Mediatisierung zurückkaufen, aber ohne Territorium. Der Einfluß war verloren, und nach einer Zeit aktiver Mitgestaltung der Politik zog sich der Graf enttäuscht zurück.

Unter den neuen Eigentümern wurde 1892 der Westflügel den anderen Flügeln außen angeglichen und innen zu Wohnräumen umgebaut. Noch mehr wurden West- und Ostflügel einander angeglichen, als man 1910 das Heinrichstor in den Westflügel einbaute, als Pendant zum Osttor von 1698. 1806 ließ man schon die beiden Brunnen aus dem Schloßhof entfernen und das jetzige Wasserbecken als Ersatz in die Platzmitte setzen.

Schloß Tambach wird bis heute von dem jeweiligen Familienoberhaupt bewohnt, derzeit Heinrich Franz Josef Georg Maria Erbgraf zu Ortenburg (11.10.1956-), der Urururenkel des Erstbeziehers, auf den in direkter Stammlinie nacheinander Franz Carl Rudolph Graf zu Ortenburg Graf und Herr zu Tambach (4.8.1801-23.2.1876), Friedrich Carl Hermann Albrecht Eduard Graf zu Ortenburg Graf und Herr zu Tambach (13.12.1841-25.2.1894), Franz Carl Julius Albrecht Graf zu Ortenburg Graf und Herr zu Tambach (16.8.1875-3.12.1936) und Alram Karl Gottfried Hans Ladislaus Graf zu Ortenburg Graf und Herr zu Tambach Herr zu Birkenfeld (23.10.1925-6.8.2007) folgten. Der derzeitige Erbgraf hat am 21.9.1990 in Weitramsdorf Desiree Prinzessin von Hohenzollern (27.11.1963-) geheiratet und mehrere Kinder. Das Schloß ist Privatbesitz und kann nicht besichtigt werden, außer teilweise am jährlichen Tag des Offenen Denkmals.

In der Durchfahrt des Ostflügels hängt eine Spolie mit dem Wappen der Grafen von Ortenburg in Form eines Ehewappens: Heraldisch rechts befindet sich das Wappen der Grafen von Ortenburg, geviert, Feld 1 und 4: in Rot ein silberner, schrägrechter Wechselzinnenbalken (Ortenburg-Bayern), Feld 2 und 3: in Silber eine rote eingebogene Spitze, jeder Platz mit einem Flügel in verwechselten Farben belegt (Ortenburg-Kärnten), drei Helme: Helm 1 (Mitte): auf dem gekrönten Helm mit rot-silbernen Decken ein Pfau mit offenem Schweif (Ortenburg-Kärnten), Helm 2 (rechts): auf dem gekrönten Helm mit schwarz-goldenen Decken ein schwarzer Flug, mit goldenen gestürzten Lindenblättern bestreut (Ortenburg-Bayern), Helm 3 (links): auf dem gekrönten Helm mit rot-silbernen Decken ein goldener Stern zwischen einem rechts silbernen, links roten Flug (Sternberg). Das Wappen wird beschrieben im Siebmacher Band: Bay Seite: 17 Tafel: 11. Historische Abbildungen gibt es z. B. im Scheiblerschen Wappenbuch, Folio 24, und im Wappenbuch des churbayrischen Adels, Image 33 (danach obige Blasonierung). Die von Ortenburg (später von Ortenburg zu Tambach) gehören zu einem alten bayerischen Dynastengeschlecht (hier Feld 1 und 4, Helm 2). Davon abzugrenzen ist Ortenburg-Kärnten (hier Feld 2 und 3 und Helm 1). Später wurden beide Ortenburger Wappen in einem gevierten Schild vereint, ohne genealogische Grundlage.

