Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 2475
Elfershausen (Landkreis Kissingen, Unterfranken)

Schloß Elfershausen

Elfershausen gehörte einst dem Hochstift Würzburg. Die Fürstbischöfe vergaben den Ort als Lehen, unter anderen Familien den von Erthal, die das Schloß im Ort erbauten. Schloß Elfershausen liegt am südwestlichen Ortsrand nahe der Fränkischen Saale (Marktstraße 17) und bildet mit seinen fünf Flügeln ein polygonales, nach Südosten gerichtetes Hufeisen, dort schließ ein schmaler Quertrakt den Hof ab. Der Hauptzugang verläuft in der Mittelachse im dritten Flügel, also auf der Nordwestseite. Im Kern ist die Anlage 1562-1600 entstanden. Der älteste Teil ist das Wohngebäude im Osten, das quasi das eine Ende des Hufeisens bildet. Es stammt von 1562 (Datierung auf dem Wappenstein), wurde aber um 1600 noch einmal neu gestaltet und später barock überformt. Es handelt sich bei dem Wohngebäude um einen zweigeschossigen Mansarddachbau mit Eckquaderung und Freitreppe, bezeichnet 1705 und 1747. Das sich daran anschließende, mehrflügelige, nach dendrochronologischen Daten 1705 bzw. 1707 umgebaute Ökonomiegebäude aus Hau- bzw. Bruchsteinmauerwerk ist eingeschossig und trägt abknickende Satteldächer bzw. an dem offenen Ende ein Walmdach.

Der aus rotem Sandstein gefertigte Dreiecksgiebel über dem rustizierten Rundbogentor der Hofeinfahrt im Nordwesten enthält inmitten üppiger floraler Ornamente ein von zwei Putten gehaltenes barockes Allianzwappen aus zwei nebeneinander gestellten Schilden, unter einer Laubkrone vereint. Das heraldisch rechte Wappen ist das der von Erthal, geviert, Feld 1 und 4: in Rot zwei silberne Balken, Feld 2 und 3: ledig und blau (Vollwappen siehe unten). Das heraldisch linke Wappen ist das der von Aufseß, in Blau ein silberner, mit einer roten Rose belegter Balken (Scheiblersches Wappenbuch Folio 147, Siebmacher Band: Bay Seite: 26 Tafel: 21, Band: ThüA Seite: 72 Tafel: 56, Rahrbach, Schöler).

Diese Kombination steht für Philipp Valentin von Erthal (1661-26.4.1701) und seine 1683 geehelichte Frau, Katharina Barbara von Aufseß (6.11.1663-3.9.1720). Philipp Valentin von Erthal saß zu Erthal, Elfershausen, Kissingen und Schwarzach, er war kaiserlicher Rat und würzburgischer Geheimer Rat, Ober-Schultheiß und Oberamtmann zu Trimberg, dazu noch Mitglied des kaiserlichen Landgerichts des Herzogtums zu Franken und ältester Ritterrat des Ritterkantons Rhön und Werra. Er war der Sohn von Julius Gottfried von Erthal (1617-9.9.1681), der erst Domherr in Würzburg war, dann resignierte und würzburgischer Rat und Oberamtmann zu Bischofsheim vor der Rhön und Homburg an der Werra wurde. Philipp Valentins Mutter war Maria Martha von Weiler (-1679), die zweite Ehefrau seines Vaters. Katharina Barbara von Aufseß war die Tochter von Johann Casimir (Hans Kasimir) von Aufseß und Maria Ursula von Wiesenthau (11.6.1636-22.4.1717). Das Wappen für Philipp Valentins Urgroßvater ist am Wohngebäude zu finden.

Das Portal war zum Zeitpunkt des Besuches sanierungsbedürftig: Die unter dem Dreiecksgiebel eingeschlagene Inschrift ist unleserlich geworden, und der Sandstein bröckelt - ein Putto hat schon einen Teil des Kopfes verloren. Außerdem mußte das Dach des Ökonomiegebäudes repariert werden; Maßnahmen sind inzwischen eingeleitet. Philipp Valentin von Erthal hatte 1705 den Neubau des Schlosses zusammen mit seinen Brüdern Johann Christoph, Kapitularkanoniker an St. Burkard in Würzburg, und Johann Anton begonnen.

