Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 2507
Grombach (zu Bad Rappenau, Landkreis Heilbronn)

Schloß Grombach

Schloß Grombach liegt im Süden des seit 1973 zu Bad Rappenau gehörenden Ortes Grombach, zwischen Ortsstraße und Insenbach bzw. Eisenbahnstrecke. Der Schloßweg führt zunächst zu mehreren landwirtschaftlichen Nutzbauten, von denen zwei parallele, langgestreckte Bauten das Zentrum bilden, wovon der nördliche das Verwalterhaus ist. Sie sind zugleich die ältesten Nebenbauten; die anderen entstanden im Laufe des 19. Jh. Am östlichen Ende des Verwalterhauses liegt das eigentliche Herrenhaus, der von Baumbestand umgebene ehemalige Palas der Burg. Früher besaß das Schloß einen schützenden Wassergraben, der aber zugeschüttet und nur noch andeutungsweise erkennbar ist. Das Schloß, bei dem es sich eigentlich um einen gut erhaltenen Palas mit Turm und viel späteren Neben- und Wirtschaftsbauten handelt, ist bewohnter Privatbesitz und innen nicht zu besichtigen. Das Gelände ist jedoch frei zugänglich und kann mit gebotener Zurückhaltung außen besichtigt werden.

Grombach war zunächst seit der ersten Hälfte des 14. Jh. ein Besitz der Herren von Helmstatt. Raban und Wiprecht von Helmstatt werden 1348 als Besitzer der Wasserburg genannt. 1498 kam Grombach an die Herren von Venningen, nachdem Erhard von Helmstatt (-1514) seinen Allodialbesitz, die Dorfherrschaft und die Burg für 4500 fl. an Stephan von Venningen (-1530) verkauft hatte, den Sohn von Johann von Venningen aus der Neidenstein-Zuzenhausener Linie und Catharina von Bemberg. 260 fl. wurden nachträglich abgezogen, weil Erhard von Helmstatt den Gemeindewald mitverkauft hatte, der ihm gar nicht gehörte. Nach dem Tod von Stephan, der keine Nachkommen mit seiner Frau, Margaretha von Gemmingen, hatte, übernahm sein Bruder, der badische Rat und Landhofmeister Conrad von Venningen (-1532), vermählt mit Maria von Hirschhorn, den Besitz und vererbte ihn an seine Söhne, Erasmus von Venningen (-1589, kurpfälzischer Amtmann in Bretten, Hofrichter in Heidelberg und Obervogt in Neuenbürg) und Christoph von Venningen (-1545, Obervogt von Vaihingen an der Enz und Gesandter des Schmalkaldischen Bundes). Die beiden Brüder teilten den ererbten Besitz, und Christoph übernahm Grombach, wo er die Reformation einführte.

 

Das Schloß hat sich aus einer mittelalterlichen Burg entwickelt, was man noch gut an dem Turm im Südosten des Herrenhauses sehen kann (Abb. oben links). Dieser vom im Kern gotischen Haupthaus abgesetzte, aber mit ihm durch ein kurzes, aber hohes Wehrmauerstück verbundene Turm mit Spitzhelm besitzt noch massives Bossenquaderwerk und stammt vermutlich aus dem 14. Jh. Vermutlich gab es auf der gegenüberliegenden Seite früher einen baugleichen Turm als Pendent, der genauso wie die anderen Wehrmauern im 18. Jh. abgetragen wurde, bzw. das, was nach vorangegangenen kriegerischen Ereignissen übriggeblieben war. Ein Rundbogenfries an der westlichen Giebelseite mit einer ausgekragten Mauerecke darüber und Eckbossen darunter stammt ebenfalls noch aus dem Spätmittelalter. Auf der Rückseite des großen Stallgebäudes im Süden sind noch Reste einer mittelalterlichen Wehrmauer mit einstigem Wehrgang zu erkennen. Das aus dem alten Palas der Burg hervorgegangene, viergeschossige Herrenhaus selbst, das noch bis zum dritten Stock spätmittelalterliche Bausubstanz aufweist und über dem obersten Geschoß ein Krüppelwalmdach trägt, wurde mehrfach umgebaut. Zwischen drittem und viertem Geschoß läuft ein Rundbogenfries um. Hoch gelegene Türen zeigen frühere Verbindungen zu Wehrgängen an.

Im Landshuter Erbfolgekrieg wurde die Burg 1504 beschädigt, und noch einmal im Bauernkrieg 1525. Der auf der Südseite angebaute polygonale Treppenturm stammt aus der Renaissance, ist bis 1544 unter Christoph von Venningen entstanden und besitzt entlang der Spindel schräge Zwillingsfenster. Über einem Torbogen ist die Jahreszahl 1544 zu lesen. Christoph von Venningen war mit Magdalena von Ehrenberg verheiratet.

