Bernhard Peter
Galerie: Photos schöner alter Wappen Nr. 1121
Bamberg (Oberfranken)

Curia Sti. Laurentii, Domplatz 3 (Redwitz-Hof)

Dieser ehemalige Domherrenhof der Familie von Redwitz liegt ganz im Südosten des Domplatzes, hart an der Stützmauer des Domberges zum Vorderen Bach. Zur Nachbarkurie gibt es einen Versatz in Breite des Torhauses. Zum Domplatz hin befindet sich dahinter nur eine Abschlußmauer mit einer hölzernen Verbindungsgalerie dahinter, die zu einem eckständigen Treppenturm führt. Die eigentlichen Wohngebäude östlich und südlich des rechteckigen Innenhofes. Der älteste Teil ist die um 1200 entstandene Laurentiuskapelle. Die Wohngebäude, die noch der alten Domburgmauer aufsitzen, sind im Kern spätmittelalterlich. Der östliche Wohntrakt ist neuer, auch wenn die Formen der deutschen Renaissance benutzt werden, ist das ein historistischer Bau aus dem Jahre 1903. Heute wird die gesamte Baugruppe der Curia Sti. Laurentii vom erzbischöflichen Ordinariat genutzt.

 

Die Toreinfahrt ist 1605 erbaut worden. Die rundbogige Durchfahrt wird von einer Ädikularahmung eingefaßt. Stilistisch später ist der in den gesprengten Dreiecksgiebel eingesetzte Wappenstein. Einerseits hat die Kartusche noch Rocaille-Formen, andererseits ist um das Ganze eine Girlande gelegt, die an ein sehr spätes 18. Jh. als Entstehungszeit denken läßt. Zeittypisch nachlässig ist auch gegenüber der Blickrichtung des Helmes um 90° verdrehte Helmzier; eine Helmdecke fehlt; der Helm ist viel zu klein und am Hals zu eng und paßt proportional nicht zur Schildkartuschengröße. Das zentrale Wappen ist das der von Redwitz, im hier achtmal blau-silbern geteilten (normalerweise eine Teilung weniger) Schild ein roter Wellenschrägbalken (Schraffur stimmt hier nicht mit der üblichen Farbcodierung überein), auf dem Helm mit rot-silbernen Decken ein wachsender roter Einhornrumpf.

Drei fränkische Familien führen das gleiche oben beschriebene Wappen: Redwitz, Marschall von Ebnet und Marschall von Kunstadt. Diese Familien stammen alle aus Oberfranken und sind eines Stammes, der schon ziemlich früh in diese drei Familien divergiert ist. Fast scheint es so, als sei es eine Familie, die zu verschiedenen Zeiten unterschiedliche Namen benutzte. Die Familie von Redwitz ist benannt nach dem Ort Redwitz am Fluß Rodach. Die Mitglieder der Familie waren treue Vasallen der Markgrafen von Brandenburg-Kulmbach. Die Marschall von Kunstadt hatten das Marschallamt der Bamberger Fürstbischöfe inne. Die von Redwitz hatten hohe Positionen in den geistlichen Fürstentümern Frankens inne und stellten viele Mitglieder der Domkapitel in Bamberg und Würzburg. Mit Weigand von Redwitz stellten sie einen Fürstbischof von Bamberg (1522-1556). Die Herren von Redwitz waren reichsunmittelbar. Die Bestätigung des Freiherrenstandes erfolgte 1816.

Außen sieht man insgesamt vier Schildkartuschen einer Ahnenprobe. Heraldisch oben rechts wiederholt sich der Schild der von Redwitz. Rechts unten ist die Schildkartusche der Waldbott von Bassenheim zu sehen, rot-silbern zwölfmal geständert. Links oben folgt die Kartusche für die von Guttenberg, in Blau eine goldene Rose, und als letztes sehen wir das Motiv der Speth von Zwiefalten, in Rot drei schräggestellte silberne Schlüssel.