Das zweite Wappen für die Ehefrau ist das der Fugger von Kirchberg und Weißenhorn, es ist geviert, Feld 1 und 4: golden-blau gespalten, vorne und hinten belegt mit einer Lilie in verwechselten Farben (Stammwappen Fugger), Feld 2: in Silber eine schwarzgewandete und golden gekrönte Mohrenjungfrau (Mohrin) mit Mitra in der ausgestreckten Rechten (Grafschaft Kirchberg), Feld 3: in Rot 3 silberne Jagdhörner mit Bändern übereinander (Herrschaft Weißenhorn). Zwei Helme: Helm 1 (rechts): eine golden-blau gespaltene Lilie zwischen einem blauen und einem goldenen Büffelhorn, Helmdecken blau-golden (Fugger), Helm 2 (links): ein wachsender, schwarzgewandeter Mohrenjungfrauenrumpf (Rumpf einer Mohrin) mit silberner, goldenverzierter Mitra auf dem Kopf, Helmdecken schwarz-silbern (Grafschaft Kirchberg). Das Wappen wird beschrieben im Aschaffenburger Wappenbuch, Tafel 59 Seite 119, im Siebmacher Band: Wü Seite: 2 Tafel: 2, Band: Bad Seite: 2 Tafel: 2, Band: Gf Seite: 7 Tafel: 18, Band: Bay Seite: 11 Tafel: 5, Band: NÖ1 Seite: 108 Tafel: 53, Band: Un Seite: 183 Tafel: 146, Band: Bad Seite: 2 Tafel: 3, Closs: Deutscher Wappenkalender 1931, Otto Hupp, Münchener Kalender 1896. Eine historische Darstellung ist z. B. im Wappenbuch des churbayrischen Adels zu finden.

Insgesamt gab es drei Verbindungen zwischen diesen beiden Familien:

Ein weiteres, komplexeres Wappen der Grafen von Ortenburg hängt über dem 1910 unter Franz Carl Graf zu Ortenburg Graf und Herr zu Tambach (16.8.1875-3.12.1936) erbauten Heinrichstor über der Figurennische (ohne Abb.); es ist zweimal geteilt, oben und in der Mitte zweimal und unten einmal gespalten und trägt einen Herzschild, Feld 1 und 8: in Silber ein roter Balken (lothringische Grafschaft Criechingen, Kriechingen, Créhange), Feld 2: in Blau ein linksgekehrter goldener Löwe (Herrschaft Saarwellingen, nicht Herrschaft Bacourt, denn das wäre in Silber ein roter Löwe, im Siebmacher Band: OÖ Seite: 228 Tafel: 64 aber ganz falsch zugeordnet), Feld 3 und 7: eigentlich in Rot ein goldenes Ankerkreuz (hier wie ein achtspitziges Kreuz verändert, Herrschaft Pittingen, Pettingen, Pittange, silbern nur im Kommunalwappen, im Siebmacher falsch zugeordnet), Feld 4 und 6: in Silber eine rote eingebogene Spitze, jeder Platz mit einem Flügel in verwechselten Farben belegt (Ortenburg-Kärnten), Herzschild: in Rot ein silberner, schrägrechter Wechselzinnenbalken (Ortenburg-Bayern). Dazu werden fünf Helme geführt, Helm 1, 2 und 3 wie oben beschrieben, Helm 4 (rechts außen): auf dem Helm mit schwarz-goldenen Decken ein goldener Löwe zwischen einem blauen Flug, der beiderseits mit fünf goldenen Rosen zwischen zwei goldenen Leisten belegt ist (Herrschaft Saarwellingen), Helm 5 (links außen): auf dem Helm mit rot-silbernen Decken ein rechts silberner, mit einem roten Balken und links roter, mit einem silbernen Balken belegter Flug (Criechingen).