Christophs erster Sohn, Conrad von Venningen, hatte Anna Wolfskeel von Reichenberg geheiratet, aber keine Nachkommen. Die Herren von Venningen auf Grombach erloschen mit Christophs zweitem Sohn Friedrich (-1573), vermählt mit Clara Riedesel von Eisenbach. Da dessen Tochter, Anna Magdalena von Venningen, Johann Christoph von Flersheim (-1614) geheiratet hatte, kam der Besitz von Grombach an die Herren von Flersheim, zunächst in zwei Halbteilen, ab 1613 in einer Hand vereinigt. Dazu passend gibt es einen Wappenstein mit den Wappen der von Flersheim (blau-silbern-rot geteilt, auf dem Helm mit rot-silbernen Decken ein blau-silbern-rot geteiltes Paar Büffelhörner - hier eine seltene Sonderform dieser Linie, da meist ein Flug oder ein geflügelter Frauenrumpf benutzt wird) und der von Venningen (in Silber zwei rote, schräggekreuzte Lilienstäbe, auf dem Helm mit rot-silbernen Decken eine silberne Bischofsmütze, mit den schräggekreuzten zwei roten Lilienstäben belegt, oben mit schwarzen Hahnenfedern besteckt) mit den Initialen (IOHANN) C(HRISTOPH) V(ON) F(LERSHEIM) und A(NNA) M(AGDALENA) V(ON) F(LERSHEIM) G(EBORENE) V(ON) V(ENNINGEN).

Danach kam der Besitz an die Boos von Waldeck, weil zwei Brüder der von Flersheim kinderlos waren und ihre Schwester Catharina Magdalena von Flersheim (-1656) Wolfgang Boos von Waldeck geheiratet hatte. Schließlich kam der Besitz durch Verkauf über Heinrich von Metternich an die von Werth und an die Raitz von Frentz, weil Johann von Werths Tochter, Lambertina Irmgardis von Werth, Winand Hieronymus Reichsfreiherr Raitz von Frentz geheiratet hatte. Im Dreißigjährigen Krieg wurde die Burg schwer beschädigt; der Ort war so gut wie entvölkert. Der Pfälzer Erbfolgekrieg war nach den Bemühungen der Raitz von Frentz um Wiederbelebung des Ortes ein weiterer Rückschlag. Die Burg wurde erneut schwer beschädigt und verfiel in der Folgezeit.

Im Jahre 1702 kam der Besitz nach ab 1672 geführten Verhandlungen und Klagen vor dem Reichskammergericht gegen die Raitz von Frentz via Rückübertragung an Eberhard Friedrich von Venningen (1642-2.6.1710) aus der elsässischen Linie der Familie zurück, den Sohn des pfälzischen Jägermeisters Philipp Ludwig von Venningen (-1678) und der Maria Catharina von Rathsamhausen zu Ehnweyer. Die Prozesse setzten sich fort; die Raitz von Frentz bekamen erst 1761 die letzte Klage abgewiesen - so lange zog sich der Streit hin. Eberhard Friedrichs Bruder, Philipp Egenolph (-1708), vermählt mit Marie Philippine von Rathsamhausen zu Weisenstein, nahm auf Grombach Quartier. Keiner der beiden genannten Brüder setzte die Familie jenseits des Jahres 1718 fort. Es waren vielmehr die Nachkommen von Johann Augustin von Venningen (-1713), des dritten und wieder katholisch gewordenen Bruders, die die Familie auf Grombach fortführten und den Ort rekatholisierten. Er war vermählt mit Agnes Anna Hehlen genannt Chalon. Ihrer beider Sohn, Carl Ferdinand von Venningen (-1731), heiratete Elisabeth Claudia Gräfin von Reichenstein. Deren Sohn wiederum war Karl Philipp von Venningen (15.12.1728-27.8.1797), Herr auf Eichtersheim, Grombach und Zuzenhausen, kurpfälzischer Geheimrat, Kammer-, Regierungs- und Oberhofgerichtspräsident zu Mannheim, vermählt mit Anna Maria Freiin von Hutten zu Stolzenberg (gest. 1761). Deren Allianzwappen sehen wir zweimal am Schloß Grombach. Er war seinerzeit der einzige männliche Nachkomme der Familie, und er vereinigte bereits im Alter von 3 Jahren in seiner Hand den gesamten Familienbesitz im Kraichgau. Er ließ das Schloß wiederherstellen, aus dieser Zeit stammen u. a. die Fenster des Herrenhauses und das Wirtschaftsgebäude mit dem Verwalterhaus.

Über dem Rundbogenportal des Herrenhauses befindet sich der erste der beiden Steine (Abb. oben), nicht farbig gefaßt, rechts das Wappenbild der von Venningen, in Silber zwei rote, schräggekreuzte Lilienstäbe (Glevenstäbe); die hier nicht dargestellte Helmzier wäre zu rot-silbernen Decken eine silberne Bischofsmütze, oft rot eingefaßt, die Mütze mit den gekreuzten zwei roten Lilienstäben belegt, oben mit schwarzen Hahnenfedern besteckt; links das Wappenbild der von Hutten, in Rot zwei goldene Schrägbalken; die nicht dargestellte Helmzier wäre zu rot-goldenen Decken ein wachsender bärtiger Männerrumpf, rot gekleidet mit goldenen Aufschlägen, auf dem Kopf eine mit drei schwarzen Hahnenfederbüschen an der Spitze und im Stulp geschmückte rote Spitzmütze mit goldenem Aufschlag.

