Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 2518
Kochendorf (zu Bad Friedrichshall, Landkreis Heilbronn)

Sebastianskirche in Kochendorf: Portal

Auf der Nordseite besitzt die Sebastianskirche ein schönes Renaissance-Portal, das einerseits noch in der Portalumrahmung spätgotische Bogenformen und gestäbte Gewände aufgreift, andererseits Diamantquader zur Verzierung des Randes verwendet. In den beiden oberen Zwickeln befinden sich die Wappen des Bauherren-Ehepaares; hier wird der Portalrahmen verbreitert, um mehr Platz für die Wappen zu schaffen, deren Schilde dennoch stark asymmetrisch verzerrt sind. Im von einer Muschelrosette gekrönten Aufsatz ist zu lesen: "Herr ich habe lieb die Stätte Deines Hauses u. den Ort da deine Ehre wohnet. Ps. 26 8". Die Kirche, die früher kunsthistorisch wertvolle und für die Ortsgeschichte bedeutende Epitaphe besaß (Doppel-Epitaph für Wolff Greck von Kochendorf (-1534) und seine Frau Kunigunde von Liebenstein (-1531), Epitaph für Wolf Konrad Greck (-25.8.1598) und seine beiden Frauen Sibylle von Gemmingen (-16.5.1567) und Amalie Altdorf gen. Wolschlag (-1588), Epitaph für Joachim Heinrich von Ellrichshausen (-1674), hölzernes Epitaph für Wolf Konrad Greck mit Familie und hölzernes Epitaph für den Arzt Georg Andreas Schiebel (-1799)), wurde im Zweiten Weltkrieg von amerikanischen Truppen 1945 völlig zerstört und danach bis 1948 wieder aufgebaut. Die Platten an der Außenseite gehören zu dem Wenigen, was gerettet wurde. Die Epitaphien im Inneren waren unrettbar verloren.

 

Das Patronat für die Pfarrkirche lag beim katholischen Stift Wimpfen, das 1595 einen Kirchenneubau durchführte. Zu dieser Zeit herrschte über Kochendorf Wolf Conrad I. Greck von Kochendorf (-25.8.1598), welcher 1549 die Reformation eingeführt hatte und mit Sibylla von Gemmingen verheiratet war. Von seinen Lebensdaten hätte er drei Jahre Zeit gehabt, um sein Wappen anzubringen, was knapp ist für die Vollendung der Kirche und die Ausstattung mit Bauschmuck. Außerdem war Wolf Conrad zu dem Zeitpunkt bereits in zweiter Ehe mit Amalie von Altdorf gen. Wolschlag vermählt, und dazu paßt das Wappen nicht. Genau die gleichen Wappen passen aber auch zu seinem Sohn, Wolf Conrad II. Greck von Kochendorf (1561-23.5.1614), der aus erster Ehe stammte und am 22.4.1589 in Michelfeld Benedicta von Gemmingen (20.8.1572-1.8.1628) geheiratet hatte, die Tochter von Leonhard von Gemmingen (1536-1583) und Esther von Bödigheim (-1591). Deshalb ist es plausibler, daß der Vater von der Bauzeit dieses Portal nicht mehr fertigstellen konnte, sondern erst der Sohn, und hier steht auch keine zweite Ehefrau der Zuordnung im Wege.

Das Wappen der der Greck von Kochendorf ist golden-blau geteilt, auf dem Helm mit blau-goldenen Decken zwischen zwei golden-blau geteilten Büffelhörnern eine wachsende, blau gekleidete Jungfrau, deren Kranz im Haar mit drei großen Blättern besteckt ist und die beide Hände auf die Brust legt.

Das Wappen der Herren von Gemmingen zeigt in Blau zwei goldene Balken, auf dem Helm mit blau-goldenen Decken zwei Büffelhörner, die jeweils mit zwei goldenen Spangen umwunden sind, hier schräg nach innen.

Sebastianskirche in Kochendorf: Anna Helena Greck von Kochendorf

Diese Grabplatte ist für Anna Helena Greck von Kochendorf (-10.4.1633). Die umlaufende Inschrift lautet: "Anno 1633 den 10. Aprilis starb die Wol Edle Ehrn vnd Tugendtreiche Fraw Anna Helena von Wardenburg wittwe geborne Greckin von Kochendorff der Seelen Gott gnadt Amen." Im Zentralfeld ist noch der Vers "Ich bin die Aufferstehung und das / Leben. Wer an mich glaubet, der / würdt leben ob Er gleich stürbe / und wer da lebet und glaubet / an mich der würdt nimmer mehr sterben, stehet Johannis am 11" zu lesen, Johannes-Evangelium 11, 25, im Zusammenhang mit der Auferweckung des Lazarus. Anna Helena war vermählt mit Konrad VII. Kolb von Wartenberg (1558-20.10.1602).