Die Grafen von Criechingen (Créhange, vgl. Loutsch, S. 303) hatten einst Besitz in Luxemburg (Pittange, Rollingen), Lothringen (Créhange, Dorsweiler = Torcheville, Château-Bréhain, Lehen der Herzöge von Lothringen, Forbach, ein Lehen der Grafen von Saarbrücken) und im Saarland (Saarwellingen, Püttlingen im Köllertal, ein Metzer Lehen, Teile von Dagstuhl, ein Trierer Lehen) sowie an der Mosel (Lösenich, ein Trierer Lehen). Die zusätzlichen Ansprüche der Grafen von Ortenburg leiten sich ab aus einer Ehe zwischen Georg Reinhard Graf von Ortenburg-Neuortenburg (1607-4.9.1666) und Esther Dorothea von Criechingen und Pittingen (1617-1713); tatsächlich besessen haben die Grafen von Ortenburg die Grafschaft Criechingen aber nie. Das 1617 zur Reichsgrafschaft erhobene Gebiet bzw. die Ansprüche darauf kamen beim Aussterben der Grafen über eine Erbtochter erst an die Grafen von Ostfriesland und dann an die Grafen von Wied-Runkel, denn Johann Ludwig Adolph Graf von Wied-Runkel (30.5.1705-18.5.1762) hatte Christina Louise von Ostfriesland (1.2.1710-12.5.1732) geheiratet, die Tochter von Friedrich Ulrich von. Ostfriesland Graf von Criechingen (31.12.1667-13.3.1710) und Enkelin von Edzard Ferdinand Graf von Ostfriesland (12.7.1636-1.1.1668) und Anna Dorothea von Criechingen (-20.5.1705). Letztere war die Tochter von Albrecht Ludwig Graf von Criechingen (-1651) und Agatha von Kyrburg. Sie hatte zwar noch ein paar Brüder, doch weder Kasimir Otto, noch Georg Otto, noch Johann Ludwig Graf von Criechingen (-5.5.1681), noch der im Duell getötete Ernst Kasimir (-1665) hatte Nachkommen. Viel hatten die Grafen von Wied nicht von der Erbschaft, denn das Gebiet war klein und kam 1793 durch Annexion an Frankreich. Wied-Runkel nahm genau diese drei Elemente Criechingen, Pittingen und Saarwellingen ins Wappen auf. Dennoch führten die Grafen von Ortenburg seit dem 16.10.1741 Titel und Wappen, auch wenn ihre Ansprüche nie zur Geltung gekommen waren. Übrigens hatten damals auch noch die Grafen von Solms Ansprüche geltend gemacht, die ebenso wenig fruchteten wie die Ortenburger Ansprüche.

 

Und es gibt noch ein weiteres Wappen, eine in der Durchfahrt des Ostflügels eingemauerte Spolie (Abb. oben rechts), dem Würzburger Fürstbischof Julius Echter von Mespelbrunn zuzurechnen. Das Wappen ist geviert, Feld 1: "Fränkischer Rechen" = von Rot und Silber mit drei aufsteigenden Spitzen geteilt, Herzogtum zu Franken, Feld 2 und 3: in Blau ein silberner Schrägbalken, belegt mit drei blauen Ringen, Stammwappen der Echter von Mespelbrunn, Feld 4: "Rennfähnlein" = in Blau eine rot-silbern gevierte, an den beiden senkrechten Seiten je zweimal eingekerbte, schräggestellte Standarte mit goldenem Schaft, Hochstift Würzburg. Die Herkunft der Spolie ist unbekannt; es gibt keinen offensichtlichen Zusammenhang mit der Geschichte des Klosterhofes Tambach, weil das Kloster nicht dem Hochstift Würzburg, sondern dem Hochstift Bamberg unterstand.

Öffentlich zugänglich ist der Schloßhof mit Zugang zur von Baumeister Fink gestalteten Schloßkirche, die als große Besonderheit eine Innenausschmückung in reinem Louis XVI.- Stil besitzt. Der Stuck stammt von Heinrich Seelmann. Früher hatte sie noch eine Ausstattung mit plastischen Arbeiten des Bamberger Bildhauers Michael Trautmann. Die Schloßkirche nimmt zwei Stockwerke des Mittelflügels ein und ist von außen nicht zu erkennen. Sie befindet sich östlich der Haupteinfahrt und stellt das Pendant zum Treppenhaus auf der anderen Seite der Durchfahrt dar. Die Grafen von Ortenburg purifizierten als Protestanten die ehemalige katholische Klosterkirche und entfernten alle typisch katholischen Heiligenfiguren, den Hauptaltar und die Nebenaltäre aus der nun evangelischen Pfarrkirche. Einige Figuren und Altäre fanden ihren Weg in die Kirchen der Nachbarorte Autenhausen (Pfarrkirche St. Sebastian, ehemaliger Nebenaltar), Witzmannsberg (Filialkirche St. Johannes der Täufer, ehemaliger Nebenaltar) und Neundorf (Pfarrkirche Mariä Geburt, Mariä Himmelfahrt des ehemaligen Tambacher Hauptaltars). Erst Alram Karl Gottfried Hans Ladislaus Graf zu Ortenburg (23.10.1925-6.8.2007) konvertierte 1953 wieder zum Katholizismus und rekatholisierte die Schloßkirche.

