Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 427
Bamberg (Oberfranken)

Curia Sancti Lamperti

Die Curia Sancti Lamperti in der Domstraße 5 ist ein ehemaliger Domherrenhof, der heute als Dompropstei Sitz verschiedener kirchlicher Institutionen und Büros ist. Im Vorderhaus befinden sich rechts der Tordurchfahrt die Einrichtungen für das Diözesan-Erwachsenenbildungswerk im Erzbistum Bamberg, für die liturgische Bildung und für die katholische Erwachsenenbildung im Erzbistum Bamberg e. V. Links der Tordurchfahrt liegt ein großer Konferenzraum.

An das Vorderhaus grenzt rechts nur ein kurzer Seitenflügel an, bevor ein Versatz zur Bebauung der Nachbarparzelle erfolgt, links jedoch ein bis zum Haupthaus reichender Verbindungsbau, in dem die Beratungsstelle Frauenhaus zu finden ist, weiterhin die Familienpflegestation des katholischen Frauenbundes und die Stabsstelle für die diözesane Entwicklung. Diese Nebengebäude stammen alle aus dem 18. Jh., bergen aber innerlich noch Reste spätmittelalterlicher Bausubstanz.

Das Vorderhaus der Curia St. Lamperti besitzt einen verkröpften Segmentbogengiebel mit dem Wappen der von Greiffenclau-Vollraths. Der Schild ist geviert, Feld 1 und 4: silbern-blau geteilt, darüber ein goldenes Glevenrad (Stammwappen Greiffenclau), Feld 2 und 3: in Schwarz ein silberner Schräglinksbalken (Herrschaft Ippelbrunn). Zu blau-silbernen oder rechts blau-silbernen, links schwarz-silbernen Decken wird eine goldene Greifenklaue mit silbern-blauer Befiederung geführt. Hier außen am Tor ist das Wappen nicht farblich gefaßt.

Die Familie von Greiffenclau zu Vollraths ist ein uraltes rheinisches Rittergeschlecht im Dienste der rheinischen Stifte. Seit 1337 sind sie als Besitzer von Vollraths (Vollrads) nachgewiesen. Durch Heirat kamen weitere Güter hinzu, so um die Wende zum 15. Jh. durch Heirat der Erbtochter die Herrschaft Ippelbrunn, worauf der Schild wie oben erwähnt geviert wurde. Im 18. Jh. kamen die Güter der Freiherren von Dehrn hinzu, ebenfalls durch Heirat. Weiterer Grundbesitz liegt in Franken, v. a. im Kanton Baunach, mit Schloß in Gereuth. Den Domkapiteln waren die Greiffenclau zu Vollraths sehr verbunden, allein in Würzburg stellten sie zwischen 1666 und 1805 vierzehn Mitglieder desselben. Ähnlich aktiv sind sie in den Hochstiften Mainz, Speyer, Trier, Worms, Bamberg. Nach der Reformation blieben die Greiffenclau zu Vollraths den Stiften treu und erlangten noch einen Bedeutungszuwachs, indem sie viele vakant gewordene Stellen einnahmen. Bedeutende Vertreter der Familie sind Richard von Greiffenclau, Erzbischof zu Trier (1511-1531), Georg Friedrich von Greiffenclau, Fürstbischof in Worms (1616-1629) und Mainz (1616-1629), Johann Philipp II. von Greiffenclau, Fürstbischof in Würzburg (1699-1719) sowie in gleicher Position Karl Philipp von Greiffenclau (1749-1754). Mit Johann Erwein Freiherr von Greiffenclau zu Vollraths hat die Familie einen Erbtruchseß des Erzbistums Mainz, er stieg zum kurmainzischen Geheimrat und Vicedomus im Rheinland auf, weiterhin war er Ritterhauptmann im Kanton Mittelrhein und Burggraf zu Friedberg (gest. 1727). Das Geschlecht erlosch 1860 im Mannesstamme. Sophie von Greiffenclau zu Vollraths heiratete Hugo Graf Matuschka von Topolczan, Freiherr von Spätgen, beider Wappen wurden 1862 vereinigt. Das Stammgut Volrads war bis vor wenigen Jahren noch in Familienbesitz.

