Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 1969
Heilbronn (Regierungsbezirk Stuttgart)

ev. Kilianskirche in Heilbronn, Kunigunda von Wöllwarth

Dieses an der Wand angebrachte, hochrechteckige Epitaph aus Bronze wird durch Leisten in fünf Felder eingeteilt. Das große Zentralfeld enthält eine großzügig die oberen beiden Drittel der Fläche einnehmende, erhaben gegossene Inschrift, und unten ist ein Ehewappen aus zwei zusammengestellten Vollwappen zu sehen. Oberhalb und unterhalb dieses zentralen Rechtecks sind Ornamentfelder. Die beiden Seiten der Platte werden in voller Höhe von je einem Feld mit Ahnenwappen eingenommen. Vier im barocken Stil gestaltete Wappenkartuschen befinden sich auf jeder Seite, oben und unten abgeschlossen von eingearbeiteten Ringen, die zusammen eine Aufhängung einer schweren Gruftplatte andeuten, hier jedoch ohne Funktion sind. Im Detail sind die Wappen eher zeittypisch unproportioniert dargestellt, und die Wiedergabe des Wöllwarth-Helmes ist direkt schlampig zu nennen.

     

Die Inschrift lautet: "HIER RUHET IN GOTT DIE WEILAND REICHS FREY HOCH WOHLGEBOHRNE FRAU FRAU KÖNIGUNDA MARGRETHA VON WÖLWART EINE SCHILLINGEN VON CANSTATT GEBOHREN DEN 18 IENNER ANNO 1698 GESTORBEN DEN 25 IUNI ANNO 1733 ICH LIGE UND SCHLAFFE GANZ MIT FRIDEN IM 4 PS V 9." Kunigunda Margaretha von Wöllwarth (18.1.1698-25.6.1733) war eine geborene Schilling von Cannstatt. Ihr Ehemann war Christoph Sigmund von Wöllwarth d. J. (29.8.1691-25.2.1725), Sohn von Christoph Sigmund von Wöllwarth d. Ä. und dessen Frau Henrietta Louise Schärtlin von Burtenbach, Herr zu Laubach, Leinroden, Waiblingen und Berg, württembergischer Grenadier-Hauptmann; er wurde nicht in Heilbronn, sondern in Leinroden begraben. Er wurde nur 33 Jahre alt. Kunigunda Margaretha war seine zweite Ehefrau (Heirat 1718), nachdem seine erste Frau, Maria Johanna von Wöllwarth (Heirat 1712), gestorben war. Kunigunda Margaretha war die Tochter von Wilhelm Ulrich Schilling von Cannstatt und dessen Frau Benigna Sophia von Wöllwarth aus dem Hause Lauterburg.

Das Wappen der zum schwäbischen Uradel gehörenden, aber auch in der fränkischen Reichsritterschaft vertretenen von Wöllwarth zeigt in Silber eine rote Mondsichel, die Spitzen nach oben gekehrt, auf dem Helm mit rot-silbernen Decken auf einem goldenen, bequasteten Kissen eine rote Mondsichel, die Spitzen nach oben gekehrt. Zugunsten des Kissens ist hier der Helm verkümmert (Siebmacher Band: Bad Seite: 83 Tafel: 50, Band: Bay Seite: 64 Tafel: 69, Alberti S. 1078, Scheiblersches Wappenbuch Folio 58). Das Wappen der schwäbischen Schilling von Cannstatt zeigt in Rot eine goldene Kanne mit Deckel, Tülle und Henkel, auf dem gekrönten Helm mit rot-goldenen Decken eine goldene Deckelkanne (Siebmacher Band: Band: Bad Seite: 14 Tafel: 10 , Band: OstN Seite: 186 Tafel: 125, Band: PrGfN Seite: 21 Tafel: 16, Band: ThüA Seite: 106 Tafel: 83, Band: Wü Seite: 11 Tafel: 14, siehe auch Erg Seite: 39 Tafel: 18, Scheiblersches Wappenbuch Folio 126). Unter den insgesamt acht Wappenschilden auf den seitlichen Feldern sehen wir einen weiteren Schild (optisch links ganz unten) für die Schilling von Cannstatt, und das Wappen der von Wöllwarth taucht zweimal auf (optisch unten rechts übereinander).

