Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 1191
Burgwindheim (Landkreis Bamberg, Oberfranken)

Heiligblutbrunnen

Der Heiligblutbrunnen ist ein auf allen vier Seiten offener barocker Pavillon aus Sandstein, der die1626 entdeckte heilkräftige Quelle zum hl. Blut umschließt (Blutbrunnenstraße, Nähe Kellerstraße). Das durch Bogenöffnungen und dorische Pilasterpaare gegliederte Brunnenhaus wurde 1690 durch Leonhard Dientzenhofer (1660-1707) errichtet. Der Brunnentrog wurde 1730 hergestellt. Das Dach besteht aus einer hohen achteckigen Kuppel mit Laterne. In unmittelbarer Nachbarschaft zum Brunnen befindet sich die 1594-1597 errichtete Heiligblut-Kapelle, ein bedeutender Wallfahrtsort im Steigerwald. Der Brunnen war lange Zeit öffentlich zugänglich, wurde aber vor kurzem geschlossen.

 

Die auf dem Gebälk umlaufende Inschrift lautet: "PVTEVS ISTE SALVTARIS / SVB AVSPICIIS D(OMINI) LVDOVICI / ABBATIS EBRACENSIS / XXX CONSTRVCTVS FVIT"- Dieser heilbringende Brunnen wurde unter der Aufsicht des Ebracher Abtes Ludwig errichtet. Diese Inschrift enthält ein Chronogramm: V + V + I + L + V + I + V + V + I + C + I + I + D + L + V + D + V + I + C + I + I + C + I + X + X + X + C + V + C + V + V + I = 5 + 5 + 1 + 50 + 5 + 1 + 5 + 5 + 1 + 100 + 1 + 1 + 500 + 50 + 5 + 500 + 5 + 1 + 100 + 1 + 1 + 100 + 1 + 10 + 10 + 10 + 100 + 5 + 100 + 5 + 5 + 1 = 1690. Rätselhaft ist das Vorkommen der Zahl XXX - es war der 43. Abt, er war in seinem 50. Lebensjahr und in seinem 4. Amtsjahr, man hatte die Quelle vor 64 Jahren entdeckt - nichts paßt also, aber man brauchte entweder einfach diese XXX, um das Baujahr des Chronogramms zu erreichen, oder man hat damals die Äbte anders gezählt.

Auf der Westseite befindet sich diese Kartusche (Abb. oben) mit einer Darstellung des heiligen Blutes, das im Bogen aus den Wunden Christi in zwei Kelche fließt. Im unteren Teil ist die Kartusche stark beschädigt. Das Schriftband nennt "CONFRATERN(ITAS) S(ANCTI)S(SIMA) SANGUIN(IS) IN BURGWIN(D)H(EIM)" - Bruderschaft zum heiligen Blut in Burgwindheim. Pater Josephus Agricola gründete 1649 unter dem Abt Peter Scherenberger die Corporis-Christi-Bruderschaft zu Burgwindheim, welche ein Jahr später in die Erzbruderschaft Corporis-Christi in St. Peter zu Rom eingegliedert wurde.

Der aus Oberschwarzach stammende 43. Abt des Klosters Ebrach, Ludwig Ludwig (lebte 5.9.1640-23.5.1696, amtierte 1.12.1686-1696), hat sich mit seinem Wappen (Abb. unten) auf der Südseite verewigt. Die Kartusche ist gespalten, rechts sieht man das redende Motiv der Abtei Ebrach mit dem rückwärtsgewendeten schwarzen Eber in rotem (so innerhalb der Klosterkirche, oder grünem, so am Schwabacher Rathaus und in einem alten Stich) Feld, welcher im Maul einen Krummstab (Abtsstab) hält und so die die Gründungslegende symbolisiert, nach der das Kloster dort gegründet worden sei, wohin ein Eber den Krummstab des Abtes geschleppt habe. Hier ist das Motiv gewendet. In der heraldisch linken Spalthälfte sieht man das persönliche Wappen des Abtes, eine schrägrechtsgestellte Feder ist zwischen zwei schräggekreuzten, sich oben wieder überkreuzenden Palmzweigen hindurchgesteckt, oben links befindet sich ein sechszackiger Stern, unten rechts eine Kugel. Die Tinkturen sind nicht bekannt. Der Wappenstein ist insbesondere im Bereich des Ebers bereits stark angegriffen. Auf dem oberen Rand der Kartusche befindet sich die Inful, schräggekreuzt hinter der Kartusche sieht man zwei Krummstäbe. Dieser Brunnen ist der einzige Fundort für ein Wappen dieses Abtes, denn obwohl er es war, der den Neubau der Abtei in Ebrach initiiert hatte, verewigten sich dort seine Amtsnachfolger.

Zur Übersicht ein Ausschnitt aus der Ebracher Äbteliste unter Hervorhebung des mit einem bauplastischen Wappen vertretenen Abtes:

Literatur, Links und Quellen:
Lokalisierung auf Google Maps: https://www.google.de/maps/@49.8280515,10.5974434,18.92z - https://www.google.de/maps/@49.828047,10.5974331,143m/data=!3m1!1e3
Liste der Baudenkmäler in Burgwindheim:
https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Baudenkm%C3%A4ler_in_Burgwindheim
Gerd Zimmermann: Ebrach, in: Wolfgang Brückner, Jürgen Lenssen (Hrsg.): Zisterzienser in Franken, das alte Bistum Würzburg und seine einstigen Zisterzen, Kirche, Kunst und Kultur in Franken Bd. 2, Würzburg 1991, 77-82.
Wigand Weigand, Anton Ruland: Geschichte der Fränkischen Cisterienser Abtei Ebrach, Krüll, 1834, 142 S., online:
https://books.google.de/books?id=nv1EAAAAYAAJ und https://books.google.de/books?id=qhkFAAAAcAAJ
Wolfgang Wiemer: Zisterzienserabtei Ebrach, Geschichte und Kunst, Großer Kunstführer Schnell & Steiner Bd. 177, 1. Auflage 1992, ISBN 3-7954-0852-0
Hildegard Weiss: Die Zisterzienserabtei Ebrach, eine Untersuchung zur Grundherrschaft, Gerichtsherrschaft und Dorfgemeinde im fränkischen Raum (Quellen und Forschungen zur Agrargeschichte), Lucius & Lucius Verlag, 1962, ISBN-10: 3828250564, ISBN-13: 978-3828250567, 147 S.
https://books.google.de/books?id=7u4FXtkoG-QC
Wigand Weigand, Anton Ruland: Geschichte der Fränkischen Cisterienser Abtei Ebrach, Krüll, 1834, 142 S.
https://books.google.de/books?id=qhkFAAAAcAAJ - https://books.google.de/books?id=nv1EAAAAYAAJ
Elke Goez: Das Zisterzienserkloster Ebrach in seiner fränkischen Umwelt, Sonderdruck aus dem 98. Jahrbuch des Historischen Vereins für Mittelfranken 1996/99
www.mgh-bibliothek.de/dokumente/b/b044741.pdf
Liste der Ebracher Äbte:
https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Äbte_von_Ebrach
Über Ebrach und seinen Besitz:
https://www.bayerische-staatszeitung.de/staatszeitung/unser-bayern/detailansicht-unser-bayern/artikel/stilles-zentrum-mit-strahlkraft.html
Abt Ludwig Ludwig:
https://de.wikipedia.org/wiki/Ludwig_Ludwig
Burgwindheim:
https://www.steigerwald-info.de/steigerwald/orte/ort/burgwindheim/

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