Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 2509
Massenbach (zu Schwaigern, Landkreis Heilbronn)

Grabplatten an der Pfarrkirche St. Georg

Die historische Kirche von Massenbach wurde 1912 abgerissen, um Platz für einen größeren Neubau zu schaffen, der 1913 geweiht werden konnte. Die Pläne zur Erweiterung bestanden schon ab ca. 1870. 1897 trug man den alten Friedhof, dessen Niveau einen Meter über dem heutigen Bodenniveau lag, ab. Hier befand sich die Grablege der Herren von Massenbach, die bis 1927 das Patronatsrecht innehatten. Den Aushub mit den sterblichen Überresten der Bestatteten verteilte man auf den umliegenden Feldern. Einige der alten Grabplatten wurden an der östlichen Giebelaußenseite der neuen Kirche in die Wand eingelassen; diese werden in diesem Kapitel beschrieben. Die wertvollen, ebenfalls wappengeschmückten Epitaphien stehen nach wie vor im Innern der Kirche.

 

1. Grabplatte für Christoph Wilhelm von Massenbach (1558-8.3.1591)
Das ist die größte und schönste Platte der ganzen Gruppe, eine Arbeit von Jakob Müller. Die im unteren Bereich verwitterte umlaufende Inschrift besagt: "Anno Domini 1591 montag nach oculi Den 8.Marti zwischen 12 und 1 uhr in der nacht starb der Edel  ......... herrn von und zu Massenbach Dessen Seel Gott Gnedig sey. Amen". Sonntag Oculi ist der dritte Sonntag der Passionszeit, zwischen Reminiszere und Lätare.

 

Bei dem Verstorbenen handelt es sich um Christoph Wilhelm von Massenbach (1558-8.3.1591), vermählt mit Martha von Helmstatt. Da er keine männlichen Erben hatte, erlosch diese Linie mit ihm und wurde danach von der norddeutschen Linie neu besetzt. Im Innern der Kirche steht ein aufwendiges Renaissance-Epitaph (ohne Abb.) für ihn in der Grafenloge, gleichfalls eine Arbeit des Bildhauers und Baumeisters Jakob Müller. In der Mitte der Platte befindet sich ein Vollwappen der von Massenbach, in Blau zwei goldene Balken, auf dem Helm mit blau-goldenen Decken zwei blaue, jeweils mit zwei goldenen Spangen belegte Büffelhörner.

Seine Eltern waren Severin von Massenbach (1538-22.11.1568) und Maria von Helmstatt (-1592). Seine Großeltern väterlicherseits waren von Wilhelm von Massenbach (1490-13.8.1558) und Agathe von Schellenberg (1507-1549). Die Urgroßeltern väterlicherseits waren Berthold IX. von Massenbach, Magdalena von Gebüsch von Odernau, Hans von Schellenberg und Beatrix von Neipperg. Die Großeltern mütterlicherseits waren Georg Conrad von Helmstatt und Notburga von Liebenstein. So kommt es, daß wir auf der Platte unten zweimal den gleichen Wappenschild sehen, der aber jeweils in anderen Farben für eine andere Familie steht. Heraldisch oben rechts steht der Schild für Massenbach (in Blau zwei goldene Balken), rechts unten für Schellenberg (dreimal schwarz-golden geteilt), links unten für Liebenstein (dreimal silbern-schwarz geteilt) und links oben für Helmstatt (in Silber ein auffliegender schwarzer Rabe).

2. Grabplatte für Severin von Massenbach (1538-22.11.1568)
Diese Platte für Severin von Massenbach ist unmittelbar links von der zuvor beschriebenen Grabplatte seines Sohnes Christoph Wilhelm aufgestellt, aber von deutlich geringerer handwerklicher Qualität. Die umlaufende Inschrift lautet: "ANNO D(OMI)NI 1568 DEN 22. NOVEMBRIS STARB DER EDEL VND EHRNVEST SEVERIN VON VND ZV MASSENBACH DEM GOTT GNEDIG SEI AMEN". Im Zentralfeld wird das Vollwappen der von Massenbach (in Blau zwei goldene Balken, auf dem Helm mit blau-goldenen Decken zwei blaue, jeweils mit zwei goldenen Spangen belegte Büffelhörner) oben und unten von je einem geflügelten Engelskopf begleitet.