Wenn wir diesen Ahnen eine Genealogie zuordnen wollen, gibt es ein Problem: Es gibt keine Verbindung zwischen einem von Redwitz und einer Waldbott von Bassenheim. Das Ganze ergibt nur dann einen Sinn, wenn wir die beiden unteren Schildkartuschen als vertauscht annehmen. Carl Christoph von Guttenberg-Steinenhausen (18.3.1659-9.5.1719) zu Kühlenfels und Kirchlauter, fürstbischöflich würzburgischer Rat und Oberamtmann zu Waldaschaff, hatte Maria Anna Antonie Waldbott von Bassenheim (2.3.1669-5.12.1742) zu Olbrück geheiratet. Deren Tochter Maria Rosina Theresia von Guttenberg-Steinenhausen (13.5.1701-) zu Kühlenfels hatte Carl Sigismund Philipp von Redwitz (29.7.1687-1742) zu Redwitz, Küps, Theisenorth und Schmölz geheiratet, den Sohn von Georg Friedrich von Redwitz (21.3.1633-) und Maria Elisabeth Speth von Zwiefalten zu Hemsendorff. Für ihn war es die zweite Ehe. Mit dieser Genealogie haben wir väterlicherseits Redwitz und Speth, mütterlicherseits Guttenberg und Waldbott von Bassenheim, also im Vergleich zum Wappenstein in Bezug auf die beiden unteren Schilde überkreuz.

Carl Sigismund von Redwitz und Maria Rosina Theresia von Guttenberg hatten drei Söhne: Wilhelm Casimir Carl von Redwitz (7.8.1729-) wurde Deutschordensritter, Komtur in Namslau und Hauskomtur zu Freudenthal. Er kommt also hier nicht in Frage. Der zweite Sohn war Carl Franz Wilhelm Gottfried Ernst von Redwitz (13.1.1731-), und der dritte Sohn war Ludwig Bernhard Wilhelm Johann Joseph von Redwitz (17.1.1736-), und dieser dritte wird 1779 als Domherr in Bamberg genannt. Vermutlich steht er in Zusammenhang mit diesem Wappenstein.

 

Diese seitlich am Torhaus angebrachte Tafel erinnert zwar an Martin von Schaumberg, Dompropst zu Eichstätt (Deckenfeld im Mortuarium, siehe dort) und Domherr zu Bamberg und Würzburg 1605, ist aber eine Arbeit des 20. Jh. In der rechten unteren Ecke ist das Meisterzeichen angebracht mit den Initialen "AB" und der Jahreszahl 1942, wobei das Steinmetzzeichen zeittypisch drei Schenkel eines Hakenkreuzes und unten einen Schaft mit vorderer Fußstrebe besitzt. Das zentrale Schaumberg-Wappen ist geviert, Feld 1 und 4: typischerweise von Silber, Rot und Blau halbgespalten und geteilt (Stammwappen von Schaumberg), auch andere Reihenfolgen der Farben vorkommend, Feld 2 und 3: vermehrtes Wappen von Sonneberg, gespalten, rechts in Gold eine schwarze Schafschere (Stammwappen von Sonneberg), links in Rot ein silberner Sparren (verschiedene Theorien: von Sparneck, von der Deck, keine bewiesen). Dazu werden zwei Helme geführt, Helm 1 (rechts): ein wachsender Mannesrumpf (Heidenrumpf), der Kopf mit einer gestulpten Spitzmütze bedeckt, an der Spitze mit schwarzen Hahnenfedern besteckt, Helmdecken rot-silbern/blau-silbern oder schwarz-silbern (Stammkleinod von Schaumberg). Helm 2 (links): ein Drehgatter (auch Bratrost oder Egge genannt) auf einem verlängerten mittleren Drehpfahl, oben besteckt mit drei goldenen Kugeln (Äpfeln), die wiederum mit drei schwarzen Hahnenfedern besteckt sind. Helmdecken schwarz-golden (Kleinod von Sonneberg). Die Tingierung ist erheblichen Variationen unterworfen (siehe Kommentar im Kapitel Strössendorf).

Optisch links (Reihe Abb. oben) sehen wir vier väterliche Ahnenwappen, von oben nach unten von Schaumberg (typischerweise von Silber, Rot und Blau halbgespalten und geteilt), von Redwitz (im hier achtmal silbern-blau geteilten Schild ein roter Wellenschrägbalken), von Eyb (in Silber drei (2:1) rote Pilgermuscheln) und von der Tann (in Rot eine silberne, mit dem Rücken nach oben gekrümmte Forelle). Optisch rechts (Reihe Abb. unten) sehen wir vier mütterliche Ahnenwappen, von oben nach unten von Wiesenthau (In Gold oder Silber ein roter Rautenpfahl), von Bibra (in Gold ein schwarzer Biber mit geschupptem Schwanz), von Redwitz (im hier achtmal silbern-blau geteilten Schild ein roter Wellenschrägbalken) und von Herbilstadt (silbern-rot im Spitzenschnitt gespalten).