Literatur, Links und Quellen:
Lokalisierung auf Google Earth: https://www.google.de/maps/@50.2332922,10.8644201,16.02z - https://www.google.de/maps/@50.2328833,10.865439,162m/data=!3m1!1e3
Eigene Webseite Wildpark Schloß Tambach:
http://www.wildpark-tambach.de/ - Schloß: http://www.wildpark-tambach.de/park/schloss
Grafen von Ortenburg:
https://de.wikipedia.org/wiki/Ortenburg_(Adelsgeschlecht)
Alram Karl Gottfried Hans Ladislaus Graf zu Ortenburg:
https://de.wikipedia.org/wiki/Alram_Karl_Gottfried_Hans_Ladislaus_Graf_zu_Ortenburg
Tambacher Sommer:
http://www.tambacher-sommer.de/
Schloß Tambach auf Wikipedia:
https://de.wikipedia.org/wiki/Schloss_Tambach
Joachim von Ortenburg:
https://de.wikipedia.org/wiki/Joachim_(Ortenburg)
Joseph Carl von Ortenburg:
https://de.wikipedia.org/wiki/Joseph_Carl_Leopold_Friedrich_Ludwig_(Ortenburg)
Grafschaft Ortenburg-Tambach:
https://de.wikipedia.org/wiki/Grafschaft_Ortenburg-Tambach
Markus Lorenz: Der Übergang der Grafschaft Ortenburg an Bayern im Jahr 1805, in: Ortenburg - Reichsgrafschaft und 450 Jahre Reformation (1563-2013), Ortenburg 2013, S. 270-280
Heinz Pellender: Tambach - vom Langheimer Klosteramt zur Ortenburg’schen Grafschaft - Historie des Gräflichen Hauses Ortenburg, des Klosteramtes und Schlosses Tambach, Coburg, 2. Auflage 1990
Friedrich Hausmann: Tambach und die Grafen zu Ortenburg, in: Weitramsdorf - Vergangenheit und Gegenwart, 1177-1977, aus der Geschichte eines Dorfes, Weitramsdorf 1977, S. 276-288.
Alram Graf zu Ortenburg: Die Grafen zu Ortenburg in Tambach, in: Weitramsdorf - Vergangenheit und Gegenwart, 1177-1977, aus der Geschichte eines Dorfes, Weitramsdorf 1977, S. 289-337
Ruth Bach-Damaskinos, Peter Borowitz: Schlösser und Burgen in Oberfranken, Hofmann Verlag Nürnberg, ISBN 3-87191-212-3, S. 70-71
Rudolf Brugger: Die Wappen der Stifter und Äbte des Klosters Langheim 1132-1803, zum 850ten Jahrestag der Gründung, Bamberg 1982 (handschriftliches Werk)
Territorialgeschichte: Gerhard Köbler: Historisches Lexikon der deutschen Länder - die deutschen Territorien vom Mittelalter bis zur Gegenwart. C. H. Beck Verlag München 7. Auflage 2007, ISBN 978-3-406-54986-1
Genealogien: Prof. Herbert Stoyan, Adel-digital, WW-Person auf CD, 10. Auflage 2007, Degener Verlag ISBN 978-3-7686-2515-9
Grafschaft Criechingen:
http://www.shpn.fr/page97/page97.html
Dr. Jean-Claude Loutsch, Armorial du pays de Luxembourg, 1974
Siebmachers Wappenbücher wie angegeben
Martin Carl Wilhelm von Wölckern auf Kalchreuth: Beschreibungen aller Wappen der fürstlichen, gräflichen, freiherrlichen und adelichen jetztlebenden Familien im Königreich Baiern. Erste Abteilung, Nürnberg: Tyroff, 1821, S. 165.
Johann Ferdinand Huschberg: Geschichte des herzoglichen und gräflichen Gesammt-Hauses Ortenburg, Sulzbach 1828,
https://books.google.de/books?id=PXtkAAAAcAAJ und https://books.google.de/books?id=dWIAAAAAcAAJ
Markus Müller: Handbuch Höfe und Residenzen im spätmittelalterlichen Reich - Band 15.IV, S. 290-292
https://adw-goe.de/en/digital-library/hoefe-und-residenzen-im-spaetmittelalterlichen-reich/gsn/rf15_IV-580/ - https://adw-goe.de/fileadmin/dokumente/forschungsprojekte/resikom/pdfs/HBIV/A_B_C_Criechingen.pdf

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