 

3. Grabplatte für Berthold von Massenbach (-18.3.1560)
Diese etwas stärker abgetretene Platte für Berthold von Massenbach ist unmittelbar links von der zuvor beschriebenen Grabplatte Severins in die Wand eingelassen. Die umlaufende Inschrift, die unten durch Abplatzungen stark beschädigt ist, lautet: "AN(N)O D(OMI)NI 1560 den 18 MARTII STARB DER EDEL VN(D EHRN)VEST (BER)TOLD (VON VND ZV MASSE)NBACH DEM GOTT GNEDIG SEI" - das "AMEN" ist wegen Platzmangels auf dem Rand in das Zentralfeld gesetzt, das das Vollwappen der von Massenbach wie oben beschrieben zeigt.

 

4. Grabplatte für Wilhelm Daniel von Massenbach (22.1.1615-26.3.1615)
Die ganz rechte Grabplatte der Gruppe erinnert an den als Säugling verstorbenen Wilhelm Daniel von Massenbach, den Sohn von Johann (Hans) von Massenbach und Dorothea von Merlau (Mörlau). Das Zentralfeld zeigt das Wappen der von Massenbach wie oben beschrieben, die Teilungen der Büffelhörner verlaufen allerdings modisch schräg. Die umlaufende Inschrift lautet: "Anno Domini 1615 den 26 Martii starb der Ed(e)l Wilhelm Daniel des Joh(ann von Massenbach und der) Edlen Ehrntugentreichen Hausfra(u) Dorothea von Massenbach". Dann geht es im Zentralfeld weiter: "geborner von ...  Sohn seines Alters 9 wochen 2 tag(e) dem Gott genadt Amen. ...".

 

5. Grabplatte für Johann Volprat von Massenbach (1618-1619)
Die ganz linke Grabplatte der Gruppe ist stark abgetreten und nur noch teilweise zu entziffern. Ihre geringen Dimensionen in der Länge weisen genau wie bei der zuvor beschriebenen Platte Nr. 4 auf ein Kindergrab hin. Sie ist für Johann Volprat von Massenbach, einen ebenfalls als Kleinkind verstorbenen Bruder des oben genannten Wilhelm Daniel von Massenbach, auch er ein Sohn von Johann (Hans) von Massenbach und Dorothea von Merlau (Mörlau). Das Zentralfeld zeigt das Ehewappen der Eltern, heraldisch rechts das Vollwappen der von Massenbach wie oben beschrieben, heraldisch links ist das Wappen der von Merlau bis zur Unkenntlichkeit verwittert, allenfalls der Kopf des Königsadlers läßt sich erahnen. Die umlaufende Inschrift lautet: "AN(N)O 1619 DEN 22 ....IS (STARB) .... (EDL)E IOHAN(N) VOLPRAT DES WO(H)LEDLEN GESTRENGEN HANS VON MAS(S)ENBACH VND DER WO(H)LEDLEN VND DER DV". Dann geht es im unteren Zentralfeld weiter: "GENTREICHEN (FRAU) DOR(OTHEA VON MASSEN)BACH G(EBORENE VON) MERLAV .....".

 

Literatur, Links und Quellen:
Lokalisierung auf google maps: https://www.google.de/maps/@49.1642774,9.0647729,17z - https://www.google.de/maps/@49.1643518,9.0646901,145m/data=!3m1!1e3
Georgskirche Massenbach:
https://de.wikipedia.org/wiki/Georgskirche_(Massenbach)
Georgskirche Massenbach:
https://www.kirche-massenbach.de/website/de/massenbach/kirche
Genealogie:
https://www.geni.com/people/Christoph-Wilhelm-von-Massenbach-Freiherr-von-Massenbach/6000000074314511005 und https://gw.geneanet.org/fcicogna?lang=en&pz=claudia&nz=cusani+visconti&ocz=1&p=christoph+wilhelm&n=von+massenbach
Genealogie:
https://gw.geneanet.org/kraeuter2?lang=en&pz=herbert&nz=hombrecher&ocz=0&p=severin&n=von+massenbach
Beisel: Jakob Müller, ein Bildhauer und Baumeister, der Neckarbischofsheim geprägt hat, in: Kraichgau, Beiträge zur Landschafts- und Heimatforschung, Folge 18/2003, S. 123-130, hrsg. vom Heimatverein Kraichgau, Eppingen 2003, ISBN 3-921214-28-9)
von Massenbach:
https://de.wikipedia.org/wiki/Massenbach_(Adelsgeschlecht)
von Helmstatt:
https://de.wikipedia.org/wiki/Helmstatt
Karl Klunzinger: Geschichte des Zabergäus und des jetzigen Oberamts Brackenheim, Stuttgart 1844,
https://books.google.de/books?id=ZWwAAAAAcAAJ S. 82 ff.
Wolfgang Willig, Landadel-Schlösser in Baden-Württemberg, eine kulturhistorische Spurensuche, 1. Auflage 2010, ISBN 978-3-9813887-0-1, S. 465-466

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