Zur Genealogie des Ehemannes, Christoph Sigmund von Wöllwarth II. (29.8.1691-25.2.1725), postum nach dem Tod seines Vaters geboren, nach Hans Wolfgang Bächle:

Eltern:

Großeltern:

Urgroßeltern:

Zur Genealogie der Ehefrau, Kunigunda Margaretha Schilling von Cannstatt (18.1.1698-25.6.1733), nach Carl Friedrich Schilling von Canstatt:

Eltern:

Großeltern:

Urgroßeltern:

1 Schilling von Cannstatt 3 Linder??? 5 von Wechmar? 9 Anweil -/- Speth von Zwiefalten?

Ururgroßeltern:

2 von Wöllwarth 4 von Wöllwarth 6 von Buttlar 10/12 von Fleckenstein ???

Noch ist die Zuordnung der einzelnen Schilde bis auf wenige eindeutige spekulativ, zumal die Schreibweise der Namen bei von Canstatt Raum für Interpretationen gibt. Oben ein erster Versuch zur Zuordnung. Hinweise zur weiteren Aufklärung willkommen.

Literatur, Links und Quellen:
Evangelische Kilianskirche Heilbronn: http://www.gemeinde.heilbronn-kilianskirche.elk-wue.de/
Kirchengemeinde:
http://www.gemeinde.heilbronn-kilianskirche.elk-wue.....gemeinde/
Ein herzliches Dankeschön an Herrn Pfarrer Hans-Jörg Eiding für die Publikationserlaubnis der Innenaufnahmen

Evangelische Kilianskirche Heilbronn:
http://de.wikipedia.org/wiki/Kilianskirche_%28Heilbronn%29
Siebmachers Wappenbücher wie angegeben
Scheiblersches Wappenbuch (Bayerische Staatsbibliothek Cod.icon. 312 c), Folio 58 und Folio 126
Biedermann, Geschlechtsregister Der Reichsfrey unmittelbaren Ritterschaft Landes zu Franken Löblichen Orts an der Altmühl,
http://books.google.de/books?id=KSZRAAAAcAAJ, Tafel 128
von Wöllwarth:
http://de.wikipedia.org/wiki/W%C3%B6llwarth
Wappen v. Wöllwarth:
http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/7/78/Siebmacher115-Welwart.jpg
Schilling:
http://www.schilling-verband.de/tl_files/documents/branches/south/sued_fambuch.pdf
Carl Friedrich Schilling von Canstatt, Geschlechts Beschreibung derer Familien von Schilling,
Schilling von Cannstatt:
http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Siebmacher112-Schilling_von_Canstatt.jpg
Schilling von Cannstatt:
http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Schilling_Scheibler126ps.jpg
Schilling von Cannstatt:
http://de.wikipedia.org/wiki/Schilling_von_Cannstatt
J. Siebmachers Grosses Wappenbuch Band E. Württembergisches Adels- und Wappenbuch. Im Auftrage des Württembergischen Altertumsvereins begonnen von Otto v. Alberti, Bauer & Raspe 1975 (Reprint)
Carl Friedrich Schilling von Canstatt: Geschlechts Beschreibung derer Familien von Schilling, S. 213, Tafel 75, online:
http://books.google.de/books?id=vOFDAAAAcAAJ und http://books.google.de/books?id=3CdLAAAAcAAJ, danach die Ahnen der Ehefrau
Hans Wolfgang Bächle: Das Adelsgeschlecht der Woellwarth, Einhorn-Verlag, Schwäbisch Gmünd, 2010, online:
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/baechle2010 bzw. Download: http://digi.ub.uni-heidelberg.de/cgi-bin/digi-downloadPdf.fcgi?projectname=baechle2010&zoom=3

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