 

Das zentrale Vollwappen ist das der Greck von Kochendorf. Der Schild ist golden-blau geteilt. Als Helmzier wird zu blau-goldenen Decken zwischen zwei golden-blau geteilten Büffelhörnern eine wachsende, blau gekleidete Jungfrau geführt, deren Kranz im Haar hier mit drei großen Blättern besteckt ist. Hier legt die Jungfrau beide Hände auf ihre Brüste. Das Wappen wird beschrieben im Siebmacher Band: WüA Seite: 6 Tafel: 13, Band: WüA Seite: 46 Tafel: 34, ferner im Alberti S. 242. Im Siebmacher ist der Kopf der Jungfrau mit drei Pfauenfedern besteckt. Im Berliner Wappenbuch werden nur die Büffelhörner als Kleinod geführt ohne die wachsende Jungfrau, ähnlich in anderen alten Wappenbüchern. Im Wernigeroder Wappenbuch die Decken golden-blau, nicht blau-golden. Weitere Nachweise des Wappens gibt es in Conrad Grünenberg's Wappenbuch (1530), im Wappenbuch St. Gallen (1510) und im Ingeram-Codex (571).

In den vier Ecken des Innenfeldes sind die vier Schilde der Ahnenprobe untergebracht. In den beiden oberen Ecken, getrennt durch eine Engelsmaske, sehen wie die Schilde der Eltern, Wolf Conrad I. Greck von Kochendorf (-25.8.1598) und Sibylla von Gemmingen (1525-16.5.1567), bzw. der beiden Großväter, Wolf Greck von Kochendorf (-1534) und Wolf von Gemmingen (-14.2.1555), Herr zu Guttenberg. Das Gemmingen-Wappen zeigt in Blau zwei goldene Balken.

In den beiden unteren Ecken sind, durch Beschlagwerk getrennt, die Schilde für die beiden Großmütter. Der heraldisch rechte Schild weist eine Teilung zu viel auf, denn die zwei Balken wären noch einmal Gemmingen. Tatsächlich erwarten wir aber nur drei silbern-schwarze Teilungen für Kunigunde von Liebenstein (-1531), Tochter von Hans von Liebenstein und Notburga von Ahelfingen. Dadurch, daß fünf Personen den Namen Wolf Conrad Greck von Kochendorf trugen, ist man eine Ebene verrutscht bei der Zuordnung, zumal der richtige Großvater auch noch in zweiter Ehe eine Frau von Gemmingen geheiratet hatte, die aber nur die Stiefgroßmutter und nicht die leibliche Großmutter der Probandin ist. Der Schild heraldisch links zeigt auf den ersten Blick einen Turm mit Fenster in der Mitte. Tatsächlich ist das ein mißverstandenes Wappen für Anna Marschalk von Ostheim (-27.12.1569), und aus dem schwarzen Tischfuß wurde der Turm: Das Loch, durch das der Querbalken gesteckt wird, wurde als Fenster interpretiert, und die Auflage mit den zwei Aussparungen für Querholme wurden zum Zinnenkranz, ebenso der breite Fuß der Tischwange zum geböschten Turmsockel.

Sebastianskirche in Kochendorf: Wolf Conrad I. Greck von Kochendorf

Diese Grabplatte ist für Wolf Conrad I. Greck von Kochendorf (-25.8.1598), den Erbauer von Schloß Lehen, den alleinigen Inhaber des gesamten Ortes, der 1559 die Blutgerechtigkeit über Kochendorf erhielt und dessen Ehewappen an Schloß Lehen und an der Meierei zu finden ist. Die Umschrift der stark zerstörten Platte lautet: "An(n)o domini 1598 den 25 dag augusti starb der Edel und erenvest Wolff conradt Greck von kochendorff des Seele gott genedig seye Amen". Eine weitere, unleserlich gewordene Inschrift füllt den unteren Teil des Zentralfeldes aus.

 

Das zentrale Vollwappen ist dasjenige der Greck von Kochendorf, golden-blau geteilt, auf dem Helm mit blau-goldenen Decken zwischen zwei golden-blau geteilten Büffelhörnern eine wachsende, blau gekleidete Jungfrau geführt, deren Kranz im Haar mit drei großen Blättern besteckt ist und die beide Hände auf die Brust legt. Die vier Wappenschilde der Ahnenprobe in den vier Ecken stehen für die vier Urgroßeltern, Hans Greck von Kochendorf (heraldisch rechts oben, wie zuvor beschrieben), Elisabeth von Ehrenberg (heraldisch rechts unten, in Silber ein roter Adlerflügel, die Saxen nach oben gekehrt, rechts in einen Vogelkopf endend, belegt mit einer goldenen Mondsichel), Hans von Liebenstein (heraldisch links oben, dreimal silbern-schwarz geteilt) und Notburga von Ahelfingen (in Gold drei (2:1) blaue Schildchen, wobei diese hier wie Töpfe dargestellt sind).