 

Einen älteren Wappenstein aus der Renaissance finden wir über dem Portal des Wohngebäudes. Zwei Löwen halten eine querovale Kartusche, die oben mit einem geflügelten Engelskopf geschmückt ist und zwei Vollwappen enthält. Das heraldisch rechte Wappen ist das der von Erthal, es ist geviert, Feld 1 und 4: in Rot zwei silberne Balken, Feld 2 und 3: ledig und blau, auf dem gekrönten Helm mit rechts rot-silbernen und links blau-silbernen Decken ein Paar geteilter Büffelhörner, rechts oben rot mit zwei silbernen Balken, unten blau, rechts umgekehrt (hier nicht mehr aufgelöst, vgl. Aschaffenburger Wappenbuch, Tafel 6 Seite 119, 124-126, Rahrbach, Schöler, Zobel).

Das heraldisch linke Wappen ist das der von Rosenberg, es ist rot-silbern geteilt und 5x gespalten, auf dem Helm mit rot-silbernen Decken ein roter und ein silberner Schwanenhals, voneinander abgewendet, dazwischen eine rote Rose. Das Wappen wird beschrieben im Siebmacher Band: BayA1 Seite: 54 Tafel: 53, bei Wolfert Tafel 21 Seite 35, 76, 123, 137, 142 und im Scheiblerschen Wappenbuch auf Folio 235, ferner bei Rahrbach und Schöler.

Zu dieser Kombination paßt Georg Eyrich von Erthal (17.8.1562-24.10.1626) zu Erthal, Elfershausen, Gochsheim, Leuzendorf und Kissingen. Er war der Sohn von Christoph Heinrich von Erthal (-1592), würzburgischer Rat, Marschall und Amtmann zu Mainberg, und dessen erster Frau, Maria Rosina Fuchs von Burgbreitbach. Georg Eyrich von Erthal hatte in erster Ehe 1586 Regina Cunegunda (Kunigunde) von Rosenberg (-31.7.1620) geheiratet, die Tochter von Johann Conrad (Konrad) von Rosenberg zu Rosenberg, Bocksberg und Waldmannshofen und Walburga Geyer von Giebelstadt. In zweiter Ehe hat Georg Eyrich von Erthal 1621 Juliana von Schletten geheiratet. Die zweite Ehe blieb kinderlos, aber aus der ersten Ehe stammen Johann Christoph von Erthal, der die ältere Linie der Familie stiftete, und Albrecht Dietrich von Erthal, der die jüngere Linie stiftete. Das Wappen über dem Tor der Ökonomiegebäude ist für Johann Christophs Enkel, für Philipp Valentin von Erthal.

Die Inschrift unter dem Wappen steht in einem Rechteckfeld mit halbrunder Aussparung im oberen Rand für einen Frauenkopf. Sie lautet: "IM 1562 IAHR DIESES HAVS GE / BAVET WAR DVRCH CHRISTOFF HEINRICH / VON ERTHAL ZV ELVERSHAVSEN AN DER SAAL(E) / HERNACH IM 1600 IA(H)R DVRCH SEIN(EN) SOHN GEORG / EYERICH VON ERTHAL IN DIESE FORM GEBRACHT / WARDT DEME GOTT VERNER WOLLE GEBEN / .... LICHE.... EV.... / ..... AS EWIG LEBEN..." Die unteren zwei Zeilen snd wegen starker Verwitterung gar nicht mehr leserlich, die drittunterste Zeile ist stellenweise grenzwertig. Georg Eyrich von Erthal hatte also im Jahr 1600 das von seinem Vater 1562 erbaute Wohngebäude umgebaut und bei dieser Gelegenheit seinen Wappenstein angebracht.

