Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 2447
Friesenhagen (Landkreis Altenkirchen)

Totentafeln im Chor der Pfarrkirche St. Sebastianus

Im Chor der Pfarrkirche St. Sebastianus sind insgesamt sechs Totentafeln aufgehängt, die an im 20. Jh. verstorbene Mitglieder der fürstlichen Familie Hatzfeldt erinnern, drei männliche und drei weibliche. Jeweils drei Tafeln dieser in sich homogenen Gruppe sind an der linken und rechten Seite des Chores angebracht, jeweils 2:1 angeordnet, wobei über der mittleren, tiefer angebrachten Totentafel eine Gewölberippe entspringt. Alle Totentafeln haben die gleiche geschwungene äußere Form, Gestaltung und Farbgebung mit schwarzer Tafel und umlaufender, überwiegend lateinischer Umschrift in goldenen Lettern. Standardmäßig ist im Zentralfeld das fürstliche Hatzfeldt-Wappen angebracht, ein von einer Fürstenkrone überhöhter, gespaltener Schild, rechts in Gold ein schwarzer Maueranker (Hatzfeld), links in Silber 3 (2:1) rote Mispelblüten mit grünem Butzen und grünen Kelchblättern (Herrschaft Wildenburg). Bei zwei der drei weiblichen Familienmitglieder wurde die Form des Ehewappens gewählt, so daß auch deren Wappen auftreten. Im Falle der dritten Dame dieser Gruppe fehlt das, weil sie unvermählt blieb. Die beiden einzigen Vertreter ohne Ehepartner sind die Geschwister aus der letzten fürstlichen Generation. Die Totentafeln im einzelnen:

 

Die Umschrift lautet: "Franz Hermann ultimus princeps de Hatzfeldt-Wildenburg natus 1920 denatus 1941 - virtus et honos". Es handelt sich um Franz Hermann Paul Maria Ferdinand Hubert Fürst von Hatzfeldt (26.2.1920-10.12.1941), den einzigen Sohn von Paul Hermann Karl Hubert Fürst von Hatzfeldt (1867-10.6.1941) und Marie von Stumm (21.4.1882-18.4.1954). Nachdem er im Zweiten Weltkrieg gefallen war, nur ein halbes Jahr nach dem Tod seines Vaters, erlosch mit ihm die Linie Hatzfeld-Wildenburg-Weisweiler, seit dem 27.5.1635 reichsgräflich, seit 1870 Fürsten von Hatzfeldt-Wildenburg, im Mannesstamm. Von seinen drei Schwestern übernahm Gräfin Ursula Cecilie Helene Pauline Maria Huberta von Hatzfeldt (14.11.1913-20.7.1969) den Besitz, der 1969 an die Grafen von Hatzfeldt-Wildenburg-Dönhoff ging. Vater, Mutter und Schwester des letzten Hatzfelder Fürsten sind ebenfalls hier mit Tafeln vertreten (siehe unten).

 

Die Umschrift lautet: "Maria principessa de Hatzfeldt-Wildenburg nata de Stumm nata 1882 denata 1954 - virtus et honos". Es handelt sich um Marie von Stumm (21.4.1882-18.4.1954), die Tochter von Ferdinand Frhr. von Stumm und Pauline von Hoffmann, welche am 18.5.1911 in Holzhausen den nachfolgend genannten Paul Hermann Karl Hubert Fürst von Hatzfeldt (1867-10.6.1941) geheiratet hatte. Die aufrechten, aber asymmetrisch verzogenen Wappenschilde beider Ehepartner werden hier unter dem Fürstenhut als Ehewappen zusammengestellt; heraldisch links ist das Wappen der Freiherren von Stumm zu sehen, in Silber ein blauer Schräglinksbalken, belegt mit einem nach der Figur gelegten goldenen Schmiedehammer, oben rechts begleitet von einem schwarzen Kammrad, unten links von einer schwarzen, rot brennenden Öllampe. Die hier nicht gezeigte, zu rechts schwarz-silbernen und links blau-silbernen Decken geführte Helmzier bestünde aus drei Straußenfedern, einer blaue zwischen zwei silbernen. Das Wappen wird beschrieben im Deutschen Wappenkalender 1922 von Closs. Bei dieser Familie handelt es sich um Industrieadel: Karl Ferdinand Stumm, geb. 30.3.1836 in Saarbrücken, Sohn des Hüttenbesitzers Karl Friedrich Stumm, übernahm 1858 die Leitung des Eisenwerks Gebr. Stumm in Saarbrücken und brachte es aufwärts. Am 5.5.1888 verlieh ihm Kaiser Friedrich III. zu Charlottenburg (und zugleich seinen Kindern) den preußischen Freiherrenstand, am 16.11.1891 gewährte ihm Kaiser Wilhelm I. die Führung des Beinamens Halberg in der Form "Frhr. von Stumm-Halberg", solange wie das Gut in Halberg bei Saarbrücken in seinem Besitze sei. Da er nur zwei Töchter hatte, erlosch bei seinem Tod am 8.3.1901 der kombinierte Name wieder. Die Dillinger Hütte war für Fabrikation von Panzerplatten bekannt.