Sebastianskirche in Kochendorf: Sibylla von Gemmingen

Auch die erste Ehefrau des vorgenannten Wolf Conrad I. Greck von Kochendorf (-25.8.1598) ist mit einer Grabplatte vertreten, die allerdings auf ganzer Breite gerissen ist. Sibylla von Gemmingen (1525-16.5.1567) war die Tochter von Wolf von Gemmingen (-14.2.1555), Herr zu Guttenberg, und Anna Marschalk von Ostheim (-27.12.1569). Die Inschrift lautet: "An(n)o domini 1567 uff freitag nach exaudi starb die Edel und tugentsam fraw Sibylla Greckin geborne von Gem(m)ingen der seele go(tt genade Amen)". Exaudi ist der 6. Sonntag nach Ostern (Dominica Exaudi) und fiel 1567 auf den 11.5., also ist der erste Freitag danach der 16.5.1567. Auf dem Epitaph im Inneren der Kirche ist jedoch deutlich der 25.5. auf alten Photos zu lesen, das wäre 1567 jedoch der Sonntag Trinitatis (Dominica Trinitatis) gewesen, nicht ein Freitag wie angegeben. Zweimal, auf der Platte außen und auf dem zerstörten Epitaph innen, wird als Wochentag jedoch der Freitag angegeben, und deshalb wird hier diesem Datum der Vorzug gegeben. Vermutlich wurde innen auf dem Epitaph die Zahl 25 versehentlich vom Ehemann übernommen, ohne nachzurechnen. Außerdem wäre der 25.5. ein so markantes Datum im Kirchenjahr gewesen, daß man hier auf die Platte gleich "uff Trinitatis" geschrieben hätte.

 

Das zentrale Vollwappen der Herren von Gemmingen zeigt in Blau zwei goldene Balken, auf dem Helm mit blau-goldenen Decken zwei Büffelhörner, die jeweils mit zwei goldenen Spangen umwunden sind, hier gerade, wie es sein soll. Die vier Wappenschilde der Ahnenprobe in den vier Ecken stehen für die vier Urgroßeltern, Pleikard von Gemmingen (-1515, heraldisch rechts oben, wie zuvor beschrieben), Anna Kämmerer von Worms gen. Dalberg (-1503, heraldisch rechts unten, rudimentär noch zu erkennen, unter einem goldenen, im Spitzenschnitt abgeteilten Schildhaupt in Blau sechs (3:2:1) silberne Lilien), Philipp Marschalk von Ostheim (heraldisch links oben, in Silber ein schwarzer Tischfuß) und Anna Margarethe Landschad von Steinach (heraldisch links unten, zerstört, in Gold eine schwarze Harfe).

Hinter diesen Zuordnungen steckt folgende Genealogie (dunkelrot und fett hervorgehoben sind die mit dem Wappen an der Kirche vertretenen Personen, hellrot sind Wappenfundstellen):

Literatur, Links und Quellen:
Lokalisierung auf google maps: https://www.google.de/maps/@49.2240215,9.2175377,18.96z - https://www.google.de/maps/@49.2241366,9.2175069,70m/data=!3m1!1e3
Greck von Kochendorf:
https://de.wikipedia.org/wiki/Greck_von_Kochendorf
Ortslexikon:
https://www.leo-bw.de/web/guest/detail-gis/-/Detail/details/ORT/labw_ortslexikon/1800/Kochendorf+-+Altgemeinde~Teilort
Genealogie der Greck von Kochendorf:
https://gw.geneanet.org/cvpolier?lang=en&n=von+gemmingen&oc=0&p=sibylla und abhängige Seiten
Wolfgang Willig, Landadel-Schlösser in Baden-Württemberg, eine kulturhistorische Spurensuche, 1. Auflage 2010, ISBN 978-3-9813887-0-1, S. 155-156
Sebastianskirche:
https://de.wikipedia.org/wiki/Sebastianskirche_(Kochendorf)
Geschichte der Sebastianskirche:
https://www.ev-kirche-kochendorf.de/gottesdienste/sebastianskirche/geschichte/
Oberamtsbeschreibung:
https://de.wikisource.org/wiki/Beschreibung_des_Oberamts_Neckarsulm/Kapitel_B_19
Epitaphien im Inneren:
https://de.wikipedia.org/wiki/Datei:Kochendorf-doppelgrabmal-1900.jpg - https://de.wikipedia.org/wiki/Datei:Kochendorf-greckgrabmal-1900.jpg

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