Im rückwärtigen Haupthaus, das seinen Eingang mittig in gerader Flucht der Vorderhausdurchfahrt hat, liegt das Büro des Weihbischofs. Der langgestreckte, zweigeschossige Satteldachbau wurde vermutlich nach Plänen von Johann Leonhard Dientzenhofer erbaut. Die Mittelachse mit dem Hauptportal ist durch einen Segmentbogengiebel im Erdgeschoß und einen über die Traufkante nach oben reichenden Dreiecksgiebel sowie durch Fugenrustika der seitlichen Pilaster akzentuiert. Die Fenster des Obergeschosses besitzend alternierend dreieckige und segmentbogige Giebel. Der Bau ist auf 1706 datiert und birgt im Innern eine Kapelle mit bauzeitlicher Ausstattung.

Im nur leicht verkröpften Segmentbogengiebel des Erdgeschosses erscheint erneut das Wappen der von Greiffenclau zu Vollraths. Hier ist es farbig gefaßt und wird von zwei goldenen, widersehenden Greifen gehalten. Unter dem Wappen ist folgende Inschrift zu lesen: "ISTAS FVNDITVS EREXIT FRANCISCVS FRIDERICVS LIB. BA. GREIFENGLAV IN VOLRATHS CANONICVS BABEBERGENSIS." - Diese (Bauwerke)  hat von Grund auf errichtet Freiherr Franz Friedrich von Greiffenclau zu Vollraths, Bamberger Domherr. Dazu birgt die Inschrift noch ein Chronogramm, denn I + V + D + I + V + X + I + C + I + C + V + I + D + I + C + V + L + I + I + L + V + I + V + L + C + I + C + V + I = 1 + 5 + 500 + 1 + 5 + 10 + 1 + 100 + 1 + 100 + 5 + 1 + 500 + 1 + 100 + 5 + 50 + 1 + 1 + 50 + 5 + 1 + 5 + 50 + 100 + 1 + 100 + 5 + 1 = 1706.

Die Person des Bauherrn läßt sich als Franz Friedrich von Greiffenclau zu Vollraths (22.11.1666-24.10.1729) identifizieren. Er war der Sohn von Georg Philipp Freiherr von Greiffenclau zu Vollraths (20.8.1620-6.7.1689) und dessen zweiter Frau, Anna Margaretha von Buseck (-8.12.1696). In erster Ehe hatte der Vater Rosina von Oberstein (1623-20.5.1658) geheiratet. Der Vater war kurmainzischer Geheimrat und Oberamtmann der Grafschaft Königstein. Er wurde am 7.5.1664 Reichsfreiherr. Der Vater ist als Genealoge bekannt geworden, der viele der von Humbracht veröffentlichten Stammtafeln rheinischer und hessischer Geschlechter gesammelt hatte. Der Bamberger Domherr hatte berühmte Geschwister: Sein Halbbruder Johann Philipp wurde Fürstbischof von Würzburg, und sein Bruder Johann Erwein wurde Burggraf zu Friedberg. Franz Friedrich wurde 1681 Domherr zu Bamberg, außerdem war er 1715-1718 und 1723-1726 Domherr zu Würzburg und noch Chorherr zu St. Burkard in Würzburg.