Doch hier stimmen nur die jeweils beiden oberen Wappenpaare. Martin von Schaumberg (1550-16.8.1613) zu Enesthurn und Kauldorff, seit 1561 Domherr in Bamberg, außerdem Domherr in Würzburg und Augsburg und Dompropst in Eichstätt, war der Sohn von Johann Ludwig von Schaumberg (-1584) zu Unterlauterbach und Aurelia (Amalia) von Wiesenthau (-1596). Die Großeltern väterlicherseits waren Egenolph von Schaumberg zu Schaumberg, Knoch, Enesthurn, Schney, Leiterbach und Effelter und Gertraud (Gertrud) von Redwitz. Die Großeltern mütterlicherseits waren Wolf Christoph von Wiesenthau und Sibylla von Bibra. Soweit stimmt das mit den Wappen auf der Tafel überein.

Die Urgroßeltern väterlicherseits waren Georg von Schaumberg, Anna von Redwitz, Martin von Redwitz und Margareth von Eyb. Die Urgroßeltern mütterlicherseits waren Wilhelm von Wiesenthau, Anna Förtsch von Thurnau, Valentin von Bibra und Brigitta von Herbilstadt. Diese Abfolge stimmt nicht mehr mit der Tafel überein. Richtig müßten hier optisch links Schaumberg, Redwitz, Redwitz und Eyb übereinanderstehen, optisch rechts Wiesenthau, Bibra, Förtsch und Herbilstadt - genauso wie es an seinem bronzenen Epitaph in der Nagelkapelle (Ostwand, nördlich neben der nördlichen Tür) auch zu sehen ist, dem im Zweifelsfall mehr Glauben zu schenken ist als dem Chaos bei Biedermann.

Blick vom Innenhof auf das Torhaus und die Verbindungsgalerie

Redwitz-Wappen an Brüstung
Es lohnt sich, einmal ganz um diese Kurie herumzugehen, vor allem auch am Fuß des Domberges: An der Kreuzung von Karolinenstraße und Roppeltsgasse befindet sich an einer zur Kurie gehörenden Mauerecke ein Redwitz-Wappen, stilistisch Rokoko mit stark verzerrter asymmetrischer Rocaille-Kartusche, einem mit Rosenblüten besetzten Rahmen aus geschweiften Elementen und typisch zu klein geratenem Oberwappen.

Domplatzbrüstung
Nicht zur Kurie gehörend, aber gleiche Familie: Ein weiteres, stark beschädigtes Redwitz-Wappen befindet sich an der Balustrade, die den Domvorplatz zur ansteigenden Straße hin abstützt, eingepaßt zwischen zwei Maßwerkfelder. Das Wappen ist beschädigt, die Bügel des Bügelhelmes fehlen, desgleichen Gesicht und Horn des Einhornes, aber die Proportionen sind erheblich besser als bei dem Wappen an der Redwitz-Kurie, die schräg gegenüber liegt.

Literatur, Links und Quellen:
Lokalisierung auf Google Maps: https://www.google.de/maps/@49.8904875,10.8840914,18.75z - https://www.google.de/maps/@49.8905701,10.8841289,63m/data=!3m1!1e3
Liste der Baudenkmäler:
https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Baudenkm%C3%A4ler_in_Bamberg/Domberg
Genealogie Guttenberg: "Die Künßberg Saga" von D. Frhr. v. Künßberg
https://gw.geneanet.org/frhrvk?lang=en&n=von+guttenberg&oc=0&p=maria+rosina+theresia
Genealogie Redwitz: "Die Künßberg Saga" von D. Frhr. v. Künßberg
https://gw.geneanet.org/frhrvk?lang=en&pz=alram+sonnwin+eberhardt+heinrich&nz=von+kunszberg&ocz=0&p=carl+sigismund+philipp&n=von+redwitz
Genealogie Redwitz: Deutsche Adelsproben aus dem Deutschen Ordens-Central-Archive, Band 2 herausgegeben von Leopold Nedopil -
https://books.google.de/books?id=Q60TAAAAYAAJ&pg=PA91
Genealogie Redwitz: Damian Hartard von Hattstein: Die Hoheit des Teutschen Reichsadels, S. 390
https://books.google.de/books?id=RANSAAAAcAAJ&pg=PA390
Genealogie Martin von Schaumberg: "Die Künßberg Saga" von D. Frhr. v. Künßberg
https://gw.geneanet.org/frhrvk?lang=en&n=von+schaumberg&oc=2&p=martin
DIO 5, Die Inschriften der Nagelkapelle am Bamberger Dom, Nr. 50 (Julia Karg, Christine Steininger, Ramona Baltolu, Tanja Kohwagner-Nikolai.), in:
www.inschriften.net, urn:nbn:de:0238-dio005m001k0005002 - http://www.inschriften.net/bamberg-dom-nagelkapelle/inschrift/nr/dio005-0050.html#content

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