Übrigens gibt es hier eine Querverbindung nach Würzburg: Im Domkreuzgang ist eine wappengeschmückte Grabplatte für den am 23.12.1686 verstorbenen Domherren Vitus Theoderich (Veit Dietrich) von Erthal zu sehen, das war der Enkel von Georg Eyrich von Erthal. Deshalb taucht dort ebenfalls die Wappenkombination Erthal und Rosenberg in der Ahnenprobe auf.

Die Familie von Erthal erlosch 1805 im Mannesstamm mit Lothar Franz Michael Freiherr von Erthal (1717-1805), kurmainzischer Geheimrat, Oberforstmeister und Hofgerichtspräsident; er war der Bruder des letzten Mainzer Kurfürsten Friedrich Karl Joseph Freiherr von Erthal (1719-1802). Auf dem Erbwege ging Schloß Elfershausen 1805 an die aus Brabant stammenden von Coudenhove, zusammen mit anderen Besitzungen der von Erthal. Das Schloß wurde 1817-1820 verpachtet. In der ersten Hälfte des 20. Jh. ging das Schloß in Gemeindebesitz über. Bis 1968 wurde es zur Unterbringung von Flüchtlingen und Aussiedlern genutzt. Danach übernahm die Gemeinde die Räume für Büros der Finanzverwaltung. 1988 fand unter  Bürgermeister Alfred Küchler eine Sanierung des Gebäudes statt, seitdem dient es als Rathaus und Sitz der Verwaltungsgemeinschaft von Elfershausen mit der Gemeinde Fuchsstadt. Andere Räume auf dem Schloßgelände werden als Schützenhaus Feuerwehrhaus genutzt; der Schloßkeller als Veranstaltungsraum für Vereine.

Literatur, Links und Quellen:
Lokalisierung auf google maps: https://www.google.de/maps/@50.1457781,9.96041,17.95z - https://www.google.de/maps/@50.1457781,9.96041,354m/data=!3m1!1e3
Schloß Elfershausen:
https://de.wikipedia.org/wiki/Schloss_Elfershausen
Biedermann, Geschlechtsregister Der Reichsfrey unmittelbaren Ritterschaft Landes zu Franken Löblichen Orts Baunach
http://books.google.de/books?id=ayZRAAAAcAAJ Tafel XXIII und XXVI.
Alfred F. Wolfert, Aschaffenburger Wappenbuch, Veröffentlichung des Geschichts- und Kunstvereins Aschaffenburg e. V., Aschaffenburg 1983
Eugen Schöler, Historische Familienwappen in Franken, Verlag Degener / Bauer Raspe, Neustadt an der Aisch, 3. Aufl. 1999, Nachdruck 2002, ISBN 3-87947-112-6
Anton P. Rahrbach, Reichsritter in Mainfranken. Zu Wappen und Geschichte fränkischer Adelsfamilien. Bauer & Raspe Verlag - Die Siebmacherschen Wappenbücher, die Familienwappen deutscher Landschaften und Regionen, Band 2, 2003, ISBN 3-87947-113-4
Liste der Baudenkmäler im Ort:
https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Baudenkmäler_in_Elfershausen
von Erthal:
https://de.wikipedia.org/wiki/Erthal_(Adelsgeschlecht)
von Aufseß:
https://de.wikipedia.org/wiki/Aufseß_(Adelsgeschlecht)
Geschichte von Elfershausen:
http://www.elfershausen.de/startseite/subdir1/subdir1/subdir4/index.html
Elfershausen:
http://franken-wiki.de/index.php/Elfershausen
Schloß Elfershausen:
https://www.rhoen.de/urlaub-kultur-ferien-wellness/aktiv-freizeit/burgenschloesser/addr_/Schloss_Elfershausen/30159.Burgen-und-Schloesser.html?detID=30098
Johann Christoph von Erthal: Germania sacra, NF 40 - Die Bistümer der Kirchenprovinz Mainz. Das Bistum Würzburg 6. Die Benediktinerabtei und das Adelige Säkularkanonikerstift St. Burkard in Würzburg. Personendatenbank von Germania sacra:
http://personendatenbank.germania-sacra.de/books/view/54/330
Genealogie:
https://gw.geneanet.org/cvpolier?lang=en&n=von+erthal&oc=0&p=philipp+valentin

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