Ein Wappenstein identischen Inhaltes, aber farbig gefaßt (Abb. oben), befindet sich über der nördlichen Tordurchfahrt des nördlichen zweistöckigen Nebengebäudes, des Verwalterhauses. Dieses Gebäude ist 1757 entstanden. Mit Karl Philipp von Venningen (15.12.1728-27.8.1797) blühte die Familie förmlich wieder auf. Rege Bautätigkeit fand an allen Herrensitzen der Familie statt. Das Allianzwappen dieses baufreudigen Grundherren findet man außer zweimal hier in Grombach allein im Ort Eichtersheim sechsmal, daneben noch in den Orten Weiler (Sinsheim), Eschelbronn und Zuzenhausen (Schloß Agnestal, 1773 gekauft, 1780 vollendet). Auch personell blühte die Familie wiederauf nach dem Engpaß, als der Fortbestand an einer einzigen Person hing. Karl Philipp von Venningen und seine Frau hatten insgesamt 12 Kinder, von denen zwei Begründer jeweils einer eigenständigen Linie zu Eichtersheim und auf Grombach wurden:

Es gibt noch einen weiteren, offensichtlich im Zuge einer Restaurierung neu angefertigten Wappenstein, der auf den ersten Blick unplausibel ist, weil er die Jahreszahl 1568 trägt. Nur ergibt das keinen Sinn, denn der Stein trägt heraldisch rechts den Venningen-Schild, heraldisch links zwei Balken. Hier erwartet man im Jahr 1568 das Wappen Riedesel oder Wolfskeel für die Ehefrau; ein Wappen mit zwei Balken ist nicht möglich. Entweder hat man sich bei der Neuanfertigung dieses Steines an den anderen, späteren Wappensteinen mit dem Huttenwappen orientiert, das übrigens Schrägbalken und keine parallel zur Schildoberkante gelegte Balken hat, oder die Zahl 7 ist seitenverkehrt zu lesen, wodurch das (immer noch nicht korrekte) Hutten-Wappen zeitlich möglich wäre. Bessere Erklärungen willkommen.

Der bisher reichsritterschaftliche Besitz Grombach wurde 1806 mit der Mediatisierung badisch. Seitdem waren die Herren von Venningen nur noch größter Grundbesitzer im Ort. Im 19. Jh. erfolgte eine Modernisierung des Schlosses unter Karl Theodor von Venningen (1806-1874), der aber 1840 nach Eichtersheim übersiedelte. 1893 wurde der Grombacher Besitz an die Zuckerfabrik Waghäusel verpachtet, danach an die Firma Südzucker. Das Herrenhaus ist zu Wohnzwecken vermietet.

Literatur, Links und Quellen:
Lokalisierung auf google maps: https://www.google.de/maps/@49.2273143,8.9997085,18.95z - https://www.google.de/maps/@49.2273135,8.9997096,180m/data=!3m1!1e3
Grombach:
https://de.wikipedia.org/wiki/Grombach
Schloß Grombach:
https://www.zum.de/Faecher/G/BW/Landeskunde/rhein/geschichte/burgen/kraichgau/grombach1.htm
Schloß Grombach:
https://de.wikipedia.org/wiki/Schloss_Grombach
Stephan von Venningen:
https://de.wikipedia.org/wiki/Stephan_von_Venningen
Erasmus von Venningen:
https://de.wikipedia.org/wiki/Erasmus_von_Venningen
Christoph von Venningen:
https://de.wikipedia.org/wiki/Christoph_von_Venningen
Stammliste der Herren von Venningen:
https://de.wikipedia.org/wiki/Stammliste_der_Herren_von_Venningen
Stammliste der Herren von Venningen im Becke-Klüchtzner:
http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/beckekluechtzner1886/0505/image - http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/beckekluechtzner1886/0506/image - http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/beckekluechtzner1886/0507/image - http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/beckekluechtzner1886/0508/image
Karl Philipp von Venningen:
https://de.wikipedia.org/wiki/Carl_Philipp_von_Venningen
Schloß Grombach auf alle Burgen:
https://www.alleburgen.de/bd.php?id=11418
Schloß Grombach auf Badische Wanderungen:
https://badischewanderungen.de.tl/Burg-Grombach.htm
Wolfgang Willig, Landadel-Schlösser in Baden-Württemberg, eine kulturhistorische Spurensuche, 1. Auflage 2010, ISBN 978-3-9813887-0-1, S. 408-409
Hartmut Riehl: Burgen und Schlösser im Kraichgau, Verlag Regionalkultur 1997, ISBN 3-929366-51-7, S. 55-56
Zwischen Fürsten und Bauern - Reichsritterschaft im Kraichgau, hrsg. von Clemens Rehm und Konrad Krimm, Heimatverein Kraichgau, Sinsheim 1992, 2. Auflage 1993, ISBN 3-921214-04-1

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