 

Die Umschrift lautet: "Hermann Paul princeps de Hatzfeldt-Wildenburg natus 1867 denatus 1941 - virtus et honos". Es handelt sich um Paul Hermann Karl Hubert Fürst von Hatzfeldt (1867-10.6.1941), Sohn von Melchior Hubert Paul Gustav Graf von Hatzfeldt-Wildenburg-Weisweiler (8.10.1831-22.11.1901) und Helene Moulton (3.9.1846-9.4.1918). Paul Hermann war Reichs- und preußischer Staatskommissar in Koblenz sowie erbliches Mitglied des preußischen Herrenhauses. Im Jahre 1911 erbte er den Fürstentitel, gab den bisherigen Wohnsitz in Kalkum auf, übernahm die Herrschaft in Crottorf und ließ das dortige Schloß 1923-1927 wiederherstellen. Er heiratete am 18.5.1911 in Holzhausen die vorstehend genannte Marie von Stumm (21.4.1882-18.4.1954). Die älteste Tochter des Paares war die nachfolgend genannte Gräfin Ursula Cecilie Helene Pauline Maria Huberta von Hatzfeldt (14.11.1913-20.7.1969).

 

Die Umschrift lautet: "Ursula comitissa de Hatzfeldt-Wildenburg nata 1913 denata 1969 - virtus et honos". Es handelt sich um Gräfin Ursula Cecilie Helene Pauline Maria Huberta von Hatzfeldt (14.11.1913-20.7.1969), die älteste Tochter von Paul Hermann Karl Hubert Fürst von Hatzfeldt (1867-10.6.1941) und Marie von Stumm (21.4.1882-18.4.1954). Sie blieb unvermählt, adoptierte ihren Neffen und vermachte ihm den Besitz und schuf so die neue Linie Hatzfeldt-Dönhoff.

 

Die Umschrift lautet: "Gabriele Fürstin von Hatzfeldt-Wildenburg, Gräfin von Dietrichstein-Proskau-Leslie", die Inschrift im inneren Feld egänzt: "Obiit anno 1909, die 24. Decembris, aet(atis) suae 85". Es handelt sich um Gabriele von Dietrichstein-Proskau-Leslie (8.12.1825-24.12.1909), die Tochter von Joseph Franz Fürst von Dietrichstein zu Nikolsburg, Graf von und zu Proskau und Leslie (1798-1858) und Gabriele Gräfin Wratislaw von Mitrowicz und Schönfeld (2.11.1804-1881). Sie war die Ehefrau des nachfolgend erwähnten Alfred Fürst von Hatzfeldt (9.4.1825-3.6.1911). Die ovalen Wappenschilde beider Ehepartner werden hier unter dem Fürstenhut als Ehewappen zusammengestellt; heraldisch links ist das Wappen Dietrichstein golden-rot schräggeteilt mit zwei aufwärts und auswärts gerichteten silbernen Winzermessern (Heppen) mit goldenen Griffen.

 