Ein zweites, wesentlich späteres Wappen befindet sich genau obendrüber, im Dreiecksgiebel der Mittelachse. Die Inschrift lautet "WIHELMUS SRI COMES A SICKINGEN / ECCLES EYSTET BAMB CATH WIRCEB CANONI / SACRAE CESAREAE MAIES CONSIL INTIM ACT / RESTAURAVIT / MDCCLXXV". Hier steht zwar "MAIFS", gemeint ist aber "MAIES", evtl. ein Restaurierungsfehler. Die vielen Abkürzungen sind wie folgt zu ergänzen: WI(L)HELMUS S(ACRI) R(OMANI) I(MPERII) COMES A SICKINGEN ECCLES(IARUM) EYSTET(TENSIS) BAMB(ERGENSIS) CATH(EDRALIS) WIRCEB(URGENSIS) CANONI(CUS) SACRAE C(A)ESAREAE MAIES(TATIS) CONSIL(IARIUS) INTIM(US) ACT(UARIUS) RESTAURAVIT MDCCLXXV, zu deutsch: Wilhelm von Sickingen, Graf des Heiligen Römischen Reiches, Domherr der Kirchen von Eichstätt, Bamberg und der Kathedrale von Würzburg, Geheimer Rat seiner Heiligen Kaiserlichen Majestät und Geschäftsführer, hat (dieses Gebäude) 1775 wiederhergestellt.

Das Wappen der Grafen von Sickingen zeigt innerhalb eines roten Bordes (Charakteristikum der Swigger-Linie) in Schwarz fünf (2:1:2) silberne Kugeln. Eine neunperlige Rangkrone zeigt den Grafenstand an. Auf ein Oberwappen wird verzichtet, statt dessen wird ein roter, hermelingefütterter Wappenmantel geführt, der beiderseits mit goldener Schnur hochgerafft ist. Die Familie erfuhr mehrere Grafenstandserhebungen im 18. Jh. Bei dem Bauherrn handelt es sich um Wilhelm Friedrich Johann Philipp Graf zu Sickingen (7.9.1739-27.2.1818), Sohn von Carl Anton Joseph Johann Damian Graf zu Sickingen-Eltschowitz (16.7.1702-4.1.1785) und Maria Antonia Charlotte Josepha Gräfin von Seinsheim (1711-16.3.1747), der eine steile Karriere als Mainzer Staats- und Konferenzminister (1775-1782), kaiserlicher Wirklicher Geheimer Rat und ab 1794 als kaiserlicher Minister hinlegte. Seine Domherrenstellen waren für ihn de facto nur Pfründen und Versorgungsstellen: Seit 1756 war er in Bamberg Domherr, 1751-1788 in Würzburg. Viel interessanter waren jedoch für ihn Wiener politische Geschäfte für Maria Theresia und Kaiser Joseph II., und sein Wappen war in Bamberg präsenter als die Person.

Wilhelm Friedrich Johann Philipp Graf zu Sickingen ist bekannt für eine besondere "Geschichte": Zusammen mit seinem Bruder Carl Heinrich entmündigte er den Vater, der das Familienvermögen für alchemistische Experimente verbrauchte, und gemeinsam hielten sie ihn unter Hausarrest. Diese Umstände fanden ihren literarischen Widerhall in Schillers Drama "Die Räuber", und die erfolgreiche Uraufführung fiel zeitlich und vermutlich auch kausal mit seinem Abschied aus Mainz zusammen.

Literatur, Links und Quellen:
Lokalisierung auf Google Maps: https://www.google.de/maps/@49.8905712,10.8811474,18.48z - https://www.google.de/maps/@49.8905071,10.8810348,95m/data=!3m1!1e3
Baudenkmäler in Bamberg:
https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Baudenkm%C3%A4ler_in_Bamberg/Domberg
auf Bamberga:
http://www.bamberga.de/dompropstei_abkuerzung_lib_ba.htm
Greiffenclau:
https://de.wikipedia.org/wiki/Greiffenclau
Sickingen:
https://de.wikipedia.org/wiki/Sickingen_(Adelsgeschlecht)
Bamberger Domherrenhöfe:
http://www.domberg-bamberg.de/highlights/domherrenhoefe/
Hinweistafel am Objekt
Genealogien: Prof. Herbert Stoyan, Adel-digital, WW-Person auf CD, 10. Auflage 2007, Degener Verlag ISBN 978-3-7686-2515-9
Wilhelm von Sickingen:
https://www.alte-uni-mainz.de/biographien-universitaetsmitglieder/wilhelm-friedrich-graf-von-sickingen.html

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