Die Umschrift lautet: "Alfred Fürst von Hatzfeldt-Wildenburg Standesherr - Obiit anno 1911 aetatis suae 87". Es handelt sich um Alfred Fürst von Hatzfeldt (9.4.1825-3.6.1911), den Sohn von Edmund Gottfried Cornelius Hubert Graf von Hatzfeldt-Wildenburg-Weisweiler (28.12.1798-14.1.1874) und Sophia Josephina Ernestina Friederika Wilhelmina Gräfin von Hatzfeldt (10.8.1805-1881). Er war Herr der Standesherrschaft Wildenburg-Schönstein, Graf von Winkelhausen, Herr zu Kalkum und Crottorf. Weiterhin war er erbliches Mitglied des preußischen Herrenhauses. Am 10.5.1870 wurde er preußischer Fürst. Er war der Ehemann der vorstehend erwähnten Gabriele von Dietrichstein-Proskau-Leslie (8.12.1825-24.12.1909). Das Paar hatte zwei Kinder, Franz Edmund Joseph Gabriel Vitus Prinz von Hatzfeldt (15.6.1853-3.11.1910, heiratete am 28.10.1889 in London die Amerikanerin Clara Huntington, lebte in London ein verschwenderisches Leben, keine Nachkommen) und Antonie Gabriele Marie Clotilde Cypriane Prinzessin von Hatzfeldt (26.9.1856-21.12.1933, vermählt am 2.7.1885 in Wien mit Michael Robert Graf von Althann, Erbin der mütterlichen Güter Leipnik und Weisskirchen).

Totentafel an der westlichen Rückwand der Pfarrkirche St. Sebastianus

Abseits der zuvor beschriebenen Gruppe hängt eine weitere Totentafel an der westlichen Rückwand des Seitenschiffs. Da die Tafel aber inhaltlich, genealogisch und gestalterisch zu den anderen sechs Tafeln paßt, wird sie hier ebenfalls beschrieben.

 

Die Umschrift lautet: "Obiit anno 1910 aet(atis) s(uae) 58 Franz Edmund Joseph Gabriel Vitus Prinz von Hatzfeldt-Wildenburg." Es handelt sich um Franz Edmund Joseph Gabriel Vitus Prinz von Hatzfeldt (15.6.1853-3.11.1910), den Sohn von Alfred Fürst von Hatzfeldt (9.4.1825-3.6.1911) und Gabriele von Dietrichstein-Proskau-Leslie (8.12.1825-24.12.1908). Er wurde in Marxheim geboren. Er lebte nach seiner am 28.10.1889 in Brompton Oratory, Kensington, London erfolgten Heirat mit der in Detroit geborenen Clara Elizabeth Prentice-Huntington (1860-17.12.1928, Adoptivtochter des amerikanischen Eisenbahnunternehmers und Millionärs Collis Potter Huntingdon und dessen Frau Mary Elizabeth Stillman geborene Stoddard) auf großem Fuße in London und auf den Schlössern; ihr hauptsächlicher Wohnort war das nicht mehr existente, 1955 abgerissene Draycot House, Draycot Cerne, Wiltshire, England. Die beiden hatten sich im Hause seines Cousins, des deutschen Botschafters in London, kennengelernt. Er starb in Claridge's Hotel, London. Da er vor dem Vater starb, war er nie Schloßherr auf Crottorf. Seine Eltern sind im Chor mit zwei weiter oben beschriebenen Tafeln vertreten.

Übersicht über die Genealogie:
Fett hervorgehoben sind die Herren über Crottorf, rot hervorgehoben sind die im Chor (6) und an der Westwand (1) von St. Sebastianus mit Totentafeln vertretenen Familienmitglieder.

Literatur, Links und Quellen:
Veröffentlichung der Photos aus dem Innenraum der Pfarrkirche mit freundlicher Genehmigung von Frau Pfarramtssekretärin Gertrud Bender vom 7.2.2018, wofür ihr an dieser Stelle herzlich gedankt sei
Genealogien: Prof. Herbert Stoyan, Adel-digital, WW-Person auf CD, 10. Auflage 2007, Degener Verlag ISBN 978-3-7686-2515-9
Lokalisierung in google maps:
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Sehenswürdigkeiten in Friesenhagen:
http://www.friesenhagen.eu/tourismus-kultur-vereine/sehensw%C3%BCrdigkeiten/
Jens Friedhoff: Die Familie von Hatzfeld - adelige Wohnkultur und Lebensführung zwischen Renaissance und Barock, Grupello Verlag 2004, ISBN 3-89978-025-6, erster Teil hier:
www.grupello.de/dateien/C025.pdf
Hatzfeld:
https://de.wikipedia.org/wiki/Hatzfeld_(Adelsgeschlecht)
Frhr. von Stumm: Closs, Deutscher Wappenkalender 1922
St. Sebastianus:
http://begegnung-im-netz.de/pages/st.-sebastianus-friesenhagen.php
St. Sebastianus:
http://www.kirchen-sieg.de/show.php?page=BarockkircheFriesenhagen

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